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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2020-4-13
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oll. = Schmoll, Heike

: Durch Druck vereint. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 285, s. 6, Politik (605 wörter)
Hessen hat eine Kompetenz­stelle Ortho­graphie mit der Goethe-Universität Frankfurt und der Stiftung Poly­technische Gesellschaft geschaffen, die Rechtschreib­leistungen verbessern und langfristig auch der Methode "Schreiben nach Gehör" die Grund­lage entziehen soll.

Gemeint ist eine kompetenz­stelle ortografie­didaktik. Besser wäre eine kompetenz­stelle ortografie.

: Josef Kraus 70. Süddeutsche Zeitung, , nr. 178, s. 5, Personalien (211 wörter)
Kraus gehörte zu den ent­schiedensten Gegnern der Rechtschreib­reform und des acht­jährigen Gym­nasiums.
: Lehrmethoden: Fehler sollen wieder korrigiert werden. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Inland
„Lesen durch Schreiben“ ist hoch um­stritten. […] Nur der reform­pädagogi­schen Methode die Schuld für man­gelnde Rechtschreib­kenntnisse anzu­lasten, wäre zu kurz gesprungen. Schon in den siebziger Jahren haben hessische Rahmen­lehrpläne die Regeln der Ortho­graphie nur unter der Perspektive gelehrt, dass sie kritisiert werden müssen. […] Schließlich gibt es auch immer mehr Menschen, die glauben, die Ortho­graphie werde schon von den Rechtschreib­programmen der Computer erledigt. […] Es kamen also mehrere Neuerungen zusammen, die das Rechtschreib­desaster gefördert haben.
: Für bessere Rechtschreibung. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Feuilleton, Hoch/Schule
Gemeinsam wollen Schleswig-Holstein, Hamburg und Baden-Württem­berg gegen die Orthographie­schwäche ihrer Grund­schüler vorgehen. […] Konkret geht es um Fortbildungen für Grundschul­lehrer […]. Die fünf Themen­schwerpunkte sind Schrift und Orthographie, Schrift­erwerb, Diagnose, Rechtschreiben im Unterricht und Rechtschreib­kompetenz. […] Lange war die Recht­schreibung als Kern­kompetenz unter­schätzt worden. In den hessischen Rahmen­lehrplänen der siebziger Jahre taucht sie auf, um kritisiert zu werden.
: 20 Jahre Schreibanarchie. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 176, s. 1, kommentare (332 wörter)
Von Anfang an war klar, dass der Versuch, die deutsche Recht­schreibung zu vereinfachen, schief­gehen würde. Denn sie ist viel besser als ihr Ruf.
: Sprachkämpfer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 8, Zeitgeschehen (422 wörter)
„Wenn man sich professionell mit Sprache beschäftigt, dann hat man einen riesigen Respekt vor dieser Sprache“, sagt Eisenberg. Er hat ihre komplexe Struktur so duch­drungen und weiß, dass Sprache solche gewalt­samen Eingriffe nicht verträgt wie bei der Rechtschreib­reform, die am 1. August 1998 ein­geführt wurde.
: Rechtschreibrat vertagt Entscheidung über Genderstern. Bis November sollen Empfehlungen erarbeitet werden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 132, s. 5, Politik (390 wörter)
Empfehlungen wird der Rat jedoch nur dann ver­abschieden, wenn sich die Schreibungen als ver­ständlich, les- und vorles­bar erweisen, grammatisch korrekt und rechts­sicher sind, hieß es nach der Sitzung. […] Ähnlich wie der Rat hat die Duden­redaktion reagiert. In das Rechtschreib­kompendium, seit der Rechtschreib­reform längst nicht mehr die Bibel der deutschen Orthographie, könnte eine Empfehlung auf­genommen werden, mit welchen sprachlichen Mitteln das Gendern realisiert werden kann.
: Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 131, s. 10, (419 wörter)
Es gehört schon ein gerüttelt Maß an Leidens­bereitschaft dazu, wenn sich jemand in seinem Ruhestand für die Leitung des deutschen Rechtschreib­rats entscheidet. Josef Lange […] hat es trotz­dem getan.
: Viel Lärm um nichts. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 33, s. 8, Bildungswelten (622 wörter)
Einen ungünstigeren Zeitpunkt für ihr Manifest für eine Grammatik­reform als im vergangenen Herbst hätten sich die französischen Grundschul­lehrer, sowie Lehrer weiter­führender Schulen und einiger Hochschulen kaum aus­suchen können. 314 von ihnen hatten im Oktober an­gekündigt, die Kinder künftig regel­widrig nach einer „inklusiven Grammatik“ (grammaire inclusive) unter­richten zu wollen. […] Hier­zulande hätte ein ähnlicher Vorstoß alle Aussicht auf Erfolg gehabt, denn welcher Kultus­minister würde sich nach den Er­fahrungen mit der Rechtschreib­reform ohne Not noch einmal die Finger an Sprach­reformen verbrennen? Schon damals hat sich niemand für die obrig­keitlichen Eingriffe interessiert, das wäre dieses Mal kaum anders.
: Prediger gegen Vereinfachung und allgemeine Verdummung. Zum Ende der dreißig Jahre währenden Amtszeit des Lehrerverbandspräsidenten Josef Kraus. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 148, s. 6, Politik
Von Anbeginn kämpfte er gegen die Rechtschreib­reform, sprach sich schon in den neunziger Jahren für eine pädagogi­sche Re­naissance von Fleiß, Disziplin, Zu­verlässigkeit, Ordnung und Pünktlich­keit sowie Leistung aus, was ihm zuweilen auch den Ruf des Reaktionärs ein­brachte.
: Ein Handwerker unter Akademikern. Christian Stang ist Postbeamter — und so rechtschreibbesessen, dass er an der Universität Regensburg eine Stelle bekam. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 127, s. 6, Politik
Gegen die Rechtschreib­reform begehrte er nicht auf, auch am Dritten Bericht des Rates für deutsche Recht­schreibung, den die Kultus­minister in dieser Woche entgegen­nehmen, hat er eigentlich nichts zu kritteln. Es sei schon richtig, die Schreibung den Gewohnheiten an­zupassen, sagt Stang. Für Kritiker der Reform freilich war die Intention genau das Gegenteil von Anpassung an Gewohnheiten — nämlich ein Sprach­diktat.

