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2020-4-13
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Schmachthagen, Peter

: Deutschstunde: Sprache ist, was gesprochen wird. Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung (636 wörter)
Der Duden, der bis 1996 so stur an den Wider­sprüchen der Orthografie fest­gehalten hat (toll, Tolpatsch; in bezug, mit Bezug etc.), bis die Rechtschreib­reform nicht mehr zu vermeiden war, knickt heute immer mehr ein oder schäkert sogar mit dem Gender­stern („Ich kenne meine Pappen­heimer*innen“).
: Deutschstunde: Manchmal kommt es auf die Reihenfolge an. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung (620 wörter)
Satzzeichen müssen nicht nur richtig aus­gewählt und gesetzt werden, sie haben auch einen festen Platz in der Riege. […] Das Komma zur Ab­trennung des Begleit­satzes muss trotz des Frage­zeichens (oder eines Ausrufe­zeichens) am Ende der Rede gesetzt werden. Das war früher anders. Diese neue Vorschrift ist die einzige zwingende Regel­änderung der Inter­punktion durch die Rechtschreib­reform 1996.
: Deutschstunde: Ist eine SMS eigentlich auch ein Brief? Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung ( wörter)
Die Krux des großen Du ist nämlich, dass alle Welt diese Ausnahme nicht auf den Brief be­schränken, sondern auf alle möglichen und un­möglichen Stellen der deutschen Sprache über­tragen will. […] Einige Leser fragten, ob die Möglichkeit des großen Du nicht nur im Brief, sondern auch in einer SMS, E-Mail oder WhatsApp-Nachricht gelte. […] Liebe Leute, ein Brief ist seiner Definition nach auch dann ein Brief, wenn er nicht auf Papier geschrieben worden ist! Als Konrad Duden 1880 sein erstes Wörter­buch herausgab, hatte er keine Vor­stellung von den Möglichkei­ten des Internets in unseren Tagen, sonst hätte er bestimmt die Du-Regel digital erweitert.
: Deutschstunde: Am Ende bleibt stets der Kampf mit den Kommas. Berliner Morgenpost, , s. 8, Meinung
Leider sind die meisten Komma­regeln fakultativ, das heißt, an der besagten Stelle kann ein Komma stehen, aber Sie können es auch weg­lassen. Wenn die Konjunktion „und“ zwei Haupt­sätze verbindet, steht vor „und“ ein Komma. So klar, so deutlich? Leider nein! Da Fritzchen dieses Komma ohnehin nie beachtet hat, erlauben die Rechtschreib­reformer jetzt, das Komma zwischen zwei Haupt­sätzen mit „und“ zu setzen, das Komma aber auch nicht zu setzen.
: Deutschstunde: Geisterfahrt des großen Du im Deutschen. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung (647 wörter)
Selbst Leute, deren ortho­grafische Leistungen eher an eine Geister­fahrt wi­der Schule und Duden erinnern, werden eines mit Sicherheit nie aus­lassen: das „große Du“, von dem sie irgend­wann einmal gehört haben.
: So weit die Regeln des Deutschen uns tragen. Hamburger Abendblatt, , s. 4, Meinung (626 wörter)
Mit der Präposition „am“ ein Substantiv und groß, ohne „am“ ein Adverb und klein? Ich erlaubte mir die An­merkung, dass die Rechtschreib­reform auch für diese Regel eine Ver­einheitlichung und damit eine Ver­besserung gebracht habe. Wir brauchen uns jetzt nur zu merken: Tages­zeiten immer groß – gestern [am] Abend.
: Deutschstunde: Wenn die Tageszeiten in den Duden geraten. Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung (632 wörter)
Gestern „abend“ waren wir im Kino. So schrieb man jahrzehnte­lang, doch so ist es seit der Rechtschreib­reform nicht mehr. Viele Ältere können sich daran nicht gewöhnen. […] Die laute Kritik an dieser Neuerung war unüberlegt, denn genau genommen handelte es sich bereits damals bei den Tages­zeiten um keine Adverbien, sondern um Substantive.
