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2020-4-13
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gü. = Güntner, Joachim

: Nützlich sein statt wichtig tun. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung steckt in einem selbstverordneten Transformationsprozess. Neue Zürcher Zeitung, , 234. jg., nr. 103, s. 37, Feuilleton
Ende Oktober letzten Jahres wandte sich die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit einer «Denkschrift» an die «obersten Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland». […] Im langen Streit um die Rechtschreib­reform habe die Akademie für einen fachlich fundierten Kompromiss gesorgt und so einen «Kulturbruch» heilen können, heisst es da. […] Anhänger der alten Orthographie, die dem von der Akademie mit­gestalteten Rechtschreibe­kompromiss nicht grün waren, erneuerten ihre Aversion gegen die Darm­städter Institution […]. Mit Müh und Not positionierte man sich damals im Rechtschreibestreit; wenig fehlte, und die Akademie hätte diese Debatte verschlafen. […] Ortho­graphische Streit- und Rätsel­fragen beantwortet die linguistische Fraktion der Akademie gern mit historischer Relativierung - da tun sich dann meist mehrere Möglichkeiten einer korrekten Schreibung auf, und der nach strikten Direktiven verlangende Bürger bleibt frustriert zurück. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.
: Kerngesund!? Ein Lagebericht zum Zustand der deutschen Sprache kommt zu positiven Schlüssen – operiert aber vielleicht mit einem zu engen Fokus. Neue Zürcher Zeitung, , 234. jg., nr. 54, s. 53, Feuilleton
Sprachvereine befürchten ihre Degeneration, Firmen bemängeln das Ausdrucks­vermögen der Schul­abgänger, Ratgeber für «gutes Deutsch» finden beständig Absatz und behaupten implizit, ohne ihre Hilfe werde schlecht gesprochen. Der unseligen Rechtschreib­reform wirft man vor, Konfusion statt Sicherheit im Gebrauch der Regeln geschaffen zu haben. […] So zahlreich die Klagen sind, so sehr mangelt es an fundierten Diagnosen. Dieser Auffassung jedenfalls ist die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die im Verbund mit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften einen «Bericht zur Lage der deutschen Sprache» vorgelegt hat.
: Ohne Feinmotorik. Eine Druckschrift für Grundschüler. Neue Zürcher Zeitung, , 232. jg., nr. 189, s. 41, Feuilleton
Das Zauberwort der Reformer ist «Entlastung». Es spielte schon in den Debatten um die Rechtschreibreform seine zweifelhafte Rolle. Ein Referatsleiter im niedersächsischen Kultusministerium erklärte mir damals, man wolle die orthographischen Hürden für die Schüler herabsetzen, damit ihr Kopf frei werde «für Wichtigeres, stilistische Kompetenz zum Beispiel». Die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Es geht nicht darum, hürden herabsetzen, aber die obligatorische schule darf keine unnötigen hürden aufbauen. Vgl. auch Das aktuelle zitat.
: Wer stets aktuell sein will, kann nicht mehr trunken sein. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in ihrem 60. Jahr. Neue Zürcher Zeitung, , 230. jg., nr. 119, Feuilleton
Staatsfern – das war eine der Lehren aus der Nazizeit – wollte die Deutsche Akademie immer sein; dass sie es auch praktisch ist, zeigte etwa ihr Widerstand gegen die von oben verordnete Rechtschreib­reform.

Für die nöte anderer länder mit ihrer vergangenheit haben wir verständnis, nicht aber für das unreflektierte nachbeten der floskel «von oben verordnet» in einer schweizer zeitung.

