willkommen
kontakt
impressum
suchen

Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → autoren
2020-4-13
ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org

neue personensuche

Ickler, Theodor

: Wie man eine Rechtschreibreform durchsetzt. Schweizer Monat, , 100. jg., nr. 1076, s. 72 bis 73, Dossier (1363 wörter)
Pläne für eine Reform der deutschen Recht­schreibung gingen seit je von Volks­schullehrern aus.

Nein. Beispiele in unserer chronik: 1930, 1931, 1961.

: Viel Wind um nichts. Der Rat für deutsche Rechtsschreibung bekommt die Folgen der „Reform“ nicht in den Griff. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 10, s. 6, Bildungswelten (1299 wörter)
Die Reform von 1996 wollte der Sprach­entwicklung aus­drücklich „entgegen­wirken“ – ein Haupt­grund der Proteste. Nun gilt um­gekehrt die Parole, das Regel­werk an den Schreib­brauch an­zupassen. Darum unter­nimmt der Rat breit angelegte und teure Unter­suchungen an Texten inner­halb und außer­halb der Schule. Dabei fällt ihm auf, dass es in der Schule gar keine Ent­wicklung geben kann, weil die Lehrer jede Abweichung als Fehler ahnden müssen. Darum waren schon die ein­schlägigen Be­obachtungen im zweiten Bericht von Anfang an sinnlos, wie der dritte nun aus­drücklich zugibt […]. Aber auch außer­halb der Schule gibt es keinen Schreib­brauch mehr, der sich nach den Intuitionen der Schreibenden ent­wickelt. Ge­schrieben wird fast nur noch am Computer und damit nach den Vorgaben der Korrektur­programme, die auto­matisch dafür sorgen, dass die gesetzte Norm befolgt wird.

Richtig. Also ist es auch gar nicht so wichtig, ob man der nicht existierenden entwicklung entgegen­wirken oder folgen will. Womit dann der «Haupt­grund der Proteste» auch wieder hinfällig wird. (So oder so kann nicht die sprachentwicklung gemeint sein, denn die gibt es, und zwar nicht nur alle hundert jahre.) Jetzt müssen Ickler und die anderen reformgegner nur noch den kleinen erkenntnis­schritt hinter sich bringen, dass es die möglichkeit geben muss, eine amtlich «gesetzte Norm» auch amtlich zu ändern. Dass es also rechtschreib­reformen geben muss.

: Zu: Rechtschreibung ist so wichtig, wie die Gesellschaft es möchte. , , leserkommentar
Kein Wort über die Verwirrung, die durch drei größere und mehrere kleine Rechtschreib­reformen innerhalb von zehn Jahren hervorgerufen wurde. Der Ratsvorsitzende Zehetmair, als Kultus­minister selbst maßgebend an der Einführung und gnadenlosen Durchsetzung der seither so oft geänderten Reform­schreibung beteiligt, schiebt nach altbewährter Weise den Untergebenen die Ver­antwortung für das Scheitern des ganzen Unternehmens zu.
: Aktuell. Oder schon akktuell? Der Rechtschreib-Irrsinn geht munter weiter. Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Feuilleton (245 wörter)
Bisher durfte der Rat für deutsche Rechtschreibung weitere Änderungen der reformierten Schulorthographie nur vorschlagen. Amtlich gültig wurden sie durch Beschluss der Kultusminister. Zu Beginn des Jahres ist das Statut des Rates in diesem Punkt geändert worden: Der Rat darf „kleinere Veränderungen des Wörterverzeichnisses“ vornehmen und hat davon auch sogleich Gebrauch gemacht […].
: Ärgernis Rechtschreibreform. NZZ Folio, , nr. 8, s. 121, Leserbriefe (229 wörter)
Fünfzehn Jahre nach dem Beginn des Rechtschreib­experiments und nach zwei durch­greifenden Revisionen des ver­unglückten Regel­werks gibt es praktisch niemanden mehr, der das Unter­nehmen gelungen findet.

Und wer anderer meinung ist, ist eben ein niemand.

: Zu Schlaglicht - Manbrif in Sachen Murks - NZZ-Folio Velo (07/11) V. nzzfolio.ch, , Leserbriefe (248 wörter)
Über die klassische Rechtschreibung hatte sich kein Leser je beklagt, und nur darauf kommt es doch an.

Abgesehen davon, dass es nicht nur darauf ankommt (stichwort schreiben), sind das (stichwort lesen) keine klagen?