Pech, dass der «wandelnde Duden» nicht gegen die rechtschreibreform aufbegehrt. Für die journalistin freilich kein grund, auf die agitation zu verzichten.

: Gründliches Misstrauen, notfalls Revolte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 102, s. 10, Literatur und Sachbuch
Hinter den Kulissen der Bildungs­misere: Josef Kraus weiß, wer die dauernden Reformen gegen den Willen der Bürger durchsetzt. […] Kraus nimmt seine Leser mit auf eine Tour d'Horizon in vier Kapiteln über alle zentralen Themen der Bildungs­debatte: das Kompetenz­gerede, die Digita­lisierung, den Bildungs­begriff, das Gymnasium, die Ganztags­schule, die Inklusion, die Ver­ramschung der Sprache und die Recht- beziehungs­weise "Schlecht­schreibung".
: So flüchtig wie Katarrh bei Ostwind. Warum auch zwanzig Jahre nach der Rechtschreibreform keine Korrektur geplant ist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 58, s. 6, Politik (1031 wörter)
[…] das amtliche Regel­werk selbst: "Es ist zu lang, nicht konsistent, wenn überhaupt dann schwer ver­ständlich und wissen­schaftlich in­akzeptabel", sagt der Berliner Grammatiker Peter Eisenberg […]. Er hat jetzt im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung einen weiter­führenden Vorschlag mit dem Titel "Deutsche Ortho­grafie. Regel­werk und Kommentar" (de Gruyter) vorgelegt, der keine neue Ortho­grafie an­strebt. Vielmehr geht es Eisenberg […] darum, die geltende Regelung so zu formulieren, dass Begründungen und Funktiona­litäten gezeigt werden. […] Sein Anliegen ist es, die geltende Schreibung, wo möglich, so in Regeln zu fassen, dass sie wieder lern­barer wird. Selbst­verständlich weiß auch Eisenberg, dass sich die deutsche Ortho­graphie niemals voll­ständig in Regeln fassen lässt.

Selbst­verständlich muss es das ziel sein, die deutsche und jede andere orto­grafie voll­ständig in regeln zu fassen.

: Späte Reue. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 6, Politik, Bildungswelten
Auf Zehetmair folgt jetzt der frühere nieder­sächsische Staats­sekretär Josef Lange, der bisher jeden­falls nicht als Rechtschreib­rebell von sich reden gemacht hat. Der eigentliche Rechtschreib­rebell, der frühere Lehrer Friedrich Denk, lässt jedoch nicht locker. Bei der Frank­furter Buch­messe hat er am Mittwoch die so­genannte „Frank­furter Er­klärung nach 20 Jahren Rechtschreib­reform“ vorgestellt, die von vielen Schrift­stellern, Professoren, Verlegern, Journalisten und Kultur­schaffenden unter­zeichnet wurde. 20 Jahre nach dem Start der Rechtschreib­reform seien ihre Folge­schäden unüber­sehbar. „Die Ver­wirrung und Ver­unsicherung der Schreibenden ist groß, die Schüler machen nach­weislich nicht weniger, sondern deutlich mehr Fehler, die deutsche Einheits­orthographie ging verloren.“
: Ein Akkreditierungsmonster ist doch kein Grund zum Fürchten! Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 143, s. N4, Natur und Wissenschaft
Karlsruhe ruft die Länder zur Reform der Zu­lassung von Studien­gängen auf. Die Kultus­minister stellen sich taub. […] Aus­sitzen wie bei der Rechtschreib­reform scheint die Devise der KMK zu sein.
: Er riskierte den Alleingang gegen Bologna. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 302, s. 10, Feuilleton
Die Folgen der asymmetrischen Einheit beschreibt der lang­jährige sächsische Wissenschafts­minister Hans Joachim Meyer in seinem Lebens­bericht dezidiert aus der Perspektive eines Ost­deutschen. […] Selbst sein bayerischer Amtskollege Zehetmair hatte die Auswirkung der Bologna-Reform völlig unterschätzt - wie er sehr viel später zugab, genauso wie im Fall der Rechtschreib­reform. Unver­ständlich ist, wieso Meyer die Kritik an der Rechtschreib­reform als Lappalie abtut. Angesichts der minimalen Änderungen und der klag­losen Akzeptanz vieler, erscheint ihm der Glaubens­krieg darüber völlig unver­ständlich: "Besonders töricht fand ich die Behauptung, hier würde von der Politik in die organische Entwicklung der Sprache eingegriffen und diese von oben reglementiert." Als habe es je eine Ortho­graphie gegeben, die nicht von oben beschlossen worden sei.
: Chaos im Schreiben und Denken. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 176, s. 1, Politik
Die Rechtschreib­reform hat ruinöse Folgen für Sprache und Denken. […] Den heutigen Zustand wird man ohne Übert­reibung als sicht­bares Schreib­chaos charakterisieren können. Das offenbart spätestens der Blick in Internet­foren.

Ein faz.net-leser namens Axel Werner dazu: Es gebe in Frank­reich «genau die gleichen Klagen der Arbeit­geber und Universi­täten, daß sich niemand mehr fehler­frei schriftlich äußern könne; von der Schreib­weise, die für SMS und e-mails benützt wird, erst gar nicht zu reden». Offenbar hat die FAZ unter­trieben – die deutsche rechtschreib­reform hat die ganze welt ruiniert.

