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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 8. 2004
nachgeführt , 2021-01-20
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Aus presse und internet

31. 8. 2004

: Streit um Rechtschreibreform. Akademie sucht Kompromiss. Basler Zeitung, , s. 33, Feuilleton (73 wörter)
Schriftsteller wie Günter Grass, Martin Walser, Tankred Dorst, Siegfried Lenz und Elfriede Jelinek forderten dagegen erneut eine «völlige Rücknahme der inhaltlich verfehlten und teuren Rechtschreib­reform».
: In Kürze. Kompromiss gefordert bei Rechtschreibung. Tages-Anzeiger, , s. 54, Kultur (92 wörter)
Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung warnt vor einer Spaltung der deutschen Sprache. Gleichzeitig hat sie einen Kompromiss im Streit um die Rechtschreib­reform gefordert.
: Kein Schisma. Frankfurter Rundschau, , s. 15, Feuilleton, Times mager (429 wörter)
Friedrich Dieckmann, Vizepräsident der Sächsischen Akademie der Künste, fuhr schweres Ge­schütz auf. Seit letztem Jahr liege der Kompromiss­vorschlag von neun deutschen Akademien der Künste und der Wissen­schaften zur Recht­schreibung vor — von staatlicher Seite sei man aber nur "rüde abgefertigt" worden. […] In der Berliner Akademie der Künste fanden gestern vorwiegend Repräsentanten der Darmstädter Akademie zusammen, um mit Verve für ihren und ihrer Kollegen Kompromiss­vorschlag zu werben.

30. 8. 2004

: Meine Titelstory. Tages-Anzeiger, , s. 17, Bellevue (333 wörter)
Mit dem Namen Meier werde ich eh nie ein Star? Wahrscheinlich haben Sie Recht, und ich sollte mich mal um etwas Vernünftigeres kümmern als um mich. Um die deutsche Rechtschreib­reform zum Beispiel. Ein sexy Thema, oder? Wird aber von jedem Klatsch­heftli kommentiert, und jeder minimal bekannte TV-Serien-Heini und jedes Castingshow-Heidi darf seinen Senf dazu geben. Ich nicht. Noch nicht.
: Frieden ist möglich. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellt ihren Kompromissvorschlag im Streit um die Rechtschreibreform vor. Berliner Zeitung, , Feuilleton (861 wörter)
An diesem Morgen keimt im fünften Stock des ersten Gebäudes der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, in einem winzigen Büro des Romanischen Seminars, die Hoffnung auf baldigen Frieden — dauerhaft und ehrenvoll für beide Lager. Denn Hans-Martin Gauger, emeritierter Professor für Romanistik und Sprach­wissenschaft, stellt einen Kompromiss­vorschlag vor, den er mit einigen Kollegen im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt erarbeitet hat. "Das ist", sagt Professor Gauger, "ein Angebot, das beide Seiten akzeptieren können müssten. Denn es ist vernünftig." […] Das Angebot, das Gauger im Namen der Akademie unterbreitet, ist jedenfalls sehr übersichtlich (es steht auf 141 Seiten) und — sollte es am Ende angenommen werden — ein Meilen­stein in der Geschichte des Kompromiss­wesens.

Wenn die gegner nicht, wie sie selbst zugeben, geschlafen hätten, hätten sie schon manchen meilenstein in der geschichte des kompromisswesens miterlebt. Das ist nicht vernunft, sondern eine asymptote.

: "Völkischer Aufbruch." Der Spiegel, , nr. 36, s. 161 bis 164, Kultur (1512 wörter)
Während der NS-Zeit planten linguistische Eiferer eine radikal veränderte Rechtschreibung. Zwar stoppte Hitler selbst das Projekt - aber die Ideologen machten nach Kriegsende weiter. […] "So viel Material zu finden, das hätten wir kaum für möglich gehalten", erzählt Markner, 37. […] was sie entdeckten - und in einem präzise recherchierten Buch auch publik machten - liefert ein geschichtliches Lehrstück der ungewohnten Art. […] Erst die 68er-Bewegung brachte einer neuen Generation von Reformern den nächsten Auftritt. Mit der Botschaft, Schüler sollten weniger Fehler machen, nutzten die Schreibänderer nun die linke Vision der Chancengleichheit als Vehikel ihrer Pläne. Und diesmal drang das "Volksbeglückungsprojekt" (Markner) nach Jahren der Lobbyarbeit tatsächlich durch: Mit vielen Abstrichen wurde 1996 eine Schrumpf-Version des Neuschriebs beschlossen; 1998 trat sie in Kraft. Die Folgen spüren Leser und Schreibende bis heute. Reinhard Markner meint lächelnd: "Eigentlich hätte Helmut Kohl die Sache damals leicht stoppen können - mit ein paar gezielten Anrufen."

