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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Eisenberg, Peter

: Wie hältst du’s mit der Präposition? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 11, s. 11, Feuilleton (1378 wörter)
Es ergeben sich an der Spitze eines riesigen Eisbergs zwei terminologi­sche Konsequenzen: Erstens, was wir einen sprachlichen Zweifels­fall nennen, beruht in aller Regel auf syste­matischen Ziel­konflikten. Zweifels­fälle sind eine Quelle für Sprach­wandel und grammatisch fun­diert. Zweitens, Normkonflikte be­ruhen in der Regel auf Zweifels­fällen, die im öffentlichen Sprach­diskurs thematisiert werden. Was nicht im Diskurs aufscheint, hat auch nicht den Status eines Norm­konflikts. Den Grammatikern sind in großer Zahl Zweifels­fälle bekannt, die bisher nicht zu Norm­konflikten geführt haben. Sie sind gnädig mit Nacht und Grauen bedeckt. Natürlich muss es nicht dabei bleiben. Unruhe­stifter gibt es immer wieder. Ab­schreckende Bei­spiele sind die Getrennt- und Zusammen­schreibung, deren Neu­regelung von 1996 zahlreiche schlafende Hunde geweckt hat[,] oder all jene Norm­bücher, die Normprobleme aufwerfen, die ohne sie kaum jemand hätte.
: Von wegen amtlich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 8, s. 6, Bildungswelten (1590 wörter)
Der Duden folgt oft nicht mehr offi­ziellen Regelungen, sondern weicht viel zu häufig davon ab und pflegt eine eigene Duden-Schreibung, was seine Brauchbar­keit einengt. […] Die Grünen können so viele Gender­sterne, Unter­striche und Binnen-Is verwenden, wie sie möchten. Dasselbe gilt für die Heinrich-Böll-Stiftung, die "taz", Bayern München, die Evangeli­sche Kirche in Deutsch­land (EKD), den ADAC oder die SPD. Alle vergreifen sich damit aller­dings an der Einheits­orthographie. Nicht verwen­den dürfen solche Gebilde die Gleichstellungs­beauftragten öffentlicher Ein­richtungen, Bundes­behörden, Lehrer und Schüler öffentlicher Schulen, die DFG, die ARD oder die KMK sowie der Senat von Berlin.

Die DFG ist ein verein, die ARD ist eine firma; die dürfen sich vergreifen.

: Verordnet uns die Politik den Gender-Stern? Nach ihrer Kenntnis ist das "jetzt rasch": Die Justizministerin greift dem Rat für deutsche Rechtschreibung vor. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 130, s. 9, Feuilleton (669 wörter)
Laut dem Berliner "Tages­spiegel" hat sich die Justiz­ministerin Katarina Barley unlängst für die Aufnahme des Zeichens * in den Rechtschreib­duden aus­gesprochen. […] Frau Barley richtet Schaden für die Regierung und ihre Partei an, sie setzt un­abhängige Institutionen wie den Rechtschreib­rat und den Duden unter Druck; ihre Äußerung läuft auf eine Be­schädigung der deutschen Sprache hinaus.
: Missbrauchte Sprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 220, s. 6, Bildungswelten (1488 wörter)
Es begann mit der Neuregelung der Ortho­graphie. Warum eine der ein­fachsten europäischen Ortho­graphien über­haupt ver­ändert wurde, ist in­zwischen bekannt: Die Regierung Brandt war im Rahmen ihrer Politik des Wandels durch An­näherung auf der Suche nach Themen. Schon im Frühjahr 1973 hat Egon Bahr bei seinem Gegen­über Michael Kohl angefragt, wie die DDR zu einer Neu­regelung stehe. Das war Politik und hatte mit der Sache nichts zu tun.

Abgesehen von der interessanten tese, dass politik «mit der sache nichts zu tun» hat – haben die beiden politiker auch unseren 1924 gegründeten Bund für ver­einfachte recht­schreibung erfunden?

