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Heinemann, Friedrich

: Da weiß man, was man hat. Status-quo-Präferenz, Besitzeffekt, Verlust-Aversion: Die Psychologie der Reformblockaden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 15, Die Ordnung der Wirtschaft
Verluste tun manchmal mehr weh als Gewinne gut. Das Problem jeder Reform ist, daß mit ihr eine Änderung des Status quo verbunden ist, der aber als solcher hohe Wert­schätzung genießt. Viele Nachteile des Status quo haben den Charakter von Opportunitäts­kosten (ent­gangenes Wachstum, entgangene Einkommens­zuwächse, entgangene Beschäftigungsmöglichkeiten), die in der menschlichen Beurteilung aber nicht in dem Maße durchschlagen. Demgegenüber haben die Kosten von Reformen oft den Charakter einer direkt spürbaren pekuniären Belastung (Abbau von Sozial­leistungen und Subventionen), die im psychologischen Kalkül stärker zu Buche schlagen. […] Eine zentrale Rolle darin spielt der Widerstand der Reformverlierer, der oft politisch wirksamer ist als die Unter­stützung der Reformgewinner für Veränderungen. Die Psychologie bietet mit ihren Erkenntnissen über die Verlust-Aversion eine Erklärung für diese Asymmetrie. Verlust-Aversion ist eine Beurteilungs­weise, bei der eine Verschlechterung in bezug auf einen Referenz­wert intensiver erlebt wird als eine nach dem Betrag gleiche Verbesserung. […] Die Verlust-Aversion erklärt die Durchschlags­kraft der Reform­verlierer: Diese erleben die Verluste intensiver als Gewinner ihre Verbesserungen. […] Status-quo-Präferenz, Besitzeffekt und Verlust-Aversion haben eine Paradoxie zur Folge: Wenn Wähler im Ausgangspunkt zwar noch Reformen ablehnen, würden dieselben Wähler nach Reformen möglicherweise nicht zum ursprünglichen Zustand zurückkehren wollen […]. Eine Rückkehr zur alten Situation würde von den Reform­gewinnern nun als Verlust betrachtet, der ungleich intensiver erlebt würde als umgekehrt der Gewinn durch die Reform.

Zum beispiel bei jeder rechtschreibreform: Der (übrigens begründete) verzicht auf zu weit gehende rein grafische bedeutungsdifferenzierung wird beklagt. Anderseits bejubelt niemand den gewinn an anderer stelle (eindeutigkeit von stillleben, rückauflösung der ck-/kk-trennung), weder die gegner noch (in einem vergleichbaren ausmass) die befürworter.


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