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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

stichwort → schriftsteller
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schriftsteller, dichter

Michael Hochgesang, Welt und Wort, 1973, nr. 2, s. 136

Die eigentlich Zu­ständigen für jede Recht­schreib­reform sind nicht die Lehrer und nicht die Philologen, sondern die­jenigen, die in und mit der Sprache und der ihr zu­gehörigen Recht­schrei­bung die großen schriftlichen Zeugnisse und Kunst­werke für kommende Genera­tionen prägen.

Jacob Grimm, 1854

Was sollte die än­derung den schrift­steller an­gehn, dem daran liegt seine gedanken un­gehemmt und un­gezwungen äuszern, dem es lästig fallen musz sich und seine leser durch anstände in der form, die er längst bewältigt zu haben meint, auf­halten zu lassen? Die meisten schrieben, wie sie es in der schule oder sonst im leben sich angewöhnt hatten und über­lieszen wiederum den setzern die schreibart nach blieben zu verändern, d. h. dem vor­herschenden brauch zu bequemen.

sie sind – merkwürdigerweise — von je­her meist gegner der ver­einfa­chung gewesen. […] die tonart, in der schrift­steller öffentlich zu der reform stellung nehmen, ist wenig ver­heißungs­voll für künftige aus­einander­setzungen .

Martin Walser, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Komisch, daß Schrift­steller für und gegen Nor­men streiten, an die sie sich sowieso nicht halten.

Rainer Moritz, buch­autor, leiter des Lite­ratur­hauses Hamburg, boersenblatt.net, 30. 8. 2018

[…] manche Schrift­steller unter­schrieben alle möglichen Resolutionen, die darauf drangen, um jeden Preis an der alten, vermeintlich so guten Schreibung fest­zuhalten – was manchmal verblüffte, da die Manuskripte dieser Schrift­steller keineswegs immer Sattel­festigkeit in Sachen Recht­schreibung verrieten.

Wenn Deutsch­land innen­politi­sche Probleme bewegen, dann ruft man gern nach den Intellek­tuellen; die wissen sich dann aufgerüttelt, und auch die Dichter er­heben mit hellem Klang ihre Stimme in Form von Unter­schriften. […] So ist es dann eine Situation von herber Komik, wenn unsere Schrift­steller sich zur Ver­teidigung eines über­kommenen Zustandes rüsten, den keine Kategorie unser Bürger in Tradition und Selbst­verständnis je so konsequent und triftig in Frage gestellt hat wie eben sie. Um nur von unserem Jahr­hundert zu reden: Der sprach­schöpferische Impetus des Expressionis­mus hat die her­kömmlichen Schreib­regeln mit der gleichen Energie gesprengt wie anderseits der marmor­meißelnde Stilwille Stefan Georges oder Rudolf Borchardts sie souverän ignorierte. Und konsequent zieht der buch­stäbliche Eigenwille, der sich dem gültigen Regel­kanon verweigert, durch die Jahr­zehnte bis in unsere Tage. Das gilt für Bert Brecht (bert brecht) wie für Tucholsky, gilt für Arno Schmidt wie für Ernst Jandl. […] Ginge es mit rechten Dingen zu – aber wann tut es das schon –, müßten die Schrift­steller die Ersten sein, eine Sprengung der beklem­menden Duden-Bande als Befreiung zu empfinden und die Aufhebung dieses peinlichen Monopols fordern.

Ebel, Martin, Der Bund, 6. 5. 2017

Auch grosse Schrift­steller, da­von er­zählen Lek­toren hinter vor­gehaltener Hand, schreiben durch­aus kein fehler­loses Deutsch.

Marcel Reich-Ranicki, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Als man sich 1954 schon ein­mal, wieder ein­mal Ge­danken über die deutsche Recht­schreibung machte, war Thomas Mann empört. […] Thomas Mann hat die Recht­schreibung, wie aus Tage­büchern ersichtlich, keines­wegs be­herrscht. Er war damals 79 Jahre alt. In diesem Alter sieht man den Boden der Suppen­schüssel und hat keine Lust, sich die Regeln einer neuen Recht­schreibung anzueignen. Ob vielleicht auch damit die späte Entrüstung unserer Schrift­steller zusammen­hängt? […] Unsere lieben Schrift­steller aber seien an ein weises Wort er­innert. In seinem Trauer­spiel "Wilhelm Tell" läßt Goethe den greisen Marquis Posa sagen: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Siehe auch stichwort generation.

de.wikipedia.org, Fraktur_(Schrift)

Der Autor Hermann Hesse bestand noch lange nach dem Krieg darauf, dass seine Werke in Fraktur gedruckt würden. Auch viele Klassiker fanden in den 1950er Jahren als Fraktur­ausgaben noch sehr guten Absatz, so eine Theodor-Storm-Gesamt­ausgabe von 1953. Die evangelischen Kirchen hielten noch längere Zeit an der deutschen Schrift fest. So erschienen viele deutsch­sprachige Bibel-Über­setzungen bis in die 1960er Jahre in Fraktur.