: Rat auf Reisen. Der Rechtschreibreformbericht 2010. Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Feuilleton (526 wörter)
Das konkrete Ergebnis der letzten vier Jahre: Der Rat schlägt den Politikern vor, 16 „forciert integrierte“ Schreibvarianten aus dem Wörter­verzeichnis von 1996 zu entfernen, weil niemand von ihnen Gebrauch mache […]. Was der Bericht verschweigt: Zehn davon standen schon im alten Duden, haben also mit der Rechtschreib­reform gar nichts zu tun. […] Vielleicht wollten sie sich mit ihren lächerlichen „Arbeits­ergebnissen“ nur einen Jux machen. An die verbliebenen schweren Mängel des eigentlichen Regelwerks hat der Rat sich nicht herangetraut.
: Verpatzte Schreibreform. Pädagogen preisen neuartige Techniken des Lernens – doch keine hat bewirkt, dass Grundschüler die Schrift besser beherrschen. Süddeutsche Zeitung, , Forum
Die Reformer sagen dazu: „Sollten Sie dieses ‘eX’ zunächst als ‘sperrigX’ empfinden, so liegt es daran, dass Sie einen anderen Bewegungs­ablauf automatisiert haben. Kinder haben dieses Problem nicht, da sie das ’Schleifen-e‘ nicht kennen (...) Wichtig ist, dass die Vorteile der VA [Vereinfachte Ausgangsschrift] für die Kinder insgesamt bedeutend sind.“ Mit demselben Zynismus ist die Rechtschreib­reform durchgesetzt worden: Die Reformschreibung mag schlechter sein, aber die Kinder kennen ja nichts Besseres, spüren also keinen Mangel. […] Mit der Vereinfachten Ausgangs­schrift haben einige ihrer Erfinderinnen übrigens gute Geschäfte gemacht, da sie an der Vermarktung der Materialien und Schulungskurse beteiligt sind. Auch dies entspricht den Vorgängen bei der Rechtschreib­reform.
neu : Öffnung ins Ungenaue. Karl-Heinz Götterts „Biografie“ der deutschen Sprache. Süddeutsche Zeitung, , Literatur
Welche Rolle der Duden spielt, was die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und die Gesellschaft für deutsche Sprache sind […], das ist sachlich so verkehrt dargestellt wie die gesamte Geschichte der Rechtschreibreform. Dabei hat Göttert selbst ein reformiertes Rechtschreib­wörterbuch (u.a. beim Discounter Aldi) und ein begleitendes Reclam-Bändchen („Es gibt keinen Kuß mehr“) veröffentlicht, die freilich schon eine ähnliche Unkenntnis verrieten.
neu : Substantivgroßschreibung. Beweis ihres Nutzens für den Leser. , , Mein Rechtschreibtagebuch
Als die Rechtschreib­diskussion anfing, habe ich den Sinn der sogenannten Substantiv­großschreibung darin zu erkennen gemeint, daß die Groß­buchstaben die­jenigen Wörter fürs Auge hervor­heben, die den Gegenstand der Rede enthalten. Das Auge bleibt bei seinen Sakkaden nach­weislich an diesen Wörtern hängen […]. In meinen Lehr­veranstaltungen habe ich dazu Texte gezeigt, die einmal nur die groß ge­schriebenen, einmal nur die klein ge­schriebenen Wörter enthielten. […] Man erkennt sofort, daß die groß ge­schriebenen Wörter aus­reichend zeigen, wovon die Rede ist, während man bei den klein ge­schriebenen ziemlich ratlos bleibt.
: Blauäugig. Eine Erinnerung. Schrift & Rede, sprachforschung.org, , Mein Rechtschreibtagebuch
In den ersten Jahren der Reform habe ich gedacht, Aufklärung könne nirgendwo schaden, und deshalb unbefangen auch zweimal in der "Jungen Freiheit" veröffentlicht […]. Diese ganze Richtung stand und steht mir politisch noch viel ferner als das "Neue Deutschland", wo ich ebenfalls veröffentlicht habe. Aber bald wurde mir klar, daß all dies völlig vergeblich war. Ich glaube, es geht diesen Leuten gar nicht um die Sprache […]. Im Gegenteil, das vorgebliche Engagement solcher falschen Mitstreiter führte dazu, daß unsere Reformkritik von einigen Leuten ebenfalls als "rechtsextrem" diffamiert werden konnte.
: Ausgemistet, aussortiert, exiliert. Rückblick auf ein Büchermassaker: Wie der Rechtschreibreformwahn Lücken in die Schulbibliotheken riss. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 251, s. 31, Feuilleton (905 wörter)
Im Rechtschreibwortschatz der Grundschulen betraf die Reform zwar nach amtlicher Zählung nur 24 Wörter (alle wegen der ss-Schreibung). Gleichwohl wurden von Anfang an auch Schul- und Leihbibliotheken durchforstet und von Büchern in "alter" Rechtschreibung gereinigt. Typische Vollzugsmeldung: "Alle Bücher in alter Rechtschreibung wurden ausgemistet." Die Dunkelziffer dürfte enorm sein; wahrscheinlich sind Millionen Bände vernichtet worden. […] Vergleichbare Verluste hat es in Friedenszeiten bisher nicht gegeben. Die Urheber der Rechtschreibreform allerdings dürften von solchen Schreckensmeldungen unbeeindruckt bleiben. Auf Warnungen vor einem Traditionsbruch antworteten sie schon 1992 mit der kulturrevolutionären These: "Das meiste, was gedruckt oder geschrieben wird, gilt dem Tagesbedarf […]. Geht man von 1995 als einem möglichen Reformdatum aus, so brauchen die Kinder, die ab dann lesen lernen, in den seltensten Fällen etwas von dem zu lesen, was vor 1995 geschrieben und gedruckt wurde."

Der ganze vorgang sowie die den reformern unterschobene beschwichtigung sind ausfluss des leider in Deutschland nach wie vor nicht überwundenen obrigkeits­komplexes. Unsere antwort auf warnungen vor einem traditionsbruch: Alles auf der welt wird von bösen menschen missverstanden und missbraucht; für die anderen kann das kein argument dagegen sein.

: Zweieinhalb Pfund für den Ranzen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 178, s. 30, Feuilleton (996 wörter)
Nicht allgemeingültig, aber Profit bringend? Duden und Wahrig haben neue Wörterbücher vorgelegt, die sich nicht immer an die amtlichen Regeln halten. Der fünfte Duden innerhalb von dreizehn Jahren Rechtschreibreform kann erstmals nicht mit orthographischen Neuigkeiten aufwarten, da die Reparaturarbeiten des Rates für deutsche Rechtschreibung Anfang 2006 unterbrochen wurden - zwecks "Marktberuhigung", wie der Vorsitzende Hans Zehetmair sagte. […] Der Markt für gedruckte Rechtschreibbücher bewegt sich, zugleich wird er wegen der elektronischen Hilfsmittel immer enger. Seit der Dudenverlag vom Schulbuchriesen Cornelsen erworben wurde, der auch den Wahrig mitherausgibt, sind weitere Synergieeffekte zu erwarten, denn die Konkurrenz unter demselben Dach dürfte kein Dauerzustand sein.
neu : Gegenstandslos. [Rezension zu] Sabine Mayr, Grammatikkenntnisse für Rechtschreibregeln? , , Kundenrezensionen
Die Germanisten haben die Rechtschreibreform gleichmütig hingenommen ("Das interessiert uns nicht!" sagte einer der bekanntesten). Auf der Suche nach Promotionsthemen fallen ihnen die skurrilsten Fragestellungen ein: der "Diskurs über die Rechtschreibreform" oder eben die unterschiedlichen Grammatikkenntnisse, die von den unverbindlichen Regelformulierungen längst überholter Wörterbücher vorausgesetzt werden. Was wird von dieser uninteressierten Seite noch kommen?
: Tausend Jahre alte Verbindungen (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 10, Leserbriefe (217 wörter)
Eisenberg kann diese Verbindung nicht grammatisch analysieren, und dann verfährt er nach dem alten Wahlspruch aller Besserwisser: „Was ich mir nicht erklären kann, das sehe ich als Fehler an“ – und ändert lieber die Sprache als seine offenbar unzureichende Grammatik.
: Ja, da kann man nur noch gehen. Warum ich den Rat für deutsche Rechtschreibung verlasse: Chronik eines fortlaufenden Schwachsinns. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 48, s. 37, Feuilleton (1989 wörter)
Was kann ich dafür, daß die Reformer keine so freundliche Presse haben wie wir? […] Bei den Reformern fällt die vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber der sprachlichen Richtigkeit auf. […] Altreformer Sitta schließt mit der Bemerkung, daß auf dem nun ein­geschlagenen Weg der Rechtschreib­friede nicht wieder­hergestellt werden könne. Ich erinnere daran, daß Rechtschreibfriede herrschte, bevor die Reform ihn im Jahre 1996 zerstörte. […] Warum treten wir das Ganze nicht wirklich in den Müll […] und vergessen es so schnell wie möglich? […] Als ich feststelle, daß wir keine Schul­orthographie, sondern eine Orthographie für Qualitätstexte zu machen hätten, höhnen einige Mitglieder gleich wieder […].

