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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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Bedeutung der schreibkompetenz

Amerikanische briefmarke

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Schreiben können – eine wurzel der demokratie.

NZZ am Sonntag, 24. 4. 2011

überschrift: Polizisten-Mangel: Die meisten Anwärter scheitern am Deutschtest

«Rund 50 Prozent der Ar­beit eines Poli­zisten be­stehen aus Schrei­ben», erklärt Mar­co Bisa von der Zür­cher Stadt­polizei.

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Das Bundes­kriminal­amt kann offene Stel­len nicht besetzen, weil zu viele Bewerber am Deutsch­test scheitern […]. Grund dafür ist nach Angaben des BDK-Vor­sitzenden Andre Schulz vor allem der Rechtschreib­test im Aufnahme­verfahren, an dem viele der Bewerber trotz Abitur scheiterten.

Anatole France

Aujourd'hui (um 1900) Bonaparte serait refusé à Saint-Cyr, pour l'ortho­graphe. (Heute würde Napoleon von der Militär­akademie Saint-Cyr wegen seiner Recht­schreibung zurück­gewiesen werden.)

Kontroverse

Für den Bund für vereinfachte rechtschreibung ist die mangelhafte beherrschung der recht­schreibung durch die bevölkerung ein wichtiges (wenn auch nicht das einzige) argument für reformen. Das wird von reform­gegnern bestritten:

Petition von juristen zur be­endi­gung des rechtschreib­reform­projekts, 16. 2. 2004

Die tradierte Recht­schreibung wird prak­tisch von der gesamten Sprach­gemein­schaft beherrscht.

Die schreibkompetenz in zahlen

Süd­deutsche Zeitung, 19. 8. 2000

Im Jahr 1912 ver­ursachte der Breslauer Lehrer Oskar Kosog mit dem Recht­schreib­diktat „Aus dem Testamente einer Mutter“, seither Kosog­sches Diktat genannt, keine geringe nationale Auf­regung. Es be­teiligten sich daran 30 Lehrer, 2 Subaltern­beamte, 8 Frauen mit höherer Mädchen­schule, 10 Akademiker sowie 22 Stu­dentInnen. Man kann es nicht anders sagen, als dass das Ergebnis be­trüblich war: Je nach Gruppe kamen zwischen 13 und 24 Fehler heraus; der einzige Ober­lehrer, der sich an der Prüfung beteiligte, lag mit 18 Fehlern im Mittel­feld. Insofern ist es mehr als ver­ständlich, wenn sich der Schrift­steller Martin Walser weigert, an dem von der Zeit an­gezettelten Dichter-Diktat teil­zunehmen.

[…] eine Rechtschreibung, die selbst von den Ge­bildetsten im Volke nicht be­herrscht wird, hat ihr Daseins­recht verwirkt, und je eher sie ver­schwindet, desto besser.

Schriftliche prüfungen 20-jähriger schweize­rischer rekruten mit unter­schiedlichen temati­schen schwer­punkten; 1954 erhebung der recht­schreib­kompetenz anhand von aufsätzen und briefen, bericht von dr. F. Bürki

Im ganzen ist die Zeichen­setzung das­jenige Gebiet der Recht­schreibung, auf dem die grösste Un­sicherheit herrscht.

Die klein- und grossschreibefehler machen …

… 37% sämtlicher Wortfehler überhaupt [aus]. Es ist nicht zu bestreiten, dass die Großschreibung eine wesentliche Fehlerquelle bedeutet.

Fridolin (Schwanden GL), 19. 5. 1994, zu einer be­fragung von armee­rekruten (1991)

Ein Viertel hatte Mühe, den Sinn eines simplen Zeitungs­artikels zu verstehen. Beim Diktat des Artikels 2 der Bundes­verfassung konnten den Text bloss 10% der Romands, 29% der Deutsch­schwei­zer, aber immerhin 45% der Tessiner fehler­frei wiedergeben.

Wirtschafts­Woche Online (Wirtschafts­woche/Handels­blatt), 23. 4. 2007

Deutsche Manager haben massive Proble­me bei Recht­schreibung, Komma­regeln und Satzbau. Nach einer Unter­suchung der Freiburger Personal­bera­tungs­gesellschaft Saaman Consultants AG ent­halten gut drei Viertel aller Bewerbungs­schreiben und Lebens­läufe von Führungs­kräften eindeutige Recht­schreib­fehler. Das hat der Vergleich von 250 Bewerbern für Stellen im Top-Ma­nagement (Bereichs­leiter, Haupt­abteilungs­leiter) im Jahr 1997/98 mit der selben Anzahl von heute ergeben, wie Firmenchef Wolfgang Saaman heute mitteilte.