Die idee mit dem kanzlerbefehl analog dem führerbefehl lässt befürchten, dass sich seit dem untersuchungs­zeitraum nicht viel geändert hat in Deutschland – oder vielleicht auch nur bei leuten wie Reinhard Markner.

28. 8. 2004

: Mit dem neuen amtlichen Führer durch die deutsche Sprache. Basler Zeitung, , s. 37, Feuilleton (1097 wörter)
Von diesem Wochenende an ist der neue Duden erhältlich: Ein Lektüreversuch nebst ein paar Anmerkungen zur Rechtschreib­reform. […] Wenn selbst die deutsche Oppositionsführerin Angela Merkel verlauten lässt, «nichts sei schlimmer als weitere Ver­unsicherung über die Schreibungen», dann hat es das Thema in die obersten Ränge geschafft und der Duden-Verlag seine Geschäfts­grundlage gesichert. Denn wer oder was soll bei so viel schlimmer Ver­unsicherung helfen wenn nicht der Blick ins bewährte gelbe Lexikon? […] Wir können uns noch immer schlimmere Dinge vorstellen als weitere Ver­unsicherung beim Schreiben. […] Frau Merkels «schlimme Verunsicherung über die Schreibung» deutet eher auf beeinträchtigte Sprach­kompetenz als auf Unheil aus der Rechtschreib­reform.
: Rechtschreibreform: Kompromissvorschlag. Tages-Anzeiger, , s. 50, Kultur (89 wörter)
Im Streit um die Rechtschreib­reform wird die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am kommenden Montag in Berlin einen Vorschlag für einen Kompromiss vorlegen.
: Rechtschreibregeln weltweit. (Deutsche Welle), , Kultur
Die deutsche Rechtschreib­reform bewegt die Sprachhüter. Doch auch andere Länder haben mit veränderten Schreibregeln zu ringen. Zum Teil - wie bei Englisch, Spanisch oder Portugiesisch - über Staatsgrenzen hinweg.
: Sommer pur. Frankfurter Rundschau, , s. 8, Rund-Schau (322 wörter)
Auf dass die Erregung über die Rechtschreib­reform noch in den Altweiber­sommer – und damit, so viel Kalauer muss sein, ins Altweiber­sommerloch – hinüber­gerettet werden kann, wendet sich die Deutsche Akademie für Spra­che und Dichtung in dieser Angelegen­heit am Montag, 30. August, in Berlin an die Presse, jenes Institut also, das die Debatte – aber auch die deutsche Sprache – um den Begriff "Rückbau der Reform" be­reichert hat.
: Experten für so genannten „Rückweg zur Vernunft“. Frankfurter Rundschau, , s. 15, Feuilleton (221 wörter)
Für einen "klaren Neuanfang" und einen "Rückweg zur Vernunft ohne Gesichtsverlust" bei der um­strittenen Rechtschreib­reform wollen Sprach­experten an diesem Montag in Berlin plädieren. Dabei wird die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung im Vorfeld der nächsten Treffen der Minister­präsidenten und der Kultus­konferenz noch einmal an ihren Kompromiss­vorschlag von 2003 erinnern.