Abgesehen davon, dass eine gute ortografie für «qualitätstexte» und die schule gleichermassen gut wäre, ist ein von den erziehungsministern eingesetztes gremium für die schule da.

: Viel sagende Blindschleiche. Die neue Rechtschreibung in den Schulen. Süddeutsche Zeitung, , s. 17, Feuilleton (698 wörter)
Es dürfte nur sehr wenige Lehrer geben, die das amtliche Regelwerk zur neuen Rechtschreibung in seiner ganzen Kompliziertheit studiert haben – was auch kaum zumutbar wäre. […] Es ist bisher kein einziges Schulbuch bekannt geworden, das die Reform korrekt umsetzt. […] Was lernen die Schüler eigentlich von der neuen Rechtschreibung? Im Rechtschreibwortschatz der gesamten Grundschulzeit gibt es nach amtlichen Angaben nur 24 veränderte Wörter, allesamt wegen der s-Schreibung. […] Von der Kommasetzung dürfte hauptsächlich der Eindruck zurückbleiben, dass man Kommas jetzt weitgehend weglassen kann – was die Schüler zwar schon immer gern getan haben, aber jetzt ist es „richtig“. Weder Lehrer noch Schüler wissen, daß die reformierte Kommasetzung ungemein kompliziert ist.
: 7 Wahrheiten über die Schlechtschreibreform. Bild klärt auf. Bild,
Die neuen Regeln sind weder einfacher noch kürzer als die klassischen.
: Aus Fehlern nichts gelernt. Die KMK schreibt Recht: Eine Bilanz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 175, s. 31, Feuilleton (1450 wörter)
Woran die Reform eigentlich krankt, das drückt die Beschlußvorlage der KMK sehr deutlich aus. Sie nennt es "das tragende Prinzip der Neuregelung, die korrekte Schreibung möglichst von einer Regel ableiten zu können". In Wirklichkeit leitet kein Schreibkundiger die korrekte Schreibung von Regeln ab; die Regeln, wie sie etwa im Duden stehen, sind den meisten Duden­benutzern unbekannt. Regeln werden aus dem Usus abstrahiert, sie sind sozusagen die Theorie zu den Tatsachen der Ortho­graphie. Theorien können falsch sein, Tatsachen nicht. Die Reformer sind aber erklärter­maßen ausgezogen, die Wirklichkeit im Namen ihrer Theorien zu "korrigieren" und dafür die "Regelungsgewalt" des Staates in Anspruch zu nehmen. Das ist fehl­geschlagen, mußte fehlschlagen. Aber selbst das Bundes­verfassungsgericht, das dieses bedenkliche Vorgehen aufgrund eines falschen Bildes von der Sprache genehmigte, verbietet nicht, aus Fehlern zu lernen.
neu : Anhaltende Unverbindlichkeit II. Süddeutsche Zeitung, , s. 40, Leserbriefe (181 wörter)
Das Bundes­verfassungs­gericht hat jedoch die Zu­lässigkeit der Reform an die all­gemeine Akzeptanz gebunden […]. Da diese Akzeptanz ungeachtet gewaltiger Reform­propaganda und mehr oder weniger sanften Zwanges (auch durch die Vor­einstellung der gängigen Text­verarbeitungen) nicht gegeben ist, entfällt die rechtliche Grundlage. Die weitere Durch­setzung einer […] Neu­schreibung an den Schulen ist verfassungs­widrig.
: Nicht gewählt, nicht befugt und konkurrenzlos unfähig. Ein dubioses Gremium, das ein dubioses Gremium kontrollieren soll: Der Beirat zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 46, s. 35, Feuilleton (1005 wörter)
Mit seiner knappen, kaum zwei Seiten umfassenden Stellungnahme zum vierten Bericht der Kommission, der trotz strengster Geheimhaltung bekannt wurde, erweist sich der Beirat aufs neue als besonders diensteifrig. Er übernimmt sogar die verhüllende Sprache der Kommission, die es nicht wagen darf, alle geplanten Änderungen der Rechtschreib­reform als Änderungen zu bezeichnen. […] Man könnte also über den Beirat hinweggehen wie über einen schlechten Witz, aber das wäre ein Fehler. Im Kalkül der Kultus­minister spielt er nämlich eine wichtige Rolle. Sie behaupten, in diesem Beirat seien die "professionell Schreibenden" vertreten, also vor allem die Schrift­steller und die Journalisten. Jeder weiß, daß nahezu alle namhaften Schrift­steller und die meisten Journalisten die Rechtschreib­reform ablehnen, aber durch ihre Zwangs­vertretung im Beirat, vor der sie gar nichts wissen, haben sie ihr zugestimmt. […] Der Beirat ist also eine wichtige Hilfskonstruktion, um die Änderungs­wünsche und das Macht­streben der Rechtschreib­kommission gegen jede Kritik zu immunisieren.
: Wenn einer Pleite geht, dann grünlich blau. Was, um Himmels willen, steht im vierten Bericht der Rechtschreibkommission? Süddeutsche Zeitung, , 60. jg., nr. 29, s. 11, Feuilleton (833 wörter)
Der vierte Bericht der Zwischenstaatlichen Kommisson für deutsche Rechtschreibung ist unveröffentlicht, enthält aber vieles, was die Öffentlichkeit interessieren muß. Zum einen geht es um die „Ermächtigung“ der Kommission, künftig nicht nur Vorschläge für weitere Eingriffe in die deutsche Orthographie zu unterbreiten, sondern solche Eingriffe jederzeit auf eigene Verantwortung vornehmen zu können. […] Von den 12 500 Wörtern der amtlichen Liste waren bisher rund 1030 durch ein Sternchen als reformbetroffen gekennzeichnet, also rund acht Prozent des Wortschatzes (mit Silbentrennung etwa 15 bis 18 Prozent). Die neuen Vorschläge verändern wiederum zwei bis drei Prozent der Wörterbucheinträge. Folgenreicher ist, daß inzwischen so gut wie niemand mehr weiß, wo es Veränderungen gegeben hat oder bald geben wird und warum das alles sein muß.
: Am Anfang waren Gesellschaftsveränderer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 237, s. 39, Briefe an die Herausgeber (629 wörter)
Gerade weil die betroffene Bevölkerung von jeder Mitwirkung ausgeschlossen wurde, müssen die Berichte der Kommission mit falschen Behauptungen über die fortschreitende Akzeptanz der Reform, über die "problemlose" Umsetzung an den Schulen und ähnlichen Kon­fabulationen arbeiten. Diese Un­wahrhaftigkeit und nicht nur die sachliche Fehlerhaftigkeit der Reform ist es, was die gegen­wärtige Lage so verfahren erscheinen läßt. Helfen kann nur ein Moratorium: Die bisherigen Schreib­weisen müssen über 2005 hinaus gültig bleiben, damit Zeit gewonnen wird für eine sach­gerechte Lösung, an der die gesamte schreibende und lesende Bevölkerung mitwirken kann.
: Rechtschreibreform rückgängig machen? Pro und Contra I. Junge Freiheit, , nr. 42, s. 2, Meinung
Was die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung als "Kompromiß" und "zweitbeste Lösung" vorgeschlagen hat, ist erst recht widersprüchlich und weltfremd. Warum sollten wir uns mit einer "zweitbesten" Rechtschreibung zufrieden geben? Wir hatten doch eine sehr gute und haben sie immer noch.
: Wie es wirklich um die Rechtschreibung steht. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , s. 9, Vermischtes (101 wörter)
Nachdem sich Herr Staatsminister Zehetmair mehrmals öffentlich von der Rechtschreib­reform distanziert hat, sollte die Staatszeitung ernsthaft erwägen, zur seriösen, grammatisch einwandfreien Erwachsenenorthographie zurückzukehren, wie sie etwa die FAZ weiterhin pflegt.
: Leserbrief zu "Dass" versus "daß": Fünf Jahre Rechtschreibreform, 26.07.2003. www.diepresse.at, (58 wörter)
Im übrigen ist die Behauptung interessierter Kreise, die Leser würden es überhaupt nicht bemerken, ob ein Buch in alter oder in neuer Schreibweise gedruckt ist, eine Unverschämtheit gegenüber den Lesern.

