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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel1881 → Schweiz. Orthographiekommission
ortografie.ch ersetzt sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org
Der Bund (Bern), (481 wörter)

Schweizerische Orthographie­kommission

Am letzten Samstag und Sonntag tagte in Solothurn die schweizerische Orthographiekommission. Sie hat nun die Umarbeitung des im Jahr 1863 vom schweizerischen Lehrerverein herausgegebenen, dato aber vergriffenen „Regelnund Wörterverzeichnis für die Rechtschreibung und Zeichensetzung zur Erzielung einer einheitlichen Orthographie in den deutsch-schweizerischen Schulen" vollendet. Bei dieser zweiten Auflage des genannten Büchleins hat die Kommission nicht nur die Forderungen der Neuzeit berücksichtigt, sondern die schweizerische Orthographie möglichst in Uebereinstimmung mit der in Deutschland amtlich festgestellten gebracht. Freilich hat sie dabei Inkonsequenzen der deutschen Orthographie, die man selbst in Deutschland als solche taxirt und nachträglich beklagt, vermieden. Dieß ist z. B. mit dem H nach dem T, resp. mit dem Th der Fall. Während die deutsche Orthographie das H nach dem auslautenden T und nach dem anlautenden, wenn auf dasselbe ein Diphthong folgt, wegläßt, dagegen nach dem anlautenden T, wenn nach demselben ein einfacher Vokal steht, beibehält, hat die schweizerische Orthographiekommission durchweg das H nach dem T aberkannt. Bloß in Fremdwörtern und Eigennamen bleibt dasselbe. Deßgleichen wird das H als Dehnungszeichen in Zukunft wieder seinen Platz behaupten.

Bekanntlich hat die Kommission in einer frühern Sitzung das Tz und Ck wegdekretirt, resp. zu einem einfachen Z und K degradirt. Weil sich jedoch gegen die Abschaffung des Tz und Ck gewichtige Stimmen erhoben und geleitet von der Erkenntniß, daß die bezügliche Neuerung, obschon vielfach befürwortet, so lange nicht allgemein durchgeführt werden kann, als sie in Deutschland nicht acceptirt ist, hat die Kommission den betreffenden Beschluß wieder zurückgenommen und läßt nun, wohl zuni nicht geringen Leidwesen einer großen Zahl von Lehrern und der schweizerischen Bundeskanzlei, einstweilen das Tz und Ck fortbestehen. Bei Wörtern mit schwankender Schreibweise wählte die Kommission stets die einfachere oder konsequentere Form. In Fremdwörtern ersetzte sie, wo dieß ohne Störung und Zwang geschehen konnte, das C mit K-Laut durch K und das C mit Z-Laut durch Z, ließ dagegen das T mit Z-Laut unangetastet. Andere von der Kommission getroffene Neuerungen und Abänderungen sin 6 unwesentlicher Natur ; immerhin hat das neue Orthographiebüchlein dem bisherigen gegenüber mehrere namhafte Verbesserungen und Vervollständigungen aufzuweisen.

Wie wir vernehmen, gedenkt der Centralausschuß des schweizerischen Lehrervereins die am 5. September nächsthin in Zürich stattfindende Konferenz schweizerischer Erziehungsdirektoren, die sich bekanntermaßen auch mit der Orthographie befassen wird, in Bezug auf das Opus der Orthographiekommission zu begrüßen und aus Wunsch ihr dasselbe zur Begutachtung vorzulegen. Es ist ihm mit Recht daran gelegen, die betreffende Konferenz für die Orthographiebestrebungen des schweizerischen Lehrervereins zu gewinnen; denn zur Erzielung einer einheitlichen Orthographie in der Schweiz ist vor Allem nothwendig, daß in allen deutsch-schweizerischen Volksschulen die gleiche Orthographie gehandhabt und geübt und der Abfassung sämmtlicher obligatorischer Lehrmittel zu Grunde gelegt werde. Dieß zu bestimmen und zu verordnen liegt nun aber wesentlich in der Hand der schweizerischen Erziehungsdirektoren. Mögen daher dieselben den bezüglichen Bestrebungen des schweizerischen Lehrervereins Sympathie und Gewogenheit entgegenbringen und durch entsprechende Schlußnahmen das Ideal einer einheitlichen Orthographie in der Schweiz realisiren helfen!