27. 8. 2004

: Bewährte Änderungen. Ende des Glaubenskriegs um die Rechtschreibreform? Morgen erscheint die neue Auflage des Duden. die tageszeitung, , nr. 7446, s. 16, Kultur (753 wörter)
Angesichts der pragmatischen Begründungen, mit denen der Duden die amtlichen Regelungen von 1996 umsetzt, fällt die vom FAZ-Redakteur Johann Georg Reißmüller begonnene und von seinen Kollegen Heike Schmoll und Hubert Spiegel fort­gesetzte Kampagne gegen die Rechtschreib­reform wie ein Kartenhaus in sich zusammen. An linguistischen Argumenten fehlte es ohnehin von Anfang an. […] Die Reformer traten mit dem Anspruch an, die Recht­schreibung zu vereinfachen. Dieser richtige Anspruch ist unzulänglich umgesetzt worden, aber das liegt weniger an den Reformern als am mangelnden Mut der Kultusminister­konferenz zu einer großen Lösung, die wenigstens die gemäßigte Kleinschreibung und die Streichung des ß enthalten müsste. Lehrer bestätigen, dass das Zusatz­häppchen Vernunft, das die Reformen erlauben, den Rechtschreib­unterricht erleichtert hat — für die Kinder.

26. 8. 2004

: Keine Sprachreglementierung durch Staat. St. Galler Tagblatt, , leserbriefe (106 wörter)
[…] die Urfrage zu stellen, die ich hiermit in Form einer Bitte ausdrücke: Man begründe mir logisch schlüssig die Not­wendigkeit der Reglementie­rung der Rechtschreibung durch den Staat. Ich freue mich auf die Erläuterungen.

Ob eine notwendigkeit besteht, ist schwer zu sagen. So oder so hat aber irgendjemand die schulpflicht erfunden, und irgendwer sagt(e) dem lehrer, dass er den schülern die schreibungen Thür, illustrirt und Schiffahrt beibringen muss(te) bzw. später Tür, illustriert und jetzt halt Schifffahrt. — Als vor jahren die realschule Muttenz tür (also klein) schreiben wollte, griff der staat reglementierend ein.

: Zeit der Todesengel. Vor der Debatte zur Sterbehilfe. Frankfurter Rundschau, , s. 15, Feuilleton (675 wörter)
Dass ein Kranken­pfleger im bayerischen Sonthofen eine noch ungeklärte, aber hohe Anzahl von Senioren, die sich in seiner Obhut befanden, vom Leben zum Tod befördert habe. […] Die Debatte, die von den Nachrichten aus Sont­hofen hätte stimuliert werden können – wäre die öffentliche Aufmerksam­keit nicht gerade von der Rechtschreib­reform und Hartz IV absorbiert worden –, diese Debatte handelt von der Sterbehilfe und ist ja keines­wegs ab­geschlossen.
: Nur nicht fährtig machen! Die Furche (), , Gesellschaft (1287 wörter)
Orthographie ist (anders als Geographie) keine eigentliche Wissenschaft, sondern eine Anweisung mit normativem oder empfehlen­dem Anspruch. […] In diesem Verständnis ist die neue Rechtschreibung keine dramatische, gar revolutionäre Veränderung, sondern eine gemächliche Justierung, die vielleicht manchmal vorsichtiger, in anderen Punkten fort­schrittlicher hätte sein können. Eine Rück­nahme der Reform brächte wenig. Vor allem aber soll die jetzt heran­wachsende Generation, sollen die Schüler und ihre Eltern nicht unnötig (und mit hohen Kosten) ver­unsichert werden. Denn bei aller möglichen Kritik: an der Schreib­weise einzelner Wörter hängen weder hohe ethische Werte noch künftige kulturelle Perspektiven des Abend­landes.

24. 8. 2004

: Wortwechsel im Sprachenstreit. Basler Zeitung, , s. 33, Feuilleton (268 wörter)
Der Streit um die deutsche Rechtschreibung, der gegenwärtig je nach Weltgegend mehr tobt oder dümpelt, wird nicht mit lebens­bedrohenden Waffen ausgefochten, sondern mit den un­blutigen Waffen des Wortes. Das ist das Gute, das Friedliche und Zivile an diesem eigen­tümlichen Krieg, der durchaus feindliche Lager, Angriffslinien, Verteidigungs­bastionen und Überläufer kennt.
: «Die Reform ist beschlossen.» Tages-Anzeiger, , s. 58, Kultur (260 wörter)
In Wien beriet eine Beamtenrunde aus der Schweiz, Deutschland und Österreich über die Rechtschreib­reform. […] Auf der Tagesordnung: Die Umwandlung der trilateralen Rechtschreib-Kommission in einen permanenten Rat für die deutsche Rechtschreibung. […] Laut dem Schweizer EDK-General­sekratär Hans Ambühl wurde am Treffen noch nicht entschieden, wie der Rat personell zusammen­gesetzt sein soll.