: Kulturnotizen. Neue Akademiemitglieder. Neue Zürcher Zeitung, , 229. jg., nr. 138, s. 26, Feuilleton (100 wörter)
[…] und die Sprachwissenschafter Wolfgang Klein und Jürgen Schiewe signalisieren, dass die Akademie auch dann ihre linguistischen Kompetenzen ausbaut, wenn einmal gerade nicht über die Rechtschreibreform gestritten wird.
: Gelehrte Aufmerksamkeit für das ausgegrenzte Europa. Die Deutsche Akademie hielt ihre Frühjahrstagung in Lemberg ab - und war entzückt. Neue Zürcher Zeitung, , 229. jg., nr. 115, s. 43, Feuilleton
Der Austausch mit den Germanisten der Universität Lemberg war rege, und als beglückend empfand man den Andrang der Studenten zu Veranstaltungen, wo etwa Peter Eisenberg über den Stand der deutschen Rechtschreibreform berichtete (Fazit: Vieles ist wieder beim Alten, und irgendwann wird der irritierte Schreiber wieder ohne den permanenten Griff zum Wörterbuch auskommen) und Heinrich Detering die Lage der germanistischen Literaturwissenschaft skizzierte, die er als von wechselnden Methoden und Moden sowohl gebeutelt wie befruchtet beschrieb.
: Orthographische Eintracht. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 284, s. 46, Feuilleton (203 wörter)
[…] und jetzt schwenkt auch die «FAZ» auf die allgemeine Linie der amtlichen Rechtschreibung ein. Die Reformgegner in Deutschland verlieren damit ihre wichtigste Bastion. Die «Süddeutsche Zeitung» («SZ») und die Blätter des Axel-Springer-Verlags praktizieren die neuen Regeln bereits. Alle drei Pressehäuser hatten anfangs die reformierte Orthographie eingeführt, störten sich an deren Ungereimtheiten jedoch so sehr, dass sie zur traditionellen Schreibung zurückkehrten. («Der Spiegel» kündigte ebenfalls eine Rückkehr an, beliess es dann aber bei Lippenbekenntnissen.)

Wie war das mit der SZ? Ein beweis mehr, dass niemand darauf achtet, in welcher ortografie eine zeitung erscheint.

: Herkömmliche Varianten haben Vorzug. Die amtliche Rechtschreibung seit dem 1. August und die Praxis der NZZ. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 235, s. 15 (1048 wörter)
Auch jetzt ist längst nicht alle Unzufriedenheit getilgt, aber der zwischen Reformern und Traditionalisten erzielte Kompromiss hat die grössten Steine des Anstosses aus dem Weg geräumt. Längerfristige Verbindlichkeit scheint möglich. […] Keine Änderungen hat der Rechtschreibrat im Bereich der Zuordnungen von Lauten und Buchstaben vorgenommen. […] Die NZZ folgt diesem Usus weitgehend, jedoch nicht bei einigen Einzelfällen mit Umlauten. Aus der Gams wird bei uns nicht die «Gämse», sondern weiter­hin die Gemse […]. Den Grundgedanken, dass Bindestriche der besseren Lesbarkeit von Wort­zusammensetzungen dienen sollen, teilt die NZZ und ist daher in einem Punkt sogar progressiver als das Reformwerk […]. Die reformierte Zeichen­setzung in der Fassung von 1996 hatte vor allem für Ärger gesorgt […]. Die NZZ hat hier immer an der traditionellen Schreibung fest­gehalten […]. Die von vielen Traditionalisten bekämpfte Trennung von st und die Abtrennung von ck […] behalten ihre Gültigkeit, doch dürfen Einzel­buchstaben nun nicht länger einsam ans Zeilenende zu stehen kommen. Auch sind sinnwidrige Trennungen, wie sie die Reform erlaubt hatte, jetzt untersagt. […] Heute dürfen die Pronomina «Du» und «Deiner» in Briefen wieder gross geschrieben werden; das Gleiche gilt für feststehende Begriffe […]. Der «Neuen Zürcher Zeitung» geht diese Erlaubnis, die auch Kuriosa wie das «Neue Jahr» einschliesst, zu sehr ins Uferlose […]. Zusammengeschrieben wird, wenn die Verbindung eine übertragene bzw. eine neue Gesamtbedeutung erhält […].
: Goldeselei. Die neuen Rechtschreib-Wörterbücher. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 174, s. 42, Feuilleton (427 wörter)
Wer hätte je geglaubt, einem Goldesel könnte es gefallen, als Rechtschreib-Wörterbuch zu inkar­nieren? Und doch ist es so. Die nur auf den ersten Blick dürren Etats, welche der schreibende Teil der deutschsprachigen Menschheit zur Verbesserung seiner orthographischen Kompetenzen auf­zubringen bereit ist, bieten dem Grautier eine saftige Weide. […] Der Nachwuchs aus dem Geschlecht der Dudens zeichnet sich dadurch aus, dass er die Anweisungen seines Hirten, des Rats für deutsche Rechtschreibung, beharrlich unterläuft. Wo dieser Rat besondere Sorgfalt darauf verwandt hat, die durch die Reform zerstörte Zusammen­schreibung von Verben wieder­herzustellen, schreit der dudianische Esel unverändert: auseinander! Esel sind bekanntlich störrisch. Vielleicht sollte man sie in die allgemeine Schulpflicht einbeziehen, so dass ihnen der Unterschied zwischen «sitzenbleiben» und «sitzen bleiben» effektiv und damit auch für analoge Fälle ungleicher Bedeutung ein für alle Mal aufgeht.

