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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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dg. = Guratzsch, Dankwart

: Rechtschreibrat: Unfähig! Setzen! Die Welt (), , s. 25, Feuilleton, Kommentar
Es gehört schon eine be­achtliche Portion Ignoranz und Ab­gehobenheit dazu, wenn der Rat für deutsche Recht­schreibung unter seinem ewigen Vor­sitzenden Hans Zehetmair der Kultus­minister­konferenz in seinem „3. Bericht“ seit der Rechtschreib­reform mitteilt […]. Lesen die Leute keine Zeitung, keine Pisa-Studien, keine Klagen der Wirtschaft, Uni­versitäten und Kommunen? Wissen sie wirklich nicht, wie es um die Recht­schreibung seit der über­flüssigen, teuren und chaotischen Reform steht? Haben die Mitglieder des eigens von der Bundes­regierung ein­gesetzten, für deutsche Ortho­graphie zu­ständigen Gremiums allen Ernstes nicht mit­bekommen, dass die Rechtschreib­leistungen in­zwischen einen Tief­stand er­reicht haben wie seit hundert Jahren nicht?

Sie haben aber wohl mitbekommen, dass sogar Friedrich Denk ein «viel größeres Problem» namens internet sieht.

: Nichts als Pfusch. Die Welt (welt.de), , s. 2, Forum, Essay
Die Rechtschreibreform ist krachend gescheitert. Die Regeln des Schreibens haben ihre Verlässlichkeit verloren. Es wird höchste Zeit, dem Wirrwarr eine Ende zu setzen. Siebzehn Jahre nach der Rechtschreib­reform bietet sich an den Schulen ein nieder­schmetterndes Bild. Nur noch jeder fünfte Schüler der neunten Schulstufe in Deutschland beherrscht die deutsche Rechtschreibung. […] Es gehört zu den dümmsten Argumenten in der Rechtschreibdebatte, die Orthografie einfachheitshalber gleich pauschal für unwichtig zu erklären. Das mag sie für die wirklich Intellektuellen tatsächlich sein. Für die breite Masse der Schreibenden ist sie es offensichtlich nicht. Da braucht man nur einmal die Internetforen, Blogs und Partnerbörsen durchzuscrollen, um immer wieder auf die Forderung von Briefschreibern zu stoßen: "Aber bitte nur Antworten in korrekter Rechtschreibung."

… allerdings ohne jeden erfolg!