: Deutschstunde: Wenn die Schreibweise ein wenig esoterisch wird. Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung (588 wörter)
Die Rechtschreib­reformer versuchten, nach Möglichkeit getrennt zu schreiben. Nach dem Diktat eines einzelnen Wortes oder einer einzelnen Fügung können wir die unter­schiedlichen Bedeutungen nicht erkennen. Dazu benötigen wir den gan­zen Satz. Wenn aber der Kontext er­forderlich ist, um den Sinn zu ergründen, brauchen wir auch keine unter­schiedliche Schreib­weise eines Wortes, die sich erst im Satz­zusammenhang fest­stellen lässt. Die Rechtschreib­reform wurde verwässert und so kompliziert gemacht, bis sie semantisch mit einem Schuss Esoterik daher­kam.
: Deutschstunde: Streit der Sprechsilben mit den Sprachsilben. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Nehmen wir die kurzen deutschen Wör­ter „hin“ und „über“, die eigentlich auch ein Schüler ohne Mühe erkennen und also als „hin-über“ trennen könnte – könnte, aber schon zu Groß­vaters Zeiten selten tat. Es hagelte Fehler im Diktat, sodass die Reformer auch die Trennung nach Sprech­silben erlaubten: „hi-nüber“, was mir und den meisten Älteren noch immer einen ortho­grafischen Schock versetzt.
: Deutschstunde: Treueeid auf die Bioeier aus den Donauauen. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Treffen drei gleiche Kon­sonanten aufeinander, so fällt keiner von ihnen weg: Schifffahrt, Schlossstadt, Bal­letttrup­pe, Aus­puffflamme, Sauer­stoffflasche, fetttrie­fend oder helllila. Bevor Sie nun auf diese Er­rungen­schaft der Rechtschreib­reform schimpfen wol­len, sei gewarnt: Vier dieser sieben Beispiele schrieb man bereits vor der Reform so – amtlich, korrekt und dreifach.
: Deutschstunde: Irgendwann stößt jede Zeile an ihr Ende. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Nehmen wir die kurzen deutschen Wör­ter hin und über, die eigent­lich auch ein Schüler ohne Mühe erkennen und also als hin-über trennen könnte – könnte, aber schon zu Groß­vaters Zeiten selten tat. Es hagelte Fehler im Diktat, sodass die Reformer auch die Trennung nach Sprech­silben erlaubten: hi-nüber, was mir noch immer einen ortho­grafischen Schock versetzt […].
: Deutschstunde: Der Kampf gegen Fehler, die keine Fehler sind. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung (618 wörter)
Ein alter Herr schrieb, ein Wort werde nicht „großgeschrie­ben“, sondern „groß geschrieben“. Der Herr irrt – oder sagen wir besser: Er hat die ortho­grafischen Zeitläufte nicht mit­bekommen. Laut der Rechtschreib­reform wird ein Wort großgeschrie­ben oder kleingeschrie­ben – also mit einem großen oder kleinen Anfangs­buchstaben versehen –, aber von der Lehrerin groß an die Wandtafel geschrieben […]. Selbst die Liebe zum Vaterland wird, falls es so etwas heut­zutage überhaupt noch gibt, groß geschrieben. Vor 1998 war es genau umgekehrt (die Schreib­weise, nicht die Vaterlands­liebe).

Die liebe zum vaterland wird großgeschrieben. Es ist nicht genau umgekehrt; die änderung besteht darin, dass das schreiben mit grossem oder kleinem anfangs­buchstaben, also gewissermassen die mittlere der drei bedeutungen, von der wörtlichen zur übertragenen bedeutung wechselt. Was die willkür des begriffs «übertragene bedeutung» und damit der unterscheidungs­schreibung illustriert.

