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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 1.–4. 2012
nachgeführt , 2024-07-02
ortografie.ch ersetzt sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org

Aus presse und internet

2012-04-30

: Mit oder ohne? Die Sache mit dem Häkchen hat einige Haken. , , Ihre Region, Hamminkeln, Ratgeber
Ja, von „Natur“ aus ist es so, der Apostroph kennzeichnet eine Auslassung – von einem einzelnen Buchstaben ('s ist schwer, das könnt' ich nicht), von zwei […] oder mehr Buchstaben (D'dorf, H'keln). Doch seit 1996, als die Rechtschreibreform in die Schulen einzog, haben deren „Macher“ dem Apostroph noch eine weitere Rolle zugestanden: er darf die Grundform eines Personennamens „verdeutlichen“.
: Kommasetzung bei “aber”. ,
Kaum jemand hat heutzutage fundierte Kenntnisse im Bereich Kommasetzung. Das verstehe ich insofern nicht, als die Kommasetzung im Vergleich etwa zur Groß-/Kleinschreibung und der Zusammen-/Getrenntschreibung mit der Reform am wenigsten Änderungen erlebt hat. […] Die am häufigsten auftretenden Fehler zeigen mir aber, dass es sich um grundsätzliche Fehler handelt, die nichts mit der Rechtschreibreform zu tun haben.
: Der Lehrer ist sich selbst ein Rätsel. (Südwest Presse), , Ulm/Neu-Ulm
Das voll besetzte "Klassenzimmer" befand sich am Samstagabend bei der Rätsche im Geislinger Schlachthof. Die Schüler: vorwiegend Lehrer. Der Lehrer: Hans Klaffl. Der Mann mit dem Apostroph im Künstlernamen - in weiser Voraussicht auf die nächste Rechtschreibreform - ließ mit seinem Programm "40 Jahre Ferien - ein Lehrer packt ein" tiefe Einblicke in die Lehrerseele zu.

2012-04-28

: Kurioses aus der Schule. Musiklehrer Han’s Klaffl wird im Günzburger Forum gefeiert. , , Lokales, Günzburg
Für seine Bühnenauftritte hat sich Herr Klaffl einen „Deppenapostroph“ in seinen Vornamen Hans gesetzt. Also schreibt sich Herr Klaffl auf der Bühne „Han’s“. Schließlich muss man das ausnutzen, was einem die Rechtschreib­reform erlaubt.

2012-04-25

: "Blachhammer un Karthago." , , Neuhaus
Ein Mundartabend sorgte am Samstag im Vereinshaus für unzählige Lacher und feuchte Augen, aber ebenso für nachdenkliche Momente. […] Barbara Meißner, Günther Langhammer, Roswitha Hoffmann, Karl-Heinz Großmann und Wolfgang Brand spielten sich in unterhaltsamen 120 Minuten abwechselnd die Mikrofone zu […]. Weiter ging es im munteren Wechsel der Protagonisten mit "50 Pfennig West", der Rechtschreibreform und dem Kaffee aus Westpaketen, der einen besonderen Duft verströmte, heute aber "ohne Kokain auskommen muss, wie gelbe Rumm ohne Kerosin. Hauptsache, man schreibt Schifffahrt mit drei f."

2012-04-24

: "Es gibt einen Fokus auf österreichisches Deutsch." Ruth Wodak über Fehler in Maturaarbeiten und die Abgrenzung von Deutschland. , , Interview (1530 wörter)
Ruth Wodak über Fehler in Maturaarbeiten und die Abgrenzung von Deutschland. […] "Heute schreibt man Weblogs und E-Mails statt Tagebücher und Briefe", sagt die Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak. Sie hat eine Studie über den Wandel der deutschen Sprache erstellt und unter anderem Maturaarbeiten aus dem Jahr 1970 mit jenen von 2010 verglichen. […] Wodak: Natürlich haben die neuen Medien Einfluss. Aber es gibt verschiedene Erklärungsmodelle, warum Satzzeichen oft ein Problem darstellen. Aufgrund der letzten Rechtschreibreform kennt man sich manchmal einfach nicht mehr aus.

2012-04-23

: Welttag des Buches: Was lesen denn so die Mitglieder der LT-Redaktion? Neue OZ online, Neue Osnabrücker Zeitung (), , Lokales, Lingen
Heute ist der Tag des Buches. Dazu gibt es ein paar Lesetipps aus der Redaktion der Lingener Tagespost. […] Mein Lieblingsbuch ist, gezwungenermaßen, der Duden. Oder wird das etwa „gezwungener Maßen“ geschrieben? […] Alleine die Tatsache, dass der Duden auf dem Schreibtisch liegt, gibt Sicherheit. Schade finde ich allerdings, dass in Zweifelsfällen nach der Rechtschreibreform die Antwort meines Lieblingsbuches oft ein entschiedenes „Sowohl als auch“ ist […]. (Wilfried Roggendorf)

2012-04-21

Max Motz meint: Statistisches. Liechtensteiner Vaterland, , s. 4, Inland
Das ist wie mit der neuen Rechtschreibung:Wehte einem damals ein rauher Wind entgegen, ist es heute ein rauer, und wenn einer im Pulk bergan etwas Mühe hatte, schaffte er es noch mit Hilfe anderer, heute nur noch mithilfe. Hilfe!

2012-04-19

Programmdiskussion – Wahrung der Identität. (Deutsche Volksunion), , DVU-Programmdiskussion
Eines unserer Kernanliegen ist, dass die Deutsche Identität auch im 21. Jahrhundert und darüber hinaus erhalten bleibt. […] Wir treten daher für die Einführung einer Akademie zum Schutz der deutschen Sprache ein, welche neue Worte eindeutscht und bereits verdrängte wiederbelebt. Ein generelles Werbeverbot in ausländischen Sprachen muss erlassen werden und auch die Medien haben sich wieder ausschließlich der deutschen Sprache zu bedienen. Künftige Rechtschreibreformen sind nur noch durch Volksabstimmungen zu legitimieren.