: Das missbrauchte Geschlecht. , , Kultur, Essay (1337 wörter)
Wie kann man Frauen in der Sprache sichtbarer machen? Muss man sich dafür zum Herren oder zur Herrin über die Grammatik aufschwingen? Mit dem Gendern gehen sprachpolizeiliche Allüren einher. […] Der nächste Schritt in Richtung eines konsequenten Genderns bestand in der Propagierung der Schreibweise BäckerInnen, die dann vielfältig ausgebaut wurde, etwa zu Bäckerinnen, Bäcker/innen, Bäcker_innen und Bäcker*innen. Von vornherein blieb unklar, wie all das ausgesprochen werden konnte. Aus dieser großen Not versucht man eine kleine Tugend zu machen mit dem Hinweis, die Fixierung auf das Geschriebene sei umso richtiger, als die Sprecher dadurch ins Grübeln kämen. Man sollte sich wohl an solche Formen gewöhnen, aber dennoch niemals aufhören, jedesmal wieder überrascht zu sein. […] Der Unterstrich hat nach einer verbreiteten Lesung über sich einen Abgrund von Leere und soll verwendet werden, wenn man gar kein Geschlecht mehr will, der über allem sich erhebende Stern (Asterisk) dagegen soll die ungefähr sechzig Geschlechter überstrahlen, die man heute individuell oder gruppenbasiert in Anspruch nimmt. Die Sprache muss ja mit nur drei Genera auskommen. Alle genannten Formen, das darf man nicht vergessen, gibt es im Deutschen nicht. Sie stellen einen Eingriff in unsere Grammatik dar, in der sie keinen Platz finden.
: Wort des Jahres „Flüchtling“: Hier endet das Gendern. , , Feuilleton, Debatten
Was einen Sprach­wissenschaftler am etablierten Gendern selbst dann beunruhigt, wenn er die sprachliche Sichtbar­machung von Frauen freudig begrüßt, ist dreierlei. Erstens: Die Sprache wird nicht akzeptiert, wie sie ist, sondern sie gilt als manipulier­barer Gegenstand mit unklaren Grenzen dieser Manipulierbarkeit. Zweitens: Die Kenntnis des Gegenstandes, an dem man Ver­änderungen vornimmt, geht nicht sehr weit. Drittens: In vielen Fällen stigmatisiert man Wörter, ohne dass es brauch­bare Alternativen gäbe. Haben wir denn nichts aus dem Desaster der Orthographie­reform gelernt, die im Kern ja auch nichts anderes als ein unüber­legter Eingriff ins Sprach­system war?

Was uns beunruhigt: «Die heillose Verquickung von Sprache und ihrer Schreibung, die sich von allem Anfang durch die gesamte Kontroverse zieht …» (Lötzsch, 1997).

: „Alles, auch Hochdeutsch – wie zukunftsfähig ist unsere Sprache?“ , , Management-Blog
Jetzt möchte ich noch einige wenige Sätze über Deutsch als Wissenschafts­sprache sagen. […]. Das Deutsche war als Wissenschafts­sprache eine mächtige Sprache. […] Das ist vorbei. […] Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, was wir tun können. […] Das Schwedische hat ein Sprachgesetz […]. Ich glaube, ehrlich gesagt, dass die deutsche Sprach­gemeinschaft vom letzten Eingriff des Staates in die deutsche Sprache so traumatisiert ist – das ist meine ehrliche Überzeugung –, dass wir von einem Sprachgesetz besser die Finger lassen. […] Was können wir tun? Diese Kultusminister­konferenz könnte doch auch mal etwas Vernünftiges tun. […] Ich schließe mich hier […] an eine Forderung der Rektoren­konferenz an […]: Während der ersten Phase des Studiums […] wird die gesamte Lehre an den deutschen Universitäten auf Deutsch veranstaltet. […] Ich habe dies […] einmal zu Gehör gebracht, und dann ging es gleich los: „Das kann die KMK [Kultusminister­konferenz] niemals durchsetzen!“ – Nun, wer die Rechtschreib­reform und den Bologna-Prozess durchsetzen kann, der kann das auch, wenn er will.
: Lehrer, euch gehört die Sprache nicht! Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 89, s. 33, Feuilleton (1283 wörter)
Vor gut fünf Jahren hat die Ständige Konferenz der Kultusminister den Rat für deutsche Recht­schreibung ins Leben gerufen. […] Trotz aller Rechtschreibfrustration verliert die Frage, wer die orthographische Norm künftig wie bearbeitet und entwickelt, nichts von ihrer Tragweite. Einheitlichkeit der Schreibung bleibt das stärkste Band im vielfältig gegliederten deutschen Sprachgebiet. Auch nimmt seine Bedeutung eher zu als ab. […] Der Rat sollte die Kastanien aus dem Feuer holen - und wider alle Erwartung tat er das. […] Drei Hauptgründe ermöglichten den Erfolg. Der erste ist in der Person des Rats­vorsitzenden Hans Zehetmair zu sehen. […] Mehrfach hatte sich der Rat unter Mühen auf seine eigentliche Aufgabe zu besinnen. Die orthographische Norm entsprechend dem allgemeinen Schreibgebrauch zu erfassen und zu entwickeln ist etwas anderes, als sie den Bedürfnissen bestimmter Institutionen anzupassen. Um es ganz einfach zu sagen: Die Orthographie ist weder dazu gemacht, dass man mit ihr erfolgreich Wörterbuch­verlage betreibt, noch dazu, in der Schule gelehrt zu werden. Sie ist, wie sie ist. […] Jede noch so gut­willige, gutgemeinte Manipulation am Gegenstand hat zu unterbleiben.