: Deutschstunde: Saure Gurken und ein überflüssiges Jubiläum. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung (601 wörter)
Beim Absuchen der runden Jahrestage waren einige Kollegen auf „20 Jahre Rechtschreibreform“ als Sommer-Thema gestoßen. Auf dieses Jubiläum hätten wir gut verzichten können. Erstens wurde die neue Rechtschreibung in den meisten Ländern am 1. August 1998 nur probeweise eingeführt. Wer in der Schule nach alter Norm schrieb, bekam keinen Fehler, sondern den Hinweis „veraltet“. Die Medien folgten erst am 1. August 1999 (fürs nächste Jahr vormerken!), aber nicht in Schleswig-Holstein.
: Deutschstunde: Warum der Hund an der Kommode das Bein hob. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Es juckt in den Fingern, um mit aller Süffisanz Glossen und Satiren über den Kampf um den Gender­stern (Vorsicht! Maskulinum!) und Gender­stern*innen zu verfassen. Die Duden­redaktion witterte eine neue Auflage und das große Geschäft, der dubiose Rat für deutsche Recht­schreibung stellte während seiner Tagung in Wien fest, dass er noch uneiniger war als die CDU und CSU in Berlin […].
: Deutschstunde: Wenn gewichtige Personen zu Adjektiven werden. (Berliner Morgenpost), , Kolumne
Heißt es a) Ohmsches Gesetz, b) ohmsches Gesetz oder c) Ohm'sches Gesetz? Die Schreib­weise unter a) ("Ohmsches Gesetz") war bis 1996 die einzig korrekte, ist es seit der Rechtschreib­reform jedoch nicht mehr. Die beiden Möglich­keiten unter b) und c) sind ortho­grafisch richtig.
: Deutschstunde: Gegen Sturm und falsche Sprache versichert sein. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung
Häufig treffen wir auf die Bedeutung „etwas ver­sprechen, fest zusagen“: Ich ver­sichere dir, dass die Rechtschreib­reform viele Er­leichterungen ge­bracht hat. Derjenige, der der Ver­sicherung Glauben schenken soll, wird dabei in den Dativ (3. Fall) gesetzt (dir, wem?).
: Deutschstunde: Es ist noch kein Meister aus dem Duden gefallen. Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung
Eine der wichtigsten Regeln der Rechtschreib­reform lautet „Verb und Verb immer getrennt“ (obwohl uns die über­flüssige Reform der Reform im Jahr 2006 einige Aus­nahmen ins Nest gelegt hat). Wenn wir das Verb schwimmen und das Verb gehen zu schwimmen gehen zusammen­bringen, wissen wir also, dass wir auch tanzen gehen, spazieren gehen, einkaufen gehen, schlafen gehen oder essen gehen getrennt schreiben müssen.
: Deutschstunde: Opa wollte nur einmal kurz Hallo sagen. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Sagen oder besser schreiben wir eigentlich Hallo oder hallo? Groß oder klein? Beides ist möglich. Hier haben wir es wieder einmal mit einer der unsäglichen fakultativen Schreib­weisen zu tun, was bedeutet: Sie ist der freien Wahl über­lassen. Das Gegenteil von fakultativ (wahlfrei) ist obligatorisch (verbindlich). Ein Ziel der Rechtschreib­reform ab 1996 sollte es sein, zu obligatorischen Schreib­weisen zu gelangen.
: Deutschstunde: Ein recht flexibles Verb ist in diesen Text geweht. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Häufig treffen wir auf die Bedeutung „etwas ver­sprechen, fest zusagen“: Ich versichere dir, dass die Rechtschreib­reform viele Er­leichterungen gebracht hat. Derjenige, der der Ver­sicherung Glauben schenken soll, wird dabei in den Dativ (3. Fall) gesetzt (dir, wem?). Fritz versicherte ihm bei seiner Freundschaft, dass er ihn stets unter­stützen werde. Früher wurde auch der Akkusativ gebraucht: Er ver­sicherte sie (wen?), dass er sie ewig lieben werde. Allerdings gilt der Akkusativ heutzutage in diesem Zusammen­hang als reichlich verstaubt.