2012-04-18

: Rechtschreibung - der ewige K(r)ampf. (Schweizer Radio DRS 1), , sendung Treffpunkt
Wie schreibt man Rhythmus? Hat Karussell ein oder zwei «r»? Schreibt sich «des Weiteren» gross oder klein? Diese und ähnliche orthografische Fragen kennt (fast) jeder. Die Sendung «Treffpunkt» geht der Rechtschreibung auf den Grund.
: «Treffpunkt» zum Thema Rechtschreibung. Schweizer Radio DRS 1 (), , 9 bis 11 uhr (dauer 1h 4'), vormittags­sendung
DRS eis am mittwuch vormittag mit em «Träffpunkt». Jä, schriibt mä etz «herzlich willkommen» – beides gross, «Willkommen» gross oder chlii? Wänn ja, isch etz das äs subschtan­tivierts adjektiv? […] Oder dr Karl Heim hät es mail gschribe […]; er laboriert wägä eme protokoll schu de ganz wuche umenand a dr korräkte schriibwiis vum woort «Kunden­akquisition». Antwoorte uf die frage gits bi üs im «Träffpunkt» zum tema rächtschriibig. En schprachwüsseschaftler [Rudolf Wachter] git antwoort; er seit üs, worum s überhaupt d rächtschriibig bruucht. Und schpitzet Si jetz schu dr bleischtift bezieigswiis fared Si ire computer ufe. Mir bittet nämli im lauf vu dere sändig zum diktat. […] Am mikrofon d Ladina Spiess – mit 2 s. […] Worum bruuchts dänn d rächtschriibig, herr Wachter? [Wachter:] Ich glaube, d rächtschriibig bruuchts drum, damit mir bim läse vu täggscht nid abglänkt wärdet. Ich sälber bi am glücklichschte, wänn ich en täggscht lise und d rächtschriibig überhaupt nid waarnime. Und jetz, i de letschte füfzä, sächzä jaar, dur de reform […] sind variante­schriibige uuftaucht und au offiziell legalisiert woorde. Nid jede läser reagiert gliich uf de variante. Es gi sonigi, wo eender moderner, reformistischer dänked, anderi – vier feuftel vo dr bevölkerig händ vor nünze­sächse­nünzg gleert schriibe und läse –, die reagiered eender negativ uf de reformschriibige. Drum isch es im grund gnuu am beschte, wänn d ortografii möglichscht unsichtbar bliibt.

Die anschliessende frage der moderatorin, ob er damit eine möglichst einfache rechtschreibung meine, konnte Wachter natürlich nicht bejahen. Denn so ganz war ihr anscheinend nicht klar, wer da ihr gast war. Wachter ist kein ortografie­spezialist und kein praxis­berater (was nicht verborgen blieb), sondern befasst sich mit historisch-vergleichender sprach­wissenschaft und seit ein paar jahren mit der begründung einer kategorischen ablehnung jeglicher recht­schreib­reformen. Wo die moderatorin eine «liechti kritik gägeüber dr neue tütsche rächtschriibig» heraushörte, ging es um handfeste agitation und unverhüllte reklame für die SOK. Übrigens: Wenn das lesen durch varianz beeinträchtigt würde, dürften wir überhaupt nichts lesen ausser ganz wenigen zeitungen und büchern (Fundsachen). Und die bevölkerung besteht nicht mehr zu 80 prozent aus «alten», sondern mittlerweile zu 70 – und das auch nur, weil wir schweizer so alt sind. In Nigeria wären es 34 prozent. – Siehe auch zitat.

2012-04-16

: Bastian Sick erklärt, was ein „Schoßaufsatz“ ist und weshalb der Brandenburger das Plusquamperfekt liebt. , , Lokales, Potsdam
Am 18. April kommt der „Sprachpapst“ nach Potsdam. […] Fast vorbei ist mittlerweile die große Aufregung um die Rechtschreibreform. Wie beurteilen Sie als „Sprachpapst“ die Reform: Segen oder Fluch? Sick: Die Reform ist zweischneidig. Es gab brutale Fehler in der Umsetzung, die aber in vielen Fällen zurückgenommen wurden. Viele Leute regen sich aber auf, ohne genau zu wissen, was der aktuelle Stand ist.

2012-04-14

: Von oben nach innen schauen: Jubiläen haben manchmal Sinn. Die Presse (), , Meinung, Gastkommentar
Aber am Rechtschreib-Duden kommt man nicht vorbei, am Stilwörterbuch auch nicht, und der Grammatik-Duden ist der Tod der Selbstsicherheit. […] Hinzu kommen die Folgen mehrerer Phasen gut gemeinter Rechtschreibreform. Oder gutgemeinter? Der Duden empfiehlt wie so oft eins von beiden, erlaubt aber auch das andere. Sarkastisch könnte man sagen: Duden und Zeitungen haben eine verheerende Wirkung in verheerender Zeit. Das wäre aber von pauschaler Unartigkeit. Wahr ist vielmehr, dass sich die Sprache nicht knebeln lässt.

2012-04-11

: Herzlich willkommen! (Spiegel Online), , Kultur, Zwiebelfisch
Auch wenn es dank E-Mail und SMS seit Jahren einen starken Trend zur Kleinschreibung gibt, so findet man andererseits immer wieder groß­geschriebene Wörter, die sich die Großschreibung gar nicht verdient haben. […] Auf unzähligen Schildern, Tafeln und Transparenten werden Reisende und Kunden mit den Worten "Herzlich Willkommen" begrüßt. […] Beim "bitte"-Schwesterwort "danke" ging die Verwirrung so weit, dass die Rechtschreib­reformer beschlossen, die Groß­schreibung für zulässig zu erklären. […] In der nächsten Rechtschreib­reform wird dann vielleicht "Herzlich Willkommen" für korrekt erklärt und "Neues Jahr" zum Namen ernannt. Das möchte ich aber "Bitte" nicht mehr erleben müssen!

2012-04-09

: „Rechtschreibreform“ im Gemeinderat. , , Lokales, Landkreis Erding, Holzland
Einzelne Ortsteile der weit verstreuten Gemeinde sind nicht einmal im amtlichen Ortsregister aufgeführt […]. Viel Recherchearbeit hat die Verwaltung in die Schreibweise der Ortsnamen von Grabruck und Öd gesteckt. […] So wurde 1913 Grabruck einmal „Grahbruck“ geschrieben, und Öd hat ein Gemeindeschreiber lange vor dem Internetzeitalter, nämlich 1909, einmal „Oed“ geschrieben. Der Gemeinderat fasste jetzt den Beschluss, dass die amtliche Schreibweise jetzt „Grabruck“ und „Öd“ zu sein hat.

