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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 3.–4. 2003
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Aus presse und internet

2003-04-26

: Anguilla dermoglissum. Zürcher Unterländer, , s. 15 (467 wörter)
Die Regel sagt nämlich, dass bei zusammengefügten Wörtern immer alle Buchstaben zu schreiben seien, auch wenn drei gleiche Buch­staben hintereinander treffen. Leider ist das noch nicht überall durch­gedrungen. Auch beim Zürcher Regierungsrat nicht. Der behauptet nämlich — und hat das der Weltpresse per Dekret sogar verordnen wollen — dass das Tal, durch welches die Glatt fliesst, «Glattal» heissen müsse. Da irrt er sich aber. Denn das «Glatt-Tal» ist kein Name, sondern eine geografische Bezeichnung für eine geo­morphologische Formation. […] Wie trennt man eigentlich «Glattal»?

2003-04-25

neu Wohltuend zeitlos. Hans Kriegers „Wortschritte“. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , s. 9, Kultur (288 wörter)
Ob er über Cezanne, die Kultur australischer Ureinwohner oder Fragen der Pädagogik schreibt, über Gentechnik, das Theater oder die Rechtschreibreform – immer wird sofort klar, dass und warum das, wovon da die Rede ist, uns ganz direkt etwas angeht.
neu : Balsam auf die Seele eines Lesers. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , s. 18, Vermischtes (291 wörter)
Der Beitrag von Hans Krieger (in der Bayerischen Staatszeitung Nr. 12 vom 21. März 2003) zum Thema Rechtschreibreform ist wieder einmal Balsam auf die Seele eines Lesers, der offenbar zu bewußt mit dem Lesestoff umgeht und sich deshalb tagtäglich über die ihm gebotene Kost nach der Kulturschande der staatlich verordneten Rechtschreibreform ärgert.

2003-04-23

: Der Kompromiss. Winkt jetzt der Rechtschreibfrieden? Basler Zeitung, , nr. 94, s. 39, Feuilleton (522 wörter)
So darf nun gestaunt werden über den erstaunlichen Pluralismus einer Akademie, die sich vor einiger Zeit noch als böse polemisierender Gralshüter der alten Orthographie exponierte. Nach langen Jahren hysterischen Gefuchtels gegen die Rechtschreib­reform hat man sich in Darmstadt klamm­heimlich zu einem «Canossagang» entschlossen. Oder eben — nach alter Schule — zu einem «Kanossagang».

2003-04-22

Von Roten Riesen und einigen Schwarzen Löchern ... Kalla Wefel konnte mit seinem neuen Kabarett­programm „Klingelts endlich!“ in der Bad Nauheimer Brasserie „Überflieger“ nicht überzeugen. Kreis Anzeiger, , Lokales
Eingebettet in die Szenerie eines Klassenzimmers wollte Kalla Wefel beispielsweise die PISA-Studie […] auf die Spitze nehmen. Wie die Deutschen von Platz 22 der Rangliste der sprachlichen Fähigkeiten auf Platz 1 vorstoßen könnten? Nun, in dem sie endlich die Klein­schreibung übernähmen, das Zusammen- und Getrennt­schreiben bestimmter Wörter überdächten und, schließlich, wenn sie immer an den Stellen im Satz ein Komma setzen würden, an denen sie innerlich atmeten. Wer das witzig oder scharf­sinnig findet, nun gut.
: Plädoyer für die zweitbeste Lösung. Eine Verteidigung der Akademie. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Literatur (854 wörter)
Unser Grundsatz war, von der neuen Schreibung nicht nur zu übernehmen, was sinnvoll, sondern auch was ohne nennens­werten Schaden hinnehmbar ist. Das empfiehlt sich angesichts der Macht­verhältnisse. Andererseits sollten alle gravierenden Mängel dieser Schreibung deutlich bezeichnet und zurückgewiesen werden. […] Daß über Einzel­heiten gestritten werden kann, versteht sich bei einer so komplizierten Materie von selbst. Dennoch lehnt Theodor Ickler das Projekt in Bausch und Bogen ab. Aber so einfach sind die Dinge nicht. […] Doch sollte man sich bei diesen Einzelheiten nicht aufhalten, stehen wir doch vor der Frage, ob man auf das Wunder hoffen soll, die bewährte Schreibung erlange wieder allgemeine Gültigkeit. Wie soll das gehen? Gewiß ist es nur allzu verständlich, daß viele mit guten Gründen an der so bewährten alten Schreibung hängen. Mir geht es genauso […].
: Mit Hacks auf dem Sofa. Thüringer Allgemeine, , Kultur
Auf fünfzehn Bände nämlich beläuft sich die Ausgabe von Peter Hacks: "Werke". […] Wer sich in Deutschland mit Kunst und Literatur einlässt, wer Dramen rezensieren oder Verse verfassen will, wer über die Bühnen des Landes räsonieren oder die neueren Unregeln der Recht­schreibung bewerten will — der wird an Hacks nicht vorbeikommen.

2003-04-17

: Letzte, letzter. Wörterbuch. Frankfurter Rundschau, , Deutschland
Zu guter Letzt — dass das so geschrieben wird, will die Rechtschreibreform — ist es dann Leipzig geworden.

Welche rechtschreibreform? Die von 1903?

: Orthografische Notbremse. Zwischenruf. Hamburger Abendblatt, , Hamburg
Habe im privaten Schriftverkehr penetrant weiter "daß", "muß" und "Imbiß" geschrieben. Aber wenn man täglich im Beruf "dass" und "muss" schreiben muss, brennt sich das Schriftbild mit der Zeit ins Gehirn. So bin ich inzwischen gegen meinen Willen mit einer orthografischen Berufskrankheit gestraft — dem Zwang, Schilder im öffentlichen Raum korrigieren zu wollen. […] "Mißbrauch strafbar". Ich lass es dann aber doch und sage mir: Bei der Bahn hat halt alles Verspätung, sogar die Rechtschreibreform.

2003-04-16

: Ein Schaffhauser mit Professur in Jena. Peter Gallmann: Karrieresprung. Schaffhauser Nachrichten, , 142. jg., nr. 89, s. 19, Region (255 wörter)
Dank seiner umfassenden Kenntnisse wurde er 1986 von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) als einer der drei Schweizer Vertreter in den Internationalen Arbeitskreis zur Reform der deutschen Rechtschreibung berufen.
: Abwesenheit von Qualität. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Leserbriefe (181 wörter)
Diese Akademie passt perfekt zu der mittlerweile in vielen Sparten unseres Lebens – Politik, Wirtschaft, Verwaltung – dominanten Abwesenheit von Qualität. Ickler kritisiert zu Recht die unnütze, schlampige Arbeit dieses Kollegiums.