Eine unverschämtheit gegenüber Theodor Ickler und seinen leser-alleinvertretungsanspruch.

: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (177 wörter)
Obwohl Herr Vitzliputzli auf deutschen Internetseiten schon jahrelang immer dasselbe sagt (auch mit denselben Beispielen), möchte ich für uneingeweihte Leser ein wenig erklären, worum es geht. Das Wörterbuch, das er so heftig bekämpft, stellt einfach die bisher übliche Schreibweise dar.
: (Leserbrief zu "Rechtschreibung: 'Im Moment ist die Diskussion tot'".) , (160 wörter)
Eine Rückkehr zur "alten" Rechtschreibung ist nicht nur möglich, sondern wäre auch die einfachste Lösung. […] Der Kompromißvorschlag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ist von sachfremden Motiven bestimmt und fällt den deutschen Schriftstellern in den Rücken, die wie zum Beispiel Reiner Kunze mit aller Kraft und großer Sachkenntnis gegen die Reform kämpfen. Auch andere Mitglieder der Akademie haben mir versichert, daß sie "überfahren" worden sind und den Kompromiß keineswegs gutheißen.
: Schwer erträgliche Unsinnigkeit. In alter Rechtschreibung: das orthographische Konzept der Deutschen Akademie. Süddeutsche Zeitung, , s. 15, Feuilleton (1135 wörter)
Für die Rechtschreibreform hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, seit sie sich – spät genug – zu Wort meldete, nur schärfste Verachtung übrig gehabt […]. Die Akademie wußte auch, was zur Lösung der mutwillig heraufbeschworenen Rechtschreibkrise zu tun wäre: die bisherige Rechtschreibung beibehalten und lediglich einige Haarspaltereien des Duden „auskämmen“. Um so überraschter war die Fachwelt, als die Akademie im Jahre 1999, offenbar unter dem Einfluß ihres „frisch gebackenen“ Mitglieds Peter Eisenberg, mit einem Kompromißvorschlag hervortrat, der die verachtete Neuregelung als Grundlage einer Reform der Reform akzeptierte. […] Der Kompromißvorschlag deckt wesentliche Fehler der amtlichen Neuregelung schonungslos auf; das ist verdienstvoll, wenn es auch etwas spät kommt. Inhaltlich kann er jedoch nicht überzeugen, und als Strategie ist das Herumdoktern an einem von „Deppen“ (so der damalige Präsident Christian Meier) hervorgebrachten Pfusch von Grund auf verfehlt.
: Zurück zum Alten. Süddeutsche Zeitung, , s. 10, Leserbriefe (173 wörter)
Erster Schritt: Die Süddeutsche Zeitung (wer sonst!) stellt wieder auf die bewährte Erwachsenenorthographie um. Zweiter Schritt: Andere große Zeitungen ziehen sofort mit […]. Dritter Schritt: Die Kultusminister fügen sich schön demokratisch dem Volkswillen und der Macht der Tatsachen und blasen die Reform ab.

Druck ausüben und demokratie sind zwei gute oder wenigstens unvermeidliche dinge, aber wir würden sie nicht in einem atemzug nennen.

: Die Rechtschreibreform ist eine Baustelle. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 9, s. 37, Briefe an die Herausgeber
Ein Hauptziel der vermeintlichen "Reform" von 1901 war es vielmehr, die erreichte Einheitsorthographie gegen die Reformeiferer der phonetischen Richtung abzusichern.

Siehe Kopke, FAZ vom 20. 1. 2003.