2012-04-08

: Fokussiert. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 14, s. V8, Technik & Motor (84 wörter)
So ist […] darauf hinzuweisen, dass es sich bei deren Ankündigung am vergangenen Sonntag natürlich um einen Aprilscherz gehandelt hat. Wie vielen Lesern der Scherz gefallen hat, ließ sich im Internet ablesen: Es war der am häufigsten angeklickte Artikel des Sonntags. Scherz beiseite: Ein Wegfall der Umlaute wäre kontraproduktiv. Texte in Groß- und Kleinschrift sind leichter lesbar, ebenso solche mit Umlauten und ß.

Darüber, was leichter lesbar ist, gehen die meinungen auseinander. Im fall der gross- und kleinschrift ist allerdings nicht ersichtlich, wogegen sich die bemerkung richtet – sie war kein tema im aprilscherz-reformvorschlag.

2012-04-06

: Politischer Kampf um die Sprache. , , science.ORF.at, ÖAW Young Science
Was insgesamt betrachtet auffällt, ist ein Wandel im Diskurs über Sprache […]: In den 1980er- und 1990er-Jahren wurde die Sprachenfrage hauptsächlich noch anhand von Themen wie Jugendsprache, Rechtschreibreform und Anglizismen ausgefochten. Dabei spielten kulturpessimistische Interpretationen eine große Rolle: Sprachwandel wurde, vorwiegend von Nicht-LinguistInnen, vielfach zum Sprachverfall hochstilisiert. […] in eine andere Stoßrichtung weisend, erscheint demgegenüber der aktuelle Diskurs über Sprache im 21. Jahrhundert: Hier geht es nicht mehr um den Gebrauch und das innere System einer einzelnen Sprache, sondern um die Funktionen und Beziehungen von mehreren Sprachen.
: Günter Grass: Dichter auf heiklem Terrain. (OÖNachrichten), , Menschen
Schweigen war für Grass nie Gold. Er trat öffentlich ein gegen den Vietnamkrieg und die Wiedervereinigung Deutschlands (und für eine Konföderation beider Staaten), für Bundeskanzler Willy Brandt und die SPD, gegen die Atomkraft und die Rechtschreibreform.

2012-04-05

: Politik ist des Dichters zweites Element. Der Standard (), , s. 32, Kommentar, Kopf des Tages
Was den Dichter und Zeichner Grass nicht schon alles bewegte: […] Er sprach sich im Februar 1990 vehement gegen eine rasche Wiedervereinigung aus und plädierte stattdessen für eine Föderation. Er brach wegen des Asylkompromisses 1992 mit seiner geliebten SPD. Er trat mit dem ganzen Gewicht seiner Autorität gegen die Rechtschreib­reform auf.

2012-04-02

: Thannhausen und Tannhausen: Freundschaft – mit und ohne „h“. , , Lokales, Krumbach
„Schuld daran“, so Freiherr Michael von und zu Thannhausen, „war eine Rechtschreib­reform im Jahre 1903.“ Und obwohl die Vorfahren des Freiherrn und stell­vertretenden Bürger­meisters der Riesgemeinde damals eine Eingabe beim Kultusministerium machten, mit der Bitte, von einer Entfernung des „h“s abzusehen, blieben die Regierenden stur. […] Mit Muth und thut, mit Thür und Thor verlor also auch Tannhausen sein „h“, und Bürger wie Edelleute der Gemeinde müssen sich seither damit trösten, mit dem Tann­häuser von Richard Wagner literarisch und musikalisch verewigt worden zu sein, weil der sagenhafte Minne­sänger aus der frei­herrlichen Familie stammt.

2012-04-01

: Das war lengst yberfellig. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (), , nr. 13, s. V8, Technik & Motor, Tech-Talk
Die Deutsche Gesellschaft für Sprache im Technischen Zeitalter (DGSTZ) plant in Berlin zusammen mit den knapp zwanzig Kultusministerien die Reform. Sie stützt sich dabei in erster Linie auf Erfahrungen bei der letzten Rechtschreibreform. Vor allen Dingen ist von Anfang an die rege Beteiligung der Schreibenden vorgesehen. Die Anpassung des Deutschen an globale Gegebenheiten soll mit dem Verzicht auf das „scharfe S“ beginnen, danach sollen aber auch zügig die Umlaute Ä, Ö, und Ü entfallen. […] Weitere Vorschlege betreffen den im Deutschen allerumstendlichsten Laut, das sch. […] Doch bis wir effizient Cule und Caclik schreiben werden, mag es noch manches Jehrchen dauern. Caun wir mal.

2012-03-30

: Aufgefallen: Seilziehen um Buchstaben und Akzente. Neue Zürcher Zeitung, , 233. jg., nr. 76, s. 2, Seite zwei
Im krisengeschüttelten Portugal finden sich noch reichlich Freiräume für Zwiste abseits der Krise. Zwischen Teilen der geistigen Elite tobt etwa ein Grabenkrieg um eine Reform der portugiesischen Rechtschreibung, die seit über zwanzig Jahren geplant war, aber erst in jüngerer Zeit auf breiter Front in den Alltag einzog.

2012-03-27

: Ein Sprachgenie alter Garde. , , Schwarzwald-Baar-Heuberg
Sebastian Krämer gastierte im Gütenbacher „Hanh-Art“. […] Selbst so eine ehrwürdige Institution wie die Volkshochschule bekommt ihr Fett ab […] und die Deutschlehrer werden wortgewaltig niedergemacht, denn „sie hätten die Rechtschreibreform verhindern können“.