: Ein Unbequemer mit Bildungsverve. Josef Kraus wird an diesem Donnerstag in Vilsbiburg als Schulleiter verabschiedet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 174, s. 6, Bildungswelten
Zu seinen bleibenden Hass­objekten gehört die „Schlecht­schreibreform“, wie er sagt.
: Im Niemandsland zwischen Richtig und Falsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 155, s. 4, Politik
In nahezu allen Bundesländern wird in den ersten drei Schul­jahren weitgehend phonetisch geschrieben; im vierten Schuljahr hagelt es dann plötzlich schlechte Noten im Deutsch­unterricht, weil nun die korrekte Ortho­graphie zu bewerten ist. Vorher wurde lautgetreu geschrieben und nur verbal beurteilt. […] Die Schüler wachsen mit dem Gefühl auf, dass Rechtschreibung nicht so wichtig sei - und mit dem Zwiespalt, dass sie richtig geschriebene Worte in Büchern lesen und falsch geschriebene an der Tafel oder in Schulheften.

… und falsch geschriebene worte und wörter überall sonst: fundsachen.

: Personalien. Erich Thies 70. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 219, s. 4, Politik
Er […] ging 1998 für elf Jahre als Generalsekretär zur Kultusministerkonferenz. Unter den Kultusministern genoss er, der Union nahestehend, den Respekt beider Seiten. Er hatte die Autorität, den Ministern hinter verschlossenen Türen gründlich die Leviten zu lesen. […] Manche Torheit wie die Rechtschreibreform konnte allerdings auch er nicht verhindern.
: Reclam nicht mehr dudentreu. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 153, s. 7, Politik, Bildungswelten
Der Reclam-Verlag wird seine bekannten gelben Büchlein künftig nach den Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) drucken und nicht mehr dem Duden folgen.
: Ein witziger, wendiger Widerhaken. Nach überwiegend erfolgreichem Wirken scheidet der bisherige KMK-Generalsekretär Erich Thies aus seinem Amt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 238, s. 7, Bildungswelten
Nicht selten hat er die Kultusminister hinter verschlossenen Türen zur Raison gebracht und ihnen noch größere Blamagen erspart, auch wenn es ihm nicht gelungen ist, sie vor solchen Torheiten wie der Rechtschreibreform zu bewahren.
: Viele Grundschüler können nicht schreiben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 203, s. 9, Bildungswelten
In den ersten vier Klassen sollen Kinder die grundlegenden Kulturtechniken eigentlich so lernen, dass sie den Wechsel auf eine andere Schule bewältigen - doch das gelingt nicht. In Hamburg wird die Grundschrift zumindest in diesem Schuljahr nicht eingeführt, aber einige Schulleiter scheinen bereits mit den Hufen zu scharren. […] Offensichtlich handelt es sich um eines jener unsinnigen schul­politischen Himmelfahrts­kommandos, die schon in wenigen Jahren bereut werden könnten, wenn sich die Folgen zeigen. […] In Bayern etwa ist es üblich, sich beide Schriftarten anzueignen: In der ersten Klasse beginnen die Kinder, in Grundschrift oder Druckschrift die Buchstaben kennenzulernen, in der zweiten lernen sie die Schreib­schrift. Allerdings wird beim Erlernen der Grundschrift auch von Anfang an auf korrekte Recht­schreibung geachtet, damit sich das richtige Schriftbild optisch einprägt. […] Überall, wo etwa die phonetische Schreibung - und das womöglich bis zur vierten Klasse - praktiziert wird, wo Kinder also genau so schreiben, wie sie die Worte hören, die falsch geschriebenen Worte auch noch einprägsam an der Tafel sehen und die Korrektur erst am Ende der Grundschule einsetzt, haben sie große Rechtschreib­schwierigkeiten. […]
: Politische Handschriften. In Hamburg ist ein Streit über das richtige Schreibenlernen in der Grundschule entbrannt, der über den Stadtstaat hinausweist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 178, s. 3, Politik
Nach den Ferien können die Grundschulen nun selbst entscheiden, ob sie weiterhin die Vereinfachte Ausgangsschrift (Schreibschrift) lernen oder eine Art Druckschrift, die man als Grundschrift bezeichnet und die vom Grundschulverband mit demselben Argument angepriesen wird, das auch die Einführung der Rechtschreibreform begründen sollte: mit erheblichen Vereinfachungen für die Grundschüler.
: 7,5 Millionen Deutsche funktionale Analphabeten. Studie zu Lese- und Schreibfähigkeiten; Männer schwächer als Frauen; 57 Prozent der Betroffenen erwerbstätig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 50, s. 8, Politik
Die Anzahl der funktionalen Analphabeten in Deutschland […] liegt erheblich höher als bisher geschätzt. […] 14 Prozent der Befragten können zwar einzelne Sätze lesen und schreiben, jedoch keine zusammenhängenden, kürzeren Texte. […] Weitere 25 Prozent der Befragten beherrschen demnach die Rechtschreibung, die bis zum Ende der Grundschule unterrichtet werde, nicht in ausreichendem Maße. Sie könnten selbst gebräuchliche Wörter nur fehlerhaft oder langsam lesen und schreiben.
neu : Geringfügige Änderungen. Rechtschreibrat übergibt Bericht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 289, s. 4, Politik (352 wörter)
Schon 2005 hatten die Kultusminister dem Rat untersagt, in drei der sechs Teile Änderungen vorzunehmen. Der Rat widmete sich daher nur noch der Frage, gegen welche Neu­schreibungen besonders oft verstoßen und welche zugelassenen Varianten nicht genutzt wurden. Deshalb entfällt ein Großteil des Berichts auf statistische Unter­suchungen, wobei zu den Schulen nichts gesagt wird.
neu : Ohne Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 287, s. 10, Zeitgeschehen, Glosse Politik
Ausbildungsbetriebe, Gymnasiallehrer und Hochschullehrer klagen einhellig über rechtschreibschwache Schulabgänger. Trotzdem wollen die Kultusminister heute in Brüssel einen Ländervergleich für die Grundschulen im Fach Deutsch unter Ausschluss der Orthographie beschließen.
: Keine weiteren Empfehlungen. Rat für deutsche Rechtschreibung betrachtet Überarbeitung der Reform offenbar als abgeschlossen; "Markt und Menschen beruhigen". Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 223, s. 4, Politik (598 wörter)
Nach der Sitzung des Rates für deutsche Rechtschreibung am vergangenen Freitag hat sich der Eindruck erhärtet, daß die Über­arbeitung der Rechtschreib­reform als abgeschlossen betrachtet wird und keine weiteren Änderungen mehr geplant sind. […] Noch vor einem Jahr hatte Zehetmair bekräftigt, der Rat werde es sich nicht nehmen lassen, sich mit anderen Feldern der Reform zu beschäftigen, um auch hier Ungereimtheiten zu beseitigen. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede.
: Deutsche Schriftsteller halten an der alten Rechtschreibung fest. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 75, s. 2, Politik (636 wörter)
Kurz vor der Entscheidung der Ministerpräsidentenkonferenz über die Vorschläge des Rates für deutsche Rechtschreibung an diesem Donnerstag haben Schriftsteller und Rechtswissenschaftler sowie die Bayerische Akademie der Schönen Künste an die Ministerpräsidenten appelliert, an der bisherigen Rechtschreibung festzuhalten. In einer gemeinsamen Erklärung der Schriftsteller, die von Daniel Kehlmann, Christian Kracht, Feridun Zaimoglu, Judith Hermann, Iris Hanika und anderen unterzeichnet ist, bekräftigen die Dichter, ihre Bücher weiter in der bisherigen Schreibweise drucken zu lassen.
: "Die Sprache kennt keine Kompromisse." Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 75, s. 1, Politik (145 wörter)
Der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, Zehetmair (CSU), sagte dieser Zeitung: Wenn die "Printmedien" künftig im Falle mehrerer Möglichkeiten den bewährten Schreibweisen folgten, würden sich diese durchsetzen. Auch die Schulbuchverlage hätten angekündigt, so zu verfahren.