: Rückbau der Reform ist schon im Gange. Zum Artikel "Gesucht: Bücher in neuer Rechtschreibung" aus der "Saarbrücker Zeitung" vom 5. Oktober. Saarbrücker Zeitung, , St. Ingbert
Ein kleiner Trost: Die neue Rechtschreibung gibt es gar nicht mehr! Die Reformkommission arbeitet schon länger am Rückbau ihrer misslungenen Reform […].
: Das Bläuen der Wäsche mit dem Bleuel. Die Verwirrung der deutschen Rechtschreibung schreitet voran: Lücken und Leichen des neuen „Wahrig“. Süddeutsche Zeitung, , Feuilleton
Während an der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung offiziell noch kein Jota geändert werden darf, schreitet der Rückbau hinter den Kulissen zügig voran. […] Entgegen dem ersten Eindruck scheint der Gipfel der Rechtschreib­verwirrung auch mit diesem Wörter­buch noch lange nicht erreicht.
: Folgen der Rechtschreibreform in Büchern. Wie Verlage die Staatsorthographien umsetzen. literaturkritik.de, , 4. jg., nr. 5
Die deutsche Sprache in ihrer schriftlichen Form macht nach dem staatlichen Eingriff einen unerfreulichen Eindruck. Das ist weithin bekannt, doch scheint die spezifisch deutsche Konstruktion einer Staatsorthographie es besonders schwer zu machen, den offenkundigen Mißstand wieder zu beseitigen.
: Der falsche Reiz des Kompromisses. www.rechtschreibreform.com, 4. 4. 2002
Einige Reformgegner wie Horst H. Munske und Peter Eisenberg (und unter dessen Einfluß die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung) neigen dazu, den Kultusministern einen Kompromiß anzubieten. Das Erträgliche an der Reform soll angenommen, der Rest aufgegeben werden. […] Grundsätzlich muß man sich darüber im klaren sein, daß ein Kompromiß nichts anderes als „schon wieder eine Reform“ bedeutet und damit die radikalste „Lösung“. Warum man den Reformern überhaupt entgegenkommen sollte, bleibt unklar.
: Rechtschreibung — geheime Staatssache? [IV]. Rheinischer Merkur, , 57. jg., nr. 13, s. 18, Leserforum
In Wirklichkeit wollten die Reformer etwas ganz anderes: Kleinschreibung, Tilgung der Dehnungs­buchstaben, Fremdwort­eindeutschung, Einheits­schreibung „das“. Sie haben, als sich die Auftrag­geber sperrten, Hals über Kopf diese unausgegorene Neu­regelung ausgearbeitet, um nicht mit völlig leeren Händen dazustehen.
: Rechtschreibreform als unendliche Geschichte? Die Dinge ernstnehmen: Ein Plädoyer für die Wiederherstellung einer sinnvollen Orthographie. Die Welt, , nr. 57, s. 28, Feuilleton
Der Ausweg aus diesem Dilemma ist so naheliegend, daß es fast peinlich ist, immer wieder darauf hinweisen zu müssen. Wenn man die bisherige Rechtschreibung zunächst einmal so erfaßt und darstellt, wie sie wirklich war und in den seriöseren Medien immer noch ist, erweist sie sich als wesentlich einfacher, als ihre Darstellung im Duden vermuten läßt. Sie zeigt auch erst dann ihre unglaubliche, im Laufe von Jahr­hunderten entwickelte erzielte Feinheit und Leser­freundlichkeit. Die deutsche Recht­schreibung ist zwar Menschen­werk, aber sie ist keinem Gesamtplan entsprungen, sondern ein typisches Phänomen der dritten Art, wie die Sprache selbst. Je mehr man sich damit beschäftigt, um so mehr staunt man über die genialen Einzelheiten. Anders die Reformer: Sie haben zuerst Regeln aufgestellt und dann ohne Rücksicht auf das Gewachsene die Schreib­weise einzelner Wörter daraus deduziert.

Aufgestellt? Es waren schon welche da. Abgesehen davon: Was früher wachsen durfte, wird ja nun wohl auch weiter wachsen dürfen. Beim wachsen ist es aber nicht ganz zu vermeiden, dass etwas nachher anders aussieht als vorher. Aber das ist eine teoretische überlegung; praktisch krankt die reform an zu viel rücksicht auf das gewachsene.

: Richtig falsch. Die Rechtschreibreform in Kinder- und Jugendbüchern. Neues Deutschland, , Feuilleton
Die intuitive Sprachkenntnis, das sogenannte Sprachgefühl, wird durch systematische Einübung des Falschen unweigerlich zerrüttet. Dieser Schaden wiegt schwerer als die vergeudeten Milliarden. Aber auch der nie berechnete materielle Schaden ist nicht gering zu veran­schlagen: In ganz Deutschland bitten Leih­büchereien um Spenden für die angeblich dringend notwendige Auswechselung »veralteter« Kinder­bücher gegen reformierte.
: Die Wirtschaft und die Rechtschreibung. Neues Deutschland, , Feuilleton
Die Veröffentlichung und Kommentierung des geheimen dritten Berichts hat die Reformer kalt erwischt. Ihre wütenden Dementis erklären sich am einfachsten, wenn man bedenkt, daß die neu entflammte Diskussion vor allem eins ist: geschäfts­schädigend.
: Neuschreib-Konfusionen. Gastkommentar. Die Welt, , nr. 49, s. 8, Forum
Vor vier Jahren versuchte die Mannheimer Rechtschreib­kommission, den mißlungenen Entwurf einer Rechtschreib­reform durch Nachbesserung zentraler Regelungsbereiche zu retten. Die Kultusminister und das Bundes­innenministerium untersagten jedoch am 6. Februar 1998 aus nie ganz geklärten Gründen jegliche Änderung, und die Reform trat im Sommer 1998 unkorrigiert in Kraft. Gleichwohl schleuste die Kommission einen großen Teil der verbotenen Änderungen, nun als "Empfehlungen" getarnt, in die nächsten Neubearbeitungen der Wörter­bücher von Bertelsmann und Duden ein.
: Vom Ungeschick der deutschen Satzklammer auf der internationalen Wäscheleine. Wie gut ist unsere Sprache und wie läßt sie sich verbessern? Eine ketzerische Bestandsaufnahme zum Jahresende. Süddeutsche Zeitung, , 57. jg., nr. 300, s. 16, Feuilleton
Erstaunlich viele Experten glauben zu wissen, welche Fremdsprachen gelernt werden sollen, welche als erste Fremdsprache in Frage kommt und welche nicht, und dies wird dann in feierlichen „Erklärungen" und „Empfehlungen" verkündet, statt daß man es den Bürgern selber überläßt, wie sie es für sich und ihre Kinder mit dem Sprachenlernen halten wollen. Hier ist dieselbe illiberale Grund­einstellung zu beklagen wie beim Ruf nach amtlicher Recht­schreibung und nach Sprachschutz­gesetzen. […] Diphthong kann fast niemand mehr schreiben. Die barbarische neue Silben­trennung krönt das Ganze: a-brupt, Manus-kript, O-blate. […] Die Rechtschreib­reform […] wollte auch die Groß­schreibung fester Begriffe verbieten, mußte allerdings zurückstecken, und die Zeitungen verweigern sich diesem Ansinnen ganz und gar. Aber auch diese Groß­schreibung wie in Heiliger Vater, […] Erste Hilfe usw. ist ein Mittel, Nomenklatorisches auszuzeichnen, also, kurz gesagt, Sein und Heißen zu unterscheiden. Großschreibung signalisiert hier: „Ist nicht so, heißt nur so!“ […] Frei vom Würgegriff der Sprach­pflege, entwickelt sich das Welt­englische mit einer atem­beraubenden Mutationsrate, folglich auch Anpassungs­fähigkeit – während die Deutschen es zulassen, daß eine Handvoll Pedanten mit staatlicher Autorität so etwas wie die Rechtschreib­reform ins Werk setzt und damit die deutsche Sprache ein Stück weit zugrunde richtet.