23. 8. 2004

: In Kürze. «Rat für deutsche Rechtschreibung.» Tages-Anzeiger, , s. 46, Kultur (63 wörter)
Aus Protest gegen die Rechtschreib­reform ist in München ein «Rat für deutsche Recht­schreibung» gegründet worden. Der Verein will sich für die Wieder­herstellung der Recht­schreibung einsetzen, wie sie vor der Reform üblich war.
: Herrschaftswissen. Frankfurter Rundschau, , s. 7, Standpunkte, Leserbriefe (173 wörter)
Man sollte, statt auf der Schifffahrt herum­zuhacken, mal Bal­lettanz und Bal­letttruppe – ein Unsinn der alten Recht­schreibung hervor­heben.
Auch Loriot hilft Schreib-Rebellen. Münchner Merkur (merkur-online.de), , Politik
Die Wahl ihres Gründungsorts war bereits Programm: Statt eines elitären Restaurants wählten die acht Sprach-Experten das Paulaner Bräuhaus in München, um den unabhängigen "Rat für deutsche Rechtschreibung" ins Leben zu rufen (wir berichteten). Die Kritiker der neuen Rechtschreibung kämpfen für die Rückkehr zu den alten Regeln - und geben sich volksnah: "Wir vertreten den erklärten Willen der Mehrheit der Deutschen", betont der neue Vorsitzende Hans Krieger.

21. 8. 2004

: Können Politiker Wörter liquidieren? Eine Replik auf Peter von Matt. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 194, s. 46, Feuilleton (884 wörter)
Durch den ganzen Beitrag von Peter von Matt zieht sich ein Gedanke, der im Feuilleton ebenso wie offenbar in der Literatur­wissenschaft unproblematisiert gilt, dass nämlich (Recht-)Schreiben Sprache ist. Folgerichtig ist dann bei Peter von Matt die Rede davon, dass die Orthographie­reform «Eingriffe in den Wortschatz» gemacht habe, «Wörter zerstört» habe und dass von den Erziehungs­direktoren «nicht ersetzbare Wort­verbindungen verboten» worden seien. Dem­gegenüber möchte ich festhalten: Zwischen Sprache und (Recht-)Schreibung ist scharf zu unterscheiden. […] Es fehlte nicht an Einladungen zur Vernehmlassung, wohl aber an Resonanz. Insofern haben sich die Schweizer Erziehungs­direktoren durchaus korrekt verhalten.
: Die Wahl der Mittel. Doris Knecht stellt fest, dass Trotzkinder und Erwachsene meist aus den gleichen Gründen in Rage geraten. Das Magazin (Tages-Anzeiger), , nr. 34, s. 35
[…] bin ich stets aufs Neue überrascht, wie unter­schiedlich die Menschen in Rage geraten: Da unterscheiden sich Erwachsene oft kaum von Zweijährigen; auch nicht in der Unverhältnis­mässigkeit ihrer Gründe. Zum Beispiel habe ich an einem Abend Michael Moores «Fahrenheit 9/11» gesehen und am darauffolgenden eine Fernsehdiskussion über die Rechtschreib­reform. Im Verlauf der Debatten­beobachtung wandelte ich mich zur entschiedenen Verfechterin der Beibehaltung der neuen Rechtschreibung, unter anderem, weil der Chefredaktor von «Bild am Sonntag» entschieden für die Wieder­einführung der alten eintrat. Er tat das mit Argumenten, deren bildungs­bürgerlicher Impetus mit dem intellektuellen Anspruch seines Blattes meiner Ansicht nach nur mässig korrespondiert, und mit einem Ausdruck gelangweilter Arroganz in seinem arttypischen Jungmanager-Gesicht, wo ich sagen muss, da packt mich spontane Gewalt­bereitschaft.
: „Österreichisches Deutsch“ & Schweizer Amüsement. In den anderen deutschsprachigen Ländern findet man die Debatte um die Rechtschreibreform nicht (mehr) lustig. Frankfurter Rundschau, , 60. jg., nr. 194, s. 6, Politik (987 wörter)
Amüsiert haben die Schweizer anfangs verfolgt, wie heftig in Deutsch­land um die Rechtschreibung gestritten wird, und den aus ihrer Sicht typisch deutschen Eiertanz als Sommer­theater belächelt. Seit der Eindruck herrscht, die Reform sei gefährdet, finden sie die Diskussion nicht mehr so lustig. Nicht begeistert hat die öster­reichische Öffentlich­keit auf die erneute Debatte in Deutschland über die Rechtschreib­reform reagiert. Vor allem mit Rücksicht auf die Akzeptanz des gedruckten Wortes bei den Schülern wollen die Zeitungs­redaktionen bei der neuen Schreib­weise bleiben.
: Sorge um Hauptschüler. Frankfurter Rundschau, , 60. jg., nr. 194, s. 7, Leserbriefe (186 wörter)
Vielmehr sorge ich mich um die unzähligen Haupt­schüler, die sich ja bekanntlich zu einem großen Anteil aus Migranten rekrutieren. Diesen kann man mit Hilfe der neuen Recht­schreibung die deutsche Schrift­sprache durchaus auch mit logischen Argumenten (Stängel, Fluss/Flüss­chen?) näher bringen, was mit der alten Recht­schreibung seltener gelang.
: Wohltuend abgesetzt. Frankfurter Rundschau, , 60. jg., nr. 194, s. 7, Leserbriefe (82 wörter)
Natürlich müssen sich Literatur­nobelpreis­träger um die 80 und Chef­redakteure kurz vor ihrer Pensionie­rung nicht mehr an neue Schreib­weisen gewöhnen, wenn sie damit über­fordert sind.
: Gut versteckt. Frankfurter Rundschau, , 60. jg., nr. 194, s. 7, Leserbriefe (102 wörter)
Die Behauptung, daß jeder sich früher an der Diskussion hätte be­teiligen können, ist der leere Mythos der ge­scheiterten Reformer, denn sie haben es stets vor­gezogen, sich in der Klausur der angeblich kompetenten Experten abzuschotten.
: Die Rückkehr. Die Welt, Literarische Welt, , nr. 195/34, s. 1, Editorial (312 wörter)
Was aber bleibt von der Diskussion dieses Sommers? Die Erkenntnis, dass es durchaus Reform­bedarf gibt und dass man mit der Negierung der bisherigen Rechtschreib­reform nicht gleich alle vernünftigen Be­gradigungen der Schreib­weisen in die Lexik-Geschichte verbannen sollte. Dass der Tod der Rechtschreib­reform nur der Beginn einer neuen Reform sein kann.