: Reformstau im Rechtschreibrat. Die Welt (welt.de), , s. 8, Politik (845 wörter)
Im Rat für deutsche Rechtschreibung ist es zu einem Eklat gekommen. Der von der Akademie für Sprache und Dichtung entsandte Potsdamer Linguist Peter Eisenberg hat nach "Welt"-Infor­mationen seine Mitarbeit aufgekündigt. Germanist Eisenberg ist bereits der dritte prominente Sprach­wissenschaftler, der nach der 1996 in Kraft getretenen Rechtschreib­reform zurücktritt. Er war wesentlich an der Straffung und Umformulierung der Regeln in eine verständliche Sprache beteiligt.
: Prominenter Linguist verlässt den Rechtschreib-Rat. , , Politik
Spektakulärer Rücktritt im Rat für Rechtschreibung: Der Linguist Peter Eisenberg kündigt seine Mitarbeit auf. […] wird die sperrige Textfassung der Regeln als Ursache dafür angesehen, dass der Duden erstmals seit Jahrzehnten davon absieht, die geltenden Regeln in seinen neuesten Auflagen abzudrucken. Darum hatte der Rat 2010 beschlossen, einen "Paralleltext" zu den amtlichen Regeln zu verfassen, der "halb so lang und doppelt so verständlich" (Eisenberg) wie der des vorliegenden Regelwerks sein sollte. An der Ausarbeitung war Peter Eisenberg maßgeblich beteiligt, der nun berichtet, dass das zentrale Kapitel zur Groß- und Kleinschreibung auch bereits einvernehmlich abgesegnet sei. Vor Beschlussfassung über den zweiten Komplex, die Vereinfachung der Kommaregeln, aber legten sich laut Eisenberg "Beharrungskräfte" im Rat quer, weil sie eine Aufweichung der Reform im Ganzen befürchteten. Die Arbeit an der Vereinfachung wurde auf Ratsbeschluss eingestellt. Für den Potsdamer Linguisten war damit einer weiteren Zuarbeit der Boden entzogen.
: Wir Legaßtheniker. Die Welt (welt.de), , s. 23, Feuilleton
Seit der Rechtschreibreform hat sich die Fehlerquote in Schultexten verdoppelt. […] Denn weder ist es gelungen, die durch die Reform zerrüttete Einheitlichkeit zurückzugewinnen, noch die Recht­schreibung der Schüler zu verbessern. Sie haben sich vielmehr bei allen Schultypen dramatisch verschlechtert. Dafür werden zwar verschiedenste Gründe, unter anderem neue Unterrichts­praktiken, angeführt. Aber ein erstaunlich hoher Anteil von Fehlern geht offenbar unmittelbar auf die Reform von 1996 zurück, den größten Rohr­krepierer der deutschen Kulturpolitik seit 1945.
: Schreiben und Regeln. Die Welt (), , s. 23, Feuilleton, Kommentar
Die deutsche Rechtschreibung ist in verheerendem Zustand. Das sagt ausgerechnet Hans Zehetmair, seines Zeichens Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung und einer der Verantwortlichen für die Rechtschreibreform. […] Es wäre ehrlicher, das Scheitern einzugestehen und zurückzutreten.
neu : Ohne Muttersprache heimatlos. Deutsch im Grundgesetz; Anker gegen das Abheben der Eliten und Ausgrenzung der Mehrheit. Das Parlament (das-parlament.de), , nr. 50, Thema der Woche
Die mangelnde Geltung der meistgesprochenen Muttersprache Europas in der EU, der Abstieg des Deutschen als Wissenschaftssprache, die Inflation von Anglizismen, die verrenkte Werbesprache, das Türken-, SMS- und Twitter-Missingsch, die Verballhornung der Schriftsprache durch die Rechtschreibreform und nicht zuletzt die Schludrigkeit der Medien im Umgang mit der deutschen Grammatik lassen immer mehr Bürger am Willen und an der Kompetenz der politischen Klasse zweifeln, die Belange kultureller Identität noch wahrzunehmen.
: Die Leidtragenden sind die Schüler. Unterschiede in den Neuausgaben von Duden und Wahrig zeigen: Die Rechtschreibreform ist gescheitert. Die Welt (), , s. 24, (1090 wörter)
Untersucht man die Abweichungen näher, kommt eine interessante Tatsache zutage: Nicht der Rechtschreibrat scheint eine erkennbare Funktion auszuüben, wohl aber die Deutsche Presse-Agentur (dpa) als Sachwalterin des gedruckten Deutsch. […] Damit wiederholt sich ein Phänomen, mit dem sich schon der Schöpfer der deutschen Einheitsrechtschreibung, Konrad Duden, konfrontiert gesehen hatte: Mehrfachschreibweisen ließen sich nicht durchsetzen. Der Widerstand ging von den Buchdruckern aus. Auf einer Tagung in Konstanz 1902 "gaben sie ganz unverhohlen ihrer Missstimmung über die durch die neuen Regelbücher nur noch vermehrte Unsicherheit in der Rechtschreibung Ausdruck". Und so waren es schon damals die gedruckten Medien, die im Kampf um eine einheitliche Schreibweise letztlich obsiegten. 1903 lieferte Duden erstmals einen "Buchdruckerduden" aus, der später mit dem "normalen" Duden verschmolz.
: Ab heute gibt es wieder den „Blauen Brief“ und die „Rote Karte“. Die Rechtschreibreform tritt endgültig in Kraft. Die Welt, , nr. 177, s. 4, Deutschland (582 wörter)
[…] der „Blaue Brief“ und die „Rote Karte“ kommen – je nach Bedeutung – wie einst in großer und kleiner Schreibweise vor. […] Die Mehrheit der prominenten Schriftsteller – an der Spitze Günter Grass – […] veröffentlicht die eigenen Werke nach wie vor in herkömmlicher Rechtschreibung.

Wieder? Wie einst? Duden, 20. auflage von 1991: einen blaue Brief erhalten, die rote Karte (bes. Fußball). Die reformgegner sind in wirklichkeit reformer, die neu so schreiben wollen, wie sie es einst getan zu haben glauben. Was sagen wohl die prominenten schriftsteller dazu, dass sie in solchen fällen mit der weniger guten herkömmlichen rechtschreibung vorlieb nehmen müssen? Zwei erkenntnisse drängen sich auf: 1. Man sollte das tema den fachleuten überlassen. 2. Gerade diese fälle (vgl. Südostschweiz, 26. 11. 2005, SZ, 3. 3. 2006, taz, 1. 8. 2006) widerlegen die notwendigkeit und die praxistauglichkeit der markierung einer übertragenen bedeutung.