: Deutschstunde: Als Kleopatra ihren Körper lasziv in Kurven bog. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
… hätte Cäsar fast das Frage­zeichen erfunden, wenn er nicht vorher hinter­rücks ermordet worden wäre. […] Gehört das Frage­zeichen zu einer An­führung, dann steht es vor dem schließenden Anführungs­zeichen. „Wie geht es dir?“ Der Schluss­punkt entfällt. Folgt hingegen ein Begleit­satz, muss seit der Rechtschreib­reform immer ein Komma hinzu­gefügt werden: „Wie alt bist du?“, fragte er.
: Deutschstunde: Nicht alles ist falsch, was wie falsch aussieht. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung (626 wörter)
Ist die neue Recht­schreibung leichter als die alte? Auch die Reform hat ihre Tücken, aber sie ist systematischer. […] Zur Ein­führung der Reformschreib­weise in den Medien hatte ich im Juli 1999 im Abendblatt ein Rechtschreib­quiz nach alter Norm gebastelt. Es bestand aus 40 einzelnen Aus­drücken und Fügungen, hinter denen zwei Kästchen standen, eins für richtig, eins für falsch. Die Leser sollten also nur jeweils ein Kreuz machen, ob die Schreib­weise nach den Regeln des Jahres 1901 richtig oder falsch sei. Das höchste Gebot waren acht Richtige, doch alle 40 Beispiele waren nach damaliger Norm richtig – nur hatte es niemand geglaubt.
: Deutschstunde: Wenn morgens das Geschlecht ausgewürfelt wird. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Wie trennt man Eisenach?, fragt eine Leserin. Eigentlich Eisen|ach, denn der zweite Bestand­teil -ach ent­spricht einem alten Wort für „Gewässer, Fluss“. Da diese Kenntnis aber nicht sehr ver­breitet ist, darf seit der Rechtschreib­reform auch nach Sprech­silben getrennt werden: Eise|nach.
: Deutschstunde: Wie ein Buchstabe das Sommerloch füllen soll. (Berliner Morgenpost), , Kolumne
Dieses Sommer­loch wurde in den Zeitungen bis vor wenigen Jahren stets mit dem Ungeheuer von Loch Ness überbrückt, das angeblich wieder einmal ge­sichtet worden war. Seit 2008 hat das große Eszett das schottische Fabel­tier abgelöst.
: Deutschstunde: Vielleicht hätte Gutenberg es einführen können. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Ein großes Eszett ist also weder Mitglied des Alphabets noch Gegen­stand der Recht­schreibung. Viel­leicht hätte Guten­berg es ein­führen können. Jetzt ist es zu spät dafür.
: Deutschstunde: Als ein Tollpatsch durch die Straßen wankte. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung
Als wenn es nichts Wichtigeres gegeben hätte, wurde die Änderung von „belemmert“ in belämmert von den Reform­gegnern zum ortho­grafischen Welt­untergang hoch­stilisiert. Schließlich stamme die Schreib­weise mit „e“ vom niederd. Verb be­lemmeren (hindern, lähmen) […]. Sicher, diese etymo­logische Erklärung ist All­gemeingut … Wir werden Klein Fritzchen erst in ein alt­sächsisches Proseminar schicken, damit er die Schul­reife für die 1. Klasse erlangt. Belämmert, in der Tat!
: Deutschstunde: Sie wartete vergeblich an der Litfaßsäule. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Wenn es nicht so genau auf die Minute ankommt, wird die Helferin am Telefon vielleicht sagen: "Kommen Sie Freitag Morgen." Oder Freitag "morgen"? Nein, seit der Rechtschreib­reform werden die früher als Adverbien angesehenen Bezeichnungen für die Tages­zeiten in Verbindung mit einem Wochen­tag jetzt den Substantiven zugeordnet und groß­geschrieben […]. Das sieht für ältere Leser etwas ungewohnt aus, sollte aber als Beweis eines gewissen Rechtschreib­niveaus beachtet werden.
