willkommen
kontakt
impressum
suchen

Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → autoren
2020-4-13
ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org

neue personensuche

Meier, Christian

: Abbruch einer Ordnung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 120, s. 7, Politik, Die Gegenwart
Nachdem die DDR im Wettstreit der Systeme unterlegen war, war auch von ihren Einrichtungen alles entwertet, was zum Teil gar nicht so schlecht war, was man teilweise sogar durchaus hätte übernehmen - oder zumindest hätte belassen können. Auf einmal schien alles fragwürdig. Nichts war mehr was - außer dem geerbten Vermögen, etwa an Häusern und Grundstükken, das vor allem die Leute im Westen wieder an sich nehmen konnten. […] Der Verfasser ist Historiker und emeritierter Professor für Alte Geschichte an der Universität München. Er besteht darauf, dass sein Text in der "bewährten Rechtschreibung" gedruckt wird.

Dafür beglükkt uns das FAZ-archiv mit «Grundstükken».

: Weit entfernt von der Einheitlichkeit der Sprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 80, s. 7, Briefe an die Herausgeber (380 wörter)
Ich halte es für sehr gefährlich, jetzt in den Chor derer einzustimmen, die meinen (oder zu meinen vorgeben), jetzt sei alles gut.
: Von wegen Staatsräson! Der Eiertanz der Kultusminister. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 49, s. 39, Feuilleton (790 wörter)
Der Rat hat zwar Verbesserungen beschlossen, aber keineswegs eine passable Lösung parat, die Aussicht hätte, daß sich dadurch eine halbwegs einheitliche Schreibung im Land wiederherstellen ließe. Oder soll man sich mit all den Halbheiten und Versäumnissen des Rates abfinden? […] Im Sommer ist es zehn Jahre her, seit die Reform beschlossen, seit die Einheit unserer Schreibung mutwillig aufs Spiel gesetzt worden ist und seit sich die Minister ins Schlepptau einiger Ideologen, unter anderen in ihren Ministerien, begeben haben. Die "Reform" hat sich längst nicht nur als falsch, sondern auch als erfolglos erwiesen. Die Beseitigung einiger grober Mängel wird daran nichts ändern. Die allgemeine Schreibvernunft ist stärker. Sie läßt sich auch nicht beirren. Daher sollte sich die KMK endlich dazu bequemen, das Steuer herumzuwerfen und ernsthaft, das heißt mit den geeigneten Ratgebern, auf Wege zu sinnen, die aus dem Schlamassel herausführen.
: Die Scharfsichtigkeit des Gemüts befördern. Über Anglizismen und den Zustand der deutschen Sprache. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 285, s. 25, Feuilleton (2270 wörter)
Der Staat hat sich in Sachen Sprache so radikal desavouiert, durch die sogenannte Rechtschreib­reform nämlich, wie es nur denkbar ist. Dass die verantwortlichen Damen und Herren sich das Recht angemasst haben (das in Deutsch­land ausser dem NS- Minister Rust nie zuvor ein Minister beansprucht hat), der Sprach­gemeinschaft willkürlich Schreibungen zu diktieren, die noch dazu teilweise im Widerspruch zu elementaren Regeln der deutschen Grammatik und Wortbildung stehen, und dass sich das Bundes­verfassungs­gericht zu ihrem Büttel gemacht hat, ist schlimm. Und die Arroganz der Macht, das obrigkeits­staatliche Gebaren, die geschönten Befunde, Betrug und Diffamierungen, die in dieser Angelegenheit vorherrschen, sind es auch. Auf den Staat wird man also in diesen Dingen nicht rechnen können. Wer aber könnte uns dann helfen? Nur wir selbst, die Gesellschaft.

Wir sind die gesellschaft! Ernsthaft: stellungnahme.