Es ist interessant, dass ein sprachwissenschafter ein laiengremium mit einem laienvorsitzenden preist. – Einheitlichkeit der schreibung ist nicht das oberste ziel. Das war es vorher nicht, und der rat hat es auch nicht erreicht. Die ortografie ist nicht, wie sie ist; sie ist eine junge menschliche schöpfung (sie ist im gegensatz zur sprache eben «gemacht»), die gemäss dem ursprünglichen konzept gepflegt werden muss. Sie ist unter anderem auch dafür gemacht, gelernt zu werden.

: Kommt Zeit, kommt Rat. Das Ende des Streits um die Rechtschreibung ist in Sicht. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Feuilleton (1437 wörter)
Kernstück der Vorschläge des Rates ist die Neu­formulierung von Regeln zur Getrennt- und Zusammen­schreibung. […] Die Künstlichkeit wird in Regel­formulierungen wie der folgenden un­mittelbar sichtbar: „Bei der Regelung der Getrennt- und Zusammen­schreibung wird davon aus­gegangen, dass die getrennte Schreibung der Wörter der Normal­fall und daher allein die Zusammen­schreibung regelungs­bedürftig ist. ... Soweit dies möglich ist, werden zu den Regeln formale Kriterien auf­geführt, mit deren Hilfe sich entscheiden lässt, ob man im betreffenden Fall getrennt oder ob man zusammen­schreibt.“ […] In der Neu­formulierung des Rates liest sich die entsprechende Passage so: „Einheiten derselben Form können manchmal sowohl eine Wortgruppe (wie schwer beschädigt) als auch eine Zusammen­setzung (wie schwerbe­schädigt) bilden. Die Verwendung einer Wortgruppe oder einer Zusammen­setzung richtet sich danach, was jeweils gemeint ist, und was dem Sprach­gebrauch und den Regularitäten des Sprachbaus entspricht.“ […] Der jetzt vor­geschlagene Text beruht auf einem Entwurf der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Also Eisenbergs. Wir sind immer noch für das erste.

neu : Die Würde des Möglichen. Ein Plädoyer für die Arbeit des Rates. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Feuilleton (559 wörter)
Zu viele Sprecher, Schreiber, Leser und Lerner der größten Sprache Europas sind auf eine im ganzen einiger­maßen stabil geregelte Ortho­graphie angewiesen, als dass man eine Lösung weiter vor sich und einer längst total ermüdeten Öffentlichkeit herschieben könnte.

Die grösste sprache Europas ist russisch mit etwa 123 millionen menschen.

