APA, derstandard.at,
50 Prozent votierten dafür, dass man es in der Zukunft „jedem überlassen soll, wie er schreiben möchte“.
Warum sind das nicht 100 prozent?
APA, derstandard.at,
50 Prozent votierten dafür, dass man es in der Zukunft „jedem überlassen soll, wie er schreiben möchte“.
Warum sind das nicht 100 prozent?
Ernst Gottfried Mahrenholz, Süddeutsche Zeitung,
Natürlich behält der Bürger die Freiheit, etwa das „ß“ in seiner persönlichen Korrespondenz so zu gebrauchen wie bisher. Hat er sich aber in seinem Beruf zu äußern, muß er dudengerecht schreiben […].
Im beruf muss man tun, was der chef sagt – wenn man einen chef und nicht viel einfluss in der firma hat. Siehe unsere stellungnahme zu den nöten einer bibliotekarin, FAZ, 2002-03-30
Lars Großkurth, Bundesverband deutscher Pressesprecher, Bild,
Wir brauchen Klarheit für unsere Arbeit. Es kann nicht sein, dass jeder schreiben darf, wie er will.
Es kann nicht nur sein, es ist so.
Dieter E. Zimmer, Die Zeit (zeit.de),
Theoretisch könnte jeder sehr wohl seine eigene Rechtschreibung erfinden, könnte jede Institution ihre eigenen Normen erlassen. Aber mehrere Orthographien nebeneinander kann es nicht geben. In der Schule eine Orthographie zu unterrichten, die später im Leben nicht mehr gilt, wäre sinnlos.
Praktisch ist die welt nicht eingeteilt in dinge, die man erfinden darf, und solche, die man nicht erfinden darf. Selbstverstöndlich kann es mehrere ortografien nebeneinander geben. Es ist sinnvoll zu lernen, dass später im leben nicht mehr alles gilt, was man uns als kind beigebracht hat.
Leo Weisgerber, in Ernst Pacolt, Beiträge zur Erneuerung der deutschen Rechtschreibung,
Im Verhalten zu den objektivierten Gebilden ist der Mensch durch zwei gleich wichtige Aufgaben beansprucht: als Wahrer der Tradition und als Wahrer der Freiheit seinen eigenen Schöpfungen gegenüber.
Dankwart Guratzsch, Die Welt,
Gelassen dozierte der Vorsitzende der 6. Kammer [des verwaltungsgerichts Hannover], Helmut Weidemann, Sprache und Schrift hätten etwas „mit der Würde und der freien Entfaltung eines jeden Menschen“ zu tun. Sie seien älter als der Staat und unterlägen eigenen Entwicklungsgesetzen. Weidemann erinnerte an Jakob Grimm, der die Sprache als „Gut und Erbe aller Menschen“[,] und den Philosophen Martin Heidegger, der sie als „Haus des Seins“ bezeichnet habe. Der nachdenkliche Jurist schlußfolgerte daraus, es sei deshalb keiner Regierung erlaubt, in der Rechtschreibung einfach herumzudoktern.
Daniel Thürer, Schweizer Monatshefte,
Die Einheitlichkeit des Sprachgebrauchs ist als Grundwert weniger gewichtig als die persönliche Freiheit. Das gilt auch für die einheitliche Schreibweise.
Jost Nolte, Berliner Morgenpost,
Jens Jessen, Die Zeit,
Der größte Gewinn der Rechtschreibreform besteht in dem, was die Reformgegner am meisten aufregt. Es ist die Liberalisierung der Schreibweisen. […] Es gibt also einen antiautoritären Zug in der Reform. Er wird noch dadurch verstärkt, dass es neben der gewollten eine ungewollte Liberalisierung gibt. Von vielen wird die neue Orthografie nicht oder nur fragmentarisch angewandt. Man nennt das Rechtschreibschwäche; sie gab es immer und überall. Nicht aber wird aus der behaupteten Unverständlichkeit der neuen Regeln ein Argument für die alten, denn diese waren viel komplizierter. Wer die neuen nicht versteht, wird auch die alten kaum begriffen haben.
Sascha Tegtmeier, die tageszeitung,
Ingo Wagner, Deutschlandfunk, , 14:05 uhr, sendung Pisaplus
Constantin Seibt, Tages-Anzeiger,
Seit ihrer Erfindung war die Schrift etwas Ernstes. Reserviert erst für Heiliges, dann für Offizielles, schüchterte sie ein. Dadurch reinigte sie: als Filter für Gedanken. Das ist vorbei. Nie wurde die Schrift so flüchtig gehandhabt wie heute. In Chats, E-Mails, SMS funktioniert Schrift wie gesprochene Sprache. Rechtschreibung und Grammatik sind oft Privatsache. […] Was passiert, ist nicht der Verfall der Schrift, sondern nur einiger ihrer Konventionen. Und ihre Auferstehung: als gemeinsames Abenteuer.
Thomas Jefferson, brief an James Madison,
I prefer dangerous freedom over peaceful slavery.
Gerhard Schwarz, Neue Zürcher Zeitung,
Ein […] Vorteil einer freien Ordnung ist ihre Fortschrittsträchtigkeit. Sie erlaubt Versuch und Irrtum, die Suche nach Neuem. [Dazu] gehört […], dass Freiheit als pathetischer Begriff […] zwar eine gewisse Attraktivität besitzt, dass sie im Alltag aber oft als unbequem empfunden wird. «Die Qual der Wahl», «sich entscheiden müssen» – Redewendungen verraten, dass das, was der Liberalismus als Lust versteht, von vielen als Last empfunden wird. Stattdessen streben die meisten Menschen nach dem, was Wirtschaftsnobelpreisträger James M. Buchanan «Parentalismus» nennt. Andere Personen, der Staat oder transzendente Kräfte sollen eine elterliche Rolle übernehmen und Entscheidungen abnehmen. […] Dem Verkaufserfolg entgegen steht ferner die Langfristigkeit liberalen Denkens. Dieses ist mehr auf Risiko und Innovation als auf Erhalt des Erreichten ausgerichtet. […] Die liberale Ordnung trägt dem «Normalmenschen» […] am besten Rechnung und verlangt weder ein besonderes gesellschaftliches Bewusstsein noch neue Menschen.