2003-04-14

: Ein fauler Kompromiß. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 88, s. 10, Briefe an die Herausgeber (174 wörter)
Bis dato ist nicht geklärt, wer oder was die Verantwortlichen letztlich veranlaßt hat, eine Rechtschreibung zu präsentieren, die nach dem nahezu einhelligen Urteil von Sprachwissenschaftlern und Schriftstellern an Miserabilität kaum noch zu überbieten ist und mittlerweile zu einem Chaos in Schule und Gesellschaft geführt hat.
: Dilettantische Lächerlichkeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 88, s. 10, Briefe an die Herausgeber (323 wörter)
Nur weil Eisenberg einiges an der Neuschreibung noch mißlungener erscheint als diese ss-Schreibung, sollen wir diese Warze auf der krummen Nase der "reformierten" Schreibung schön finden. Diese besonders häufig auftretende Verschandelung von Texten ist konsequent zurückzuweisen […]. Da die Neuschreibung durch die ss-Schreibung ihren deutlichsten Ausdruck fand, kommt ihr zudem ein symbolischer Wert zu. Als Geßlerhut der "Reform" steht sie am deutlichsten dafür, daß die mit Arroganz, Inkompetenz und der Haltung eines bedenklich gestörten Verhältnisses zu den Idealen der Volkssouveränität forcierte Zerstörung unserer einheitlichen Qualitätsorthographie unsere Demokratie und Sprachkultur erheblich und sichtbar geschädigt hat.
: Ein Regelflickwerk. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 88, s. 10, Briefe an die Herausgeber (109 wörter)
In allen europäischen Kultursprachen gibt es eine Rechtschreibnormierung, die für jedes Wort nur eine richtige Schreibung vorsieht. Das Deutsche hat den Kreis der Kultursprachen seit einigen Jahren verlassen, da infolge der "Rechtschreibreform" und ihrer zahlreichen Nachbesserungen nun mehrere "richtige" Varianten nebeneinander möglich sind.
: Amerika für Anfänger. Kathrin Rögglas USA-Stück in den Berliner Sophiensälen. Der Tagesspiegel, , Kultur
Harmlos und bemüht lustig beginnt Barbara Webers Inszenierung mit dem umständlichen Titel in modernistischer Kleinschreibung: „die 50 mal besseren amerikaner“.
: Rettet den Autor! Rainer Moritz kämpft (verlorene) Sprachkämpfe. Der Tagesspiegel, , Kultur
Ich zum Beispiel gehöre zur sprachkritischen Spezies […]. Die Welt ist für mich ein einziger Setz- und Druckfehler. Ausnahmen (wie die vor Ihnen liegende Tageszeitung) nehme ich kaum noch wahr, denn das Chaos der alten und neuen Rechtschreibung hat aus meinem Sprachbeobachtungstrieb einen Fulltimejob gemacht. Überall Verstöße, in Büchern (ach, die Verlage ...), Frauenmagazinen, Packungsbeilagen und an Imbissständen, wo mich die Aufforderung „Döner auch zum mitnehmen“ gar nicht mehr aufregt. Vor Jahren etwa führte ich einen einsamen Kampf gegen die Oswald-von-Wolkenstein-Gesellschaft, die sich trotz vehementem Briefwechsel mit mir nicht dazu bequemen wollte, die fälligen Bindestriche in ihrem „Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft“ nachzutragen.

2003-04-13

: Der pointierte Arzt. Thüringer Allgemeine, , Kultur
Der Erfurter Internist Dr. Siegbert Kardach […] präsentiert heute um 19.30 Uhr im Erfurter Haus Dacheröden sein zweites, mit Aphorismen und anderen Nachdenklichkeiten gefülltes Buch. […] Wir Fußgänger, die auch Autofahrer und Radler sind und zuweilen die Nase voll haben vom "getüvten Deutschland" und von der Rechtschreibreform nicht minder, wir Mitmenschen also, denen Kardach auch in kurzer Prosa den Spiegel vorhält, wundern uns vielleicht über die thematische Breite dessen, über die ein Mediziner literarisch verfügt.

2003-04-12

: Fragwürdiger Kompromiß. Berliner Zeitung, , s. 32, Leserbriefe
Ich sehe keinen Grund für einen Kompromiß in Sachen Rechtschreibreform. Es kann doch nicht das Maß der Dinge sein, etwas Unsinniges allein aus dem Grunde heraus nicht abschaffen zu wollen, nur weil es eben schon mal da ist. […] Die von der Akademie unter anderem favorisierten Kompromisse bezüglich des "ss"-Themas lösen bei mir Verwunderung und Unverständnis aus.

2003-04-11

: Missie, ist die Koffie klar. Kolossaler Schlamassel: Gerhard Seyfried erfüllt sich mit „Herero“ einen Traum. Süddeutsche Zeitung, , 59.jg., nr. 85, s. 16, Literatur
Seyfried hält sich an die Rechtschreibreform von 1903 und an die Schreibweise der Uhrzeit, er lässt historische Figuren auf fiktive Personen treffen und fügt Fotos ein, die Cecilie gemacht haben soll. Dieser Autor tut alles, um ein Buch aus dem Jahr 2003 wie einen Roman von 1903 aussehen zu lassen.

2003-04-10

: Ungebrochene Neugier der Grundschüler. Defizite in den weiterführenden Schulen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 85, s. 6, Politik
Gleichwohl birgt auch der jetzt vorliegende erste Teil der Iglu-Studie auf mehr als 300 Seiten viele interessante Einzelergebnisse. […] In Anbetracht dessen, daß die Lehrer angeben, ein Drittel des gesamten Deutschunterrichts auf Rechtschreiblehre zu verwenden, seien die Ergebnisse wenig befriedigend, meinen die Bildungsforscher. Aufschlußreich erscheint, daß alle Beispieltexte, die in der Iglu-Studie abgedruckt sind, die bewährte Zeichensetzung aufweisen und nicht die neue. Sollte dies einen lesefördernden Effekt besitzen?

2003-04-09

: Viele Fehler beim Schreiben. Ein Zeugnis namens Iglu. Stuttgarter Zeitung, , Politik
In unnachahmlichem Wissenschaftsdeutsch schreiben die Forscher: Wenn Rechtschreibregeln, die am Ende der zweiten Klasse schon beherrscht werden sollen, "nur von achtzig Prozent der Viertklässler sicher verschriftet werden", dann könne dieses Ergebnis nicht befriedigen — "schon gar nicht, wenn man die für den Rechtschreibunterricht aufgewendete Zeit berücksichtigt".
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (177 wörter)
Obwohl Herr Vitzliputzli auf deutschen Internetseiten schon jahrelang immer dasselbe sagt (auch mit denselben Beispielen), möchte ich für uneingeweihte Leser ein wenig erklären, worum es geht. Das Wörterbuch, das er so heftig bekämpft, stellt einfach die bisher übliche Schreibweise dar.

2003-04-07

: Gränzen der Wirksamkeit. Die Darmstädter Akademie und ihre Rechtschreibvorschläge. Berliner Zeitung, , s. 12, Feuilleton
Der von der Darmstädter Akademie vorgelegte Kompromißvorschlag ist weder Wörterbuch noch Regelwerk. Er basiert auch nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, auf der bewährten Rechtschreibung des Deutschen und ihren Entwicklungstendenzen. […] Die Motive für die Festlegungen des Kompromißvorschlags bleiben über weite Strecken dunkel […]. Der Kompromißvorschlag soll also die Rechtschreibreform nicht "grundsätzlich" infrage stellen. Daher gebricht es ihm in jeder Hinsicht an gedanklicher Konsequenz. […] Die Akademie hat es vorgezogen, ihren Diskussionsbeitrag in der bewährten Rechtschreibung zu veröffentlichen. Wer auf ihre Empfehlungen Wert legt, sollte ihrem Beispiel folgen. Das erspart viel unnütze Arbeit.