Wir sind auch störrische esel; uns ist das mit dem «sitzen bleiben» auch noch nicht aufgegangen.

: Keine halben Sachen mehr. Deutsche Akademie fordert Geld und Hilfe für den Rechtschreib-Rat. Neue Zürcher Zeitung, , 227. jg., nr. 72, s. 24, Feuilleton (377 wörter)
In ihrer jüngsten Erklärung nun fordert die Akademie, die Politik solle dem Rat eine «finanziell und institutionell abgesicherte Arbeitsebene» verschaffen. […] Zur Begründung der Forderung nach Geld und nach einem lexikographischen Apparat wird auf die Wörterliste verwiesen, die seit kurzem vorliegt […]. Nachfragen ergeben, dass die als grosses Desiderat empfundene Wörterliste gar nicht vom Rat erstellt wurde, sondern von den alten Reformkräften: dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim sowie zwei Wörterbuchverlagen. Noch immer arbeiten im Garten der Orthographie Böcke als Gärtner.

Ebenso im garten des journalismus.

: Änderungen abgesegnet. Die Kultusministerkonferenz folgt dem Rechtschreib-Rat. Neue Zürcher Zeitung, , s. 50 (435 wörter)
In der Schweiz haben sich zuletzt vor allem der Lehrerdachverband (LCH) und der Sprachkreis Deutsch in Opposition zum Rechtschreib-Rat und seiner Arbeit begeben. […] Hans Ulrich Stöckling, Präsident der schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz, widerspricht dem Verlangen des LCH, besser die gesamte Reform noch einmal gründlich aufzurollen, statt an ihr herumzudoktern. […] Anders als der LCH hält Stöckling die Empfehlungen des Rates für akzeptabel. Er stelle sich vor, sagte er gegenüber der NZZ, die Schreibungen als Alternativen zuzulassen und am Ende einer Übergangsfrist über ihre Verbindlichkeit zu entscheiden.
: Leserfreundlicher Rückbau. Rechtschreib-Rat stutzt Reform erneut. Neue Zürcher Zeitung, , 226. jg., nr. 256, s. 45, Feuilleton (196 wörter)
Abweichend vom derzeitigen Reformstand soll der «erweiterte Infinitiv mit «zu» wie früher ein obligatorisches Komma verlangen. Zwischen zwei mit «und» verbundenen Hauptsätzen darf wieder, aber muss nicht notwendig ein Komma stehen. Generell sollten die Schüler zu einer leser­freundlichen Zeichen­setzung angehalten werden, und damit kämen im Grunde alle alten Kommaregeln als «Kann-Bestimmungen» wieder zu Geltung, erläuterte Hans Zehetmair […].

Und damit sind wir im grunde wieder gleich weit.

