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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → fraktur
nachgeführt
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fraktur

definition
Schriftart. Im zusammenhang mit der recht­schreibung (auch bezüglich antiqua-fraktur-streit) werden darunter in einem weiteren sinne gebrochene schriften, gotische schrift, deutsche schrift, schwabacher, sütterlin usw. subsummiert.
beispiel
Bund für vereinfachte recht­ſchreibung, Zürich
text in fraktur
Stellungnahme zu «Katzenjammer» (edgefonts.net/unifrakturmaguntia)
orto­grafische besonder­heit
s-schreibung: ſ, s, ß
verweise

stichwort schriftsteller

institutionen: Bund für deutsche Schrift und Sprache e. V.

Ralf Herrmann, Das Märchen von den Deutschen Schriften, typografie.info, 6. 7. 2013

Ralf Herrmann, Nach welchen Regeln setzt man heute gebrochene Schriften? typografie.info, 9. 2. 2014

de.wikipedia.org/wiki/Fraktur_(Schrift)

de.wikipedia.org/wiki/Antiqua-Fraktur-Streit

www.frakturschriften.de


Zitate

Auch der Übergang der Lateiniſchen Lettern in die ſogenannten Deutſchen, der überhaupt nicht be­abſichtigt war und nur allmählich vor ſich gieng, geſchah nicht etwa dadurch, daß man die bisherigen Lateiniſchen Lettern brevi manu abſchaffte und durch andere, die man nun erfand, erſetzte — das hätte ja weder Zweck noch Sinn gehabt, — ſondern er hatte ſeinen Grund in den anfangs nach Erfindung der Buchdrucker­kunſt noch un­voll­kommenen Typen, die zu eckig waren, als daß man damit die ſchönen runden Lettern der Lateiniſchen Schrift treu wieder zu geben im Stande geweſen wäre. Aus den auf dieſe Weiſe etwas eckig gerathenen Lettern entwickelte ſich dann nach und nach eine von der ur­ſprünglichen Lateini­ſchen immer mehr ab­weichende beſondere Schrift, die man Deutſch nannte, weil es der gutmüthige Deutſche ſich gefallen ließ dieſe ent­ſtellten Lateiniſchen Lettern — das ſind ſie ja doch im vollen Sinne des Wortes — in Gebrauch zu nehmen und ſich ſogar angelegen ſein ließ dieſelben kalli­graphiſch aus zu bilden und auf zu putzen.

Leider nennt man diese verdorbne und ge­schmacklose schrift sogar eine deut­sche, als ob alle unter uns im schwang gehenden misbräuche zu ur­sprünglich deutschen ge­stempelt, dadurch empfoh­len werden dürften. nichts ist falscher, und jeder kundige weisz, dasz im mittel­alter durch das ganze Europa nur éine schrift, nemlich die lateinische für alle sprachen galt und gebraucht wurde.

, Zur ortho­graphischen Frage.,

Die Gründe der Gegner der deutſchen Schrift haben uns, obwohl ein Grimm an ihrer Spitze ſteht, nicht zu über­zeugen vermocht. […] Wir meinen aber, daß dieſe Schrift­züge, deren Ungeſtalt beiläufig ſo gefährlich gar nicht iſt, nunmehr ein durch Verjährung erworbenes und daher jetzt völlig un­antaſtbares Beſitz­thum unſeres Volkes geworden ſeien, was ſich dasſelbe nun und nimmer rauben laſſen wird.

meinestheils zweifle ich nicht an einem wesentlichen zusammen­hang der ent­stellten schrift mit der zwecklosen häu­fung der groszen buch­staben, man suchte darin eine vermeinte zier und gefiel sich im schreiben sowol an den schnörkeln als an ihrer ver­vielfachung. we­nigstens die der edlen lateinischen schrift pflegenden völker kamen gar nicht auf den gedanken einer so sinn­losen ver­kleisterung der substantive. Kaum ein leser dieses wörter­buchs wird an den lateinischen und kleinen buch­staben ärgernis nehmen oder sich nicht leicht darüber hinaus­setzen, allen un­befangnen aber musz die daraus ent­sprungne sauberkeit und raum­ersparnis angenehm ins auge fallen. hat nur ein einziges geschlecht der neuen schreib­weise sich bequemt, so wird im nach­folgenden kein hahn nach der alten krähen.

In den Kreiſen des Handels, der Industrie, bei allen kauf­männischen Berufen bedient man ſich mehr und mehr aus Zweck­mäßigkeits­gründen der ſogen. latei­nischen Schrift­formen. Die Antiqua ist die Welt­letter, die wir anwenden müssen, wenn wir im Wett­bewerb der Völker mehr zur Geltung kommen wollen. Unſere ſogen. deutsche Schrift, die Fraktur, ist eine Tiftelei provençali­scher Mönche. Sie machte ſich eine zeitlang auch in den andern euro­päischen Ländern breit, ist aber schließlich nur von uns bei­behalten und zur National­schrift erhoben. Auch ſie könnte für die Allgemein­heit fallen.

, Neue Zürcher Zei­tung,

Die Zeit, da uns ein Absolutismus der Fraktur lästig fiel, ist vorbei. Es kann sich nur noch darum handeln, ihr den be­scheidenen Platz, den Geschmack, Traditions­sinn und Freude am Bunten ihr zuweisen möchten, in der Zeit einer alles glatt­walzenden Welt­zivilisation zu wahren. Die Fraktur ist gewiß keine größere Eigenbrötelei als das Fest­halten der Engländer an ihrer Ortho­graphie, ihrem Duodezimal­system und ihren Gewichts­einheiten. Wir glauben sogar, daß sie weit weniger lästig und ab­schließend wirkt.