2003-04-06

: Platt gemacht. Nit schön, jar nit schön: Warum Dialekte verkümmern und selbst die Mundart einer Art Globalisierung anheim fällt. Neue Ruhr/Rhein Zeitung,
Ganz unproblematisch sei ein duldsamer Umgang mit der Mundart an Schulen allerdings nicht, weil die Rechtschreibung darunter leiden könne. "Die sagen statt Spaß nicht nur Spass, sie schreiben es auch so", sagt die Pädagogin.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (128 wörter)
Wenn Prof. Ickler von Rückkehr zur "alten Rechtschreibung" spricht, dann meint er in Wirklichkeit die Einführung seiner eigenen Rechtschreibung, wie er sie in seinem Rechtschreibwörterbuch veröffentlicht hat.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (73 wörter)
[…] Fälle wie "Gräuel" und "Gämse" gehören zur Minderheit der wenig durchdachten Neuerungen. Der Großteil ist jedoch akzeptabel und die Gegner sollten aufhören, sich ideologisch einzubunkern, schließlich ist der Unterschied zwischen alter und neuer Orthographie (ist so mit -ph- noch immer zulässig!) so, als ob man auf einen Nobelball mit Frack oder Smoking ginge.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (131 wörter)
Die "neue" Rechtschreibung ist inkonsistent und komplizierter als die bisherige.

2003-04-05

: Rechtschreibung: "Im Moment ist die Diskussion tot". Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung legt einen Kompromissvorschlag vor. Die Presse, , Kultur (348 wörter)
Nun unternimmt die Akademie den nächsten Versuch, "ein schlimmes Kapitel deutscher Kulturpolitik" zu beenden. […] Dass nach der Umstellung der Schulbuchverlage eine totale Rückkehr zur alten Rechtschreibung unmöglich ist, sehen die Autoren diesmal ein. Also versucht man es mit einer "zweitbesten Lösung", die die ärgsten Mängel beseitigen will […]. Dass der neue Kompromiss umgesetzt wird, bezweifelt man aber sogar in der Akademie: "Im Moment ist die Diskussion um die Rechtschreibung tot", so der ehemalige Präsident Christian Meier.
(Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (33 wörter)
die rechtschreibreform könnt ihr alle vorantreiben, indem ihr nur mehr die kleinschreibung verwendet.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (122 wörter)
Für mich ist es schlicht unverständlich, wieso große Publikateure und Zeitungen wie Die Presse nicht endlich einmal den kleinen Schritt zur Umstellung auf die neue Rechtschreibung machen und der gesamten kindischen Debatte ein Ende setzen.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (160 wörter)
Eine Rückkehr zur "alten" Rechtschreibung ist nicht nur möglich, sondern wäre auch die einfachste Lösung. […] Der Kompromißvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist von sachfremden Motiven bestimmt und fällt den deutschen Schriftstellern in den Rücken, die wie zum Beispiel Reiner Kunze mit aller Kraft und großer Sachkenntnis gegen die Reform kämpfen. Auch andere Mitglieder der Akademie haben mir versichert, daß sie "überfahren" worden sind und den Kompromiß keineswegs gutheißen.

2003-04-04

: Ein Meister der Abschweifung. Wenn Harry Rowohlt liest und erzählt. Mindener Tageblatt, , Kultur
In seine Polemik gegen die Rechtschreibreform ("Orthographie und Interpunktion waren immer die beiden einzigen Tugenden, die ich beherrschte. Wenn die nichts mehr gelten, was bleibt mir dann?") flechtet er perfekte Imitationen von Marcel Reich-Ranicki, Günter Grass und Matthias Beltz ein.

2003-04-03

: "Graue Zellen" auf Trab bringen. Heilbronner Stimme, , Neckarsulm-Neckartal
Das Gedächtnistraining in Neckarsulm wird zehn Jahre alt […]. Um welche Themen geht es da? […] Nicht zu vergessen: die Rechtschreibreform oder der Wechsel von der D-Mark zum Euro.
: Aufwändig. Schwäbische Zeitung,
Gewiss, bei diesem "ä" stand der Aufwand Pate. Aber hätten die Reformer ein wenig mehr Sprachgefühl aufgewendet — wobei das "e" immer noch korrekt wäre, begreife es, wer kann —[,] sie hätten vielleicht wieder einmal gemerkt, dass Sprache nicht nur geschrieben, sondern auch gesprochen wird. Und da tut das "ä" in diesem Fall einfach weh.

Es gibt gewiss argumente gegen aufwändig, aber kein fonetisches. Was ist es denn konkret, was weh tut?

2003-04-01

Diskussion über die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 77, s. 1, Politik (68 wörter)
Der Erlanger Germanist Horst Haider Munske […] schließt sich dem Reformvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung an. […] Munske weist jedoch darauf hin, daß der Reformvorschlag in der Praxis ohne große Folgen bleiben muß, solange er nicht als Rechtschreibprogramm für den Computer vorliegt.
: In der Rechtschreibung floriert die Schattenwirtschaft. Die Richtung stimmt: Zum Reformvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 77, s. 40, Feuilleton (1250 wörter)
Spät kommt er, doch er kommt — der lang angekündigte Vorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zur Reform der Reform in Sachen Orthographie […]. Im Jahre 2005 endet die Übergangszeit. Dann wird der Streit um die Rechtschreibung aufs neue entbrennen, wenn nicht rechtzeitig eine Verständigung gelingt. Deshalb begrüße ich den Akademievorschlag. […] Über manches Detail in den Akademievorschlägen könnte man trefflich streiten. Ich tue es nicht. Denn die Richtung dieser Vorlage stimmt. Das gilt auch für die Umsetzung, den empfohlenen Rückbau. […] das kann uns blühen: Die Rechtschreibkommission gibt in ihrem nächsten Bericht wieder ein kleines Stückchen nach, erklärt aber im übrigen die Reform von 1996 für erfolgreich. Die KMK setzt alles in Kraft und ist froh, die Rechtschreibreform endlich vom Hals zu haben. Was dann, verehrte Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung?
: Dem Bunde-strainer keine Chance. Ein Linguist hat ein Buch über den Bindestrich geschrieben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 77, s. 45, Die Hochschulseite (410 wörter)
Leider, meint Dante Bernabei, wüßten die Deutschen die ordnende Kraft des Koppelzeichens nicht mehr richtig zu schätzen. In Zeitungen ebenso wie akademischen Publikationen wimmele es von zweideutigen Wortungetümen wie "Lehrerkenntnisse" und "Barkasse", "Reghettoisierung" und "Dichteinhomogenität". Als studierter Chemiker und Germanist weiß Bernabei nur zu gut, welche Grausamkeiten vor allem schreibende Wissenschaftler bisweilen an ihrer Muttersprache verüben. Grund genug für ihn, auf stolzen 220 Buchseiten für den Gebrauch des Bindestrichs zu werben. […] Das Koppeln ist nach Bernabeis Ansicht auch ein gutes Mittel, gewisse Härten der Rechtschreibreform, die er grundsätzlich gutheißt, zu mildern.

2003-03-31

: Verbindender Strich. Berliner Morgenpost, , Kultur
Rund 3000 Begriffe hat der Wissenschaftler in seinem Buch "Der Bindestrich" nach 15 Kategorien geordnet. Ohne schon wieder neue Regeln zu fordern, da bleibt der Mann zum Glück unverbindlich. Er versteht seine Vorschläge als Friedens-Angebot an die Gegner der neuen Rechtschreibung.
: Ende der Diskussion. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 76, s. 11, Briefe an die Herausgeber
Daß die F.A.Z. lernfähig ist, hat sie mit der Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung bewiesen. Sie würde auch zu Schwarzweißfotos zurückkehren, sprächen dafür eines Tages gute Gründe.
: Mit ohne Strich. Times mager. Frankfurter Rundschau, , Feuilleton
Man darf im Bindestrich einen Statthalter des besseren Verständnisses sehen. […] Nun erfahren wir in diesen Tagen durch nachdrückliche Hinweise auf einschlägige Veröffentlichungen, dass unser Gegenstand dennoch einige Kalamitäten mit sich bringt. Es ist vielmehr erwiesenermaßen so, dass der Bindestrich nicht nur die schiere Freude bereitet. Es wird mit ihm/durch ihn Frust geschoben. Das ist um so bedauerlicher, als doch durch ihn, der zuletzt immer wieder auf die Liste der im Zuge der deutschen Rechtschreibreform auszurottenden Schreibweisen gesetzt wurde, solche Differenzen aus dem Blick geraten, wie sie sich etwa zwischen den Wörtern Kriegsspiele oder Kriegs-Spiele auftun; rein semantisch betrachtet.