„Ist nicht so, heißt nur so!“ Das war ja wohl nicht die absicht von Zehetmair im falle des heiligen vaters. (Süddeutsche Zeitung vom 29. 8. 2001.) Die episode zeigt, wie viel gefühl und wie wenig verstand hier im spiel ist. Entsprechend inkonsequent ist der (in der gesprochenen und in der geschriebenen sprache unnötige) versuch, fraseologismen mit grossschreibung beizukommen. Mehr konsequenz würde zu viel mehr grossschreibung führen, und das will ja anscheinend nicht einmal Ickler in seinem wörterbuch.

: Warum machen die Zeitungen mit? Appenzeller Zeitung, , nr. 285, s. 51, Appenzellerland, Leserbriefe
Natürlich ist die «so genannte» Rechtschreib­reform Blödsinn. Das wissen die Leser dieser Zeitung seit vielen Jahren, zum Beispiel durch meinen Überblicksartikel in der Ausgabe vom 19. 10. 1996.
: Absonderliche Kommaregeln. Schaffhauser Nachrichten, , Leserbriefe
Es trifft nicht zu, dass durch die Rechtschreib­reform aus 212 Dudenregeln deren 112 geworden sind.
: Word und Konsorten. Textverarbeitung und RSR. www.rechtschreibreform.com,
Natürlich wissen sie [meine Studenten], daß ich keine Arbeiten in neuer Recht­schreibung annehme, und richten sich danach […].

Selbstverständlich müssen universitäten arbeiten in alter rechtschreibung in alle ewigkeit annehmen (professoren und studenten sind keine verwaltungsangestellten), und ebenso selbstverständlich wird der herr professor arbeiten in neuer rechtschreibung annehmen. Das würde er selbst dann, wenn sein lehrstuhl «für Linguistik und Deutsch in alter Orthographie» hiesse. Auf den beweis müssen wir vielleicht noch etwas warten, denn nicht alle leute sind juristisch so empfindsam wie die sendungs­bewussten reform­verweigerer. Bewiesen ist hingegen, dass es zweierlei ist, toleranz zu fordern und zu leben.

: "Aufwändiges" Werk. Zu "Die Schlange war voll lang" vom 19. Juni. Stuttgarter Nachrichten, , nr. 176, 56. jg., s. 20, Stuttgart, Leserbriefe
Die Beschriftung und auch der umfangreiche Katalog halten sich an eine Art Reform­orthographie, etwa auf dem überholten Stand von 1996.
: Viel Leid zu tragen. Zwei Jahre nach ihrer Einführung befindet sich die reformierte Presse-Orthographie in fortschreitender Auflösung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, Die Gegenwart
Stolz präsentierte die Wochenzeitung "Die Zeit" auf der ersten Seite ihrer ersten, besonders frühzeitig umgestellten Ausgabe: "wie Recht der Minister­präsident hatte". Eine Woche früher hätte man so etwas als Druckfehler belächelt. […] Selbst Todes­anzeigen erscheinen fast durchweg in reformierter Schreib­weise, wohl kaum auf Wunsch der Auftraggeber.

Das ist das ekelhafte an der zeit, dass eine woche später vieles anders ist als eine woche früher. Da kann man ja auch dem eigenen dahinscheiden nur noch mit grossen bedenken entgegenblicken.

: Die Rechtschreib­reform ist am Ende. Gräuliche Entwicklung: Zahlreiche Änderungen in den neuesten Wörterbüchern kommen in großen Teilen einer Rücknahme der Reform gleich; warum deren Verteidigung nicht lohnt. Die Welt, , nr. 149, s. 8, Forum, Gastkommentar
Die Rückkehr zur Vernunft ist durchaus noch möglich, obwohl die Kosten gestiegen sind. Aber ein Weiter­wursteln mit ständigen Nach­besserungen käme noch viel teurer.
: Eine Offenbarung. , , Kommentar, ganzer artikel
Wenn es nicht lächerlich wäre, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, könnte man Herrn Landolt einiges entgegen­halten.
: Rechtschreib-Konventikel BVR. , , Kommentar, ganzer artikel
Rolf Landolt versieht seine verdienst­volle Presse­schau gelegentlich mit spitzen Bemerkungen gegen die Kritiker der Rechtschreib­reform.
: Der Rückbau schreitet voran. Dudens „Deutsches Universalwörterbuch“ in neu bearbeiteter und erweiterter Auflage. Rhein-Neckar-Zeitung,
Das Universalwörterbuch ist also eine typische Übergangs­erscheinung. Die Redaktion mußte es jetzt herausbringen, damit die Abweichungen des revidierten Rechtschreibdudens von der übrigen Duden­literatur nicht allzu groß werden. Sie weiß aber, daß die Lage sich schon im Laufe dieses Jahres von Grund auf verändern kann, weil die zwischen­staatliche Rechtschreib­kommission bald ihren dritten Bericht abliefern muß. Was die Reformer vor fünf Jahren leichtfertig ins Rollen gebracht haben, wird so bald nicht zur Ruhe kommen und noch manche Verwirrung stiften.
: Die Zwiespältigkeiten besseren Wissens. Eine Sammlung von Beiträgen zur Problematik und Geschichte der deutschen Rechtschreibung [Buchbesprechung Nerius, Deutsche Orthographie]. Rhein-Neckar-Zeitung,
So hinterläßt das Werk einen zwiespältigen Eindruck: Zuverlässig, wenn auch etwas trocken im Sprachwissenschaftlichen, ist es zugleich ein weiterer Hilfsdienst für die Kultusminister in ihrem zähen Kleinkrieg gegen die Bevölkerung, die von der Zwangsbeglückungsmaßnahme „Rechtschreib­reform“ nach wie vor nichts wissen will.
: Noch ein Wörterbuch-Desaster. Kempcke, Günter: Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 58, , nr. 1, s. 88 bis 90
Leider wird dieser positive Eindruck bei näherem Hinsehen durch einen einzigen Mißgriff völlig zunichte gemacht: Das Wörterbuch folgt der sogenannten Rechtschreib­reform. Die Folgen sind fatal, das Werk kann in der vorliegenden Fassung schlechterdings nicht benutzt werden.
: Zum „Wort des Jahres“. Hamburger Abendblatt, , Leserbrief
Die Geschäftsführerin hatte ja auch schon vorab verkündet, ein Wort wie „Rechtschreibreform“ komme als Kandidat nicht in Betracht. Deutlicher kann die Voreingenommenheit nicht zum Ausdruck kommen.
: «So wie sie wirklich war und ist.» Leserbrief: «Ebenfalls Fehler», 15.12.00. St. Galler Tagblatt, , Forum
Mein «Rechtschreibwörterbuch» ist das erste seiner Art, das die bewährte Rechtschreibung so darstellt, wie sie wirklich war und ist, also nicht so, wie der Duden sie haben wollte.
: Bittere Erkenntnis. Günther Drosdowski über die Rechtschreibreform. , , Kommentar
Was Günther Drosdowski, der er­fahrenste deutsche Wörterbuch­macher, über die Rechtschreib­reform dachte, hat er mir in einem hand­schriftlichen Brief vom 10.11.1996 an­vertraut. Darin heißt es u. a.: „Ich habe mich mit meinen Vor­stellungen von einer ver­nünftigen Neu­regelung nicht durch­setzen können, bin immer über­stimmt worden […]“