neu : Deutsch ist mehr als ein Verständigungsmittel. Laudatio auf Thomas Paulwitz, Träger des Gerhard-Löwenthal-Preises für Journalisten 2006. Deutsche Sprachwelt (), , 8. jg., nr. 27/1, s. 7, Sprachpflege (1853 wörter)
Paulwitz’ Stimme ist aus den Debatten um Bewahrung und Entwicklung eines guten Deutsch nicht mehr wegzudenken. Wenn er […] gegen dessen Verluderung durch Anglizismen, seine Ver­drängung aus Wissen­schaft und Welt­kommunikation, seine Entstellung durch eine Rechtschreib­reform, die den Namen Recht­schreibung nicht verdient, wenn er gegen all das Front macht, dann ficht er nicht nur sehr treff­sicher mit dem Säbel, sondern fast gewandter noch mit dem Florett.
: Ende eines langen Streits. Vergeblich haben die Schreibreformer jahrzehntelang versucht, die bestehenden Regeln zu ändern. Die Welt, , nr. 57, s. 4, Deutschland (644 wörter)
Damit endet eine 34jährige Phase mit zum Teil dramatischen Auseinandersetzungen. Ausgelöst wurde der sogenannte Rechtschreibkrieg durch eine Bürgerinitiative "aktion kleinschreibung" am 25. Juni 1972.
: "Gräulich" ist alle Theorie. Auch das fünfte Votum der Kultusministerkonferenz zur neuen Rechtschreibung räumt nicht alle Mißverständnisse aus. Die Welt, , nr. 44, s. 29, Kultur (1401 wörter)
Wenn im März die Kultusministerkonferenz zum fünften Mal "endgültig" über die von zwölf Schriftweisen reformierte und von 36 Oberaufsehern nochmals korrigierte deutsche Rechtschreibung entscheidet, wird sie den Schülern verordnen, von nun an "Rad fahren" auseinander und groß zu schreiben. Alle Miß­verständnisse beseitigt? Nein, denn "seiltanzen" und "eislaufen" sind wieder wie früher klein und in einem Wort zu schreiben. Auch die Klippe "das" ist geblieben - mit dem kleinen Unterschied, daß das andere "das", die Konjunktion, nun nicht mehr mit "ß", sondern mit "ss" zu schreiben ist. Ein grandioser Fortschritt. […] Inkonsequenz, Praxisferne, Unwissenschaftlichkeit, grammatischer und linguistischer Dilettantismus sind die Haupt­kennzeichen dieser großspurig angekündigten "Reform", aber leider kaum weniger auch der nun empfohlenen "Reform der Reform".
: Ex-Verfassungsrichter Mahrenholz vermißt öffentliche Debatte bei Rechtschreibreform. Die Welt, , nr. 161, s. 4, Deutschland (555 wörter)
Wir sitzen vor einem Scherbenhaufen. Ich nehme an, das Ausland lacht sich halbtot. Im Englischen […] gibt es allein für die Schreibweise "ough", ich meine mich zu erinnern, sechs verschiedene Aussprachen. Das müssen die lernen! Und es geht doch? Ich begreife nicht, daß man unseren ABC-Schützen nicht auch ein paar Schwierigkeiten zumuten kann. Das war doch alles durch den Duden und Wahrig wunderbar geregelt. […] Ich hätte mich auf alle Fälle im Gericht gegen das ganze Verfahren gewehrt.

Gegen das verfahren? Welches wäre denn besser? Wohl doch eher gegen jede reform.

: Schrift nach Vorschrift. Die Welt, , nr. 128, s. 1, Kommentar (198 wörter)
Das also soll Rechtschreibfrieden schaffen: Die Kultusministerkonferenz will alle "unstrittigen" neuen Regeln zum 1. August für verbindlich erklären. […] Nein, strittig sind alle Bereiche der neuen Rechtschreibung […]. Ein Rechtschreibfrieden ist so nicht zu erreichen.
: Schüler schreiben nach Reform schlechter als vorher. Leipziger Wissenschaftler deckt eklatante Schwächen in der Rechtschreibung von Grundschülern auf. Die Welt, , nr. 236, s. 4, Deutschland (765 wörter)
Das Kernstück der Rechtschreib­reform wird laut einer bisher unveröffent­lichten Studie stark in Zweifel gezogen. Ergebnisse von Langzeit­tests des Leipziger Erziehungs­wissenschaftlers Harald Marx zeigen, daß der Zischlaut „ß“ der fehler­trächtigste der Rechtschreib­reform ist. Fazit: Die verschiedenen s-Schreibweisen werden sieben Jahre nach der Umstellung derart durch­einander gebracht, daß nach der Reform mehr Fehler auftreten als vor der Reform.
: An der Zusammenschreibung gescheitert. Rechtschreibkommission und Sprachakademie finden keinen Kompromiss. Die Welt, , Feuilleton (289 wörter)
Die Zwischenstaatliche Rechtschreibkommission in Mannheim hat die Gespräche über eine "Reform der Reform" mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt einseitig beendet. […] Auch Eisenberg bestätigte, dass es sich die Akademie nicht leicht gemacht […] habe. "Doch nach drei Gesprächen ist rausgekommen: Die wollen nicht an die Substanz ran."

Was heisst «an die Substanz ran»? Jedenfalls ist die neuregelung selbst schon ein extremer kompromiss, ebenso wie die regelung von 1901, was die probleme beider regelungen entscheidend mit verursacht. Wer will da noch einen kompromiss und noch einen? Etwa Ickler (4. 4. 2002) und Grass (28. 12. 2003)? Wir erinnern an einen rat aus der industrie, den wir vor 10 jahren im jahresbericht zitierten.