: Kulturnotizen. Rat für Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 52, s. 47, Feuilleton (83 wörter)
Bei seinem zweiten Treffen hat der an Überbesetzung leidende Rat für Rechtschreibung in Mannheim eine siebenköpfige Arbeitsgruppe eingesetzt […].
: Keineswegs politikfern. Der Rechtschreib-Rat hat sich konstituiert. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 297, s. 20, Feuilleton (286 wörter)
Auf deutscher Seite verzichteten stark angefeindete Reformer aus der alten Kommission darauf, sich erneut berufen zu lassen; hingegen sind die vorigen österreichischen und Schweizer Vertreter auch jetzt wieder dabei. Zu den neuen Gesichtern der Schweizer Abordnung gehört der Chefkorrektor der NZZ, Stephan Dové, der vom hiesigen Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerverband nominiert worden war. […] Irreführend ist die Aussage der Präsidentin der deutschen Kultusministerkonferenz, die Weiterentwicklung der Schreibregeln geschehe «nunmehr in einem politikfernen Prozess». Wie seine Vorgängerin, die Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung, steht auch der neue Rat in der Pflicht, für Änderungen am Regelwerk den Segen der Politik einzuholen.
: Nicht arbeitsfähig. Rechtschreib-Rat ohne Akademie. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 248, s. 44, Feuilleton (125 wörter)
Zwei Plätze in dem von Reformbefürwortern dominierten Rat waren ihr angeboten worden, jedoch hat die Akademie schon im Vorfeld klargestellt, dass ein solches Gremium klein und möglichst nur mit Wissenschaftern und Schriftstellern, nicht jedoch auch mit Interessenvertretern (Verlegern, Lehrergewerkschaften u. a.) besetzt sein dürfe.
: Unvermutet Oberwasser. Gegner der Rechtschreibreform gestärkt. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 175, s. 40, Feuilleton (356 wörter)
Es ist schon erstaunlich, was für Tiraden die Rechtschreibreform auf sich zieht. Als skrupellose «Mafia, die sich vor Jahren in irgendwelchen Hinterzimmern zusammen­gerottet hat, um mit der deutschen Sprache gründlich aufzuräumen», sahen sich die Betreiber der Reform vergangenen Montag in der «FAZ» beschimpft. Die politisch verantwortlichen Kultusminister seien Legastheniker und Ignoranten, die ihnen gehorchenden Schullehrer servile Feiglinge, schäumte Hans Magnus Enzens­berger. Vielleicht muss man Schrift­steller sein, um über Misshandlungen des Sprachkörpers, wie sie die Reform verübt, derart die Contenance zu verlieren.

Vielleicht könnte man bei dieser gelegenheit erkennen, wer hier was verübt.

: Kulturnotizen. PEN für alte Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 119, s. 44, Feuilleton (97 wörter)
An der bisherigen Diskussion über die Reformentwicklung war der PEN als Mitglied im Beirat zur deutschen Rechtschreibung zwar beteiligt, hat es aber versäumt oder nicht vermocht, in diesem Gremium die Interessen der Literaten wirksam zu artikulieren.
: Gebremste Reformer. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 56, s. 21, Feuilleton (110 wörter)
Ob der geballte Protest der jüngsten Zeit dazu geführt hat? Die Kultusminister­konferenz (KMK) in Bonn ist den Empfehlungen ihrer Amtschefs nicht gefolgt und hat den 4. Bericht der Zwischen­staatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung überraschender­weise nicht ver­abschiedet.
: Justitia soll richtig schreiben. Appell gegen die Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 39, s. 35, Feuilleton (154 wörter)
Am 1. August 2005 wird, sofern die Politik sich nicht besinnt, die Rechtschreib­reform verbindlich […]. Derweil versucht die Reformkommission ihr Werk durch Herumdoktern am System über die Zeit zu retten — vermehrt aber dabei die Schar der Kritiker. […] Die Juristen verlangen die Kündigung der «Wiener Erklärung» von 1996 (was durchaus möglich wäre, denn sie ist kein völkerrechtlich bindender Vertrag) und eine Rückkehr zur alten Orthographie […].
: Böcke zu Gärtnern. Neues von der Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 28, s. 46, Feuilleton (590 wörter)
Die Böcke wollen Gärtner werden: So muss muss man wohl die jetzt bekannt gewordenen Ambitionen der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Recht­schreibung kommentieren. Wenn am 31. Juli 2005 die Übergangsfrist endet […], dann soll nicht nur das missratene und bereits stillschweigend modifizierte Reformwerk in Schulen und Amtsstuben endgültig verbindlich sein. Obendrein wünscht sich die Kommission grössere Machtfülle. […] Die Auflösung oder zumindest Neubesetzung dieses Gremiums tut not. Es hingegen durch Machtzuwachs zu adeln, wäre ein Witz.

Siehe stellungnahme.