28. 3. 2003

Kompromißvorschlag zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 74, s. 1, Politik (63 wörter)
Da die wünschenswerte Rückkehr zur alten Orthographie unwahrscheinlich scheint, plädiert die Akademie für eine Reform der Reform und eine Vielzahl von Änderungen.
: Man muß wieder schreiben dürfen, was man fühlt. Die zweitbeste Lösung: Über den Kompromißvorschlag der Deutschen Akademie zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 74, s. 46, Feuilleton (1668 wörter)
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat nun unter dem Titel "Zur Reform der deutschen Rechtschreibung" ihren Kompromißvorschlag vorgestellt […]. Kern und umfangreichsten Teil des Buches bildet die Wörterliste mit den geänderten Wortschreibungen. […] Das Ergebnis der Riesenarbeit ist in mehr als einer Beziehung von Interesse für die Bewertung der Neuregelung und den weiteren Umgang mit ihr. […] Der Kompromißvorschlag der Akademie ist inhaltlich substantiell, insofern er wesentliche Teile der Neuregelung akzeptiert und wesentliche Teile zurückweist. […] Häufig wird die Frage gestellt, warum die Akademie Mühe und Risiko eines Kompromißvorschlages auf sich nimmt, wo doch "Ruhe an der Rechtschreibfront" eingekehrt sei. Aber die Ruhe ist trügerisch. […] Die Nachricht an die Sprachgemeinschaft mit ihren Millionen von kompetenten Schreibern muß sein, daß man wieder zusammenschreiben darf, wenn man das Gefühl hat, man schreibe ein Wort. Daß man klein schreiben darf, wenn man das Gefühl hat, man schreibe ein Wort, das nicht ein Substantiv ist. Und daß man alles traditionelle Wissen über die Schreibung von Fremdwörtern auch anwenden darf. […] Wir haben bis zum Ende der Übergangsfrist im Jahre 2005 noch ungefähr zwei Jahre Zeit. Genug, um zu einem in Ruhe geplanten teilweisen Rückbau zu kommen. […] Die Forderung nach dem Status quo ante ist inzwischen nicht nur politisch unrealistisch, sondern auch der Sache nach. Die reine Lehre stellt nicht in Rechnung, was seit 1996 im deutschen Sprachraum geschehen ist. Mir wäre eine Reform von der alten Orthographie aus lieber als eine auf Grundlage der neuen. Was wir propagieren, ist die zweitbeste Lösung.
: Sprachwissenschaftler: Vieles besser lesbar dank Bindestrich. Pforzheimer Zeitung, ()
Wortungetüme wie «Dichteinhomo­genität», «Paläoantropo­logie» oder «Mo­niereisen» seien durch eine Sinn­trennung mit Binde­strich wesentlich schneller zu erfassen. «Damit wird auch verhindert, dass bei Trennungen Miss­verständnisse entstehen. So müsste etwa nach den Rechtschreib­regeln das Wort Gaschromato­graphie nach dem 'sch' getrennt werden», erläuterte Bernabei. «Und das ist ja wohl Unsinn.»

Nach den rechtschreibregeln muss natürlich gas-chromatographie getrennt werden. Dass der bindestrich u. u. eine falsche trennung verhindern kann, ist keine so sensationelle erkenntnis.

: Schwer erträgliche Unsinnigkeit. In alter Rechtschreibung: das orthographische Konzept der Deutschen Akademie. Süddeutsche Zeitung, , s. 15, Feuilleton (1135 wörter)
Für die Rechtschreibreform hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, seit sie sich – spät genug – zu Wort meldete, nur schärfste Verachtung übrig gehabt […]. Die Akademie wußte auch, was zur Lösung der mutwillig heraufbeschworenen Rechtschreibkrise zu tun wäre: die bisherige Rechtschreibung beibehalten und lediglich einige Haarspaltereien des Duden „auskämmen“. Um so überraschter war die Fachwelt, als die Akademie im Jahre 1999, offenbar unter dem Einfluß ihres „frisch gebackenen“ Mitglieds Peter Eisenberg, mit einem Kompromißvorschlag hervortrat, der die verachtete Neuregelung als Grundlage einer Reform der Reform akzeptierte. […] Der Kompromißvorschlag deckt wesentliche Fehler der amtlichen Neuregelung schonungslos auf; das ist verdienstvoll, wenn es auch etwas spät kommt. Inhaltlich kann er jedoch nicht überzeugen, und als Strategie ist das Herumdoktern an einem von „Deppen“ (so der damalige Präsident Christian Meier) hervorgebrachten Pfusch von Grund auf verfehlt.
: Lieber ein Bindestrich. Sprachforscher: Lesbarkeit wird verbessert. Salzburger Nachrichten, , Kultur
Für eine Ausweitung der Bindestrich-Schreibweise hat sich der Darmstädter Sprachforscher Dante Bernabei ausgesprochen.

27. 3. 2003

: Sprachwissenschaftler: Vieles besser lesbar dank Bindestrich. , , Yahoo-Schlagzeilen
Der Sprachwissenschaftler hat rund 3000 Begriffe gesammelt und in seinem soeben veröffentlichten Buch «Der Bindestrich» in 15 Kategorien geordnet. «Dabei fordere ich jedoch keine neue Regeln für die Benutzung des Bindestrichs», sagte Bernabei. «Das hätte nach den Diskussionen um die Rechtschreibreform auch wenig Erfolg.»

25. 3. 2003

: C-Dur schmeckt nach Seife. Farben hören, Töne sehen, Formen schmecken: Synästhesieforscher treffen sich zum ersten weltweiten Fachkongress. Süddeutsche Zeitung, , 59. jg., nr. 70, s. V2/11, Wissenschaft
Ansonsten aber werden die Synästhesien nur selten als unangenehm empfunden, sondern von den meisten Betroffenen als hilfreich und amüsant. Zum Beispiel von jener Synästhetikerin, die über die Rechtschreibreform begeistert war. Nun gebe es viel weniger schwarzgraue „ß“, sagte sie. Liebend gern schreibe sie stattdessen zwei sonnengelbe „s“.

24. 3. 2003

: Wir wissen immerfort Bescheid. Auf der Leipziger Buchmesse: Moralische Überlegenheit, die nicht diskutiert, und Literatur, die keinen Frieden macht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 70, s. 43, Feuilleton
Bezeichnend, daß die Publikation mit dem größten Aufmerksamkeitswert wohl kaum jemand wirklich ganz durchlesen dürfte: Die deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat, wie bereits berichtet, einen bedenkenswerten Kompromißvorschlag zur Rechtschreibreform vorgestellt.
: Sag es mit Post-its. Berliner Szenen. taz Berlin, , nr. 7012, s. 25, Kolumne
Jetzt muss alles raus, raus, raus, an die Luft und in die Sonne: Vögel, Menschen, […] Waschmaschinen. Ja, auch die, und fast wäre ich […] in eine alte Bauknecht gelaufen, die in der Mariannenstraße im Mittagslicht glänzt […]. Ich […] sehe an der Rückseite den netten, gelben Post-it-Zettel, darauf die schnörkelige Handschrift […]: "Ich finde es ätzend, wenn ihr eure kaputten Waschmaschinen und Fernsehgeräte einfach in den Hof stellt. […] Habt ihr denn gar keinen Sinn für Schönheit und Ästetik [neue Rechtschreibung?]!"

