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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → anredepronomen
nachgeführt 2020-5-22
ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org ortografie.ch ersetzt in zukunft sprache.org

anredepronomen

definition

Personal­pronomen (persönliches fürwort) in der speziellen funktion der anrede. Anrede­pronomen sind Sie und du ein­schliesslich der possessiv­pronomen Ihr (zu Sie) und dein (zu du), historisch auch Ihr und Er.

zweck

Die anrede soll den kontakt zwischen sprecher und hörer herstellen und aufrecht erhalten. Im fall von Sie geht es auch um eine unter­scheidung von 3. person und anrede. Sie wird als «höflichkeits­anrede» bezeichnet, im gegensatz zur informellen anrede du. Der begriff verleitet dazu, auch bei du eine höflichkeits­form zu fordern und es gross zu schreiben.

regeln zur gross­schreibung

  Sie du
vor 1996 immer gross in briefen gross, sonst (z. b. in lehr­büchern) klein
neuregelung 1996 immer gross immer klein
2006 immer gross klein, kann in briefen gross ge­schrieben werden

duden.de/sprachwissen

Sie gross, du immer klein.

grund­sätzliches

Formen der höflichkeit und der ehr­bezeugung (honorative) ver­tragen sich nicht mit dem prinzip der buchstaben­schrift (schichten­modell).

Die höflichkeits­gross­schreibung ist im volk tief verankert; trotzdem ist die fehler­quote sehr hoch (fundsachen).


Zitate

, Ham­burger Abend­blatt,

Bis 1996 mussten die Pronomen der 2. Person im Brief immer groß­geschrieben werden – aber nur im Brief und nicht in der wört­lichen Rede! Mit der Rechtschreib­reform brachen die Jahre des kleinen „du“ an, auch im Brief, und zwar amtlich und nur so. Leider erzwang der Springer-Konzern 2006 eine Reform der Reform, und danach durfte das Du wieder groß­geschrieben werden – jedoch, wenn’s beliebt (fakultativ), auch nach wie vor klein.

, Süd­deutsche Zeitung,

Zehetmair betonte, dass man manche Irrita­tion rückgängig machen konnte: […] Man dürfe auch „Du“ wieder groß schreiben: „In einem Brief an Partei­freunde hätte ich mit dem kleinen du keine Probleme, aber in einem Liebes­brief möcht’ ich es groß schreiben“, frotzel­te er.

Möcht’ Er doch, wie es früher üblich war, die angebetete siezen! Unsere irrita­tion: Braucht man wirklich eine erlaubnis, um in einem liebes­brief von der schul­rechtschreibung abzuweichen?

Wenige Tage vor der Wahl Joseph Rat­zingers zum Papst stellte die Internet­ausgabe der „Bild“-Zei­tung ihren Lesern die Frage: „Wird einer von Ihnen der neue Papst?“ Die­jenigen bild.de-Leser, die sich darauf­hin Hoff­nungen auf einen kom­fortablen Lebens­abend in einem römi­schen Palazzo machten, wurden bitter ent­täuscht, denn wie sich heraus­stellte, waren nicht sie gemeint, sondern die Kardinäle auf dem Foto.