: Deutschstunde: Das Fremdwort ist ein rein deutsches Wort. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Die Rechtschreib­reformer unternahmen 1996 den gut gemeinten Versuch, schwierigen Fremd­wörtern ein deutsches Mäntelchen umzulegen. Dieser Versuch entpuppte sich als Rohr­krepierer. […] Ich gehe einmal davon aus, dass Klein Fritzchen nicht in der Lage sein wird, das Wort Portemonnaie aus dem Kopf richtig zu schreiben. Das gilt jedoch auch für den Ersatz­vorschlag „Portmonee“. Wenn Fritzchen jedoch ohnehin im Wörter­buch nach­schlagen muss, kann er ja gleich beim Original bleiben.
: Deutschstunde: Manche setzen ein Komma, wenn sie Luft holen. Berliner Morgenpost, , s. 4, Meinung
Ich kann in einer Folge der „Deutsch­stunde“ unmöglich alle Beispiele zur Zeichen­setzung auf­führen. Des­halb beginnen wir mit einer guten Nachricht an die Älteren: Trotz der Rechtschreib­reform können Sie 99 Prozent der früheren Interpunktions­regeln weiter­hin anwenden.
: Deutschstunde: Von jedem Buchstaben gibt es ein Pärchen. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung
Unsere Lehrerin […] hatte eine praktische und kind­gerechte Erklärung für diese Buchstaben­form parat. „Alles, was ihr an­fassen könnt, müsst ihr großvschreiben“, erklärte sie. Das klang einleuchtend – das Haus, die Wand, die Tür oder die Bank konnte man anfassen, und diese Wörter bekamen demnach einen großen Buch­staben am Anfang. Selbst die Lehrerin mit großem „L“ hätte man anfassen können, was wir natürlich nicht taten und durften, denn damals ging es im Unterricht noch diszipliniert und respekt­voll zu. Aller­dings beein­flusste diese Anfass-Regel die Rechtschreib­kenntnisse bis zum Abitur, und das nicht unbedingt zum Guten.
: Deutschstunde: Man schreibt zusammen, was zusammengehört. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Um gleich die Standard­ausrede älterer Mit­bürger zurück­zuweisen: Vor der Rechtschreib­reform gab es weitaus mehr Stolper­steine und unlogische Aus­nahmen bei der Ortho­grafie als heute.
: Deutschstunde: Rechtschreibreform hat Erleichterungen gebracht. Hamburger Abendblatt online (), , Meinung
Dabei ist die Erinnerung an die gute, alte, klassische Recht­schreibung, die jeder fehlerfrei beherrschte, häufig genauso falsch wie die Erinnerung an die gute alte Zeit, in der immer die Sonne schien. Ein ehemaliger Moderator der "Tages­themen" erklärte seinen Zuschauern stets bei jedem neuen Diskussions­beitrag, drei gleiche Buch­staben hinter­einander habe es früher nicht gegeben. Das war, wie der Hamburger sagt, natürlich "dumm Tüüch".
: Deutschstunde: Schreibt man Kartoffelmus mit Schnörkel-s? Hamburger Abendblatt online (), , Meinung
Leute mit Lücken in Deutsch pflegen gern die Rechtschreib­reformer […] für die eigenen Defizite verantwortlich zu machen […], aber sie irren sich in der Annahme, das Eszett wäre durch die Reform abgeschafft worden. Im Gegenteil, die Reformer haben mit der ss/ß-Regel klar und einfach festgelegt, wann "ss" und wann "ß" geschrieben werden muss.
: Deutschstunde: Ob Sie Ihren Nachbarn kennen lernen oder kennenlernen… Hamburger Abendblatt online (), , Meinung
Insofern war es eine der wichtigsten Taten der Rechtschreib­reformer zu bestimmen, Verb und Verb seien immer getrennt zu schreiben. Immer! 1998 schrieb man in den Schulen demnach schwimmen gehen, sprechen lernen, spazieren fahren, lesen üben und sogar kennen lernen, stehen lassen oder liegen bleiben. Diese Regel war eine enorme Erleichterung der Recht­schreibung. Die Schüler übernahmen sie ohne Schwierig­keiten, und wer dagegen an moserte, versuchte meistens nur zu kaschieren, dass er bereits die alte Schreib­weise nicht beherrscht hatte.
