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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Krieger, Hans

: Angriff auf die Sprachkultur. Zwanzig Jahre Rechtschreibreform. , , Leseprobe
Sinn und Zweck einer geregelten Ortho­graphie ist ja nicht ihre leichte Erlern­barkeit, sondern das miß­verständnis­freie Lesen auch komplizierter Texte und das Ermög­lichen einer hoch­differenzierten Sprach­kultur […]. Denn in dieser Sprach­kultur schult sich die Präzision des Denkens, ohne die es auch die wissenschafts­gestützte Technik mit all ihren Errungen­schaften der Lebens­bequemlichkeit nicht geben könnte.
neu : Auch für Profis unüberschaubar I. Süddeutsche Zeitung, , s. 12, Leserbriefe (182 wörter)
Wer Klarheit und zweck­mäßige Schreib­regeln will, muss verlangen, dass die jüngste Duden-Auflage schleunigst aus dem Verkehr gezogen wird. […] Von alleine wird das Chaos sich schon deshalb nicht klären, weil die „Reform” auch das ruiniert hat, was man früher einmal Sprach­gefühl nannte.
: Orientierungshilfe und Mahnung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 73, s. 9, Briefe an die Herausgeber (348 wörter)
Die vom Rat für deutsche Rechtschreibung empfohlene und von den Kultusministern beschlossene Reform bringt zwar wesentliche Verbesserungen, löst die entscheidenden Probleme aber nur teilweise […]. Um so wichtiger wird es nun, daß die F.A.Z. an der bewährten Rechtschreibung festhält - unabhängig von der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz.
: Falsch zugeknöpft. Ein Nachruf auf die Rechtschreibreform. Schweizer Monatshefte, , 83. jg., nr. 11, s. 34, Dossier
Das Bemühen um eine «bessere» Rechtschreibung ist als Geistes­übung nützlich, weil es das Sprach­bewußtsein schärft. Schreitet es zur Tat, so stiftet es heillose Verwirrung. […] Möglich wurde das, weil nach Jahrzehnten des reformerischen Sandkasten­spiels niemand mehr an den Ernstfall geglaubt hat. «Wir konnten doch nicht ahnen, daß die damit wirklich Ernst machen», sagte 1997 ein berühmter Schrift­steller auf meine Frage, warum die Autoren sich nicht beizeiten gewehrt haben.
: "Akzente, die meine Zeit überdauern." Minister Hans Zehetmair blickt auf eine 17jährige Amtszeit zurück. Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, , s. 13, Kultur (2212 wörter)
Es gab auch Niederlagen und Fehlentscheidungen, und die ärgste und schmerzhafteste war die widerwillig gegebene Zustimmung zur Rechtschreibreform. Zehetmair ist viel zu sprachbewußt, um sie gutheißen zu können, sah aber angesichts massiven Druckes keine Chance, sie zu verhindern. Immerhin war er es, der im letzten Augenblick noch entscheidende Verbesserungen durchdrückte […]. Daß unter den Reformauswüchsen, die Zehetmair verhinderte, auch die Kleinschreibung des "Heiligen Vaters" war, hat mit katholischer Glaubenstreue nicht das geringste zu tun; die Großschreibung ist ein zwingendes Gebot der sprachlichen Logik. Welches Chaos die Rechtschreibreform in der Getrennt- bzw. Zusammenschreibung anrichten würde […], konnte Zehetmair 1995 ebenso wenig voraussehen wie irgend jemand sonst. Die Reformer selbst hatten eingeräumt, daß die genauen Auswirkungen der neuen Regelkonstruktion sich erst bei der Erarbeitung der neuen Wörterbücher herausstellen würden, und die lagen erst im Spätsommer 1996 vor. Noch einmal hat Zehetmair erwogen, das Ganze zu kippen, aber er glaubte […] nicht recht, daß er es "im Kreuz" hätte, das durchzustehen. Das war wohl sein Irrtum; Zehetmair hätte es "im Kreuz" gehabt. Heute sagt er unumwunden: "Wir hätten die Rechtschreibreform nicht machen dürfen." Sprache sei ein dynamischer Prozeß, und niemals dürfe die Politik sich anmaßen, hier mit Dekreten einzugreifen.