: Beschädigtes Deutsch. Abrechnung mit der Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 224. jg., nr. 145, s. 52, Feuilleton
[…] Herausgabe eines handlichen, schön gedruckten und fadengehefteten Bändchens, welches einen traurigen Befund im Titel trägt: «Deutsch. Eine Sprache wird beschädigt». […] Der Band ist entschieden einseitig und verzeichnet nicht ein einziges stichhaltiges Argument zugunsten der Reform. Unterhaltsam ist er übrigens auch, wie ja die Anhänger der herkömmlichen Orthographie im Reformstreit meist die begabteren Polemiker und besseren Schriftsteller auf ihrer Seite haben. […] Dass nur in einer Rückkehr zur alten Orthographie das Heil liege, ist für alle Beiträger des Buches unstrittig.
: Ein Friedensangebot. Deutsche Akademie präsentiert Kompromiss zur Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, , 224. jg., nr. 68, s. 62, Feuilleton (306 wörter)
Es ist absehbar, dass die Akademie mit ihrem Kompromiss zwischen den Stühlen sitzt. […] Warum nicht gleich zurück zur alten Schreibung? Das war auch die Frage gestern. […] Die Frage sei, mit welchen Revisionen man «durchkommt».
: Im Rückwärtsgang. Rechtschreibreform bald realitätsnäher? Neue Zürcher Zeitung, , nr. 50, s. 62, Feuilleton
Schlagzeilen in der deutschen Presse, die Reform­kommission stelle mit dem Bericht ihr Werk nun selbst in Frage, sind von den Betroffenen umgehend dementiert worden. […] Bankrott­erklärungen sind freilich von den Betreibern und Profiteuren der Reform nimmermehr zu erwarten, am aller­wenigsten von der in Deutschland politisch verantwortlichen Kultusminister­konferenz. […] Werner Hauck, Leiter der Sprach­dienste in der Bundeskanzlei in Bern und eines von drei Schweizer Mitgliedern in der Reform­kommission, plädiert denn auch dafür, «aus der Kriegsatmosphäre» herauszutreten. Wo es die Sache fordere, werde es sicherlich zu Änderungen an der Reform kommen. Aber das «Bombardement» der Kritiker führe nur zu «Verkrampfungen» bei den Kultus­ministern, die dann womöglich erst recht «kein Jota» zurück­weichen würden.
: Sprachberatung ist nicht Sprachlenkung. Die Deutsche Akademie und die Anglizismen. Neue Zürcher Zeitung, , 223. jg., nr. 14, s. 57, Feuilleton
Nun plädiert die Deutsche Akademie für eine öffentlich geförderte Arbeitsstelle, die gleich viererlei leisten soll: Terminologie­arbeit, Textredaktion, Sprachberatung und Sprach­aufklärung. Es würde von Klugheit zeugen, erwiesen sich die entsprechenden staatlichen Instanzen hier einmal als grosszügige Financiers. Auch wenn es, anders als bei der milliarden­schweren Rechtschreib­reform, für Vater Staat diesmal nichts zu lenken gäbe.
: Trostpreis für Rechtschreiber. Hannoversche Allgemeine Zeitung,
Ickler […] ist öffentlich vor allem mit pointierten Fundamentalverrissen der jüngsten deutschen Rechtschreibreform hervorgetreten. […] Hier hat die Preisvergabe eine hübsche polemische Note. Dass sie zugleich tröstlichen Beistand leisten will, verrät Paragraph 3 der Satzung: „Auch gilt es, dem Preisträger bei seinen berechtigten Bestrebungen das Gefühl der Vereinsamung und der Verlassenheit zu nehmen.“
: Rechtschreibreform und Nationalsozialismus. Eine glänzende Studie — trotz gewisser Demagogie. Neue Zürcher Zeitung, , 222. jg., nr. 129, s. 68, Feuilleton
Soweit passt alles zusammen. Und doch ist es entweder Demagogie oder Unkenntnis der Historie, die Unterordnung der Schrift unter phonetische Prinzipien als nationalsozialistisch zu brandmarken — zumal wenn dies mit der Suggestion einhergeht, dass jeder, der dem phonetischen Primat huldige, braunes Gedankengut pflege.
: Sprache und Musik in zerrissener Einheit. Die Frühjahrstagung der deutschen Akademie. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 104, s. 30, Feuilleton