: Totgelaufen oder tot gelaufen? Worüber Linguisten am liebsten streiten: Fragen zum Rechtschreibkompromiss der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Die Welt, , nr. 59, s. 27, Kultur
Autor ist der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg […]. Der Potsdamer ist sich also im Grundsatz treu geblieben — aber ob er diesmal mit seinen Vorschlägen Gehör findet oder sich endgültig zwischen alle Stühle setzt, bleibt abzuwarten. Denn natürlich vergrätzt er nicht nur die Mannheimer Kommission, sondern auch die Gegner der Rechtschreibreform, weil er sich auf eine Fülle von Neuregelungen einlässt (ohne von ihnen überzeugt zu sein). […] Das große Manko der "Reform der Reform" ist es, dass sie auf halbem Wege stehen bleibt und nun ihrerseits uneinsehbare neue Unterscheidungen dekretiert, die die "Liberalität" sofort wieder in Frage stellen.
: "Wir müssen manches zurücknehmen." Interview: Die hessische Wissenschaftsministerin Ruth Wagner (FDP) hält die Rechtschreib­reform für gescheitert und plädiert für eine Umkehr. Die Welt, , Deutschland
Wir haben also eine Sprachentwicklung, die sich einer Normensetzung durch den Bundestag oder die Kultusminister­konferenz entzieht. Man hätte bei der gewohnten Rechtschreibung bleiben und diese dem sich entwickelnden Sprachgebrauch anpassen sollen — das hätte viel mehr gebracht.

Wenn sich die entwicklung einer normensetzung entzieht, haben wir ja auch kein problem. Das einzige problem ist dann: Wer ist «man»?

: Papier ist geduldig. Der Kommentar. Die Welt, , nr. 234, s. 27, Feuilleton
Inzwischen erweist sich auf frappante Weise, dass die geschriebene Sprache offenbar mindestens ebenso geduldig ist wie das Papier, auf der sie sich niederschlägt. 64 Prozent der Sprachgemeinschaft wenden die Neuschreibung nicht an. Rechtschreibwörterbücher sind überflüssiger denn je, weil es "richtig" und "falsch" im herkömmlichen Sinne nicht mehr gibt.

Hurra, Elisabeth Leiss ist am ziel! Oder doch nicht? Wie so oft kommt das banale (Frankenpost) der wahrheit näher.

: Neue Rechtschreibung wird früher reformiert. Kultusminister beschließen: Kommission muss schon bis 2002 Änderungsvorschläge vorlegen. Die Welt, , Politik, Hauptstadt
Zu dem jetzt beschlossenen Verfahren sagte Wagner der WELT, die Termine für die "Reform der Reform" würden um mehrere Jahre vorgezogen. So solle die zwischenstaatliche Rechtschreib­kommission in Mannheim bereits im nächsten Jahr eine "Bilanz" der Reform vorlegen. Schon im Jahr 2002 werde sie dann ihre Änderungs­vorschläge präsentieren.
: Wagner: Die Rechtschreibreform in Teilen zurücknehmen. Die hessische Wissenschaftsministerin kritisiert die Schreib-Verunsicherung und plädiert für eine Reform der Reform. Die Welt, , nr. 232, s. 4, Deutschland
Die neue "ß/ss"-Regel ist ziemlich inkonsequent. […] Wir schrieben bisher die Anrede "Du" groß. Und da sagen die nun: Wenn man jemanden duzt, dann besteht kein Anlass, ihm eine besondere Ehrerbietung zu bezeugen — also klein schreiben! Aber wenn ich jemanden duze, dann bezeuge ich ihm ja gerade besondere Ehre.

Wissen das mit der besonderen ehre alle? Wenn ja, muss man es nicht jedes mal mit dem grossbuchstaben signalisieren. Wenn nein, wie löst man das problem in der gesprochenen sprache? Ein gross geschriebenes Sie würde es deshalb auch nicht brauchen, und man würde es auch kaum neu erfinden, aber man behält die unterscheidungsschreibung bei.

: Die Kleinschreibung spart 35 000 Tonnen Blei. Die Rechtschreib­reform wurzelt nicht in der NS-Zeit; aber ihre Ziele wollte schon der Reichsminister für Volksbildung realisieren. Die Welt, , nr. 231, s. 33, Feuilleton
Was von den Reformpädagogen der 68er-Bewegung als Waffe gegen ein repressives Bildungssystem verstanden wurde, war seinem Ursprung nach ein Erzeugnis des repressivsten Staatswesens, das in Deutschland je regiert hat.

«Ursprung» würde ja wohl bedeuten, dass es vorher nichts gegeben hat. Unser Bund für vereinfachte rechtschreibung wurde 1924 gegründet, und die angelegenheit war damals schon ein alter hut.