2012-03-26

: Studenten ohne Rechtschreibkenntnisse. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 8, Briefe an die Herausgeber
Wie kann es sein, dass an deutschen Schulen Schüler die Hochschulreife erwerben und es offenbar an den Schulen weder erkannt noch in irgendeiner Form sanktioniert wird, dass die Betreffenden nicht in der Lage sind, drei aufeinanderfolgende fehlerfreie und verständliche Sätze zu schreiben (geschweige denn, eine ganze Seite)?
: Goethe und die Ausbreitung des Allerweltswortes. (Mitteldeutsche Zeitung), , Lokales
Die Neue Fruchtbringende Gesellschaft hatte […] gemeinsam mit der Anhaltischen Goethe-Gesellschaft zu einem Vortrag über die deutsche Sprache geladen. […] Es referierten der Germanist Josef Mattausch, Vorsitzender der Leipziger Göthegesellschaft, und der Journalist Eike Christian Hirsch. […] Den Auftakt machte Eike Christian Hirsch, der sich als Journalist des NDR und Schriftsteller im Besonderen der deutschen Sprache und ihrer Pflege widmet. […] Aktuelle Entwicklungen in der deutschen Sprache und Beispiele der Sprachregulierung nannte Hirsch auch. Doch er ging nicht auf Anglizismen und die Rechtschreibreform ein, sondern übte als "laienhafter Sprachfreund" Kritik am Umsichgreifen von Allerweltsworten wie "Problem", "Kontakt", "positiv" und "negativ", die sich zunehmend im Sprachgebrauch verbreiteten.

2012-03-22

: Die Stunde der Dilettanten. Die Furche (), , Feuilleton (1047 wörter)
Der Publizist Thomas Rietzschel hat mit „Die Stunde der Dilettanten“ eine scharf­züngige Zeit- und Gesellschafts­diagnose vorgelegt: ein Weckruf für ein saturiertes Bürgertum. […] Rietzschel: […] Vor Jahren gab es einen hessischen Bildungs­minister, Ludwig von Friede­burg, der die Rechtschreibung abschaffen wollte, weil durch ihre Geltung jene diskriminiert würden, die sie nicht beherrschen. Was damals vielen noch zum Lachen absurd vorkam, wurde dann später, wenigstens teilweise, mit dem Buben­stück der Rechtschreib­reform politisch durch­gesetzt. Denn auch dabei ging es um nichts als eine Niveau­absenkung zum scheinbaren Vorteil der Schwächeren. Bildungs­abbau wird unter dem Deckmantel der Sozial­politik betrieben. Nivellierung statt Leistungs­förderung. Jeder soll glauben, alles zu können. Ein probates Mittel der Politik, um die Massen für sich zu gewinnen - bildungs­verarmte Massen, die sich von den Dilettanten der Macht leichter ver­schaukeln lassen.

2012-03-21

neu : Höhöhöhöhö. Die tägliche Reifeprüfung im Forum. , , Diskurs, Community (284 wörter)
[…] da hätten wir zum Beispiel auch Dirty Sanchez i.R. Der will beim Thema "Food, neu aufgelegt" (es geht um einen Fotoband zur Ess- und Trinkkultur) auch mitspielen: "Ich auch, und ein Food-Poster ist etwas Feines. Aber irgendwie scheint man das Wort jetzt ganz anders zu schreiben; ob das mit der Rechtschreibreform zusammenhängt?"

2012-03-16

: Die Recht-schreibung der Wahlen. St. Galler Tagblatt Online (), , Panorama
Wohlbekannt ist etwas anderes als wohl bekannt – das Beispiel, seinerseits wohlbekannt, steht hier einmal mehr für die Einsicht, dass die Rechtschreibreform in einem entscheidenden Punkt Chaos angerichtet hat: in der Vernebelung der Differenz zwischen wörtlicher und übertragener Redeweise.

2012-03-15

neu : Die ss-Regel der Rechtschreibreform - ein logisches Dilemma. , (814 wörter)
Wie frappierend einfach ist es doch im nichtreformierten Deutsch. Da gibt es für das Schreiben des ß nur eine Regel: ß wird dort geschrieben, wo man ss nicht trennen kann oder nicht trennen darf. Und das Schöne an dieser Regel ist: Zu ihr gibt es keine Ausnahmen.

2012-03-14

neu : Ach was: Loriot ist "Sprachwahrer des Jahres". , , Pressemappe Deutsche Sprachwelt (304 wörter)
Loriot hat die Wahl zum "Sprachwahrer des Jahres 2011" gewonnen. […] die neugeregelte Rechtschreibung zerpflückte er 1997 auf einer Dichterlesung mit dem Satz: "Die Rechtschreibreform ist ja völlig in Ordnung, - wenn man weder lesen noch schreiben kann."

2012-03-13

: Genf, Freiburg und Zug mit Flair für Orthografie. 20 Minuten (), , s. 2 bis 3, Auftakt (323 wörter)
Für manche ist Rechtschreibung Glückssache. […] «Wiedersacher» statt «Widersacher» oder «Gradwanderung» statt «Gratwanderung»: Bei deutschen Begriffen hauen die Internetnutzer aus Graubünden am häufigsten daneben. Dies ergab eine Auswertung von 20 Minuten aufgrund falsch geschriebener Google-Suchwörter von 2004 bis heute. […] Peter Müller von der Schweizer Orthographischen Konferenz hat Verständnis für die Schwierigkeiten: «Sprache ist nicht durchgehend logisch, es gibt viele Ausnahmen. Selbst für Fachleute ist die deutsche Rechtschreibung nicht einfach.» […] «Möglichst oft gute Texte lesen, so entsteht Rechtschreibkompetenz

2012-03-12

: Bastian Sick erklärt sprachliche Untiefen in der Orangerie. , , Kultur
Nicht zuletzt seit einer verpatzten Rechtschreib­reform, die später in Teilen wieder zurück­genommen wurde, finden sich in unserer Orthografie und Grammatik zahlreiche, teils geschickt versteckte Fallstricke. Wie gut, dass es einen Aufklärer gibt, der um die Fehler weiß: Bastian Sick – der Mann für alle Fälle. In der Orangerie führte er am Sonntag­abend die absurdesten Irrtümer vor […].

2012-03-10

: Marktplatz 11: Gebündelt. Badische Zeitung (), , Emmendingen
So hat sich auch bei der Beschilderung des neu eingerichteten Erlebnis­parcours im Stadtwald ein "Barfusspfad" eingeschlichen. Offen­sichtlich zum Verdruss eines Sprachhüters. Dieser korrigierte den Fehler nun in Selbsthilfe. Über das "ss" schraubte er kurzerhand ein Holzstück mit einem "ß".

