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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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Decker, Kerstin

: Seh’ ich nicht ein! Leipziger Volkszeitung, , s. 17, Leipzig, Hallo Leipzig
Auf der Buchmesse habe ich Heinz-Rudolf Kunze mal gefragt, warum er „daß“ oder „wußte“ immer noch mit ß schreibt, obwohl seit dem Jahr 2006 die Rechtschreib­reform verbindlich ist. Er boykottiere die Zer­störung der deutschen Sprache, sehe die Regel nicht ein, antwortete der studierte Germanist. Mein Einwand, Regeln seien dazu da, dass alle sich darauf verlassen können und der Alltag für alle über­sichtlicher wird, interessierte ihn nicht.

Stellungnahme

: Die eilige Schrift. Die deutsche Rechtschreibung – Widersprüche und Willkür, Regeln wie aus dem Zufallsgenerator; ein Mann korrigiert das Gröbste. Der Tagesspiegel, , Dritte Seite (2079 wörter)
Dies ist Erlangen. Ungeknickte Straßen, die Häuser haben sich übersichtlich im rechten Winkel aufgestellt. Nichts ist hier krumm und schief. Erlangen ist genau so, wie die Rechtschreibreformer sich unsere Sprache vorstellen. Vor allem irgendwie rechtwinklig. Erlangen ist eine verdammt gute Tarnung. Denn Erlangen ist das Hauptquartier der Gegenreformer, also gewissermaßen der Sitz der orthografischen Konterrevolution. Es ist die Hauptstadt derer, denen die Rechtschreibreform noch immer viel mehr ist als nur ein Quäntchen Gräuel, nämlich zuallererst ein Quentchen Greuel. […] Theodor Ickler ist außerdem der Verfasser des „Ickler“. Der „Ickler“ ist gewissermaßen der neue „Duden“. […] Man versteht, sagt Ickler, die Reformer nur durch ihr Leitbild. Das Leitbild sei der kleine Fritz, der in der Schule ein Diktat schreibt, und von der Zensur hängt seine ganze Zukunft ab.

Die übliche demagogie unserer gegner: verabsolutieren eines einzelnen (auch berechtigten) aspekts, des pädagogischen. Grundsätzlich und bei jeder einzelentscheidung wird die rechtschreibreform linguistisch begründet, lieber herr wissenschafter! Hier einmal mehr das leitbild des Bundes für vereinfachte rechtschreibung: verbesserung der rechtschreibung im interesse der lesenden und der schreibenden, erhaltung und pflege des kulturguts buchstabenschrift.

: Republik der schiefen Ebenen. Der Tagesspiegel, , Dritte Seite
Kaum einer weiß, was die Akademie der Künste eigentlich so treibt. […] Manche überlegen nun, ob so eine Akademie sich nicht auch zu der immerhin größten Kulturaufgabe der letzten Jahre hätte äußern müssen, zur Rechtschreibreform. Hier die Überraschung: Sie hat es getan. Und nicht nur eine. 2003 und 2004 haben zuerst acht, dann zehn deutsche Akademien der Künste und der Wissenschaften einen offenen Brief an die Kultusministerkonferenz geschrieben. Reformiert die Reform oder gebt sie ganz auf! Dieser Zusammenklang deutscher Akademien war geschichtlich einzigartig. Doch alle taten so, als hätten sie nichts gehört. Vielleicht liegt der Reformbedarf nicht nur bei der Akademie allein.

Man hat viel gehört, nur nichts vernünftiges. Z. b. «größte Kulturaufgabe» . . .

: Heroen der Selbstzerstörung. Das Schlagloch. die tageszeitung, , nr. 6408, s. 11, taz-Debatte
Sprache ist überhaupt bald das Einzige, was wir noch nicht selbst gemacht haben. Nein, stimmt nicht ganz. Schließlich gab es die Rechtschreib­reform. Ich habe lange nach einer Erklärung für diesen Akt der Barbarei gesucht, aber jetzt ist alles klar. Ihre Schöpfer wollten einen Abstand zwischen uns und die Sprache legen. Sozusagen einen Bewusstseinsabstand.
: Sprachbegehren. Die Unterschriftensammlung gegen die Rechtschreibreform wurde sabotiert. Der Tagesspiegel, , 55. jg., nr. 16746, s. 8, Meinung
Solange es nicht um Leben oder Tod ginge, gibt es in Berlin keine Chance für Volksbegehren unter diesen Bedingungen. […] Aber um irgend etwas zwischen Leben und Tod ging es. Sagen wir — um vorsätzliche Körperverletzung? Sprache ist unser Weltkörper. Wer hat das Recht, ihn zu verstümmeln?
: Langsam stirbt der "Seelefant". Beliebt ist die neue Rechtschreibung nicht. Aber sie wird hingenommen — wie ein unabwendbares Schicksal. Bisher wurden erst 16000 Unterschriften dagegen gezählt. Scheitert das erste Berliner Volksbegehren? Der Tagesspiegel, , nr. 16708, Die dritte Seite
Peil ist gerade dabei, alle seine Zeitungen abzubestellen, auch den Tagesspiegel. Ich schlage ihm vor, das ruhig zu tun, aber mit dem Tagesspiegel noch ein bißchen zu warten. Geht nicht, sagt Peil, wißt ihr, was ihr schreibt ab August, wenn die neue Rechtschreibung für euch verbindlich wird? "Mode bewußt", schreibt ihr, und "ein selbst bewußter Mann". - Unmöglich!, rufe ich. Der Verfasser der Peilschen Wörterliste lächelt ein trauriges, defätistisches Lächeln wie alle Menschen, die zuviel wissen und sehr darunter leiden. […] Vielleicht sechzig Neuschreibversehrte sind in den Spandauer Ratskeller gekommen. […] Aber kein Reform-Befürworter ist im Raum. Also überzeugt man sich selbst noch einmal von dem, was man längst schon weiß. Auf revolutionären Versammlungen ist das so.

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