Ganz neue rechtschreibung gemäss BVR.

: Totgelaufen oder tot gelaufen? Worüber Linguisten am liebsten streiten: Fragen zum Rechtschreibkompromiss der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Die Welt, , nr. 59, s. 27, Kultur
Autor ist der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg […]. Der Potsdamer ist sich also im Grundsatz treu geblieben — aber ob er diesmal mit seinen Vorschlägen Gehör findet oder sich endgültig zwischen alle Stühle setzt, bleibt abzuwarten. Denn natürlich vergrätzt er nicht nur die Mannheimer Kommission, sondern auch die Gegner der Rechtschreibreform, weil er sich auf eine Fülle von Neuregelungen einlässt (ohne von ihnen überzeugt zu sein). […] Das große Manko der "Reform der Reform" ist es, dass sie auf halbem Wege stehen bleibt und nun ihrerseits uneinsehbare neue Unterscheidungen dekretiert, die die "Liberalität" sofort wieder in Frage stellen.

22. 3. 2003

: Ein Friedensangebot. Deutsche Akademie präsentiert Kompromiss zur Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , 224. jg., nr. 68, s. 62, Feuilleton (306 wörter)
Es ist absehbar, dass die Akademie mit ihrem Kompromiss zwischen den Stühlen sitzt. […] Warum nicht gleich zurück zur alten Schreibung? Das war auch die Frage gestern. […] Die Frage sei, mit welchen Revisionen man «durchkommt».
: Politologische Plaudereien. Alfred Grossers Notizen zu Deutschland. Neue Zürcher Zeitung, , s. 89, Politische Literatur, Buchkritik
Grosser muss und will offensichtlich auf alles und jedes zu sprechen kommen: auf die Einstellung zum Kinderkriegen und die Rechtschreibreform, die Scharping-Affäre, die Hauptaufgaben des Bundesverfassungsgerichtes, die Stammzellen- und die Euthanasiedebatte, die Integrationsprobleme, die Bundeswehr, die Korruption, die Kirchen und die Walser-Bubis-Kontroverse, […].
: Kompromiß? Kompromiss. Rechtschreibreform: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung legt auf Leipziger Buchmesse Vorschlag zur Güte vor. Darmstädter Echo, , Kultur (646 wörter)
Die in Darmstadt beheimatete Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat am Freitag auf der Leipziger Buchmesse die schon mehrfach angekündigten Wortlisten vorgelegt, mit denen sie ihren Kompromissvorschlag zur Reform der deutschen Rechtschreibung aus dem Jahre 1999 konkretisiert, den sie im Wesentlichen wiederholt. […] Welche Chancen hat der Vorschlag der Akademie, der im Ton wesentlich moderater als der Vorschlag von 1999 gehalten ist – die Reform als solche wird nicht mehr mit Anführungszeichen versehen –, bei der Kultusministerkonferenz berücksichtigt zu werden? Die Fachleute nehmen Eisenberg und seine Vorschläge ernst. Aber selbst die Verbesserungsvorschläge der „Zwischenstaatlichen Kommission“ selbst wurden 1998 von der Kultusministerkonferenz nicht berücksichtigt. Außerdem sitzen in der Kommission nicht nur Leute, die auf mehr Toleranz gegenüber dem bisherigen Schreibusus drängen, sondern auch Verfechter einer noch entschiedeneren Reform.
: Reform der Reform. Vorschlag für einheitliche Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 69, s. 37, Feuilleton (114 wörter)
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat auf der Leipziger Buchmesse einen Kompromißvorschlag zur Reform der Rechtschreibreform vorgestellt.
: Bald Frieden an der Rechtschreib-Front? Buchmesse; die Akademie macht einen Vorschlag; in Leipzig herrscht Hochbetrieb und wenig Kriegs-Missstimmung. Neue Ruhr/Rhein Zeitung, ()
Aus dem babylonischen Durcheinander soll der kluge Vorschlag der Akademie heraushelfen, der eigentlich "Kompromiss" überschrieben sein müsste. […] Möge dieser Vorschlag bis 2005 eine friedensstiftende Wirkung bei Reform-Gegnern wie -Befürwortern entfalten.
: Nächster Halt: Dichterkuscheln — Es ist Krieg — Leipzig liest und der Betrieb diskutiert über Literaturvermarktung: Impressionen von der Buchmesse. Rheinpfalz, , Kultur (828 wörter)
Wenn gestern der Krieg begonnen hätte, so die Beschlusslage bei der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, hätte es gestern wichtigeres gegeben, als die eigene Position zur Rechtschreibreform der Presse vorzustellen. Aber so.

2003-03-21

neu : Nichts weiter als ein fauler Rechtschreib-Kompromiß. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat einen Friedensplan vorgelegt, um verhärtete Fronten aufzulockern. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , nr. 12, s. 10, Kultur (1122 wörter)
Ein Gutes immerhin hat der Vorstoß der Akademie: er bringt die Rechtschreibreform wieder ins Gespräch, verschafft dem Thema wieder Aufmerksamkeit. Aber das ist auch schon alles.
Kreuzwort. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 68, s. 8, Deutschland und die Welt
Senkrecht: […] 25 Ist es auch, wie die Rechtschreibreform mit dem Bundespräsidenten umspringt.
: Zehetmair hatte recht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 68, s. 9, Briefe an die Herausgeber
Zehetmair gilt als einer der Hauptschuldigen an dem Tohuwabohu, das die Reform in den deutschsprachigen Ländern angerichtet hat. […] Noch nie in der Geschichte unserer Republik hatten Kulturpolitiker eine Fehlentscheidung von solcher Tragweite zu verantworten.
: Leipziger Buchmesse startete mit Besucherrekord. , , Yahoo-Schlagzeilen
Verleger Klaus Wagenbach beklagte zudem die Orientierung großer Verlage auf hohe Auflagen und damit die Verdrängung des Neuen in der Literatur. […] «Dabei tritt das Neue eher auf sehr leisen Sohlen auf», mahnte er. «Eine Gesellschaft gibt sich auf, wenn sie die Verlage im Stich lässt, in denen das Neue erscheint.» Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellte unter­dessen einen Kompromiss­vorschlag zur Reform der Rechtschreibreform vor.

20. 3. 2003

: Friede im Rechtschreib-Streit? Ein Kompromissvorschlag der Akademie für Sprache und Dichtung. Die Rheinpfalz, , Kultur
Der neue Kompromissvorschlag der Akademie, über den auch bei der gestern eröffneten Leipziger Buchmesse verhandelt werden soll, überrascht dagegen durch den gedämpften Ton, in dem hier die vormals Empörten eine "allseits annehmbare Lösung" offerieren. Noch auf der vergangenen Herbsttagung der Akademie hatte deren Präsident Christian Meier mit der heroischen "Kampf"-Bereitschaft des selbst ernannten Sprachpflegers geprahlt, als gelte es, einen orthographischen Bürgerkrieg gegen die Neuregelung zu entfesseln.