Womit amtlich bestätigt ist: Die verlage machen die rechtschreibung. Dann wäre es aber ehrlicher, gegen sponsoring auf die schulbücher zu schreiben: «Die Rechtschreibung wird Dir präsentiert von der Bild-Zeitung.» (Und auf die chemiebücher: «Die Chemie wird Dir präsentiert von Novartis.» Usw.)

: Kunze wehrt sich gegen neue Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 63, s. 1, Politik (151 wörter)
In einer Erklärung Kunzes […] heißt es, er werde "auch künftig all das zurückweisen, was das Sprachgefühl der Kinder, die intuitive, vom Regelwissen unabhängige Sprachkompetenz beschädigt und vom Rat für deutsche Rechtschreibung in seiner Mehrheit von Verursachern und Befürwortern des Reformskandals unkorrigiert gelassen oder zur Variante umgewidmet worden ist".
: Ickler verläßt den Rechtschreibrat. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 48, s. 1, Politik (140 wörter)
Ickler begründete seinen Austritt damit, daß sich im Rat nichts mehr bewegen lasse. Sprach­wissenschaftliche Argumente seien als Lieb­habereien beiseite geschoben und vom Vorsitzenden bei jeder Gelegenheit ironisiert worden.
: Täuschungsmanöver. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 48, s. 10, Zeitgeschehen (141 wörter)
Bezeichnend für die Arbeitsweise des Rates ist der Umgang mit sprachwissenschaftlichen Argumenten und grammatischen Erwägungen, die nur mit Hohn bedacht wurden. Aber es geht den Verantwortlichen auch nicht um Sprache, sondern um die blinde Durchsetzung einer verfehlten Reform. Deshalb werden alle, die sich dagegen wehren, als Krawall­macher oder als verfassungs­feindlich (Kultus­ministerin Wolff) bezeichnet.
: Auf halbem Wege. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 30, s. 14, Zeitgeschehen (175 wörter)
Gewiß mag es manchen mit der Überarbeitung der Rechtschreibreform versöhnen, daß er wieder "Du" groß schreiben darf.

Versöhnung ist etwas schönes, und wir verstehen die erleichterung, denn anscheinend hält sich «er», der erwachsene deutsche, in einem privaten brief und sms streng an das, was er «darf», was ihm der volksschullehrplan erlaubt.

: "Mißglückte Regelung." In der Schweiz wächst die Kritik an der Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 21, s. 4, Politik (362 wörter)
In einem offenen Brief an den Präsidenten der Schweizerischen Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), Regierungsrat Stöckling, weist der sogenannte Sprachkreis Deutsch den Präsidenten der Erziehungsdirektoren­konferenz (entspricht der Kultusministerkonferenz) darauf hin, daß die deutschen Kultusminister offen eingestehen, daß "die Rechtschreib­reform falsch war". […] Noch kritischer äußert sich der Schweizer Lehrerverband, der vor allem beklagt, daß der Vorsitzende und die große Ratsmehrheit die anstößigsten Fälle pragmatisch lösten und es unterließen, die Konsequenzen für das gesamte Regelwerk zu untersuchen.
: Halbherzig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 21, s. 10, Zeitgeschehen (181 wörter)
Das Rechtschreibchaos ist inzwischen so groß, daß zu befürchten ist, daß die Verlage der Rechtschreibprogramme das letzte Wort haben und regeln, was der Rechtschreib­rat nicht ordnen konnte. Denn wer die ehemaligen Urheber der Rechtschreib­reform zur Korrektur ihrer eigenen Arbeit heranzieht, wird nichts anderes erwarten können als halbherzige Lösungen.

Wir übersetzen: chaos = freiheit, entwicklung; was der rechtschreibrat nicht ordnen konnte = siehe chaos; korrektur = machtkampf zwischen alt und neu; halbherzig = kompromiss, gültig für die regelungen von 1901, 1996, 2005, . . . Vgl. Tages-Anzeiger, 20. 1. 2006.