Sprache ist dynamisch, aber die rechtschreibung ist statisch — vor allem wegen der schule, wo so oder so eine dekretschreibung gelehrt wird. Hier liegt der irrtum von Krieger und jetzt auch Zehetmair.

: Klar, schlicht und stark. Sollen wir schreiben wie die Nationalsozialisten? Das verdrängte Vorbild der Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Feuilleton
Licht in ein dunkles Kapitel der Sprachgeschichte, das in allen historischen Darstellungen der Rechtschreib­problematik geflissentlich ausgespart blieb, bringen jetzt zwei junge Wissenschaftler aus Jena und Halle. […] Das vielleicht Erschreckendste jedoch ist der Nachweis der Studie, wie stark die Denkmuster von damals unerkannt bis in die Gegenwart fortwirken.

Hoffentlich wird wenigstens im buch nicht ausgespart, dass es noch eine Schweiz gibt, in der auch deutsch gesprochen wird. Vgl. z. b. «20 jahre Bund für vereinfachte rechtschreibung» aus dem jahr 1944.

: Von der Steigerbarkeit der Willkür. Süddeutsche Zeitung, , s. 15, Feuilleton
Zwar handelt es sich nicht einmal ansatzweise um eine Reform der Reform — rein quantitativ sind die Änderungen geringfügig. In der Substanz aber sind sie so folgenschwer, dass sie die Legitimationsgrundlage des gesamten Reformwerks in Frage stellen.
: Rechtschreibreform ist gescheitert. Dolomiten, , Politik, Streiflicht
Wackersdorf, Schneller Brüter, Transrapid — der Sieg der Vernunft kommt manchmal spät. Auch für die ungeliebte Rechtschreib­reform sollte er möglich sein.
: Wohl verstanden? Auch der neuen Duden belegt: Die Rechtschreib­reform ist gescheitert. Süddeutsche Zeitung, , s. 18, Feuilleton
[…] gelogen wird auch im Duden. Jedenfalls im „Großen Duden", dem neuen zehnbändigen. Mit manipuliertem Quellenmaterial wird der Eindruck erweckt, deutsche Schriftsteller wie Thomas Mann, Stefan Heym oder Edgar Hilsenrath hätten schon vor Jahrzehnten so geschrieben, wie es jetzt die Reformwillkür befiehlt.

Viele schriftsteller schrieben in fraktur, einige sogar mit einer überzeugung, die der von Krieger nicht nachsteht. Warum werden ihre zitate in den wörterbüchern nicht originalgetreu wiedergegeben? Und warum hat Krieger diese «manipulation» bisher nicht gestört?