Weiter: Günther Drosdowski

: Zermürbung der Hirne durch Schreibreform. Kleiner Besuch bei der buckligen Verwandtschaft: Die neue Rechtschreibung und der Nationalsozialismus Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 262, s. 44, Feuilleton
Die Rustsche Reform hat nichts spezifisch National­sozialistisches. Ihre Verfasser verstanden etwas von der Sache, sogar mehr als die heutigen Reformer. […] Die heutigen Reformer haben mehr erreicht, als unter demokratischen Verhältnissen für möglich gehalten werden konnte. Aber eins haben sie noch nicht erreicht: Rust wollte ursprünglich auch die Klein­schreibung, nach wie vor das einstimmig erklärte Ziel aller Mitglieder der Reform­kommission. Darauf arbeiten sie unbeirrt hin, auch durch eine grotesk übersteigerte Groß­schreibung, die als Lösung der künstlich erzeugten Verwirrung irgendwann nur noch den Weg zur Klein­schreibung offen zu lassen scheint.

Gewiss hofft der BVR auf die erkenntnis, dass die kleinschreibung besser wäre. Aber wir wollen doch ursprung und wirkung nicht verwechseln. Die vermehrte grossschreibung ist natürlich keine erfindung der kleinschreiber, und die heutige variante ist kaum die schlimmste. Jahrzehntelang mussten wir hören, die schwierigkeiten kämen nur von den willkürlichen kleinschreibungen des dudens. Vorschläge für eine eingeschränkte substantivgrossschreibung gab es natürlich auch, aber sie wurden nie alt.

neu : Rechtschreibung (III). Berliner Zeitung, , Leserbriefe (67 wörter)
Die Rückkehr der "Frankfurter All­gemeinen Zeitung" zur bewährten Recht­schreibung kann das ortho­grafische Durch­einander keines­falls vergrößern, da die alte Rechtschreibung ja noch all­gegenwärtig ist.
: Allgegenwärtige „alte” Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , Briefe an die Herausgeber (319 wörter)
[…] Vorgeschichte der Reform. Die Verfasser wollten jahrzehnte­lang etwas ganz anderes: Kleinschreibung, durch­greifende Fremdworteindeutschung, Tilgung der Dehnungs­zeichen und schließlich die Einheitsschreibung „das” (auch für die Konjunktion). Nachdem ihnen die Kultusbürokratie alle diese Ziele aus der Hand geschlagen hatte, arbeiteten sie schnell und lieblos etwas anderes und im Wesentlichen gerade das Gegenteil ihrer Herzenswünsche aus, um nicht mit leeren Händen dazustehen. Und dieses liederliche Flickwerk verteidigen sie jetzt mit allen ver­bliebenen Kräften […].
: Die "wohl durchdachte" Reform stirbt. Die Rechtschreib­kommission kehrt still­schweigend zur alten Orthografie zurück. Die Welt, , nr. 171, s. 9, Forum, Essay
Es kostet nur einen Federstrich, die erzwungene Scheinblüte der ohnehin welken Neuschreibung zu beenden und wieder so zu schreiben, wie es unter gebildeten Erwachsenen üblich ist.

In der Welt ist die reform schon tausend tode gestorben.

: Problem Rechtschreibreform. Zu "Wer auf den falschen Beruf setzt, verliert" vom 17. Juni. Stuttgarter Nachrichten online, , Stuttgart
Lehrstellenbewerber haben es zusätzlich schwer, weil die überall verlangten Rechtschreib­kenntnisse durch die Rechtschreib­reform äußerst problematisch geworden sind. Man weiß nie, wie ein Personalchef es haben will. […] Die bloße Bekundung von Unterwerfungs­bereitschaft durch möglichst viele ss-Schreibungen genügt manchem, andere fühlen sich gerade dadurch abgestoßen.

Wenn rechtschreibung etwas mit unterwerfung zu tun hat, ist es in der tat problematisch.

: Das Chaos wächst. Die Reformer mißachten ihre eigenen Regeln. , , Kommentar
Es sind nicht nur die „alte“ (d. h. bewährte und moderne) und die „neue“ (d. h. künstlich archaisierende) Recht­schreibung, deren Neben­einander die Schüler ebenso wie die Erwachsenen verwirrt und jede Schreib­sicherheit verhindert, sondern die Reformer nehmen sich das Recht, in ihren Schriften jeweils so zu schreiben, wie sie es schon immer für richtig gehalten und nur leider nicht durch­gesetzt haben.

Ja, in unserem fall ist es die natürlich archaisierende eigennamen­grossschreibung.