: Von gestern. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 18, s. 8, Zeitgeschehen
Angesichts der Föderalismusreform […] könnte die Kultusministerkonferenz (KMK) nach dem Bundesrat das wichtigste Gremium zur Abstimmung zwischen Bund und Ländern werden. […] Mit ihrer Tirade gegen den Wettbewerbsföderalismus hat sich die neue Präsidentin der KMK, Schleswig-Holsteins Kultusministerin Erdsiek-Rave (SPD), ein erstes Mal für diese heikle Aufgabe empfohlen. Mit ihrer neuerlichen Aufforderung an die Länder, ein Höchstmaß an Einheitlichkeit herzustellen, und ihrer Litanei bildungsideologischer Topoi von der Bildungsgerechtigkeit über die Geschlechtergerechtigkeit bis zur Bologna-Gläubigkeit hat sie nicht nur ihre Ministerkollegen auf das eingestimmt, was in diesem Jahr von der KMK zu erwarten ist: nicht das, was angesichts ihrer neuen gesamtstaatlichen Verantwortung nötig wäre. Jedenfalls soll die Rechtschreibreform zum Schuljahr 2006/ 2007 für alle Schüler gelten.
: Eindeutig Mozart. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 1, s. 1, Politik
Wer Mozart als Menschen authentisch kennenlernen möchte, sollte seine die Sprachen mischenden, sich um Ortho­graphie nicht scherenden, geradezu anarchischen Briefe lesen.
: Halbherzig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 277, s. 10, Zeitgeschehen (181 wörter)
Solange der Rat für deutsche Rechtschreibung sich der Zweidrittel­mehrheit der Reform­befürworter zu beugen hat, werden die grammatisch und phonetisch falschen Schreibweisen weiter­bestehen. […] Wer im Rat das Sagen hat, zeigt sich daran, daß Zehetmair jetzt selbst darauf verweist, daß nicht "jedes Faß geöffnet" werden kann.
: Neue Silbentrennung beschlossen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 276, s. 1, Politik (80 wörter)
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am Freitag in Mannheim die geänderte Silbentrennung am Zeilen­ende und die über­arbeiteten Interpunktions­regeln beschlossen.
: Die Groß- und Kleinschreibung wird überarbeitet. Der Rat für Rechtschreibung beschließt veränderte Silbentrennung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 276, s. 2, Politik (735 wörter)
Die Groß- und Kleinschreibung geht zurück auf den österreichischen Amateurlinguisten Eugen Wüster und gilt unter den Kritikern der Neuregelung als umstritten, da sie viele grammatisch falsche Schreibweisen geschaffen hat. […] Es zeichnet sich eine Tendenz im Rechtschreib­rat ab, die "Große Koalition", die "Zweite Kammer" und die "Große Anfrage" als Spezial­begriffe wieder groß zu schreiben.

Die gross- und kleinschreibung geht gewiss auf Wüster zurück — etwa im gleichen mass wie auf Adelung. Die formulierung, dass "Große Koalition" und die "Zweite Kammer" wieder gross geschrieben werden sollen, zeigt, wo die amateure am werk sind.

: Gesamtstaatliche Verantwortung der Länder. Was die geplante Föderalismusreform für die deutsche Bildungspolitik bedeutet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 265, s. 12, Zeitgeschehen
Ob die Länder allerdings willens und in der Lage sind, ihrer neuen gesamtstaatlichen Verantwortung in der Bildungspolitik gerecht zu werden, müssen sie erst noch unter Beweis stellen. Die größte Verantwortung kommt dabei auf die KMK zu. Sie hat beim Debakel um die Rechtschreib­reform und durch viele politische Patzer in der jüngsten Vergangen­heit viel Vertrauen verspielt.
: Auch die Groß- und Kleinschreibung. Der Rat für deutsche Rechtschreibung bestimmt seine Themen selbst und korrigiert mutig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 253, s. 12, Zeitgeschehen (656 wörter)
Bei der Trennung des "ck" konnte sich der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung, […] Zehetmair (CSU), nicht durchsetzen. Es gibt also keine Rückkehr zur alten kk-Trennung […]. Für die weitere Arbeit des Rates ist nicht unerheblich, daß sich viele Praktiker, die nur ehrenamtlich im Rat sitzen, sprachwissenschaftlichen Argumenten verschließen. Das gilt etwa für ein weiteres Thema, das auf Antrag Österreichs neuerdings auch auf der Agenda des Rates steht: die ss-Schreibung. Vor kurzem hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, daß sich der Rat auch mit dieser Regelung noch einmal befaßt. Noch überraschender ist aber die Entscheidung des Rates, die Groß- und Kleinschreibung - jüngst von den Kultusministern als "unstrittig" bezeichnet und in den Schulen eingeführt - schon in der kommenden Sitzung zu behandeln.
: Bern verlängert Rechtschreibfrist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 212, s. 4, Politik (249 wörter)
Der Kanton hat sich damit Bayern und Nordrhein-Westfalen angeschlossen und das Moratorium verfügt, das Lehrer in der Schweiz und Deutschland gefordert hatten.
: Rechtschreibreform tritt in weiten Teilen in Kraft. Kultusminister lassen "Toleranzklausel" zu; Rat hebt neue Regeln für Getrenntschreibung auf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 127, s. 1f, Politik (1080 wörter)
Der Beschluß der Kultusministerkonferenz, die unstrittigen Teile der Reform in Kraft treten zu lassen, hat im Rat Irritationen ausgelöst. Zehetmair zeigte Verständnis für das Vorgehen der KMK, ließ aber keinen Zweifel daran, daß der Rat auch künftig unbeirrt und unabhängig von Sachzwängen der Politik die einzelnen Bereiche der Reform bearbeiten wird. Zehetmair bekräftigte die Entschlossenheit des Rates, sich von keiner Seite unter Druck setzen zu lassen, auch nicht unter Zeitdruck. […] Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Otto, bezeichnete die in Teilen verbindlich gemachte Rechtschreibreform als "Zumutung gegenüber den Lehrern und Schülern". Außerdem sei darin eine "unglaubliche Arroganz gegenüber dem Rat für deutsche Rechtschreibung zu sehen". […] Die bildungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Reiche, forderte die Ministerpräsidenten auf, die gesamte Reform außer Kraft zu setzen.
: Horst Haider Munske 70. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 104, s. 4, Politik (321 wörter)
"Die historisch gewachsene Orthographie ist ihnen im Grunde ein Ärgernis", so kurz und treffend charakterisierte der emeritierte Erlanger Sprachwissenschaftler Horst Haider Munske die Motivation der Rechtschreibreformer.