15. 3. 2003

: Heisse Tipps für coole Volontäre. Sprachglosse. Zofinger Tagblatt, , Region aktuell
Seit der Rechtschreibreform verfährt fast jede Zeitung nach ihren eigenen Orthographie- und Grammatikregeln, und da eröffnet sich ein weites Feld zwischen Willkür und Nonsens. Bahn brechend wirkte hier zu Lande von allem Anfang an der Tages-Anzeiger, während man bei der NZZ beschloss, nicht jeden Unfug mitzumachen. Da ohnehin kaum jemand alle neuen Regeln beherrscht, braucht sich auch der Volontär in Entenhausen nicht darum zu kümmern. Dies gilt vor allem für die veränderten Richtlinien zur Zusammen- und Getrenntschreibung. Fast täglich begegnen uns Rappen spaltende Eidgenossen, Not leidende Bergbauern oder untergetauchte Asyl Suchende, ohne dass sich jemand daran stösst.
: Kleinigkeiten. Ostfriesen-Zeitung, , Stadt und Landkreis Leer
Mehr mit dem S sollte sich aber auf jeden Fall der FDP-Kreisverband Leer beschäftigen. Der schreibt in einer Presse­mitteilung von der Silbernen Theodor-Heuß-Medaille. Heuß? Liest sich irgendwie komisch. Kein Wunder, der Urvater aller deutschen Liberalen schreibt sich nämlich mit Doppel-S: Theodor Heuss. Oder ist die Kreis-FDP Mitglied der Initiative „Rettet das ß vor der Rechtschreib­reform“?
: Die Lernregion. Neue Verbandspädagogik. Stuttgarter Zeitung, , Region Stuttgart
Regional­bewusstsein, wir wissen es aus leidvoller Polit­erfahrung, lässt sich bei so manchem Dick­schädel nur schwer ins Hirn hämmern. Ähnlich wie die neue Rechtschreibung, Mathe oder lästige Latein­vokabeln.

14. 3. 2003

: Vergessenes Werk, bleibende Wirkung. Zum 200. Todestag von Friedrich Gottlieb Klopstock. Neue Zürcher Zeitung, , 224. jg., nr. 61, s. 57, Feuilleton
«Fom Handel und Wandel ferstehet ir auch nichz», warf er — auch in der Orthographie ein eigensinniger Neuerer — seinen Kollegen vor.
: Kommentar: "b" oder "p"? Rheinpfalz, , Pirmasens
Eigentlich glaube ich ja dem Duden, Zweifel bekomme ich immer, wenn ich den "Albtraum" sehe. Nach der Rechtschreib­reform bin ich völlig verunsichert.

2003-03-13

: Austritt aus dem Verein. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 61, s. 44, Frankfurt
Die Gesellschaft, die die Halunkerei der Rechtschreibreform zu verantworten hat, ist im Kuratorium einer Akademie für Sprache und Dichtung vertreten! […] Man könnte daran denken, daß die Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung beschließt, um die Kultusministerkonferenz und womöglich andere staatliche Mitglieder, die die geistige Bewegungsfreiheit einengen könnten, aus dem Kuratorium zu entfernen. So etwas wird natürlich nicht gelingen. Dafür gibt es ja Akademiepräsidenten und Generalsekretäre, daß solche Ungeheuerlichkeiten gar nicht erst auf die Tagesordnung kommen.

2003-03-12

: Zehn Jahre lang Wörter verfolgend und von Wörtern verfolgt. Ein Mammutpuzzle aus Deutsch und Italienisch: Zu Besuch bei den Diktionär-Autorinnen Luisa Giacoma und Susanne Kolb. Basler Zeitung, , nr. 60, s. 37, Feuilleton
Und dann kam noch die deutsche Rechtschreibreform hinzu. Für Susanne Kolb war das ein geradezu traumatisches Erlebnis. Privat schreibt sie heute noch nach der alten, «obwohl das vermutlich ein Kampf gegen Windmühlen ist».
neu : Verschiedene Hirnregionen für Verben und Nomen. Analyse von Schreibproblemen. Neue Zürcher Zeitung (), , 224. jg., nr. 59, s. 66, Forschung und Technik (274 wörter)
Unsere Sprache besteht aus Verben und Substantiven (Nomen). Doch während wir sprechen oder schreiben, denken wir in der Regel nicht an derartige Unterschiede. Unser Gehirn allerdings «bemerkt» sie sehr wohl: Wie neue Untersuchungen ergeben haben, verarbeitet es Verben und Nomen an unterschiedlichen Orten. Dies zeigte sich, als amerikanische Forscher […] die Gehirne von Patienten mit Schreibproblemen untersuchten.
: Ein Fremdkörper. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 60, s. 7, Briefe an die Herausgeber
Es ist, als wenn die bunten Bilder aus der Zeitung fallen; sie sind ein Fremdkörper. […] Bleibt nur die Hoffnung, daß die F.A.Z. sich noch besinnt und die Kraft aufbringt, die sie schon einmal anläßlich der Umstellung auf die reformierte Rechtschreibung bewiesen hatte.
neu : Leichte Übung: Fortschrittlich. Frankfurter Rundschau (), , Bildung (326 wörter)
Unter Beschäftigten der Bildungsbranche mit Zugang zum Computer kursiert derzeit folgendes Geheimpapier, das wir im Wortlaut dokumentieren: […] Realschule 1960, Aufgabe: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für DM 50,-. Die Erzeugerkosten betragen DM 40,-. Berechne den Gewinn! […] Schule 2005 (nach der Bildungs- und Rechtschreibreform), ein agrarinschinör fergauft ein sagg gartoffeln für 25 euro. die kosden bedragen 5 euro. der gewinn bedregt 20 euro. aufgabe: margire den term gardoffeln und maile die lösung im pdf-format an: […]. Jor 2010, sorrie, es gipt kaine gardoffeln mehr!

2003-03-11

: Bei Regen ohne Schutz auf der Straße. Situation junger Deutschrussen in Erfttal ist deprimierend. Neuss-Grevenbroicher Zeitung,
Deutsch sprechen und verstehen haben sie schnell gelernt, beim Schreiben in der neuen Schrift mit den zahllosen Regeln tun sie sich schwer […]. Viele Bewerbungen hat Roman schon verschickt, um endlich einen Ausbildungsplatz als KFZ-Mechaniker zu bekommen. […] "In Mathe war ich sehr gut, aber bei der Rechtschreibung bin ich durchgefallen", ärgert er sich, "obwohl man als Mechaniker vor allem Mathe braucht."
: Akademie will Reform der Reform. Berliner Morgenpost, , Kultur
: Sprach-Akademie will Reform. Die Welt, , nr. 59, s. 27, Feuilleton
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt will auf der Leipziger Buchmesse am 21. März einen "Kompromissvorschlag" samt Wörterliste vorstellen.
: Rechtschreibreform. Wörterliste wird vorgelegt. Südwest Presse,
Man solle versuchen, wieder zu einer einheitlichen Schreibung zu gelangen. Einfach zum "Status quo ante" zurückzukehren, scheine unmöglich.
: Neue Rechtschreibung: Suche nach dem Kompromiss. Kölner Stadt-Anzeiger,
Deshalb müsste der Kompromiss alles übernehmen, "was an der neuen Schreibung sinnvoll oder ohne nennenswerten Schaden hinnehmbar ist". Zum anderen müssten dort, wo die neuen Regeln "gravierende Mängel" aufwiesen, "neue, bessere Lösungen" vorgesehen werden. Einzelheiten dazu sollen in Leipzig vorgestellt werden.

