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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → akzeptanz
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akzeptanz

definition (wirt­schafts­lexikon.gab­ler.de)

«Bereitschaft, einen Sachverhalt billigend hin­zunehmen. Akzeptanz gegenüber einem Gegenstand wird als Teilaspekt der Konformität im Spektrum zwischen Gehorsam, Anpassung und Ver­innerlichung gesehen. […] Die Diffusions­theorie unter­scheidet Neuerer, frühe Annehmer, frühe Mehrheit, späte Mehrheit und Nachzügler. Das Akzeptanz­verhalten wird durch Verhaltens­merkmale (z. B. Risiko­bereitschaft, Neugierde) geprägt. […] Starke Brüche mit bisher Gewohntem erschweren die Akzeptanz.»

stellenwert
In anbetracht der schwachen rechtlichen ver­ankerung der orto­grafischen norm spielen akzeptanz­überlegungen eine ent­scheidende rolle in der dis­kussion.
messung
kritik

Akzeptanz des bisherigen: Gegner einer neuregelung gehen von der annahme aus, dass der status quo akzeptiert ist («bewährte recht­schreibung»). Reformer dagegen inter­pretieren die mangelhaften kompetenzen in schreiben und lesen als fehlende akzeptanz. Vgl. unten das zitat Roman Bucheli.

Unbewusste akzeptanz: Einige zeit nach einer reform schwindet die kenntnis des alten. Der glaube, die änderung zu ignorieren und so zu schreiben, «wie man es in der schule gelernt hat», kann eine selbst­täuschung sein (stichwort opposition). Das ist auch bei der inter­pretation von umfragen zu berück­sichtigen.

Fehlende akzeptanz bei progressiven: Ein konkreter vorschlag, der das resultat eines politischen prozesses dar­stellt – beispiels­weise die neu­regelung von 1996 –, stösst auch bei kon­sequenteren reformern auf wider­stand. Wie oft in der politik gibt es unheilige allianzen.


Zitate

Ja, kein Geringerer als Jacob Grimm, der später die herrschende Ortho­graphie mit den kräf­tigsten und derbsten Aus­drücken bekämpft und sie zu ändern versucht hat, spricht in der Vorrede zu seiner Grammatik Zweifel darüber aus, ob sie […] noch für Änderungen empfänglich sei.

Rainer Tenhaef, Das Parlament, 13. 6. 1997

Augst räumte ein, daß/dass die Reformer an den Grenzen der Durch­setzbarkeit stehen­geblieben seien. Beispiel Stamm­prinzip: „›Ältern‹ haben wir uns nicht getraut.“

Schleswig-hol­steinisches ober­verwaltungs­gericht, Der Tages­spiegel, 14. 8. 1997

Sprachliche Normen hängen … nicht vom Willen – unter Umständen kurz­fristig wech­selnder – Mehr­heiten in Par­lamenten ab, sondern lang­fristig – von all­gemeiner Akzeptanz.

Hans-Dieter Von­tobel, verwaltungs­rats­präsident, an der general­versammlung der Vontobel Holding AG, Neue Zürcher Zeitung 2. 8. 1995

Politisiert wird nach den Kriterien der Akzeptanz. Akzeptabel ist an­geblich nur noch, was geringst­möglichen poli­tischen Wider­stand weckt. Richtig ist einzig noch, was Polit-Marke­ting als mehrheits­fähig erachtet. Andere Kriterien sind nicht mehr ge­fragt.

Roman Bucheli, Neue Zür­cher Zeitung, 9. 8. 2004

Bedenklich stimmt es, wenn die genannten Gross­verlage [chronik, 6. 8. 2004] die Ab­kehr von der neuen Re­gelung nun unter die etwas demagogische Be­gründung stellen, die Mehrheit der Be­völkerung sei gegen die neue Ortho­graphie. Denn ginge es danach, so wäre vermutlich jede Rechtschreib­regelung über­flüssig.

David Dürr, rechts­professor, 25. 8. 2014

Wer sich erlaubt, die Legitimation staatlicher Obrigkeit in Frage zu stellen, stösst nicht so sehr auf Wider­spruch von dieser selbst, sondern vor allem von Unter­tanen. Unter­tanen sind die eifrigsten Ver­teidiger der Herrschaft, viel eifriger als die Herrschaft selbst.

Helmut Kindler, 1973

Ich bin für die Kleinschreibung — aber ich werde dafür nicht auf die Barrikaden gehen.

Akzeptanz, aber nicht aus­drückliche befür­wortung.

, Süd­deutsche Zeitung,

Aber auch die Akzeptanz von Ver­änderungen braucht Zeit und Geduld – und vielleicht muss sie auch nicht jeder sofort mitmachen. Auch das lässt sich aus der Recht­schreib­reform lernen. Als ihm der ehemalige Bundes­präsident Roman Herzog entgegen­gehalten habe, er werde die neuen Regeln nie benutzen, habe er erwidert: „Für dich ist das auch nicht ge­dacht“, erinnert sich Zehetmair. Und als Theo Waigel, der ehemalige CSU-Chef, erklärt habe, er werde niemals Schifffahrt mit drei „f“ schreiben, habe er ihm gesagt: „Du nicht. Aber dein Sohn wird damit auf­wachsen.“