: Lehrer patzen bei Rechtschreibung. Studie: Die meisten künftigen Pädagogen beherrschen neue Regeln nicht. Die Welt, , nr. 230, s. 4, Deutschland
Marx stellte eine bislang noch nicht veröffentlichte Untersuchung vor, bei der 200 Lehramts­kandidaten für den Grundschul­unterricht auf ihre Kenntnisse der neuen Rechtschreib­regeln getestet wurden. Danach verstehen und handhaben nur 60 Prozent der künftigen Lehrer die neue Regel für die "ß/ss"-Schreibung richtig.
: Schreiben nach Lust und Laune. Der Duden plant Korrekturen der Reform, die FAZ kehrt zur alten Orthografie zurück: Es herrscht Verwirrung. Die Welt, , nr. 174, s. 3, Forum
Zur zentra­len Figur bei den Bemühungen um die "Herstellung größerer Einigung in der deutschen Rechtschrei­bung" wurde der Jurist Adalbert Falk. Als preußischer Kultus­minister berief er im Auftrag Bismarcks fünf Jahre nach der Reichseinigung von 1871 eine Konferenz ein […] Groben Abweichungen von der "Volkssprache" hatte […] Adalbert Falk einen ministeriell Rie­gel vorgeschoben. Es könne nicht infrage kommen, beschied er die Reform­anhänger, in den Schulunter­richt eine Orthografie einzuführen, die "außerhalb der Schule kaum oder nur beschränkte Aufnahme fände". Diese Auffassung hat im jüngsten Streit um die Rechtschreib­reform keinen Wider­hall mehr gefunden.

Doch – sie hat eine echte reform verhindert.

: Rechtschreibung: Deutsche Akademie fordert Reform der Reform. Streit um Neuschreibung dauert an — FAZ kehrt zur alten Schreibweise zurück. Die Welt, , Feuilleton
Angesichts des "Drunters und Drübers", das in der neuen Rechtschreibung herrscht, hat der Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk gestern gefordert, "die Rechtschreibkommission wegen erwiesener Unfähigkeit zu entlassen".
: "Auf Wiedersehen, Rechtschreibreform!" Hausorthografien ersetzen unsinnige Regeln. Die Welt, , nr. 171, s. 4, Deutschland
Insgesamt, so hat die Bonner Sprach­wissenschaftlerin Maria Theresia Rolland ermittelt, werden zurzeit mindestens 23 unter­schiedliche Orthografien angewandt.

Ist da unsere schon mitgezählt?

: "Unzulässige Generalisierungen." Die Fehlerquote steigt: Eine Zwischenbilanz der Rechtschreibreform. Die Welt, , nr. 102, s. 35, Feuilleton
Das doch zum Zweck der Vereinfachung erdachte Regelwerk erzeugt mit seiner wichtigsten Regel, der Ersetzung des "ß" nach kurzem Vokal durch "ss", signifikant mehr Fehler als die herkömmliche ß-Schreibung. Dies hat der Leipziger Erziehungswissenschaftler Harald Marx […] nachgewiesen […]. Das Urteil von Marx wiegt umso schwerer, als sich der Erziehungswissenschaftler in seiner Studie zu den pädagogischen Idealzielen der Reform bekennt. Nach Abschluss seines Tests stellt er ihr jedoch eine rabenschwarze Prognose aus. Auf "längere Sicht" sei "eher mit einer Verschlechterung der Rechtschreibung, vor allem aber auch mit unzulässigen Generalisierungen von Schreibweisen und Gewohnheitsbildungen bei Jung und Alt zu rechnen".

Staatliche eingriffe sind schlecht, die rechtschreibung soll sich organisch entwickeln, meinen die reformgegner. Was heisst das konkret? Doch wohl «generalisierungen von schreibweisen und gewohnheitsbildungen bei jung und alt». Aber das ist nun auch wieder nicht recht!