: Man muß wieder schreiben dürfen, was man fühlt. Die zweitbeste Lösung: Über den Kompromißvorschlag der Deutschen Akademie zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 74, s. 46, Feuilleton (1668 wörter)
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat nun unter dem Titel "Zur Reform der deutschen Rechtschreibung" ihren Kompromißvorschlag vorgestellt […]. Kern und umfangreichsten Teil des Buches bildet die Wörterliste mit den geänderten Wortschreibungen. […] Das Ergebnis der Riesenarbeit ist in mehr als einer Beziehung von Interesse für die Bewertung der Neuregelung und den weiteren Umgang mit ihr. […] Der Kompromißvorschlag der Akademie ist inhaltlich substantiell, insofern er wesentliche Teile der Neuregelung akzeptiert und wesentliche Teile zurückweist. […] Häufig wird die Frage gestellt, warum die Akademie Mühe und Risiko eines Kompromißvorschlages auf sich nimmt, wo doch "Ruhe an der Rechtschreibfront" eingekehrt sei. Aber die Ruhe ist trügerisch. […] Die Nachricht an die Sprachgemeinschaft mit ihren Millionen von kompetenten Schreibern muß sein, daß man wieder zusammenschreiben darf, wenn man das Gefühl hat, man schreibe ein Wort. Daß man klein schreiben darf, wenn man das Gefühl hat, man schreibe ein Wort, das nicht ein Substantiv ist. Und daß man alles traditionelle Wissen über die Schreibung von Fremdwörtern auch anwenden darf. […] Wir haben bis zum Ende der Übergangsfrist im Jahre 2005 noch ungefähr zwei Jahre Zeit. Genug, um zu einem in Ruhe geplanten teilweisen Rückbau zu kommen. […] Die Forderung nach dem Status quo ante ist inzwischen nicht nur politisch unrealistisch, sondern auch der Sache nach. Die reine Lehre stellt nicht in Rechnung, was seit 1996 im deutschen Sprachraum geschehen ist. Mir wäre eine Reform von der alten Orthographie aus lieber als eine auf Grundlage der neuen. Was wir propagieren, ist die zweitbeste Lösung.
: Haben Sie ein Fremdwort zu verzollen? Deutsch ist eine Einwanderungssprache: Wie fremde Vokabeln hierzulande integriert werden. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 5, s. 73, Erkenntnis und Interesse
Das Deutsche integriert die weitaus meisten Anglizismen schnell und reibungslos auf allen Ebenen, es integriert sie phonologisch, morphologisch und syntaktisch. Etwas träger ist die Rechtschreibung, aber auch hier entwickelt das Deutsche häufig einen starken Integrationsdruck — es sei denn, man verhindert das durch eine unausgegorene Rechtschreib­reform.
: Centerum Censeo. Peter Eisenberg über Sprachprobleme mit der neuen Währung. Der Tagesspiegel, , Kultur
Die ortho­graphische Ein­deutschung als Zent kommt nicht infrage, weil im Geschriebenen Inter­nationali­tät gefordert ist und das "z" in keiner europäischen Ortho­graphie so belegt ist wie in der deutschen.

«Internationalität» ist weder gefordert (geschriebenes ist primär für die eigene sprache da) noch praxis (centesimo, céntimo, cêntimo, sentti, lepton). Es gibt sie ja auch nicht in der gesprochenen sprache; wir könnten sent oder tschent oder sogar pfennig sagen und auch schreiben. Was das (unerhebliche) argument mit dem z und «keiner europäischen Ortho­graphie» betrifft: hier irrt der professor (ebenfalls).

: Fremde Federn. Korrektur der Rechtschreibreform vorbereiten - jetzt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 150, s. 12, Zeitgeschehen
Die bisher vorliegenden punktuellen Erfahrungen reichen nicht aus, wenn das Ziel darin bestehen soll, den Rechtschreib­frieden wieder herzustellen. […] Die Ergebnisse einer empirischen Erhebung müssten dazu führen, dass im Jahr 2005 gezielt Änderungen an den amtlichen Schreibweisen vorgenommen werden. […] Und die Kritiker könnten sicher sein, dass ein Um- und Rückbau in die richtige Richtung ginge, selbst wenn er nur die größten Absurditäten beseitigte.

Oder ein weiterausbau in die richtige richtung?

: „Unbegründete Neuschreibungen.“ Für eine Überarbeitung der Rechtschreibreform plädiert der Germanist Peter Eisenberg. Süddeutsche Zeitung, , Politik
Wie soll es mit der deutschen Orthographie weiter­gehen? In großen Worten wird sie mit der Steuer-, der Gesundheits- oder der Renten­reform verglichen, und mit genauso großen Worten wird sie zum Null­problem erklärt. Fast alle sind das Thema leid. Während­dessen läuft die Zeit davon und mit ihr einfache Lösungen. […] Dritte Wege sind selten gefragt. Trotzdem plädiere ich erneut für eine Über­arbeitung des beschlossenen Regelwerks.

Stellungnahme


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