: Blitz gescheit und Grund verkehrt. Der Tagesspiegel, , nr. 16709, s. 25, Kultur
Im Gehorsam vor der Idiotenregel "im Zweifelsfall getrennt" geben sich die Agenturen noch päpstlicher als der Papst; im Auseinanderreißen des Zusammengehörigen sind sie noch verbohrter als die amtliche Neuregelung. […] Nun müssen wir Mut maßen, daß auch Blitz gescheite Leute Grund verkehrt agieren können, wenn sie Brand aktuell sein wollen. Und wie werden die Zeitungsredaktionen reagieren, wo ja, wie man hört, noch immer Leute sitzen, die ihr Handwerk verstehen? Vielleicht werden sie ganz bescheiden bei den Nachrichtenagenturen anfragen, wer ihnen eigentlich das Mandat erteilt hat, an der Sprache herumzupfuschen und dabei noch rabiater durch den Porzellanladen zu trampeln als die Kultusminister.
: Kniefall vor der Macht. Deutsche Akademie für Rechtschreib-Kompromiß. Straubinger Tagblatt, , Unser Kulturkommentar
Die Akademie hat sich unnötig ins Bockshorn jagen lassen. Sie ist ihrem Mitglied Peter Eisenberg auf den Leim gegangen, der seit Jahren das Kunststück fertigbringt, die Rechtschreibreform entschieden abzulehnen und zugleich für absolut unvermeidbar zu erklären.
: Auf Wiedersehen. Eindrücke vom Neuschrieb: Das "Duden – Praxis-Wörterbuch zur neuen Rechtschreibung". Berliner Zeitung, , Feuilleton
Klammheimlich korrigiert sich der Duden, klammheimlich korrigiert er die Rechtschreibreform. […] In solchen diskreten Rückziehern kommt wohl der Praxisverstand der Deutschen Presseagentur zur Geltung, die zu beratender Mitarbeit zugezogen wurde […] Die Nachrichtenagenturen, die bisher weise Distanz zur Neuschreibung gewahrt haben, sind offenbar dabei, sich über den Tisch ziehen zu lassen. Am Verfehlten wird hinterrücks und konzeptlos herumgedoktert, aber zu dem klaren und ehrlichen Eingeständnis, daß die Reform fundamental vermurkst ist, mag niemand sich aufraffen.
: Wem gehört die deutsche Sprache? Karlsruhe, die Rechtschreibung und das Volk. Süddeutsche Zeitung, , Feuilleton (1297 wörter)
Daß es nicht den sprachwissenschaftlichen Obergutachter spielen wolle, hatte das Gericht ja schon zu Beginn des Verfahrens angekündigt. Es hat sich aber doch zum sprach­wissenschaftlichen Obergutachter aufgeschwungen, indem es über eine rein sprachwissenschaftliche Frage autoritativ entschied […]. Die Folgen des Fehlurteils sind verheerend vor allem darum, weil das Karlsruher Urteil unserer Demokratie erneut ein obrigkeits­staatliches Korsett verpaßt. In einer Zeit des geradezu inflationären Geredes von ”Deregulierung” hat Karlsruhe die Minister ermächtigt, vorbei an den demokratischen Instanzen ihren Anordnungs­spielraum weit in den vor­staatlichen Bereich hinein auszudehnen. Es hat ihnen das Recht zugebilligt, […] in die innere Beziehung des Menschen zu seiner Sprache ein­zugreifen. Dem Erwachsenen wird die Gültigkeit seines Sprach­gefühls aberkannt, und Kindern wird es unmöglich gemacht, ein in sich stimmiges Sprachgefühl aufzubauen. Hier keine Persönlichkeitsrechte tangiert zu sehen, erfordert ein beachtliches Maß an Blindheit. Das vor­demokratische Kaiserreich, das 1901 eine behutsame Anpassung der Ortho­graphie vornahm, hat sich vergleich­bares nicht unterstanden. Auf paradoxe Weise verschwistert sich in dem Karlsruher Spruch Staatsautoritarismus mit einem post­modernen Laissez-faire-Libertinismus. Das gleiche Gericht, das die Kultus­minister bevollmächtigt, dem Volk sprach­widrige Schreibgewohnheiten zu diktieren, findet nichts dabei, wenn ein Bundesland aus der Reform­front ausschert. Denn dadurch werde die schriftliche Kommunikation nicht wesentlich erschwert. Dies ist die höchst­richterliche Verabschiedung der einheitlichen Rechtschreibung und der Freibrief für orthographische Beliebigkeit.
: Wozu Rechtschreibung, wozu Rechtschreibreform? Nicht die Orthographie, sondern der Unterricht bedarf der Reform. Bayerische Staatszeitung,
Der Sinn einer Rechtschreib­regelung ist nämlich nicht, daß sie möglichst leicht zu lernen ist, und sie ist auch nicht dazu da, daß möglichst alle Leute im Sinne der Regeln völlig korrekt schreiben. […] Es ist keineswegs notwendig, daß jedermann die deutsche Rechtschreibung mit all ihren Raffinessen völlig beherrscht.

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