: Diese heuchlerischen Basisparteien. Die Welt, , nr. 83, s. 10, Forum, Kommentar
In den Bundesländern, in denen Volksbegehren zugelassen sind, hat man dem Publikum erst vor Jahresfrist gezeigt: Gerichte, Parlamente und Regierungen können sie nach Belieben aushebeln oder bis zur Unkenntlichkeit verbiegen. Schlagendes Beispiel dafür war die Rechtschreib­reform.
: Wächter der Sprache. Die Welt, , nr. 200, s. 12, Feuilleton, Kommentar
Eine Academie française, also eine autoritäre, apodiktisch urteilende, politisch lenkende Instanz wollte er [die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung] niemals sein. Eine Autorität ist er geworden. Er verdankt es nicht zuletzt den Preisen, die er vergibt […]. Erst der amtierenden Kultusministerkonferenz blieb es vorbehalten, diese Autorität in Frage zu stellen, als sie die Einwände der Akademie gegen die neue Rechtschreibung vom Tisch wischte.
: Die Reform wird exekutiert. Die Welt, , nr. 160, s. 10, Forum, Kommentare
Selbst der als liberal geltende CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Volker Rühe, findet nichts Anstößiges dabei, den Bürgerwillen derart zu verfälschen. Welch klägliche Vorführung!
: Recht haben statt rechtschreiben. Die Welt, , Forum, Kommentar
Erst hatten wir ein sicher nicht allseits befriedigendes Ordnungssystem. Jetzt droht Wildwuchs. Was also ist die neue Rechtschreibung? "Schlecht, häßlich, unlogisch und kompliziert." "Grandios unbrauchbar." "Dieses Werk gehört abgeschafft." Aber das darf man natürlich nicht sagen — selbst nicht, wenn man Manfred Krug heißt.
: "Unzulässige politische Werbung." Medienanstalt untersagt Manfred Krugs Radio-Spot gegen Rechtschreibreform. Die Welt, regionalausgabe Berlin,
Die Initiatoren des Volksbegehrens werten die Unterbindung der Werbespots dagegen als "Maulkorb für den Rechtschreibrebell Manfred Krug". Der Schauspieler habe auf seine Gage verzichtet und sogar die Produktionskosten von 2000 Mark selbst übernommen, verrät BVR-Sprecher Gernot Holstein.
: Schreibreformgegner geben nicht auf. "Hausorthographien" von Zeitungsverlagen sorgen für weitere Konfusion. Die Welt, , nr. 148, s. 5, Deutschland
Wo immer eine Institution zur Anwendung der neuen Regeln übergeht, tut sie dies mit willkürlichen Änderungen dieser Regeln. […] Abwegig ist der verbreitete Eindruck, daß es durch den Übergang der Nachrichtenagenturen zu einem "Durchbruch" der neuen Rechtschreibung in den Medien kommen werde. Er wird allenfalls die verwirrende ß-Regel betreffen. In fast allen anderen neuen Regelungen führen die Agenturen eigene Ausnahmen und Sonderregelungen ein, die so in keinem der jetzt schon erschienenen 16 Wörterbücher zu finden sind.
: Die verratene Schule. Rechtschreibreform im Chaos: Wenn Gerhard Schröder eine "Chefsache" sucht — hier wäre eine. Die Welt, , Forum
Da von dem neuen Schuldeutsch nicht einmal eine ausführliche Wörterliste existiert, besteht nicht mehr die geringste Aussicht, daß sich diese Sonderform jemals einbürgert. […] Mehrere Politiker — darunter der frühere SPD-Bundesgeschäftsführer und jetzige Bundes­bauminister Franz Müntefering und der Vorsitzende des Rechtsausschusses des Bundestages, Rupert Scholz (CDU) — haben ihr öffentlich gegebenes Wort gebrochen, daß die Reform unverzüglich zurück­gezogen wird, wenn sie in einem einzigen Bundesland kippt. […] Kanzler Schröder wird die Fähigkeit nachgesagt, ein Gespür für Volkes Meinung zu haben. […] Kritiker der Rechtschreibreform bauen daher seit langem darauf, daß Schröder im Verein mit seinem bisher glücklosen Kultur­staatsminister Michael Naumann die Initiative an sich reißt und es der Schreib­gemeinschaft erspart, den verfehlten Weg bis zum bitteren Ende zu gehen.
: Interimsdeutsch. 8500 Zweifelsfälle: Neue Wörterbücher beweisen, wie unklar die Regeln der Rechtschreibreform sind. Berliner Morgenpost, , Feuilleton
Inzwischen sind mindestens 16 Wörterbücher erschienen — doch keins deckt sich mit dem anderen. […] Die bekanntesten «Zweifelsfälle» betreffen die neue vermehrte Getrennt­schreibung. […] Dieser Wirrwar wäre zu vermeiden gewesen, wenn mit der Einführung der neuen Orthographie solange gewartet worden wäre, bis die Kommission selbst ein umfangreiches Wörter­verzeichnis erarbeitet hätte.

Und wie ist es mit dem von der neuregelung nicht betroffenen "solange"? "Wer unter euch ohne sünde ist, der werfe den ersten stein auf sie." (Johannes 8, 7)

: Im Rollen. Ist die Rechtschreibreform zu stoppen? Berliner Morgenpost, , Feuilleton
In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern steht die Aktion noch am Anfang. In beiden Ländern wurden erst etwa 5000 Unterschriften gesammelt. Dennoch äußerten sich die Initiatoren, die Rechtsanwältin Ute Bildstein in Stralsund und der Gemeindegärtner von Eching bei München, Wolfgang Lemitz, optimistisch. «Die Walze kommt ins Rollen,» sagt Lemitz.
: Berliner wollen Rechtschreibreform kippen. 30 000 Unterschriften für Volksbegehren werden übergeben — Höhere Beteiligung als in anderen Ländern. Die Welt, , Hauptstadt Berlin
Mit mehr als 30 000 Unterschriften liegt Berlin nach Schleswig-Holstein vor allen anderen Ländern, in denen Unterschriften für Volksbegehren gegen die neue Rechtschreibung gesammelt werden, weit an der Spitze.
: "Etwas noch wohl Schmeckenderes." Auch die Nachrichtenagenturen können mit ihrem Regelwerk den Verfall einheitlicher Rechtschreibung nicht aufhalten. Die Welt, , Feuilleton
In Deutschland gibt es eine neue Instanz, die selbständig (künftig: selbstständig) über Rechtschreibfragen entscheidet. Das ist der Eindruck, der sich ergibt, nachdem die deutschsprachigen Presseagenturen ihre Version der neuen Rechtschreibung vorgelegt haben. […] Die neue Agenturenschreibung ist ganz und gar nicht mit derjenigen Orthographie identisch, die durch die Kultusministerkonferenz gegen vehemente öffentliche Proteste für die Schulen verbindlich gemacht worden ist.
: Rechtschreibkrieg der Wörterbuchverlage. Bertelsmann befürchtet Duden-Monopol und verschenkt 10 000 Lexika in Schleswig-Holstein. Die Welt, , nr. 35, s. 4, Deutschland
Anlaß dieses Verlagskrieges ist der branchenweite Umsatzeinbruch beim Verkauf von deutsch­sprachigen Wörterbüchern, den die Verlage nach der ersten Euphorie über die Brechung des "Duden-Monopols" verzeichnen mußten. […] Als dann auch noch das Bundesverfassungs­gericht bestätigte, daß die "rechtliche Verbindlichkeit" der neuen Regeln "auf den Bereich der Schulen beschränkt" sei, war die Autorität der Wörterbuch­verlage dahin. Die neuen Wörter­bücher wurden zu Ladenhütern, da sie nicht mehr als verbindlich angesehen werden konnten.