2012-03-05

neu : Wissenschaftliche Rezension: Orthographische Betrachtungen. , , Wissenschaft (922 wörter)
Eine systematische Beschreibung der deutschen Rechtschreibung mit einer didaktischen Perspektive zu verbinden – das ist der Anspruch, den Jakob Ossner mit seinem Studienbuch Orthographie. System und Didaktik, erschienen bei UTB, erfüllen möchte. […] Insgesamt zeichnet Orthographie. System und Didaktik ein ambivalentes Bild. Es zeigt Zusammenhänge des sprachlichen Systems des Deutschen und der Orthographie auf, könnte sich aber gerade für Quereinsteiger in das Lehramt Deutsch oder Studienanfänger […] als zu voraussetzungsreich entpuppen.
: Plädoyer für kleine Schnörkel. Bildung: Neue Grundschrift für Schulanfänger ruft Sprachschützer auf den Plan. (Nordwest Zeitung), , Kultur
Schon bei der Rechtschreibreform sind Sprachschützer auf die Barrikaden gegangen, nun gibt es ein neues schulpolitisches Thema, das die Gemüter erhitzt. […] Ähnlich wie bei der Rechtschreibreform hat man nur Gutes im Sinn: Schüler seien oft mit dem Erlernen der Schreibschrift überfordert. […] Noch „nicht als Weltuntergang“ sieht der Verein Deutsche Sprache (Dortmund) die Einführung der Grundschrift. Gleichwohl warnt ihr Geschäftsführer, der Germanist Dr. Holger Klatte, nachdrücklich davor, die Schreibschrift aufzugeben. […] Das Problem liege „ganz woanders“, etwa in der Tatsache, dass immer weniger Kinder die Schule verlassen, ohne sich in der deutschen Sprache verständlich machen zu können, und sich letztlich auf dem Niveau von Analphabeten befänden.

Ja, z. b. bei der kommasetzung …

2012-02-29

: Die Geschichte des verlorenen Buchstabens. Tagblatt der Stadt Zürich (), , nr. 9, s. 30, Die deutsche Seite
Deutsche Helvetikanfänger wundern sich über eine Besonderheit in der Recht­schreibung: Wo ist das ß geblieben? […] Christa Dürscheid, Professorin für Deutsche Sprache an der Universität Zürich, erklärt das Abhanden­kommen des Sonderzeichens mit den zwei Buckeln so: «Die Vermutung ist, dass im Zuge der Verbreitung der Schreib­maschine zu Beginn des 20. Jahr­hunderts das ß als für das Italienische und Französische über­flüssige Zeichen auf der schweizerischen Standard­tastatur eingespart worden ist.» – Ein «vorgeschobener Grund», findet der Linguist Peter Gallmann. Für ihn liegt der Sonderfall im Schweizer­deutschen Laut­system begründet. Das Doppel-S sei in der Schweiz nicht wie in Deutsch­land an die Vokal­kürze gekoppelt.
: Warum Paulinchen keine Jogger anspringt. Die kleine Sprachkritik. , , Kultur
Wissen Sie eigentlich, seit wann die neue deutsche Recht­schreibung gilt? Nein? Macht nichts, Sie gehören zur schweigenden Mehrheit! So wie meine alte Freundin Pauline. […] Natürlich muss Pauline da jederzeit auf dem laufenden sein (nein, nicht: auf dem "Laufenden"! Mein Paulinchen springt doch keinen Jogger an!).

2012-02-24

Stichwort Sprache. , , Schrobenhausen
Viele Ältere haben sich der Rechtschreib­reform zwar verweigert, werden aber mittlerweile festgestellt haben, dass sich die eine oder andere Regeländerung bewusst oder unbewusst dann doch eingeschlichen hat. Und die Jüngeren, die mit der neuen Recht­schreibung aufgewachsen sind, werden so oft mit der alten konfrontiert, dass auch hier eine Verwässerung der Kenntnisse unvermeidlich ist.

2012-02-23

: Andere Bedeutung. Der Bayerwald-Bote, , nr. 45, s. 22, Lokales, Leserbriefe
In seinem Leserbrief kritisiert Herr Barth die unterschiedliche Schreibung des Wortes Rißloch und verweist dabei auf die neue deutsche Recht­schreibung. Er übersieht, dass Orts- und Geländebezeichnungen häufig Eigennamen sind, für die die Rechtschreibregeln nicht angewendet werden können.

Doch! Empfehlungen und Hinweise für die Schreibweise geographischer Namen.

: Loblied aufs Experimentieren. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 46, s. 30, Feuilleton
Die seit 1974 erscheinende Hamburger Klopstock-Ausgabe hat jetzt, nach gründlichen Vorstudien, endlich die langersehnte Ausgabe der "Oden" und der "Geistlichen Lieder" auf insgesamt fast 950 Seiten vorgelegt, allerdings nur teilweise. […] Die neue Edition bietet den Klopstockschen Text weitgehend in der Orthographie und der freieren Interpunktion, die die Zeitgenossen zu Gesicht bekamen.

2012-02-20

: Dialektisch: Padatti. Tages-Anzeiger, , s. 25, Kultur & Gesellschaft (66 wörter)
Wir bilden uns ja einiges darauf ein, dass wir Portemonnaie auch nach der Rechtschreib­reform und der Erfindung des Portmonees noch korrekt französisch schreiben.

2012-02-18

: Sprachlabor (138): Der Deppen-Apostroph. Süddeutsche Zeitung (), , Forum
[…] in unserem Feuilleton, wo zur Bewertung von Helmut Dietls neuem Film auch "Dietls Albtraum" herangezogen wurde. […] wurde der Albtraum an der prominentesten Stelle der Kritik, in der Überschrift, nicht als "Dietls Albtraum" präsentiert, sondern als "Dietl's Albtraum" […]. Unsere Leserin W.-G. hat sich über diesen "Deppen-Apostroph" sehr erbost, und wir können uns vor ihrem Zorn nicht einmal hinter der Rechtschreib­reform verstecken. Die lässt den Apostroph vor dem Genitiv-s nämlich allenfalls dann zu, wenn damit eine Namensverwechslung vermieden wird (§ 97) […].

2012-02-17

: "Tollpatsch" – ein Migrant aus Ungarn. Die Welt (), , Wissen (95 wörter)
Mit "toll" hat der "Tollpatsch" nichts zu tun. Das Wort wurde jahrhundertelang nur mit einem "L" geschrieben, bis es im Zuge der Rechtschreib­reform 1996 mit Doppel-L zur einzigen zulässigen Schreibweise erklärt wurde.