8. 3. 2003

: Im Spannungsfeld von Macht und Geist. Walter Jens ist ein liberaler Moralist und unbequemer Mahner; heute wird er 80 Jahre alt. Ostsee-Zeitung, , Kultur/Medien
Manche rümpften über seine „Generalkompetenz“ die Nase, wenn sich Jens sowohl für den Protest gegen die Raketen in Mutlangen […] als auch für die Fußball-Weltmeisterschaft, die Rechtschreibreform oder das Holocaust-Mahnmal zuständig fühlte.
: Roll over Mozart. Sprachspaltereien. Die Presse, , nr. 16.517, s. IX, Spectrum, Architektur und Design
Das Mozart-Requiem zu hören ist relativ einfach. Aber wie schreibt man es richtig? "Mozart's Requiem" — so war es jüngst auf einem Plakat angekündigt. Warum der Apostroph? Die Suche im Internet bringt weitere Schreibmöglichkeiten zu Tage: "Mozart Requiem"; "Mozart — Requiem"; "Mozart-Requiem"; "Mozart: Requiem"; "Mozart, Requiem".

2003-03-07

neu : Schulpolitik als Hochstapelei. Debatten um Inhalte erfordern „geistige Unterkellerung“. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , s. 1 (1794 wörter)
Und vergessen scheint längst eine andere Versprechung: Die Rechtschreibreform sollte den Schülern 70 Prozent der Fehler ersparen. Heute will kein Reformer mehr an diese Realsatire erinnert werden.
neu : Spracharbeit. Hans Krieger wird 70. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , s. 9, Kultur (344 wörter)
Nach wie vor ist er journalistisch tätig, schreibt etwa auch in der Bayerischen Staatszeitung über Fragen zur Bioethik, „streitet“ auf Podien in München, Dresden oder Frankfurt gegen die Rechtschreibreform, jene „Verstümmelung von Wörtern“, die noch immer „weh tut“, ihn noch immer „ärgert“ – auch wenn die öffentliche Diskussion immer leiser wird: „Resignation ist ein Wort, das ich für mich nicht gelten lassen möchte, aber irgendwie möchte ich es wohl nicht wahrhaben, dass die Chancen einer vollständigen Rücknahme der Reform vorbei sind …“
: "Vom Frieden kommt alles, vom Krieg nichts." Am Samstag feiert Walter Jens seinen 80. Geburtstag. Stuttgarter Nachrichten, , Kultur
Der Ehrenpräsident der Berliner Akademie der Künste hat sich nie im Elfenbeinturm versteckt. So protestierte der "vielleicht letzte Bildungsbürger" ("Süddeutsche Zeitung") gegen die Rechtschreibreform und machte sich für eine asylsuchende kurdische Familie stark.
: Danke für die neue Rechtschreibung (I). Die Presse, , nr. 16.516, s. 24, Leserbriefe
Auch im Namen meines neunjährigen Sohnes (dessen Deutschaufgaben ich kontrollieren muss) danke ich für die Umstellung.
: Danke für die neue Rechtschreibung (II). Die Presse, , nr. 16.516, s. 24, Leserbriefe
Ich finde es eine gute und richtige Entscheidung, dass „Die Presse" auf die neue Rechtschreibung umgestiegen ist. Allerdings sollten Ihrem Blatt doch die Rechtschreibregeln bekannt sein. Denn in der Ausgabe von Montag war auf der Titelseite gleich dreimal fälschlicherweise „grosse" statt „große" zu lesen.

6. 3. 2003

: Wer Nachhilfe braucht, soll den Primus nicht belehren. Edelstoff Geist: Hans Zehetmair, bayerischer Kunstminister, vor dem Ende einer langen Amtszeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 55, s. 42, Feuilleton
"Viel Wirbel machen" — Zehetmair war immer für einen Aufreger gut, aber er versteht es auch, Aufregung produktiv zu machen. Die Liste der Feldsteine, die er dem politischen Gegner in den Vorgarten warf, ist lang. […] In der unendlichen Geschichte der Rechtschreibreform fuhr er Slalom […]. Wenn er etwas bereut, dann seine Haltung in der Rechtschreibreform. Flapsigkeiten von einst — es sei ihm "wurst, wieman ,Ketchup' schreibe, er möge es ohnehin nicht" — können heute nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Reform ihr Ziel verfehlte. Aber "Schwarzer Peter" hin, "Heiliger Vater" her, die tiefste Dimension hat für Zehetmair das Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1996, Kreuze in Schulen dürften nicht vorgeschrieben werden.
: Wechstaben verbuchselt. Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung,
Nicht erst seit Rechtschreibreform und Pisa-Debakel wissen wir um die Tücken der deutschen Orthographie; und wenn im hektischen Redaktionsalltag die Wechstaben verbuchselt werden, ist die Rechtschreibprüfung Gold wert.

5. 3. 2003

: Ungeliebte neue Rechtschreibung (I). Die Presse, , nr. 16.514, s. 16, Leserbriefe
Auch empfinde ich das sang- und klanglose Revidieren des noch vor einiger Zeit hochgehaltenen „Pathos" der Nicht-Berücksichtigung der sogenannten „Rechtschreibreform" als eine Art ideologischen Ausverkauf all jener Leser, die der konsequenten, wenn auch konservativen Linie der Aufrechterhaltung der alten Rechtschreibnormen Gefallen und auch eine gewisse Identität abgewinnen konnten.
: Ungeliebte neue Rechtschreibung (II). Die Presse, , nr. 16.514, s. 16, Leserbriefe
Und dazu noch, quasi schleichend, ja doch, die neue, katastrophale Rechtschreibung, feige dem Trend der anderen folgend.