: Plädoyer für die zweitbeste Lösung. Eine Verteidigung der Akademie. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Literatur (854 wörter)
Unser Grundsatz war, von der neuen Schreibung nicht nur zu übernehmen, was sinnvoll, sondern auch was ohne nennens­werten Schaden hinnehmbar ist. Das empfiehlt sich angesichts der Macht­verhältnisse. Andererseits sollten alle gravierenden Mängel dieser Schreibung deutlich bezeichnet und zurückgewiesen werden. […] Daß über Einzel­heiten gestritten werden kann, versteht sich bei einer so komplizierten Materie von selbst. Dennoch lehnt Theodor Ickler das Projekt in Bausch und Bogen ab. Aber so einfach sind die Dinge nicht. […] Doch sollte man sich bei diesen Einzelheiten nicht aufhalten, stehen wir doch vor der Frage, ob man auf das Wunder hoffen soll, die bewährte Schreibung erlange wieder allgemeine Gültigkeit. Wie soll das gehen? Gewiß ist es nur allzu verständlich, daß viele mit guten Gründen an der so bewährten alten Schreibung hängen. Mir geht es genauso […].
: Schluß jetzt! Zurück zur bewährten Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , Feuilleton (1145 wörter)
Ist diese ganze "Reform" und vor allem jetzt das Beharren auf ihr nicht eine Ungeheuer­lichkeit? Da machen sich Kultus­minister anheischig, gegen den in allen Umfragen deutlich zum Aus­druck kommenden Willen von mehr als zwei Dritteln der Bürger einer Sprach­gemeinschaft direkt oder indirekt zu diktieren, daß es Hunderte von Wörtern gar nicht gibt, daß praktische Adjektiv­bildungen wie "besorg­niserregend" überholt sind oder daß man zum Schneuzen die Schnauze braucht, die man, wenn man sie denn hätte, dabei doch gerade nicht benutzt!
: Kreislauf der Blamagen. Rechtschreibung ist keine Staatssache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 175, s. 45, Feuilleton (705 wörter)
Das Ergebnis der Reform war vorauszusehen: Sie konnte nicht überzeugen, trotz allen von oben ausgeübten Drucks, trotz aller Bereitschaft zu voraus­eilendem Gehorsam, die in Deutschland offenbar so leicht nicht auszurotten ist. Zu vieles an den neuen Regeln ist unsinnig, wider­sprüchlich, unverständlich oder verletzt das Auge; zu vieles unpraktisch. Auch ds Aufkeimen verschiedener Haus­orthographien war voraus­zusehen. Das ständige Nebeneinander von alter und neuer Schreibung muß Verwirrung stiften (ohne daß mit der neuen viel gewonnen wäre). In dieser Lage ist der Beschluß der F.A.Z., zur alten Schreibung zurück­zukehren, ein mutiger, hochwillkommener Befreiungsschlag, und er wird auch in einem kaum vorher­sehbaren Ausmaß so empfunden.
: Zärtlichkeit für den Status quo. Reformnotwendigkeit, Reformstau: die Angst vor der Zukunft sitzt bei den Deutschen tief. Frankfurter Rundschau, , Feuilleton
Die Republik, die an Baustellen, Neugründungen, Geschäftsaufgaben, Fusionen nur so strotzt, scheint politisch an ihren Status quo gefesselt zu sein. Und wenn eine Reform einmal wirklich eingeführt wird, wie die Neuregelung der Rechtschreibung, ist sie überwiegend schwachsinnig und wird sich am Ende nicht halten lassen.
: Lob der Langsamkeit. 50 Jahre Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Frankfurter Rundschau, , nr. 246, s. 9, Feuilleton
Gewiß hat die Akademie auch Fehler gemacht […]. Allein, um nur die letzten Jahre zu nehmen: Ganz so verschlafen, wie es immer wieder dargestellt wird, war sie gewiß nicht. Ins Rampenlicht dagegen geraten wir, wenn wir gegen die Rechtschreibreform kämpfen. Nichts gegen diesen Kampf! Wie richtig und notwendig er war und ist, kann man inzwischen täglich erfahren, da sich fast alle Zeitungen in einem vorauseilenden Gehorsam, den sich abzugewöhnen die Deutschen offenbar immer noch nicht gewillt sind, der unausgegorenen Reform unterworfen haben. Und wir hätten dem Finanzminister natürlich auch gern geholfen, einige hundert Millionen Mark an Steuermindereinnahmen zu erübrigen. Es ist schließlich auch nicht so, daß wir undankbar wären für das unverhofft große Ansehen, das uns aus diesem Kampf erwachsen ist. Aber erstens ist es doch interessant, daß zwar unser Kampf gegen die ideologisch oder aus Mangel an Kenntnis bedingten Auswüchse der "Reform" bemerkt und weithin gelobt worden ist, nicht jedoch unser Reform- (und Kompromiß-)Vorschlag (der, wie mir scheint, gar nicht schlecht ist). Zweitens und vor allem aber sind wir doch eigentlich für einiges mehr da und versuchen wir auch, diesen Aufgaben gerecht zu werden.
: Dumm, dümmer, Duden. Der Tagesspiegel, , Kultur
Es geht um mehr als nur ein paar neue Schreibweisen. Der Ärger richtet sich auch, und zum nicht geringen Teil, gegen die Arroganz der Macht, die zumindest im Prozeß der Durchsetzung zum Ausdruck kommt: in der Unbelehrbarkeit, der Besserwisserei, die etwas Erstaunliches hat.
: Kulturpolitik im Panzerverband? Die Rechtschreib­reform: Versuch einer Lagebestimmung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 33, Feuilleton
Was immer man von der bisherigen Rechtschreibung und der von den Kultusministern beschlossenen Reform halten mag: Den gegenwärtigen Zustand kann doch wohl kein ernst zu nehmender Mensch mehr verantworten. Schüler, Lehrer, Eltern, Verlage verunsichert; Reformer und Ministerien schalten auf stur, Gegner der Reform nutzen alle Möglichkeiten, sie zu Fall zu bringen. Eine Gesellschaft, die eigentlich Wichtigeres zu tun hätte, in Graben­kämpfen um die eigene Sprache verfangen. So ist es kaum übertrieben, wenn man feststellt: Diese Lage ist unerträglich.

neue personensuche