Ob da wohl ungute erinnerungen an seine schülerin Leiss mitspielen? Sie gibt uns anlass zu einer unterscheidung: Es ist aufgabe der wissenschaft, ständig das bestehende und scheinbar selbstverständliche zu hinterfragen und visionen zu entwickeln, und es ist im grunde aufgabe von (verzeihung!) gebrauchtwagenverkäufern, das «historisch gewachsene» zu rechtfertigen und eine beule als verbesserung des cw-werts zu preisen. Vgl. FAZ, 4. 10. 2004.

: Auf den Sprachgebrauch kommt es an. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 83, s. 1 (809 wörter)
Im Unterschied zur Vorgehensweise der Reformer scheint für den Rat der Sprach­gebrauch wieder zur Leitlinie seines Handelns zu werden. Darin liegt die ent­scheidende Kehrt­wendung.
: Ohne Zehetmair. Kritiker der Rechtschreibreform in München. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 46, s. 5, Politik (705 wörter)
Zum ersten Mal seit acht Jahren hatte sich ein für die Rechtschreibreform verantwortlicher Kultusminister bereit erklärt, sich dem Gespräch mit den Kritikern zu stellen. Darauf hatten Germanisten, Schriftsteller und Journalisten lange gewartet. Der Vorsitzende des Rates für die deutsche Rechtschreibung, der frühere bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU), war jedoch plötzlich erkrankt. So fand in der bayerischen Akademie der Wissenschaften eine Gesprächsrunde mit einigen der profiliertesten Kritiker ohne den eigentlichen Adressaten statt. […] Wenn schon kein Fürsprecher der Reform auf dem Podium saß, so heizte wenigstens der Chef der Duden-Redaktion, Matthias Wermke, die Diskussion mit seinem Vorwurf an, solche "sinnlosen" Debatten mündeten in "Larmoyanz und Politikverdrossenheit". Wieso die Kritik nicht im Rat vorgebracht werde, fragte er, wohl wissend, daß sie dort niemand vorbringen wird und den Kritikern nur das zahnlose Minderheitsvotum bleibt.
: Wirrwarr im Rat für Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 41, s. 1, Politik (553 wörter)
Bei der Sitzung des Gremiums an diesem Freitag in Mannheim stehen die besonders strittigen Fälle der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Silbentrennung sowie der Groß- und Kleinschreibung auf der Tagesordnung. Die bisherigen Vorschläge der Mitglieder des Rates gleichen einem Wirrwarr. […] Einige Mitglieder des Rates wollen zunächst eine Bestandsaufnahme der besonders strittigen Fälle herbeiführen, auch die Verlängerung der Übergangszeit wird erwogen. […] Nachdem der Schweizer Gallmann eigens in einem Aufsatz dargelegt hatte, warum die Schweizer das "ß" nicht wiedereinführen, scheint sein erklärtes Ziel als Mitglied des Rates zu sein, diesen Buchstaben auch in Deutschland aus der Schreibung zu tilgen. Dieser Vorschlag wird sich vermutlich ebensowenig durchsetzen wie die alte Idee, eine gemäßigte Kleinschreibung einzuführen.
: Durcheinander. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 41, s. 12, Zeitgeschehen (183 wörter)
Wer die Vorschlagsliste betrachtet, wird den Eindruck nicht los, daß von einer Rückkehr zu den früheren Regeln bis zum Beibehalten des unveränderten Regelwerks nahezu alles erwogen wird, was in der ermüdenden Rechtschreibdiskussion schon hin- und hergewendet wurde. […] Doch wenn der Rat von vorn beginnt, über alles zu debattieren, treten diese Regeln in Kraft, und weitere Jahre gehen ins Land.
: Agenda 2005. 1. August: Herumdoktern an der Reform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 306, s. 6, Politik (278 wörter)
Zum 1. August 2005 soll die Rechtschreib­reform endgültig in Kraft treten. […] Die Frage ist allerdings, ob es den Deutschlehrern gelingt, sich durch das Dickicht des Regelwerks zu kämpfen.
: Der Rechtschreiber. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. 10, Zeitgeschehen (453 wörter)
Ickler gehört zu den wenigen außerhalb der Rechtschreibkommission, die sich schon 1995 intensiv mit den neuen Regeln befaßt haben.

Schon? Erst!

: Wulff: Die Rechtschreibreform ist gescheitert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 148, s. 1 (366 wörter)
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Ministerpräsidenten­konferenz mit der Rechtschreib­reform zu befassen. Die Zuständigkeit der Kultusminister­konferenz für die neue Rechtschreibung müsse beendet werden, forderte Wulff im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die kultusministerkonferenz ist nicht für die rechtschreibung zuständig, sondern für den lehrplan der volksschule. Dafür soll die ministerpräsidenten­konferenz das geeignetere gremium sein?