4. 3. 2003

: Was lesern auffällt: Rosi Ross gab's schon einmal. Rheinpfalz, , Zweibrücken
Da damals von der Rechtschreib-Reform noch längst nicht die Rede war, durfte sich das Journal-Maskottchen "Rosi Roß" noch mit scharfem "ß" schreiben (was auf "Stuß" und "Schluß" natürlich ebenfalls zutraf).
: Kunst am Kreisel erst nach der Kommunalwahl. Rheinpfalz-Geheimreport enthüllt: Ein Monument für die künftige Stadtspitze; Stölzel und Lambrecht neue Beigeordnete. Rheinpfalz, , Bad Dürkheim
Partei- und Fraktionschef Reinhard Stölzel übernimmt das Landwirtschafts- und Weinbau-Ressort sowie den Wurstmarkt-Ausschuss. Ein Geheimpapier […] sieht vor, den Anteil der Barrique-Weine an Wurstmarkt mittelfristig auf 95 Prozent zu schrauben und daneben lediglich einen trockenen Riesling pro Stand und Zelt im QbA- oder Kabinettformat als Reparaturwein zuzulassen. Um den Absatz anzukurbeln, bedient man sich eines einfachen, aber raffinierten Tricks anhand der Rechtschreib-Reform: In Werbetexten des städtischen Presseamts werden Wurstmarkt-Besucher ab sofort animiert, den Wein in Massen (statt in Maßen) zu trinken.
: Eselsohren inbegriffen. Keine Rechtschreibreform, kein Euro: Schulbücher werden immer älter – worunter neben Schülern auch Autoren und Verlage leiden. Süddeutsche Zeitung, , s. V2/12, Schule und Hochschule
Immer zögerlicher werden an deutschen Schulen neue Unterrichts­werke angeschafft. In den ver­gangenen zehn Jahren schrumpf­ten die staatlichen Ausgaben für Schulbücher von rund 400 Millionen Euro auf 275 Millionen Euro. Ein finanzieller Ader­lass mit drastischen Folgen. Bis Lehrbücher aus­gewechselt werden, vergehen oft zehn Jahre und länger. Gedicht­sammlungen in alter Recht­schreibung, Esels­ohren in­begriffen; Atlanten, in denen die Mauer noch steht; Mathematik­werke, die munter in Mark und Pfennig statt Euro und Cent rechnen – auch im Jahre Zwei nach Pisa werden Deutsch­lands Schüler mit oft völlig veralteten Ler­nmitteln unter­richtet.
Der Norden wird schwarz. Die CDU ist in den Küstenländern auf dem Weg zur stärksten politischen Kraft; Wähler strafen die Sozialdemokraten ab. Die Welt, , Deutschland
Der Protest gegen die Bundesregierung und das Gefühl einer erfolg­reichen Regeneration der Bundestags­opposition hat sich diesmal bei der Kommunalwahl freilich besonders stark nieder­geschlagen, denn die Landes-CDU verfügt noch nicht über eine wirklich konsolidierte Führung. Das verkannte, komplizierte Land Schleswig-Holstein war für ein solches Signal prädestiniert. Einerseits jahrhundertelang dänisch und deshalb bis fast zur Xenophobie heimatverwurzelt, war und ist es zugleich im weitesten Sinne aufsässig — Dithmarscher Bauern­freiheit, Aufstand gegen die dänische Herrschaft 1848, Kieler Matrosenaufstand, zuletzt der Volksentscheid gegen die Rechtschreib­reform.
: Volles Lob für neues Design (I). Die Presse, , nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe
Wir haben ja in Österreich schon lange die neue Form der Rechtschreibung — warum also soll eine moderne Zeitung sie nicht auch einsetzen? Viel ärgerlicher wäre die Mischung von alt und neu, was aber leider immer wieder vorkommt.
: Volles Lob für neues Design (II). Die Presse, , nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe
Und die neue deutsche Rechtschreibung war überfällig!
: Volles Lob für neues Design (III). Die Presse, , nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe
Auch dass die längst fällige Umstellung auf die neue Rechtschreibung endlich erfolgt ist, finde ich lobenswert. Was bringt denn ein etwas provinziell anmutendes Festhalten an der alten Rechtschreibung auf die Dauer?
: Volles Lob für neues Design (IV). Die Presse, , nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe
Die sogenannte neue Rechtschreibung stört nicht, denn es geht ja um den transportierten Inhalt (der Worte).
: Sonst eigentlich ganz nett. Blattsalat. Der Standard,
Man wird ja bald sehen, wie weit der Linksruck bei der "Presse" geht. An einem solchen haben sich deren Leser bisher nicht gestoßen, aber der Relaunch stößt vielen von ihnen doch saurer auf, als man es nach der Lektüre der Leserbriefe in der Wochenend­nummer vermuten sollte. Wie dort ausschließlich überschwängliche Preiser der Blatt-, wenn auch nicht immer der Rechtschreib­reform zu Wort kamen, das grenzte an Gleichschaltung.

3. 3. 2003

: Türkenfreundliches Deutsch. Sinasi Dikmen schlüpft in verschiedene Rollen. Süddeutsche Zeitung, SZ-Landkreisausgaben, , s. R5, Ebersberg, Feuilleton
Die Themen des Abends lagen irgendwo zwischen dem Libero­sysstem im Fußball und dem Kommunismus, zwischen Sex­spielchen der Deutschen und der Rechtschreib­reform. „Bin kleih zürük“, hatte der Änderungs­schneider Achmet zum Beispiel auf ein Schild geschrieben und dann dem Publikum erklärt, dass die deutsche Sprache seit der Reform viel türken­freundlicher geworden sei.

2003-03-01

: Walter Porstmann an Wilhelm Ostwald (1920). Süddeutsche Zeitung, , Feuilleton
hochgeehrter herr geheimrat […] Auf den ersten Blick wirkt dieser Brief belanglos. Nichts­destoweniger spiegelt er eine äußerst wirkungs­mächtige Entwicklung, eine Entscheidung, deren Konsequenz bis heute die Schreibgrundlage aller Briefe bestimmt. […] Es geht um die Form, allerdings nicht im Sinn von „formal korrekt“, wogegen schon getilgte Kommas oder die durchgängige Klein­schreibung sprechen, die sich Walter Porstmann aus Gründen einer recht sonderbaren Schreib­effizienz angeeignet hat. Dieser Brief erweist sich vielmehr durch sein Format, also die Abmessungen des Papier­blatts, als Vorbote eines Triumphs, der sich Ende 1920 ab­zuzeichnen beginnt.
neu : Die zweite Ausbürgerung. Respekt vor der Aura des Wortes – Eine Denkschrift des Schriftstellers Reiner Kunze zur Rechtschreibreform. Die Tagespost, (942 wörter)
Diese Macht, so klagt Reiner Kunze in seiner Denkschrift „Die Aura der Wörter“, habe zu seiner zweiten Ausbürgerung geführt; nach der ersten (aus der DDR nämlich) nun zu der zweiten aus den deutschen Schulbüchern. „Aus genehmigungsrechtlichen Gründen dürfen nur Schulbücher auf den Markt kommen, die mit der Rechtschreibreform übereinstimmen“, teilte ihm sein Verleger mit.
: Eine Ermunterung. "Die Presse" intern. Die Presse, , nr. 16.511, s. 2, Themen des Tages (345 wörter)
Keine Frage, dass die neue Rechtschreibung sehr viele ärgert. Bis heute ist ja die Weisheit der deutsch­sprachigen Unterrichts­minister rätselhaft, welchen kulturellen Fortschritt sie darin sehen, wenn es statt "daß" und "heiß" künftig "dass", aber weiter "heiß" heißt. Und der Zorn auf Elisabeth Gehrer, ihre sozial­demokratischen Vorgänger und vor allem die büro­kratischen Täter im Dunkeln bleibt unvermindert. Zugleich kann und darf eine Zeitung aber nicht ignorieren, wenn junge Leser von der Schule auf neue Regeln hingetrimmt worden sind.
: Trauer um Verlust der alten Rechtschreibung (I). Die Presse, , nr. 16.511, s. 20, Leserbriefe
Mit der Einführung der neuen Rechtschreibung hat „Die Presse“ an Stil und Niveau verloren […].
: Trauer um Verlust der alten Rechtschreibung (II). Die Presse, , nr. 16.511, s. 20, Leserbriefe
Mit dieser Ausgabe fällt in Österreich die letzte Bastion einer Rechtschreibung, die immer noch von mehr Leuten angewendet wird, als viele glauben.
: Trauer um Verlust der alten Rechtschreibung (III). Die Presse, , nr. 16.511, s. 20, Leserbriefe
[…] nur: die neue Rechtschreibung — musste die sein? Ihr wart das letzte Bollwerk dagegen — schade!

3. 2003

: Wo wohnt das gute Deutsch? Der Sprachdienst, , 47. jg., nr. 2, s. 81f
In seinem am 18. November 2002 in der Casa di Goethe gehaltenen Vortrag über Sprachnorm und Sprach­veränderung im gegenwärtigen Deutsch beleuchtete Peter Eisenberg die Gründe für abweichendes Sprach­verhalten und Veränderungen in Grammatik und Wortschatz […]. In der anschließenden lebhaften Diskussion, bei der auch andere Themen wie die umstrittene Rechtschreibreform oder die Bedeutung von Deutsch als Wissenschafts­sprache angeschnitten wurden, stellte Eisenberg fest, dass Lehn­übersetzungen aus dem Englischen wie »das macht Sinn« der allgemeinen Tendenz der Stärkung transitiver Verben entgegen­kommen und daher immer häufiger werden.