: Deutschstunde: Schlossstadt: reichlich s-haltig, aber richtig. Hamburger Abendblatt online (), , Nachrichten
Meine überaus geschätzte Kollegin Angelika aus dem Seitenflügel des 7. Stocks sah zweifelnd auf die drei t in "fetttriefend", runzelte die Stirn und erklärte kategorisch: "Das gab es früher nicht!" […] Wörter mit drei gleichen Buchstaben hintereinander gab es bereits vor der Reform, eben fetttriefend, Sauerstoffflasche, Pappplakat, Auspuffflamme oder Balletttruppe, was einige Reform­verweigerer nicht wahrhaben wollen. Ich schlug die 20. Auflage des Rechtschreib­dudens von 1991 auf, die letzte vor der Reform, und präsentierte dort die Regel 204. "Das ist ja der blanke Horror!", staunte meine Kollegin, "aber Schiffahrt schrieb man damals doch mit zwei f?" Auch hierbei drohte eine böse Falle. Rutschte das Wort ans Zeilen­ende und musste getrennt werden, trat der dritte Konsonant wieder ein. Schiff-fahrt wie auch Brenn-nessel oder Wett-turnen wurden ergänzt.
: Deutsch oder deutsch, das ist hier die Frage. (Hamburger Abendblatt), , Meinung
Die Groß- und Kleinschreibung bei der Bezeichnung einer Sprache ist ein bisschen verzwickt. […] Eigennamen sind auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), die Deutsche Bahn oder der Deutsch-Französische Krieg (1870/71), Ausnahmen die Bank deutscher Länder und die Gesellschaft für deutsche Sprache.
: Hamburger sprechen ein gediegenes Deutsch. Hamburger Abendblatt, , Hamburg
Glücklicherweise hat weder die Kultusministerkonferenz noch der Rat für deutsche Recht­schreibung die plattdeutsche Orthografie verschlimmbessern dürfen wie bei der hochdeutschen Rechtschreib­reform. Doch auch auf Platt muss sich die Redaktion an gewisse Normen halten. Das Germanische Seminar der Universität Hamburg hat seit 1917 fast eine Million Belege für hamburgische Ausdrücke gesammelt und seit 1956 in 30 Lieferungen publiziert. Schreibweise und Aussprache werden dort mithilfe diakritischer Zeichen dargestellt, was für den Laien ein wenig unüber­sichtlich ist. Wir benutzen deshalb nach Möglichkeit die Schreib­weise nach Johannes Sass, die auch Hartmut Cyriacks und Peter Nissen über­nommen haben. Ein Beispiel: Ein langer Vokal wird in offener Silbe einfach geschrieben (sno-pen = naschen), in geschlossener Silbe, also in einer durch einen Konsonanten beendeter Silbe, jedoch verdoppelt: Snoop-kraam = Naschzeug.
: Mer Feler wegen Rechtschreibrevorm? Zehn Jahre danach: Lasst es endlich gut sein! Hamburger Abendblatt, , Aus aller Welt
[…] fragwürdige Untersuchungen, nach denen die Rechtschreibfehler in Abituraufsätzen um 120 Prozent zugenommen haben. Das mag ja sein, die Frage bleibt nur, ob die Rechtschreibreform daran schuld ist und wie die Aufsätze nach alter Norm ausgesehen hätten. Um hier einen Vergleich ziehen zu können, hätten wir eine Kontrollgruppe zehn Jahre lang nach alter Rechtschreibung unterrichten und von der Reform abschirmen, sie andererseits aber der stetig zunehmenden Lese- und Schreibfeindlichkeit, dem Internet, dem Fernsehen, den PC-Spielen, der Handy-Sprache und den leistungsfremden Lehrplänen aussetzen müssen.