: Kultusminister zweifeln an der Rechtschreibreform. Schavan: Gesellschaftliche Akzeptanz berücksichtigen; "Nuancenreichtum der Sprache erhalten". Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 56, s. 1f. (860 wörter)
Die Konferenz der Kultusminister (KMK) hat in Berlin den vierten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission zur Rechtschreib­reform nicht verabschiedet. […] Statt dessen haben die baden-württembergische Kultus­ministerin Schavan (CDU) und der brandenburgische Kultusminister Reiche (SPD) ein Gespräch mit Vertretern der Zwischenstaatlichen Kommission und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung geführt […]. Es habe sich gezeigt, daß der Bericht der Kommission auch einige Reform­vorschläge der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung aufnehme. […] Ganz unbegründet, so geben selbst die Reformgegner zu, war die Kritik der Zwischen­staatlichen Kommission an der Akademie nicht. Auch ist nach der Berliner Konferenz nicht mehr die Rede davon, der Zwischen­staatlichen Kommission künftig die alleinige Entscheidungs­gewalt über Neuerungen zuzubilligen.
: Späte Erkenntnis. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 56, s. 1, Kommentar (289 wörter)
[…] ist den Kultusministern doch noch klargeworden, daß ein solches Reformwerk nicht einfach gegen den Willen der sprachbewußten Öffentlichkeit erzwungen werden kann. […] Daß zumindest einige von ihnen heute einsehen, daß die angebliche Schreib­vereinfachung unzählige Nuancen und Präzisierungen der deutschen Sprache zu beseitigen droht und das Verstehen von Texten erschwert, wenn nicht unmöglich macht, ist ein Erkenntnis­fortschritt, den es zu würdigen gilt. […] Die Zwischen­staatliche Kommission und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die einen Kompromiß­vorschlag unterbreitet hat, der von Sprach­wissenschaftlern und auch von der Kommission vernichtend kritisiert wurde, nun mit der Rettung der verfahrenen Lage zu beauftragen hieße allerdings, die Böcke zu Gärtnern zu machen.
: Fünfzig Juristen verlangen Rücknahme der Rechtschreib­reform. "Gravierende Mängel, unausgewogene Formelkompromisse"; Appell an die Parlamente. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 39, s. 4, Politik (492 wörter)
Die Professoren verweisen darauf, daß die meisten Menschen durch die überraschende Einführung der Rechtschreib­reform den Eindruck einer demokratisch nicht legitimierten Bevormundung durch die Exekutive gewonnen hätten. Das Bundesverfassungs­gericht habe zwar im Blick darauf, daß das neue Regelwerk grundsätzlich keine rechtlichen Wirkungen entfalte, einen Verstoß gegen das Demokratieprinzip nicht angenommen. Dies ändere aber nichts daran, daß die Aktivitäten der Kultus­verwaltungen dem Vertrauen in die demokratisch legitimierte Staatsgewalt erheblichen Schaden zugefügt hätten. In einem mehrseitigen Anhang nennen die Rechts­wissenschaftler Beispiele für Defizite der Reform.

Wie viele jahrzehnte hätten denn die professoren gebraucht, um die defizite der reform zu untersuchen? Ihre «überraschung» fügt dem vertrauen in die professoren schaden zu.

: Beschädigtes Deutsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 39, s. 12, Zeitgeschehen (171 wörter)
In ihrer Sachkritik ist der Petition der fünfzig Rechtswissenschaftler gegen die Rechtschreib­reform ausnahmslos zuzustimmen. […] Juristen sind auf sprachliche Feinheiten angewiesen, deshalb ist ihre Kritik — ähnlich wie die der Dichter und Schriftsteller — nicht zu unterschätzen.

In der tat, «ähnlich wie die der Dichter und Schriftsteller». Dazu ist auf diesen seiten einiges zu finden, z. b. stellungnahme zu «Willkür in den Worten».

: Erich Thies 60. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 219, s. 4, Politik
Das Amt des Generalsekretärs der Kultusministerkonferenz (KMK) hat Erich Thies in einer Zeit übernommen, da die KMK einen beträchtlichen Ansehensverlust durch ihre Beschlüsse zur Rechtschreib­reform erlitten hatte.
: Zunehmend gleichgültig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 3, Politik (433 wörter)
"Die neuen Rechtschreibregeln sind von den meisten Lehrern noch nicht in all ihren Konsequenzen verinnerlicht worden", sagt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Um wirklich ernst genommen zu werden, seien die neuen Regelungen allerdings auch viel zuwenig eindeutig.
: Der Raub der Nuancen. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Vor fünf Jahren trat die Rechtschreibreform in Kraft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 3, Politik (1365 wörter)
Selbst entschiedene Reformgegner sehen die Lösung inzwischen nicht mehr in einer umstandslosen Wieder­herstellung alter Zustände, also in einer bloßen Rückkehr zur bewährten Schreibung. […] Es wäre durchaus denkbar, daß die bisherige Rechtschreibung von einschlägigen Instituten erforscht und dargestellt wird und sich im Wettbewerb um die beste Darstellung auch die besten ortho­graphischen Hilfsmittel herausbilden. Für eine Übergangs­zeit von etwa zehn Jahren könnten die Schreibweisen gemäß der Reform in ihren verschiedenen Auslegungen nicht als Fehler gewertet werden, allerdings müßte von Schülern und Studenten verlangt werden, daß sie sich für eine der beiden Schreibweisen entscheiden und nicht beide mischen. Allein daran ließe sich erkennen, ob die Schreiber wenigstens eines der Regelwerke beherrschen.

Beide schreibweisen? Warum dann nicht gleich die bewährte kleinschreibung in den wettbewerb um die besten ortografischen hilfsmittel einbeziehen?