Da besinnt sich die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung nach den kultur­politisch ver­wickelten Ein­lassungen der letzten Jahre auf ein inner­ästhetisches Thema, und das Publikum besucht ihre Frühjahrs­tagung so zahlreich wie lange nicht mehr. Sollte sie also künftig davon ablassen, über die (aus ihrer Sicht verfehlte) Rechtschreib­reform oder die Anglizismenflut zu debattieren, und sich nur noch mit Ver­anstaltungen wie dieser jüngsten, betitelt «Musik zur Sprache gebracht — Sprache zur Musik gebracht», zu Wort melden? Die Frage ist müssig, denn die Akademie will in der Rechtschreibe- und Sprachpolitik mit eigenen Konzepten aktiv bleiben […].
: Die Tagung fiel aus, der Büchnerpreis bleibt. Die Akademie in Klausur und Volker Braun auf der Bühne. Neue Zürcher Zeitung, , 221. jg., nr. 253, s. 30, Feuilleton
«Rechtschreibreform und National­sozialismus» heisst das Buch, […] dessen suggestiver Titel sich vorzüglich dazu eignet, Aufmerksamkeit und böses Blut zu stiften. Als 1998 das Bundesverfassungs­gericht seine Anhörung zur Rechtschreib­reform durchführte, hatte Christian Meier auf die Reform­versuche des nationalsozialistischen Erziehungs­ministers Rust in den vierziger Jahren hingewiesen und pointiert, das gegenwärtige Bestreben, eine bei der Bevölkerung unerwünschte Orthographie staatlich durch­zusetzen, erinnere doch sehr an die Ambitionen der Nazis — ein Vergleich, für den er sich ent­schuldigen musste und den er jetzt in Darmstadt auch nur wiederholte, um ihn zu verneinen. Mit dem nun vorliegenden Buch freilich bleibt die Suggestion in der Welt. […] Hoch ging es her in Darmstadt, es war die lebhafteste Veranstaltung der Akademie seit langem.
: Schulbank frei für Selbstdarsteller. Ein ungeschriebenes Diktat und ein übereifriger Prüfling. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 203, s. 65, Feuilleton
Ein paar nette Antworten von Leuten, die das Diktat als unterhaltsamen Jokus begrüssten, hat Jens Jessen, der Feuilletonchef der «Zeit», auch bekommen: Viele Rentner hätten gern mitgetan, ein Ingenieur ebenfalls, und eine Sekretärin […] erklärte ihre Bereitschaft unter der Bedingung, im Gegenzug dann dem Herrn Jessen ein Diktat nach den neuen Regeln aufgeben zu dürfen. Es fehlte also nicht am Schulbankmasochismus, es waren nur die falschen Leute, die ihn zeigten: keine Schriftsteller. Oder jedenfalls keine legitimierten. Nur solche wie André Paris, der Literaturpreisträger ohne Verlag.
: Tatsächlich wieder Thema. Neues vom Streit um die Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , nr.181, s. 19, Feuilleton
Gering mag man veranschlagen, dass über die «FAZ» eine Sturzflut zustimmender Leserbriefe hereinbrach (Leser, die die «Verantwortungslosigkeit» des Blattes rügten, gab es auch, aber sehr wenige) — damit war immerhin zu rechnen. Schwerer dürfte wiegen, dass der schon erloschene Disput über den Nutzen der alten und die Nachteile der neuen Orthographie frisch auflodert, weshalb man in deutschen Zeitungen nach eineinviertel Jahren Absenz jetzt wieder inhaltliche — sprachwissenschaftliche — Auseinandersetzungen mit der Reform lesen kann.
: Rechtschreibreform — quo vadis? Die Reformer bessern nach, die «FAZ» steigt aus. Neue Zürcher Zeitung, , nr.174, s. 54, Feuilleton
Enthusiasmierte Anrufer liessen die Telefone in der Redaktion nicht mehr stillstehen, berichtet Literaturchef Thomas Steinfeld: «Die Leute sind wie befreit.» Auf die Frage, ob die Rückkehr zur herkömmlichen Orthographie konsequent vollzogen werde, antwortet er: «Einige Modifikationen werden wir uns vorbehalten — aber das tun Sie bei der NZZ ja auch.»
: Besser als ihr Ruf. Die Deutsche Akademie in zwei Publikationen. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 125, s. 66, Feuilleton
Ihr Kampf gegen Rechtschreibreformer hat Tradition; 1958 gelang die Abwendung der radikalen Kleinschreibung.
: (Bären-?)Dienst am Leser. Zur letzten Etappe der Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 178, s. 50, Feuilleton
Mit der Leserfreundlichkeit haben auch die Reformgegner stets argumentiert, anders als die Reformbetreiber, deren zentraler Impuls darauf zielt, das Schreibenlernen zu erleichtern. Der Dissens ist grundsätzlich und scheint unüberbrückbar.