2012-02-16

: Wundersame Wortvermehrung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 40, s. 34, Neue Sachbücher
"Fremdwörter sind Wörter der deutschen Sprache" - so beginnt dieses Buch des bekannten Potsdamer Linguisten Peter Eisenberg. […] Besonders auffällig sind die ph, th, rh, ch in Graezismen, die übers Lateinische transferiert wurden wie "Philosophie", "Theater", "Rhythmus", "Christ", deren Integration in der Rechtschreib­reform entschieden abgelehnt wurde.
: Mammutprojekt Rechtschreibreform ohne Erfolgskontrolle. (Mainpost Würzburg), , Zeitgeschehen
Ob Schüler jetzt leichter rechtschreiben als vor der Reform, wissen nicht einmal Experten: Eine nationale Vergleichsstudie wurde nie gemacht. […] Mittlerweile ist die Rechtschreib­reform kein Aufregerthema mehr. Ob das erklärte Ziel der Reform – die Vereinfachung des Schreibens und Schreibenlernens – eineinhalb Jahrzehnte nach der Einführung erreicht worden ist, kann indes kein namhafter Experte in ganz Deutschland sagen. „Es gibt nämlich keine wissenschaftlich haltbaren Vergleichsstudien“, so bundesweit Experten auf die Frage, warum sie die Frage nicht beantworten können.
: Falsche Aussagen zum Lehrplan. [Leserkommentar zu] „Der Vogl dringd Wasa“. (Mainpost Würzburg), , Zeitgeschehen
Jeder Fehler wird angestrichen und ausgebessert. Somit ist das Argument, dass sich ein falsches Schriftbild einprägt, falsch. […] Somit würden in einem Diktat in der zweiten Klasse nur folgende Variationen als fehlerfrei gewertet: 1. Der Vogel trinkt Wasser. 2. Der Fogel trinkt Wasser, solange das Wort Vogel noch nicht in den Lernwörtern durchgenommen wurde.
: „Der Vogl dringd Wasa“. (Mainpost Würzburg), , Zeitgeschehen
Schreiben, was man hört: Bayerns Grundschüler lernen seit einiger Zeit mit der Anlauttabelle schreiben. Seither machen sie viel mehr Rechtschreibfehler. Das ist lehrplangemäß. […] Wer heute eine Gruppe Zweitklässler das Sätzchen „Der Vogel trinkt Wasser“ schreiben lässt, wird sehen, dass sechs Kinder den Satz in sechs Varianten schreiben. Von halbwegs rechtschreibtreuen Versionen wie „Der Vogel trinkt Waser“ bis hin zu Varianten wie „Der Vogl dringd Wasa“ und „Dea Fokel trinkt Wassa“ ist alles dabei.

2012-02-13

: Die letzte Tübnacht vor den Wahlen. St. Galler Tagblatt Online (), , Rorschach
Eingebettet ins grosse Konzert traten drei im Dorf vertraute Cliquen auf […]. Nur der Name von Mister X stand neu im Programm. Doch, wer genau hinhörte, was der stark auftretende Mann im Kilt der Schotten zu sagen hatte, erkannte bald den einstigen Römer […]. Mister X erinnerte an zu Guttenberg, Griechenland und den Blatter Sepp. Er regte sich über Dr. Mangs Künste auf und und hatte in die Rechtschreib­reform-Diskussion am Tübacher Stammtisch hineingehorcht.

2012-02-12

: Dilettanten: „Wollen anstelle des Könnens“. Kurier (kurier.at), , s. 5
Je weniger wir Herr der Dinge sind, desto mehr haben wir gelernt, den Anschein zu erwecken“, schreibt der Kulturgeschichtler und Autor Thomas Rietzschel in „Die Stunde der Dilettanten“ […]. Ein Gespräch über das Wollen, das vor dem Können steht, und warum das so gefährlich ist. […] Sie reden vom bildungspolitischen Kulturverfall und nennen die Rechtschreib­reform als Beispiel. [Rietzschel:] Sie ist Beispiel dafür, wie Reformen von Dilettanten in Gang gesetzt werden, die von der Sache nichts verstehen. Die Rechtschreib­reform hat sich nicht aus der Entwicklung der Sprache ergeben, sie ist ein soziales Projekt gewesen: Die Sprache wurde auf ein Maß reduziert, das der gerade verfügbaren Bildung noch halbwegs entspricht.

2012-02-07

: Take a draught of elixir for your cough. The Oklahoman, , s. 5D/49, Advice
The reason “draft” and “draught” are pronounced the same is that they’re the same word, Jim. One uses the phonetic spelling of modern English while another reflects a spelling adapted from the phonetics of Middle English, from which it was handed down. Americans tend to write “draft,” while the British seem to prefer “draught.” […] Some advocates of spelling reform have cited the made-up word “ghoti,” pronounced the same way you pronounce the name of that finny creature Floyd catches from Uncle Hadacol’s pond. The “gh” is pronounced as “f,” the “o” is pronounced like the “o” in “women,” and the “ti” is pronounced like the “ti” in “condition.”

2012-01-23

: Kurz und knackig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 19, s. 38, Rhein-Main-Zeitung (62 wörter)
Es ist erfreulich, dass die F.A.Z. der abstrusen neuen Recht­schreibung schon lange nicht mehr sklavisch folgt […].

2012-01-20

: "Schuld daran ist nur Ochse Uwenknecht." RTL-Dschungel-Autoren Haas und Beisenherz. , , Topstory
Hallo in den australischen Sumpf der Gruppendynamik! Wie ist die Stimmung im Autorenteam? JOH: Toll! Seit dem 10. Januar verbringen Micky und ich mehr Zeit miteinander, als ein Pärchen in den Flitterwochen. Es muß Liebe sein. MB: Muss! Mit zwei S! Wie oft hab´ ich Dir Idiot gesagt, dass man „muss“ mit zwei S schreibt! JOH: Ja... das kommt davon, wenn man sich so ein junges Ding anlacht. Kollege: Ich wechsel' auf die neue Rechtschreib­reform, wenn sie sich bewährt hat. Also frühestens mit Deiner Geschlechtsreife.