: [Leserbrief zu:] Rechtschreibung: Reform der Reform 2003? (30.05.00). Die Presse, Online-Leserforum,
Daß die deutschen Zeitungen es inzwischen bitter bereuen, sich der sogenannten Rechtschreibreform unterworfen zu haben, hat einen ganz schlichten Grund: Die Gesamtauflage ist seit dem August 1999, als die Verleger gegen den Willen der Redakteure den Neuschrieb verordneten, um 513.000 zurückgegangen.
: Fälscher Duden. Duden: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in zehn Bänden. 3. […] Auflage. […] Mannheim u. a. 1999. www.rechtschreibreform.com,
Das Gesamturteil über die Neuauflage fällt nicht schwer. In den traditionellen Bereichen der grammatischen und semantischen Darstellung hat die erfahrene Redaktion gute Arbeit geleistet […]. Die von den Kultusministern angeordnete Verwahrlosung der Orthographie hat jedoch zu einer bisher undenkbaren Verrohung der lexikographischen Sitten und des wissenschaftlichen Ethos geführt.
: Wann kommt die Reform der Reform? Vor einem Vierteljahr wurde die neue Rechtschreibung eingeführt — Eine Zwischenbilanz. Die Welt, , Medien
Es ist spät geworden, aber noch nicht zu spät. Wer sich von der erzwungenen Scheinblüte der Reform in den Zeitungen nicht täuschen lässt, der weiß: eine Rücknahme der Reform ist möglich.
: Bald Sammlerwert für Rechtschreibreform-Texte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 32, s. 14, Briefe an die Herausgeber
Es steht unumstößlich fest, daß die Neuschreibung wegen ihrer schweren, auch von den Urhebern weitgehend eingeräumten Fehler noch einmal von Grund auf umgearbeitet werden wird. Es handelt sich also bestenfalls um eine Übergangsschreibung für wenige Jahre.
: Teure Übergangsregeln. Süddeutsche Zeitung, , nr. 31, s. 17, Briefe an die Süddeutsche Zeitung
Nicht nur in Mecklenburg, wie der Bundesinnenminister meint, sondern überall in Deutschland lassen sich die Landesregierungen nur sehr zögerlich auf die verordnete Neuschreibung ein.
: Die Rechtschreibung der Nachrichtenagenturen wird zur Norm (I). Süddeutsche Zeitung, , nr. 293, s. 43, Briefe an die Süddeutsche Zeitung
Zu "Schutz fürs Rechtschreiben?" von Hermann Unterstöger in der SZ vom 11. Dezember. […] Da sind einmal die Nachrichtenagenturen, die unter Führung von dpa zu der Einsicht gelangt sind, daß die amtliche Neuregelung keinesfalls zur Gänze umgesetzt werden kann […]. Dies bedeutet jedoch angesichts des beherrschenden Einflusses der Pressesprache auf das allgemeine Sprachbewußtsein, daß in wenigen Jahren nicht die Neuregelung, sondern die gemeinsame Hausorthographie der Zeitungen zur Norm geworden sein wird. […] Wenn aber Lehrer und Behördenmitarbeiter gezwungen werden, ganz bewußt grammatikalischen Unsinn zu schreiben und dies auch anderen beizubringen, dann ist sehr wohl die Menschenwürde betroffen.
: Fleisch Fresser. Noch eine neue Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 43, Feuilleton
[…] hat der Dudenverlag soeben ein "Praxiswörterbuch zur neuen Rechtschreibung" herausgebracht, das die schlimmsten Folgen der Neuregelung abzumildern versucht […] Mit der radikalen Ausschließung aller Varianten wiederholt sich ein Vorgang vom Beginn des Jahrhunderts: Der sogenannte Buchdruckerduden brachte gegen die noch verbliebene Variantenfülle der reichseinheitlichen Rechtschreibung das Interesse der Profession an eindeutigen Vorgaben zur Geltung. […] Das Bemühen, die gröbsten Schnitzer der Reform auf kaltem Wege, also ohne die von den Kultusministern untersagte Revision zu glätten, ist ein Irrweg.
: Für Deutschlernende wird nichts leichter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , Briefe an die Herausgeber
Zwar haben die Kultusminister immer wieder einmal behauptet, die Reform erleichtere das Deutschlernen für Ausländer, aber das war schon deshalb unglaubwürdig, weil Ausländer ganz andere Fehler machen als die deutschen Kinder und "Wenigschreiber", an denen sich die Neuregelung erklärtermaßen orientiert.
: Stellungnahme zu Wolfgang Löwers Revisionsbegründung in der Verwaltungsstreitsache Holstein / Land Berlin (eingereicht beim Bundesverfassungsgericht am ). www.rechtschreibreform.com/Seiten2/Wissenschaft/971IcklerLoewer.html
Indem Löwer marginale Erscheinungen, über die zum Teil verschiedene Meinungen möglich sind, in den Vordergrund stellt und die fundamentale Kritik an zentralen Entscheidungen der Reform kaum oder gar nicht erwähnt, gerät die Tatsache aus dem Blick, daß das neue Regelwerk in zentralen Bereichen fehlerhaft und widersprüchlich, seine praktische Umsetzung daher a limine ausgeschlossen ist. […] Mit ihren willkürlichen Eingriffen zerstört die Reform die Grundlage der schriftsprachlichen Bildung.
: Fetisch der Norm. Ein Weg aus der Rechtschreibkrise. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 41, Feuilleton (1004 wörter)
Die deutsche Ortho­graphie ist geregelt. Täglich werden Hundert­tausende von Texten gedruckt und geschrieben, die genau die­selben Schreib­weisen befolgen, wie sie in Millionen von Büchern bereits vorliegen. Es gibt einen Usus, der in seinem Kernbestand fraglos gilt und bisher vom Duden schlecht und recht be­schrieben war. Erfunden hat der Duden die übliche Recht­schreibung natürlich nicht. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer jahrhunderte­langen Schreib­praxis von un­zähligen Menschen, die sich sehr wohl etwas dabei gedacht haben, wenn sie groß und klein, getrennt und zusammen­schrieben, Kommas und Anführungs­zeichen setzten.

Es werden – um es milde auszudrücken – auch texte geschrieben, die nicht genau dieselben schreib­weisen befolgen. Jedenfalls denken wir uns auch etwas dabei, wenn wir substantive klein schreiben.

: Wie wir schreiben sollten — Die Rechtschreibreform ist bankrott. Die Erneuerung der deutschen Orthographie stürzt nicht über ihre Lächerlichkeit, sie geht an ihren Widersprüchen zugrunde. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , S. 36, Feuilleton
Eine kultivierte Rechtschreibung dient dem Leser, denn sie macht die Bedeutung für das Auge sinnfällig. Für den Schreiber jedoch stellt sie eine Erschwernis dar, denn sie setzt nichts Geringeres voraus als eine fast schon wissenschaftliche Analyse der Sprache. Und die Groß­schreibung der Substantive? Die zeigt dem Auge, von welchen konkreten oder abstrakten Gegen­ständen in einem Text die Rede ist. Sehr sinnvoll auch dies.

neue personensuche