Um­frage der Ge­sell­schaft für deut­sche Sprache, 13. 6. 2008

Die Rechtschreib­kenntnisse der Bevölke­rung jedenfalls haben sich in den letzten 20 Jahren nicht ver­schlechtert, aber auch – trotz Explosion der höheren Bil­dungs­abschlüsse in diesem Zeitraum – nicht verbessert. Wörter wie ‚Le­bensstan­dard’ oder ‚Rhythmus’ konnte damals wie heute nur jeder Zweite bzw. knapp jeder Dritte korrekt schreiben. Und auch Jüngere, unter 30-Jährige, schneiden bei diesem Test nicht schlechter ab als Alters­gleiche vor gut 20 Jahren.

grafik: rechtschreibkenntnisse

Mit Spannung erwartet, fand am 27. Februar das große Finale des Diktat­wett­bewerbs „Frank­furt schreibt!“ statt. Die Aula der Muster­schule wurde zur Recht­schreib-Arena, und die von 15 Frankfurter Schulen entsandten Teil­nehmer kamen mehr als einmal ins Schwitzen. […] Tilman Jacob siegte im Feld der Schüler mit 19 Fehlern; die beste Lehrerin, Anneke Thaler, glänzt mit nur 10 Fehlern, und bei den Eltern darf sich Antje Freyberg mit 9 Fehlern des Sieges im Gesamt­placement rühmen. Die durch­schnittliche Fehler­quote – 49,9 bei den Schülern; 25,2 bei den Eltern und 24,6 bei den Lehrern – zeugt davon, welch hohe Anfor­derungen der amüsan­te und erfindungs­reich komponierte Text an die Schreiber stellte.

Peter Schmachthagen, Hamburger Abendblatt, 7. 8. 2018

Ich habe am Tag vor der Einführung der neuen Recht­schreibung in den Medien, am 31. Juli 1999, im Abend­blatt einen Test mit 40 Wörtern alter Schreib­weise ver­öffentlicht, hinter denen jeweils zwei Kästchen standen, in denen die Leser „Richtig“ oder „Falsch“ ankreuzen sollten. Eine Leserin rief an und sagte, sie habe drei richtige Schreib­weisen ent­deckt, die übrigen 37 seien falsch. Eine pensio­nierte Kollegin schaffte immerhin acht Richtige. Das Dumme war nur, dass alle 40 Beispiele nach alter Norm richtig waren! Doch hat es niemand geglaubt, und nie­mand hat vor 1996 jemals ein Diktat mit allen Schwierig­keiten fehlerfrei geschrieben.

Ulrich Bumann, Kölnische Rundschau, 28. 7. 2018

Die offensichtlich an­schwellende Flut von fehler­haften Texten erklärt sich vor allem daraus, dass heute mehr Men­schen als jemals zuvor öffentlich schreiben […].

Auswirkungen der neuregelung von 1996/2006

Birgit Hofmann, Süd­kurier, 15. 1. 2014

Wie emotional aufgeladen das The­ma ist, zeigte sich kürzlich, als der Ger­manist Uwe Grund und dessen Studie in einem Medienbericht mit der Aussa­ge zitiert worden war, dass sich seit der Rechtschreib­reform die Fehlerquote in Schultexten verdoppelt habe. Grund selbst bezeichnet sich als unterrichts­historisch arbeitenden Germanisten, der aber eher unbekannt ist. Seine Vor­gehensweise, nämlich Schülerarbeiten aus den 70er-Jahren mit Daten aus den Jahren 2004 bis 2006 zu vergleichen, ist in Experten­kreisen umstritten. Die Zu­nahme der Fehler allein der Recht­schreibreform zu­zuschreiben, hält Kerstin Güthert, Geschäfts­führerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, für falsch. „Grund kommt 2006 zu dem Schluss, dass die Fehler­quote in Abi­turaufsätzen aus dem Jahr 2005 dreimal so hoch ist wie in Abitur­aufsätzen aus dem Jahr 1962 und doppelt so hoch wie in Abitur­aufsätzen aus dem Jahr 1978“, sagt sie. „Doch zwischen 1962 und 1978 hat es keine Reform der Rechtschrei­bung gegeben.“ Das Institut zur Quali­tätsentwick­lung im Bildungs­wesen in Berlin hat 2009 im Auftrag der Kultus­ministerien ermittelt, dass beispiels­weise die Lese­kompetenz von Neunt­klässlern in Branden­burg, Hamburg, Berlin und Bremen signifikant unter dem deutschen Mittelwert liegt, Bay­ern, Baden-Württemberg und Sachsen aber darüber. Weshalb die Kompeten­zen der Schüler so schwanken, hat aber noch keine Studie ermittelt.

Peter Schmacht­hagen, Berliner Morgen­post, 24. 10. 2017

Wenn beide Schreib­weisen, egal, welche man wählt, richtig sind, können die Deutsch­fehler nicht zu­genommen haben […].

Laura Réthy, Berliner Morgen­post, 31. 7. 2018

Welche Auswirkungen die Reform auf die Schreibfähigkeit von Schülern hatte, darüber wird noch heute gestritten. […] „Aber hier spielen ganz andere Faktoren als die Reform der Recht­schreibung eine Rolle“, sagt Schlobinski. Soziale Fakto­ren und Bildungs­defizite sowie die Digi­talisie­rung. „Orthografiede­fizite mit der Reform zu koppeln, halte ich für wider­sinnig.“ Es gebe keine Studie, die einen kausalen Zusammen­hang beweise.

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