Worauf gründete denn die "Autorität der Wörterbuchverlage" vorher, wenn nun "bestätigt" wurde, was alle schon immer wussten? "Ladenhüter" ist ein anderer ausdruck für die tatsache, dass ein buch vorübergehend nicht an der spitze der sachbuch-bestseller­liste ist.

: Das dreizehnte Wörterbuch. Essay: Den Presseagenturen fällt bei der Einführung der Rechtschreibreform eine Schlüsselrolle zu. Die Welt, , Forum
Zweimal bereits haben die deutschsprachigen Presseagenturen die Einführung der neuen Rechtschreibung verschoben. Sie haben sich damit dem Versuch widersetzt, die Presse zum Vehikel für die Durchsetzung willkürlich festgesetzter Schreibregeln in der breiten Öffentlichkeit zu machen. […] Am 16. Dezember wollen die Agenturen erneut entscheiden, ob sie diesen Schritt vollziehen sollen. […] Bisher haben die Medien zwischen den Interessen der Politik und denen des Lesepublikums wohl zu unterscheiden gewußt. Sie sollten bei dieser Unterscheidung bleiben.
: Länderchefs im Kartenhaus. Die Welt, , nr. 281, s. 10, Forum, Kommentare
Die Länderchefs müssen sich entscheiden, ob sie die mißglückte Reform, die von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird, gegen alle Widerstände durchboxen und den Verlust der Einheitlichkeit der deutschen Schriftsprache hinnehmen wollen.
: Initiative gegen Schreibreform in Bremen erfolgreich. Die Welt, , nr. 279, s. 4, Deutschland
In Bremen wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ein Volksbegehren gegen die Rechtschreibreform geben. […] Die Initiatoren haben nach eigenen Angaben bereits 9500 Unterschriften gesammelt.
: Abbruchhaus Rechtschreibung. Die Welt, , nr. 268, s. 4, Forum, Kommentare
Nach dem Ausscheiden eines Bundeslandes hat das von Baupfusch verunstaltete Kunstrukt seine letzte Legitimationsbasis verloren.
: Schriftliche Absage. Die Welt, , s. 4, Forum, Kommentar
Jetzt stehen die Kultusminister bundesweit vor einem Scherbenhaufen.
: Kiel akzeptiert Votum gegen Schreibreform. Böhrk: Keine Signalwirkung für den Bund. Die Welt, , s. 5, Deutschland
Nach dem erfolgreichen Volksentscheid gegen die neue Rechtschreibung in Schleswig-Holstein erwarten die Gegner der Rechtschreibreform einen Reformverzicht auch in den anderen Bundesländern.
: Karlsruhe billigt Sonderweg im Norden. Doch Parteien für einheitliche Schriftsprache. Die Welt, , s. 5, Deutschland
Die juristische Einschätzung besagt nichts über die politischen Folgerungen. Denn durch das Ausscheren eines Landes wäre die Einheitlichkeit der deutschen Schriftsprache zerstört. […] So unterstrich der Bundesgeschäftsführer der SPD, Franz Müntefering, in einem Brief an die SPD-Basis vom 14. August 1997: "Sollte ein Land ausscheren, wäre die Reform gescheitert. Ein Rückfall in die ,orthographische Vielstaaterei', wie sie vor der Einführung der für alle verbindlichen Regeln 1901 herrschte, wäre die Folge. Das kann niemand wollen."
: Triftige Mängelrüge. Die Welt, , nr. 173, s. 4, Forum
Die Hoffnung der Kultusbürokratie, die Diskussion über die verpfuschte Rechtschreib­reform nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts abwürgen zu können, hat getrogen. Erneut haben sich 30 Autoren an Politiker und Verleger gewandt und gefordert, das Projekt zu stoppen. […] Die "Recht­schreibung" ist de facto abgeschafft, weil die Einheitlichkeit der Schriftsprache aufgegeben wurde.
: Das Urteil. Die Welt, , kommentar
Das Bundesverfassungsgericht hat die Einführung der Rechtschreib­reform für Rechtens erklärt. […] Damit ist genau das eingetreten, was nach allen Beteuerungen der Politiker vermieden werden sollte: Die Einheitlichkeit der deutschen Schriftsprache ist nur noch eine Fiktion. Das letzte Wort werden hierzu die Schleswig-Holsteiner sprechen.
: Dem Volk aufs Maul. Die Welt, , leitartikel
Wenn die in der Öffentlichkeit kursierenden Aussagen des Bundesverfassungsgerichtes zur Rechtschreib­reform richtig wiedergegeben sind, dann droht der deutschen Sprachgemeinschaft ein richterlich sanktionierter Bruch mit 1000 Jahren Kulturgeschichte. […] Mit Reformen verbindet man gemeinhin den Fortschritt zu Höherem, zu einem Entwicklungsschritt. Die kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die — isoliert von ihrer gesamten Fachzunft — eine neue deutsche Schriftsprache einführen will, bezweckt genau das Gegenteil: Simplifizierung. […] Die überwiegende Zahl "neuer" Regeln ist nahezu wörtlich aus einem Elaborat übernommen, mit dem schon einmal eine deutsche Obrigkeit das Sprachvolk gegen Sprachgebrauch und Sitte disziplinieren wollte: dem "Erlaß" des nationalsozialistisches Reichsministers Rust von 1944.
: Jetzt spricht das Volk. Die Welt, , kommentar
Nicht die Bundesrichter, sondern die Schleswig-Holsteiner werden — stellvertretend für die Bevölkerung in allen anderen Bundesländern — über das künftige Schriftdeutsch zu befinden haben. Sie brauchen dafür nur das, was vielen Amtsträgern abhanden gekommen ist: gesunden Menschenverstand.
: Professoren protestieren gegen Rechtschreibreform; an Hochschulen werden Unterschriften gesammelt. Die Welt, , Deutschland
55 Linguistik-Professoren haben mit ihren Unterschriften ihren Protest gegen die "wissenschaftlich unhaltbare" Rechtschreib­reform bekräftigt.
: Schadensbegrenzung. Die Welt, , s. 4, Forum
Der Bundestag hat sich in einem flaumweichen Beschluß von der Einführung der neuen Recht­schreibung bei den Bundesbehörden distanziert. […] Die weiteren Entscheidungen liegen bei der Bundesregierung, beim Bundesverfassungsgericht und bei Volksentscheiden. Quälender kann ein Verfahrensgang nicht sein, an dessen Ende nur eins stehen kann: das Ende der Reform.
: Verpfuschte Reform. Die Welt (),
Die Reform erschwert das Lesen, indem sie Buchstaben, die als Lesehilfe dienten ("ß" nach kurzem Vokal: "Flussaal", "Nasschemie", "Fressorgie", "hasserfüllt"), logische Trennungsregeln ("ab-strakt" jetzt auch "abst-rakt", "Gras-steppe" jetzt auch "Grass-teppe", "kuß-echt" jetzt "kuss-echt", aber auch "kus-secht", "Miß-stand" jetzt auch "Misss-tand") sowie Gliederungselemente von Sätzen (Kommas vor erweitertem Infinitiv und im Klammersatz) beseitigt.