Es ist das schicksal jeder rechtschreibreform, wegen angeblich schlechterer lesbarkeit abgelehnt zu werden — das war schon bei der abschaffung der fraktur so, die natürlich viel besser lesbar war. Das schreibenlernen ist uns ein anliegen, aber nur einfache gemüter denken monokausal.

: Landschaftsgärtner unter sich. Die Deutsche Akademie tagte in Erfurt. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 101, s. 65, Feuilleton
Die Rechtschreibreform bleibt für die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine offene Wunde. Auch ohne auf dem Programm zu stehen, beherrscht sie die Pressekonferenzen. […] es mehren sich die Anflüge von Resignation.
: Vorschlag zur Güte. Wie die Darmstädter Akademie die Rechtschreibung retten will. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 55, s.26, Feuilleton
Der Darmstädter «Vorschlag zur Neuregelung der Orthographie» ist kein grosser Wurf, kein neues Regelwerk - aber ein solches darf das Papier auch nicht formulieren, wenn es die reformierte amtliche Vorgabe prinzipiell akzeptiert. Statt dessen atmet das Konzept den Geist des pragmatischen Minimalismus: Besinnung auf den eingewurzelten Schreibusus; Liberalität der Verwendung alternativer Schreibweisen; Skepsis gegen das Unternehmen, für alle sprachlichen Feinheiten Regeln zu finden. […] Inmitten der zwischen Reformgegnern und Befürwortern hoffnungslos verhärteten Fronten sitzt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit ihrem Papier wie zwischen allen Stühlen. Ihr «Vorschlag zur Neuregelung der Orthographie» ist eine Friedensofferte. Absehbar ist indessen, dass die Fundamentalisten hüben wie drüben dem (An-)Gebot der Stunde nicht willfahren werden.
: Maximenhimmel und Regelwirklichkeit. Nachrichten vom Rechtschreibestreit. Neue Zürcher Zeitung, , Feuilleton
Dass die Kommission keine der neuen Regeln vollständig zurücknimmt, sondern sie nur lockert mit der Tendenz, neben den neuen auch wieder alte Schreibungen («Varianten») zu erlauben, besiegelt nach dem Urteil der Reformgegner das Desaster. […] Damit wir bei […] frisch gebackenen Ehepaaren an Backöfen denken, muss mehr über uns hereinbrechen als eine Rechtschreibereform Mannheimer Zuschnitts.
: Am Ende wollen alle Traditionalisten sein. Rechtschreibereform in Deutschland: ein Streit mit grotesken Zügen. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 301, s. 23, Feuilleton (1984 wörter)
Die Argumente sind ausgetauscht, die Gemüter verhärtet, die Gerichte haben das Wort: Wie in Deutschland über die Rechtschreibe­reform gestritten wird, spottet nüchterner Beschreibung. […] Längst trägt der Reformstreit die Züge eines Glaubens-, ja Daseinskampfes. […] «Beneidens­wert» nennt ein Ministerialrat im niedersächsischen Kultusministerium die Unaufgeregtheit, mit der in der Schweiz die orthographischen Neuerungen debattiert werden. […] Wenn […] die Reformgegner fordern, jede Neuregelung der Ortho­graphie müsse sich innerhalb der «herkömmlichen Bahnen» bewegen, beanspruchen die Reformer, genau dies zu tun. […] Ihre Devise «Die Grund­regeln stärken, den Wildwuchs der Ausnahmen beschneiden» wollen sie als ein Zurück zu den Ursprüngen verstanden wissen. […] So möchten, kurios genug, am Ende selbst Reformer als Traditionalisten dastehen.
: Nun streitet auch Bonn. Rechtschreibreform: Was bewegt die Gegner? Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., nr. 49, s. 45
Es bringe Deutschland nicht voran, wenn das Wort «Schiffahrt» künftig mit drei statt zwei «f» geschrieben werde, hat Theo Waigel am traditionellen politischen Ascher­mittwoch seiner Partei in Passau erklärt.

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