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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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Wittstock, Uwe

: Gute Sprache, kluger Kopf! Focus, , nr. 31, s. 71, Kultur & Leben (449 wörter)
Nur wer historisch denkt, wird begreifen können, weshalb Sprache und Rechtschreibung gerade für Deutsche von so großer Bedeutung sind. Viel zu lange war das Land geprägt von politischen Spaltungen: Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein bestand Deutschland aus etlichen Kleinstaaten, nach dem Zweiten Weltkrieg trennte 40 Jahre lang eine tödliche Grenze Bundesrepublik und DDR. Die Klammern, die trotz allem die Bevölkerung zusammenhielten, waren Kultur, Sprache und Schrift.

Abgesehen davon, dass nicht nur in Deutschland deutsch gesprochen wird – wer historisch denkt, wird begreifen können, dass das hohle frasen sind. Alle gewinnersprachen (Leiss) sind von grosser bedeutung; italienisch, russisch, chinesisch, französisch usw. sind für ihre nationen nicht weniger wichtig. Zur rechtschreibung haben die franzosen keineswegs ein lockereres verhältnis. Wenn die rechtschreibung für die deutsch­sprachigen so wichtig wäre, würden sie versuchen, ihre schreibkompetenz zu verbessern.

: »Wer sich auf Computer verlässt, steht schnell verlassen da.« Focus, , nr. 31, s. 72, Kultur & Leben (542 wörter)
Bildung fliegt uns nicht zu, erklärt die ZDF-Journalistin und Sachbuchautorin Petra Gerster. Und plädiert für kluge Vermittlung von Rechtschreibung. Denn erst eine geordnete Sprache bringt Gedanken in eine präzise Form. […] Gerster: Rechtschreibung schult die sprachliche Disziplin, deshalb halte ich sie für überaus wichtig. Kinder benutzen ihre Muttersprache ja zunächst intuitiv, ohne nachzudenken. Durch den Sprach- und Rechtschreibunterricht bekommt die Sprache für sie eine begreifbare Struktur. […] Und Rechtschreibung sorgt ja nicht nur für Ordnung auf dem Papier, sondern auch dafür, Ordnung im Denken zu schaffen. So ist es leichter, seine Gedanken in eine präzise Form zu bringen. […] Die Rechtschreibreform hat vor allem Unsicherheit geschaffen. […] Wenn die Reform die Rechtschreibung verständlicher und einfacher gemacht hätte, wäre sie gut. Aber das erscheint mir zweifelhaft. […] Wittstock: Die Macht der Bilder nimmt zu. Glaubt die Gesellschaft nicht mehr an die Rechtschreibung? […] Gerster: Das Problem ist: Bilder bilden nicht. Die wachsende Unlust vieler Jüngerer, Bücher und Zeitungen zu lesen, ist ein ernstes Warnsignal.

Schade, dass frau Gerster keine lust hat, Leiss zu lesen.

: Protest und Preise: Die Akademie tagte. Die Welt, , s. 29, Kultur
So wirkte es recht populistisch, als Klaus Reichert, der Präsident der Akademie, jetzt in seinem Rechenschaftsbericht erneut gegen die umstrittene Reform polemisierte und damit seinem Publikum schnellen Beifall entlockte. Doch was hätte Reichert sonst auch tun können? Außer einem in diesem Jahr publizierten Buch mit Reform-Vorschlägen und der turnusgemäßen Frühjahrstagung hatte er über die Arbeit seines Hauses wenig vorzutragen.
: Schläfrig in Darmstadt. Die Deutsche Akademie lässt sich bei ihrer Herbsttagung auch durch die Nachricht von Unselds Tod nicht aufschrecken. Die Welt, , nr. 251, s. 27, Feuilleton
Ein Beispiel für die habituelle Trägheit dieser Akademie bot der Rückblick Meiers auf seine Arbeit als Präsident. Die hatte er zu einem großen Teil dem — erfolglosen — Kampf gegen die umstrittene Rechtschreibreform gewidmet. Auf Nachfragen musste er eingestehen, dass der Kampf erst mit seiner Amtsübernahme und also nach offizieller Verkündung der Reform aufgenommen worden ist. An der Akademie, die von sich behauptet, für Sprache zuständig zu sein, sind also die jahrelangen Vorarbeiten zu diesem massiven politischen Eingriff in die Sprache samt Staatsvertrag mit Österreich und der Schweiz unbemerkt vorübergezogen. Nie ist die Akademie, bevor die Reform in Kraft trat, von sich aus aktiv geworden, nie wurde ein Brief, in dem man sie um Stellungnahme bat, in ihrer Poststelle gefunden. Kein Wunder, dass die Kultusminister wenig Lust verspürten, auf Proteste einer Akademie einzugehen, die sich erst zu Wort meldete, als das Kind längst im Brunnen war.

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