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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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Franzobel

: Des Staatsfunks neue Kleider. Die Presse,
Alles wird schlechter, die Tomaten, das Wetter sowieso, die Süßigkeiten werden kleiner, die Eissorten unserer Kindheit sind nicht mehr, die Rechtschreibung, seit sie zweimal durch den Fleischwolf Reform gedreht worden ist, wurde zu Faschiertem, aus dem man bestenfalls vermantschte Regeln klauben kann, immer unverständlicher ist auch die Sprache, durchsetzt von Wörtern aus der anglophilen Märchenwelt: thumbnail (dumme Nadel? oder thumber Nagel? nein, Daumennagel), money-shot, plugin, screenshot, briefing usw. […].
: Schreibet recht und tuet Gutes! Der Standard, (1195 wörter)
Gott ist unbeweisbar, die politischen Strukturen bröckeln, alle Grenzen verstückelt, un­durchsichtig das Weltall, die Lebensmittel nur noch Geschmacks­verstärker, wer weiß, wie lang die Flüsse noch stromabwärts fließen, und auch sonst, wenn sogar Griechenland Europameister wird, kann man sich auf nichts und niemand mehr verlassen und dann auch noch die Rechtschreibung? Alles, was Recht ist. […] Die Argumente dagegen kamen aus allen Löchern, reichten vom Vorwurf der In­konsequenz über die Ästhetik, Unvermittelbar­keit, hoher Kosten bis zum Wozu brauchen wir jetzt das. Im Kern aber wurde und wird Sprache wohl als etwas Gott­gegebenes und Unab­änderliches angesehen, als virtueller Gradmesser seiner eigenen Gültigkeit, Kindheits­relikt, Restidentität, Erbgut, was auch in der immer latenten Angst vorm Sprachverfall zutage tritt - ohne einzusehen: Sprache ist lebendig, verändert sich, sonst würden wir immer noch so sprechen wie im Hildebrands­lied oder im Muspili.
: Alles, was Recht ist. Wem die deutsche Sprache wirklich am Herzen liegt, der hat Wichtigeres zu tun, als Schreibreformen zu reformieren, meint Franzobel. Die Welt, , nr. 177, Literarische Welt, s. 1 (1299 wörter)
Nun ist die einheitlich normierte Rechtschreibung im Deutschen gerade einmal 100 Jahre alt, sind diese Dinge eher Lappalien oder, sofern sie nicht schon längst unmerklich in Fleisch und Sprachblut übergegangen sind, wenigstens an einem Vormittag erlernbar. Von der ursprünglichen Forderung nach einer konsequenten Kleinschreibung, einer phonetischen Transkription und der Abschaffung des Beistrichs war dieser Reförmling ja sowieso noch weit entfernt, trotzdem wurden ein paar Freiräume geschaffen, die jetzt zu revidieren völlig blödsinnig wäre. Ohne gleich Zé de Rocks "Neusprach" zu verfallen, wäre statt der Rücknahme eher eine zweite, konsequentere Reform zu überdenken. […] Diskussions­würdiger ist eher, ob eine normierende Rechtschreibung, die rechtsprecherisch unentwegt in falsch und richtig einteilt, überhaupt Sinn ergibt - ob es nicht vernünftig wäre, die an die korrekte Rechtschreibung geknüpften Vorurteile und Bewertungen zu hinter­fragen. Denn von dieser oder auch der nächsten Rechtschreib­reform wird die deutsche Sprache kaum und die Dichtung schon überhaupt nicht bedroht, da machen mir die Budget­kürzungen der Goethe-Institute, der Abbau der Auslandslektorate, der Kulturteil- und Feuilleton-Schwund sowie die Total-Anglisierung schon größere Sorgen.

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