Dafür prägte man 19 jahre später den begriff «fake news».

: An der Mehrheit vorbei. Die Welt (),
[…] die selbstherrliche Kultur­bürokratenkaste […] will den Deutschen durch autoritäre Verwaltungsakte beibringen, wie sie zu schreiben und damit auch zu reden haben. […] Deutsche orthographische Regelwerke vermochten immer nur, dem Volk "aufs Maul", sprich: auf den Federkiel, zu schauen und gültigen Sprach- und Schriftgebrauch aufzuzeichnen, zu systematisieren und in Regeln zu fassen. Genau dies ist über Jahrzehnte die Tugend des "Duden" gewesen. […] Was aber jetzt als Rechtschreib­reform mit obrigkeits­staatlichem Druck durchgesetzt werden soll, ist das Gegenteil: ein autoritärer Verwaltungsakt.
: Neu denken, dann schreiben. Die Welt (),
Den Schrift­stellern, Akademien und Verlagen (von denen sich einige einen enormen Profit durch die Reform versprechen, andere dagegen ihre Existenz ge­fährdet sehen) kann der Vorwurf nicht erspart werden, daß sie sich viel zu spät zu Wort gemeldet haben.
: Wie ein Minister den Kleinschreibern auf den Leim ging. Sonderbare, aber erfolgreiche Methoden eines österreichischen Vereins. Die Welt,
Sowohl der Verein als auch das Institut kämpfen seit Jahren um die Kleinschreibung. Dieser Kampf ist an sich nicht unehrenhaft. Er hatte in der Vergangen­heit hervor­ragende Geister auf seiner Seite, allen voran Jacob Grimm. Freilich hatte er zu allen Zeiten auch mindestens ebenso prominente Gegner, von Johann Christoph Gottsched bis zur Dichter­prominenz unserer Zeit.

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