: Nach zwanzig Jahren Diskussion: Die Reform der Reform ist unwiderruflich. Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (505 wörter)
Die deutsche Rechtschreibung, die 1901/02 vom Kaiser und Bundesrat genauso amtlich und "undemokratisch" verfügt worden war wie später die Rechtschreibreform angeblich von den Kultusministern, Ministerpräsidenten und Landesparlamenten, hatte nach Auffassung von Konrad Duden vom ersten Tag an Reform- und Ergänzungsbedarf. Es dauerte jedoch bis zum 1. August 1998, bis eine Reform, die diesen Namen verdiente, an den Schulen und in den Behörden eingeführt werden konnte.
: Der neue Duden 2006. Wie gut ist der neue Duden? Hamburger Abendblatt,
Umfangreicher als je zuvor, ist er zur Wiederherstellung des Rechtschreibfriedens nur bedingt geeignet. […] Der Grund, dass diese Auflage so schnell der 23. Auflage (August 2004) folgen konnte, waren wohl weniger die 3.000 neuen Begriffe, die aufgenommen worden sind (darunter Publikumsjoker, USB-Stick und Telenovela), sondern die Unzahl der erlaubten Varianten, die der Rat für deutsche Rechtschreibung noch vergrößert hat. […] Wer bisher glaubte, dass Fremdwörter aus lebenden Sprachen nicht eingedeutscht werden sollten, findet richtigerweise Polonaise oder Malaise im neuen Duden, aber Dränage mit ä.

Wer glaubte bisher so etwas?

: Ganz schön belemmert. Reform der Rechtschreibreform? Lassen Sie sich nicht verwirren! Hamburger Abendblatt, , Kultur/Medien (301 wörter)
Doch stets wenn die Kommission einen Zwischenbericht vorlegte, erhoben sich die Gegner mit dem Erlanger Linguisten Theodor Ickler an der Spitze und proklamierten den Untergang des Abend­landes. Jetzt kursiert eine Vorlage für eine unter Umständen entscheidende Sitzung am kommenden Donnerstag durch die Kultus­ministerien, und die Feuilletons der deutschen Großblätter wittern Verrat. Die "Süddeutsche" bezeichnet die Kommission gar als "obskuren Kader", der sich selbständig machen möchte, "als bräuchte dieses Land eine Sonder­behörde für Recht­schreibung mit nahezu geheim­dienstlichen Kompetenzen".
: WasSollDas? Rudi Assauers private Rechtschreibreform AufSchalke. Hamburger Abendblatt, , Sport
Auf Schalke haben sie einen Manager namens Rudi Assauer, […] der ein neues Stadion, nein: eine Arena schuf […]. Und als Rudi Assauer sein Werk betrachtete und sah, dass es gut war, gab er der Arena den Namen AufSchalke — ohne Leerzeichen und mit einem großen S mitten im Wort. Seitdem streiten sich Leser und Redakteure, ob man ihm bei dieser manieristischen Schreibweise folgen müsse, und fragen: WasSollDennDas? Haben sie auf Schalke jetzt auch noch die Rechtschreibung außer Kraft gesetzt?
: Belämmert. Eine Woche neue Rechtschreibung. Hamburger Abendblatt, , Kommentare
Die letzten Proteste verlieren an Niveau. Eine Initiative verteilt Flugblätter, anonym, und die Antworten bitte hauptpostlagernd. Auch die Reformgegner sollten wissen, wann sie verloren haben. Wir haben in Deutschland wahrlich wichtigere Probleme zu lösen als permanent Konrad-Duden-Gedächtnisspiele zu veranstalten.
: Eine sehr, sehr deutsche Reform. Hamburger Abendblatt,
Doch wer ein richtiger Deutscher ist, strebt nach Regeln, die in erster Linie klar und erst in zweiter Linie plausibel zu sein haben. […] Die "neue" Rechtschreibung von 1998/99 soll einfacher sein als die "alte" von 1901/1902. Ist sie einfacher? Für Klein Fritzchen im Deutschunterricht wohl kaum. Ausnahmen wurden aufgehoben, andere dafür neu geschaffen.

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