2012-01-19

: „Das ist eine nie gebrochene Liebe.“ BZ-Interview mit dem Regisseur Stephan Weiland und dem Übersetzer Peter Urban über Daniil Charms im Theater im Marienbad. Badische Zeitung (), , Kultur
Das Freiburger Theater im Marienbad hat den russischen Autor Daniil Charms für sich entdeckt […]. Charms war zwölf Jahre alt und klassisch gebildet, als die russische Revolution ausbrach. Ihm wurde der Boden unter den Füßen weggezogen. Das fing an bei der Kalenderreform, die jedem Bürger 13 Tage aus dem Leben strich, ging über die Orthographiereform bis zur Einführung der Fünf-Tage-Woche. Das war eine komplett fremde neue Welt. Was Charms notiert hat, war ein Akt der Selbstvergewisserung und des inneren Widerstands gegen diese abnormen Veränderungen.

2012-01-17

: Kleinvieh macht auch Mist! Kabarettgruppe „Heimatmuseum” zeigte humorvoll, dass „Von Nordschleswig lernen, siegen lernen heißt”. ,
Schließlich habe man(n) sich bei der Mehrheit ja durchaus stark gemacht für die Minderheit – doch was nütze es, wenn „die da“ anders abstimmen und bei der Überrollung die deutsche Minderheit plattmachen. […] Gut, dass man sich im Heimatmuseum selbst zu helfen weiß: Mit einer Rechtschreib­reform zur Harmonisierung von Sprachen im Grenzland, beispielsweise. Ein bahnbrechender und grenzüberschreitender Vorschlag mit Zukunftsperspektive, durch den Deutsch und Dänisch verschmolzen werden zu einem harmonischen und vor allem dies- und jenseits der Grenze verständlichen Ganzen – was ja heute zum Teil auch schon praktiziert wird – in Wort und Schrift, wie das Heimatmuseum eindrucksvoll demonstrierte.

2012-01-14

: Betrug am Frühstückstisch. Oder: Warum das Beste nicht gut genug ist. , , Lokales, Ostprignitz-Ruppin
„NEU! Unser Bester Geschmack“ – man stelle sich diese Ungeheuerlichkeit einmal vor. (Natürlich nicht die orthografische: Seit der Rechtschreib­reform schreibt doch sowieso jeder, wie es passt. Da geht bestimmt „NEU! Unser Bester Geschmack“ in der Abiturprüfung durch.)
: Schnörkelloses Streitobjekt. , , Politik
Schulleiter Fred Völker, als Grundschulverbands-Vorstandsmitglied in Bayern erklärter Grundschrift-Fan, […] spielt auf den Streit um die neue Methode an: Seit der Einführung im Sommer in Hamburg tobt ein Kulturkampf, der bald so laut sein könnte wie der um die Rechtschreib­reform. Von Kulturverfall ist die Rede, von Reformwut, von sinkendem Anspruch an die Schüler, von einem schulpolitischen Himmelfahrtskommando.

2012-01-13

Stenografenverein vermittelt die neue deutsche Rechtschreibung. , , Aktuelles aus Stadt und den Gemeinden im Kreis Offenbach
Am Samstag, 28. Januar, bietet der Langener Stenografenverein ein Seminar zur neuen deutschen Recht­schreibung an. „Die Rechtschreib­reform hat jede Menge Positives zu bieten!“ erklärt Regine Daneke, 1. Vorsitzende der örtlichen Stenografen […].

2012-01-11

neu : Das Trauerspiel geht weiter. , , Besserwissers Mäkelblog
Die neuen Regeln haben so viel Verwirrung gestiftet, dass ein kompletter Block unserer Sprache abzubrechen droht, der als sprachliches Gestaltungsmittel große Bedeutung hat: Die Getrennt-/Zusammenschreibung. Dies ist ein Bedeutungsträger, der durch nichts anderes ersetzt werden kann. Es ist ein großer Verlust für die Sprache.

2012-01-09

: Police, Adjective. Ein Anti-Krimi. , , Filme
Darüber hinaus ist Police, Adjective ebenso ein Film über Sprache und Semantik. […] Besonders schön zeigen dies auch die Szenen, in der er mit seiner Freundin über die Arbeit der Rumänischen Akademie, die Änderungen der letzten Rechtschreib­reform und den Text eines Schlagersongs diskutiert: "Was wäre das Meer ohne die Sonne, was das Feld ohne die Blume?"

2012-01-07

: Allerlei Kleinodien. Lexikon der schönen Wörter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 6, s. 43, Rhein-Main-Zeitung
Und so sind viele schöne Wörter der deutschen Sprache schon halb ins Grab gelegt. Wer sagt noch "behende", was man seit der gloriosen Rechtschreib­reform "behände" schreibt?
: Wulffs Integrität stark angeschlagen. (Nordwest Zeitung), , Leserforum
In einem persönlichen Gespräch versicherte uns der damalige Oppositionsführer in Hannover, Christian Wulff, hoch und heilig, die Rechtschreib­reform rückgängig zu machen, falls er Ministerpräsident werden sollte. […] Als Wulff dann tatsächlich Ministerpräsident wurde, hatte er sein Versprechen allerdings schnell wieder vergessen. Mit seinen eigenen Aussagen konfrontiert, schrieb er uns sinngemäß, es tue ihm leid, aber die Zeiten änderten sich nun mal.
: Die Schule der Dilettanten. Die Presse (), , Spectrum, Zeichen der Zeit
Die „Wissensgesellschaft“ ist zur Spielwiese der Pfuscher geworden […]. Unter dem selbst auferlegten Druck beschleunigter Wohlstandsvermehrung durch forciertes Wachstum sind wir unversehens in den Zustand einer Bildungsverwahrlosung geraten […]. Oder wie sonst soll man sich das Feuerwerk der Schul-, Bologna-, Rechtschreib- und sonstiger Reformen erklären, bei denen es stets um das Gleiche geht, um eine „Verschlankung“ der Bildungsangebote, um deren Reduzierung auf das, was gerade noch für das berufliche Funktionieren notwendig scheint. […] Überall wurden Theorien zusammengestammelt, die uns erklärten, dass das Bild eine sehr viel komplexere Aussagekraft besitze als der formulierte Satz. […] eine vertiefte sprachliche Ausbildung [schien] nicht mehr sonderlich vordringlich. Was diese blödsinnige Haltung nach sich zog, sollte den Dilettanten des Fortschritts erst in einer nächsten Phase der technischen Entwicklung auffallen. Als die Gesellschaft die Vorzüge der elektronischen Kommunikation per E-Mail und SMS entdeckte, zeigte sich plötzlich, wie dringlich die Sprache weiterhin gebraucht werden wird […]. Da aber war das Kind schon in den Brunnen gefallen, keine Rechtschreib­reform konnte es retten, sodass wir nun Zeugen einer beispiellosen und gar nicht mehr so schleichenden Selbst­zerstörung unseres wichtigsten Kulturgutes werden: Weil sich eine wachsende Mehrheit des schriftlichen Ausdrucks bedient, ohne ihn noch zu beherrschen, führt die radebrechende Kommunikation per E-Mail, SMS, Twitter oder Facebook zu einer Potenzierung des sprachlichen Unvermögens.