: Ungebrochene Neugier der Grundschüler. Defizite in den weiterführenden Schulen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 85, s. 6, Politik
Gleichwohl birgt auch der jetzt vorliegende erste Teil der Iglu-Studie auf mehr als 300 Seiten viele interessante Einzelergebnisse. […] In Anbetracht dessen, daß die Lehrer angeben, ein Drittel des gesamten Deutschunterrichts auf Rechtschreiblehre zu verwenden, seien die Ergebnisse wenig befriedigend, meinen die Bildungsforscher. Aufschlußreich erscheint, daß alle Beispieltexte, die in der Iglu-Studie abgedruckt sind, die bewährte Zeichensetzung aufweisen und nicht die neue. Sollte dies einen lesefördernden Effekt besitzen?
neu : Ratlosigkeit über die Rechtschreibreform. Die Kultusminister schieben Entscheidungen auf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 52, s. 4, Politik (947 wörter)
Die meisten Minister geben hinter vor­gehaltener Hand zu, die Folgen dieser Reform unterschätzt zu haben. […] Einig sind sich alle Minister darin, daß nicht politisch entschieden werden kann, ob es nun "not tun", "Not tun" oder "nottun" heißt. Die Reform sei vom Bundes­innenministerium ausgegangen, sagen sie entschuldigend in Berlin. Die meisten unter den Kultus­ministern geben sogar zu, daß sie privat die bewährte Schreibung bevorzugen. Die Kultus­minister würden die Ver­antwortung für die Rechtschreib­reform am liebsten abgeben – aber an wen?
neu : Verwirrt und befreit in der neuen Rechtschreib-Anarchie. Der dritte Kommissionsbericht über ein Debakel. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 51, s. 4, Politik (1291 wörter)
Intensiv diskutiert der Bericht die Groß- und Kleinschreibung. Der "Regierende Bürgermeister", der "Heilige Vater" werden als Funktions­bezeichnungen und Ehrentitel unter den systematischen Ausnahmen genannt. Aber wenn es sich nicht um wirkliche Eigennamen handelt, dann ist die Kleinschreibung vorgesehen: "künstliche Intelligenz", "neues Jahr". Daß diese Regelung vom Duden unterlaufen worden sei, muß die Kommission selbst zugeben. Zum Beispiel hieß es dort die "Erste Hilfe", aber die "erste Wahl", der "Letzte Wille", aber "jemandem die letzte Ehre erweisen". Um nicht von der Vorgabe der Klein­schreibung der Attribute abzuweichen, werden jetzt Begriffe wie "der Neue Markt", die "Rote Karte", die "Gelbe Karte", die "Letzte Ölung", die "Heilige Messe", das "Ewige Licht" unter der Rubrik der Fach­sprachlichkeit wieder zugelassen. Fach­sprachen sind nämlich von der Regelung aus­genommen. Wer künftig solche festen Fügungen wieder groß schreiben will, muß sie also nur als Fachsprache deklarieren; das geht fast immer.
: Das Abi-Bac im Grenzbereich. Das deutsch-französische Abitur stellt große Anforderungen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 268, s. 8, Politik
Mit der Rechtschreib­reform wollen die Deutschlehrerinnen in St-Avold ihre Schüler so lange nicht befassen, als sie nicht gelehrt wird. Bis zum Jahr 2005 wird in der bewährten Weise geschrieben. Allerdings gibt es auch in den letzten Gymnasialklassen schon Schüler, die in der Grundschule mit der neuen Recht­schreibung begonnen haben, so daß die Lehrer unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe anlegen müssen.
: Das Klassenziel nicht erreicht. Die Rechtschreib­reform hat zu Durcheinander statt Einheitlichkeit geführt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 183, s. 1f, Politik
Auf diese Weise ist die Monopolstellung des Mannheimer Duden gewissermaßen auf ein Wörterbuch­kartell über­gegangen, das eine Einheitlichkeit suggeriert, die es in Wirklichkeit nicht gibt.
: Sprachverwirrung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 175, s. 1, Politik
Fünf Jahre nach dem Wiener Rechtschreibabkommen der deutschsprachigen Länder und drei Jahre nach dessen offizieller Einführung kann nicht mehr geleugnet werden, daß die Rechtschreibreform ihr wichtigstes Ziel, die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung, verfehlt hat.

Nicht nur die schlussfolgerung, die rechtschreibreform habe ihr wichtigstes ziel, die einheitlichkeit der rechtschreibung, verfehlt, ist in frage zu stellen, sondern vor allem die annahmen, auf denen sie basiert. Zum einen wäre die definition von einheitlichkeit zu diskutieren, zum andern das «wichtigste ziel». «Schreibungen waren nie um ihrer selbst willen wichtig, sondern um den Zugang zu Texten möglichst rasch und unmittelbar zu eröffnen.» Dazu mag es von vorteil sein, wenn in Flensburg und Zürich sowie von professionellen und weniger gebildeten schreibern gleich geschrieben wird, was auch vorher nur sehr eingeschränkt der fall war. Das «wichtigste ziel» einer reform kann es allerdings höchstes zu kaisers zeiten gewesen sein. Einheitlichkeit, stabilität, sicherheit, «wissen, was richtig und falsch ist», disziplin usw. sind positive werte, aber es sind eben keine werte, sondern sekundärtugenden. Das ziel einer reform kann nur sein, etwas besseres zu schaffen.

: Rechtschreibchaos. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 12, Zeitgeschehen
Wann endlich wird der staatlich verordnete Analphabetismus beendet? Wer die Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung verhindert, darf sich über Sprachverfall nicht beklagen.

Würden wir ja auch nicht (Leiss).

: Beamtenreform. Die Entwicklung der Rechtschreibreform zwischen Sprachwissenschaft und Kultusbürokratie. Frankfurter Allgemeine Zeitung, (636 wörter)
Der starre Blick auf die Vereinfachung der Recht­schreibung hat offenbar verhindert, daß die der bewährten Recht­schreibung zugrunde­liegenden Regeln erkannt wurden und daß man über sie diskutierte. Nicht be­rücksichtigt wurde dabei, daß Recht­schreibung mehr ist als Konvention oder gar die bloße graphische Abbildung des Laut­systems durch Buch­staben. Sie dient dazu, die syntaktische, morphologische und lexikalische Struktur des Deutschen für Leser schnell erkennbar werden zu lassen. Nahezu alle Schwierigkeiten der Recht­schreibung finden hier ihre Begründung.

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