2012-01-05

: Fetzenlogik. , , Sprachlog
Ich wollte zum Vorsitzenden des Rechtschreibrates und dessen abstrusen Phantasien vom Zusammenhang zwischen Analphabetismus und der „Fetzenliteratur“ auf Twitter eigentlich nichts schreiben -- ich kann schließlich nicht jeden Blödsinn kommentieren, den irgendein Laiensprachnörgler von sich gibt. […] Eine Erklärung des Analphabetismus auf der Grundlage von Kommunikationstechnologien oder -angewohnheiten bietet sich angesichts der annähernden Gleichverteilung des Problems über die Altersgruppen hinweg schlicht nicht an. Die eigentliche Erklärung ist auch viel einfacher, und sie zeigt, dass wir uns zur Bekämpfung von Analphabetismus um eine „stärkere Rolle“ der Recht­schreibung „in Schule und Lehrerausbildung“ genausowenig Gedanken machen müssen, wie um Kurznachrichtendienste. Stattdessen sollten wir dafür sorgen, dass mehr Menschen überhaupt einen Schulabschluss und eine vernünftige (Aus-)Bildung erhalten […].

2012-01-02

: Hdl & Co: Zehetmair kritisiert Chat-Sprache – Contra aus Passau. (Passauer Neue Presse), , Passau
"Fetzenliteratur" auf Twitter oder in SMS bedroht nach Ansicht des Rechtschreibrats-Vorsitzenden Hans Zehetmair die Sprachkompetenz junger Leute. […] Diese Bewertung hält Frederik Weinert, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sprachwissenschaft an der Universität Passau, für unangebracht. Aus seiner Sicht handelt es sich bei der Entwicklung nicht um einen Sprachverfall, sondern einen Sprachwandel. Die schnelle Kommunikation per Handy oder Internet dürfe nicht mit der schriftlichen Standardsprache verglichen werden, so Weinert.
: Ein Freund, kein guter Freund. Wulff vs. "Bild". (die tageszeitung), , Medien (1175 wörter)
Christian Wulff soll "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann einen "Krieg" angedroht haben. Dabei war einst alles gut. […] 13. 7. 2004. Die Bild fordert: "Schluss mit dem Sprachchaos!" Es war der Sommer der Rechtschreib­reform. Derselben Meinung ist Christian Wulff. "Wir dürfen nicht zulassen, dass ein so hohes Kulturgut wie die deutsche Sprache verhunzt wird", sagt er dem Blatt. 11. 8. 2004. Der Bild-Orden "für Retter der deutschen" Sprache geht an Christian Wulff. 22. 9. 2004. Bild ernennt Christian Wulff zum Gewinner des Tages: "Niedersachsens Minister­präsident Christian Wulff (45) trägt seinen BILD-Orden ,Retter der deutschen Sprache!' zu Recht."
: Sprachexperte geißelt Fetzenliteratur auf Twitter. Welt Online (), , Kultur
Der Rechtschreibrats-Chef Hans Zehetmair schlägt Alarm: Twitter, Anglizismen und Abkürzungen wie "HDL" gefährden die Sprach­kompetenz ganzer Generationen.

2012-01

: Sprache im Deutschunterricht – kein Spiel ohne Grenzen. Der Deutschunterricht (), , 64. jg., nr. 1, s. 2 bis 6, Einführung in das Themenheft (2902 wörter)
Ist es zu akzeptieren, wenn in ein und demselben Schülertext ein Wort in verschiedenen Varianten geschrieben wird, auch wenn jede Schreibvariante für sich genommen zulässig ist (z. B. Portemonnaie / Portmonee)? Kennt man als Lehrer überhaupt die nach der Rechtschreibreform zulässigen Schreibweisen; weiß man bei der Korrektur eines Schülertextes z. B. auf Anhieb, ob die Schreibung Sketsch nun korrekt ist oder in den Sätzen Thomas dachte nicht daran, zu gehen; Das Feuer brannte endlich, und sie machten es sich gemütlich oder Wir fahren morgen, ausgenommen, wenn es regnet tatsächlich ein Komma stehen darf? In manchen Fällen wird man möglicherweise gar nicht vermuten, dass es sich um eine nunmehr richtige Schreibweise handelt (z. B. die Großschreibung in der Wortgruppe morgen Früh), in anderen Fällen wird man – im Gegenteil – eine Schreibweise als korrekt ansehen, die nach der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung nicht mehr zulässig ist (z. B. die Kleinschreibung in der Wortgruppe und ähnliches). Solche Fragen nach der Zulässigkeit einer bestimmten Form können auch auftreten, wenn es um die Korrektur grammatischer Phänomene geht, und auch hier sind die Grenzen des Zulässigen nicht ohne weiteres (oder: ohne Weiteres?) evident.
: Verblödungstoleranz. Forschung & Lehre (), , nr. 1, Standpunkt
Gerade schaffen sie in den Schulen die Schreibschrift ab. […] Der Aufschrei der Empörung, den diese Nachricht auslöste, fiel schwach aus. Erinnern wir uns noch an den bürgerlichen Aufstand gegen die Rechtschreib­reform? […] Die FAZ hat damals die Machtfrage gestellt, indem sie verkündete: Wir machen den Unfug nicht mit. Sie hat sie gestellt – und verloren. Die Anpassung an die reformierte Schreibung geschah, eher leise, ein paar Jahre später – hat das noch jemand gemerkt?