20. 8. 2004

Duden-Newsletter vom 20. 8. 2004. (Duden-Newsletter),
Es rauscht im Blätterwald. Das Thema Recht­schreibung beherrscht die Medien und erhitzt die Gemüter. In unserem heutigen Newsletter möchten wir Sie über einige Aspekte dieses Themas informieren, die in der Diskussion bisher kaum zur Sprache gekommen sind. Hierzu gehört beispiels­weise der Hinweis auf die Rechtschreib­reform von 1901, die sich bei näherem Hinsehen gar nicht so sehr von der heutigen unter­scheidet.
: Ausgerechnet Koch im windigen Zeitgeist? Frankfurter Rundschau, , s. 22, Frankfurt & Hessen (472 wörter)
Auf der Internet­seite der Landes­regierung finden sich "Zehn gute Gründe für die Rechtschreib­reform" – und noch "Zehn gute Gründe, warum es kein Zurück geben kann". […] Seit 1998 hätten rund 12,5 Millionen Kinder und junge Leute "ohne nennens­werte Probleme unsere Schrift nach den neuen Regeln gelernt", argumentiert die CDU-Regierung.
: Malaise überwinden (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (96 wörter)
Die in der Stellung­nahme der SZ-Redaktion geäußerte Zurück­haltung ist lobens­wert.
: Malaise überwinden (II). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (95 wörter)
Ich schlage vor, die neue ss/ß-Regel in das alte Regel­werk zu integrie­ren.
: Entstellte Muttersprache (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (94 wörter)
Seit der ersten Klasse Grund­schule hatte ich nie ein Problem mit der deutschen Recht­schreibung, aber heute mit 70 lese ich neue Bücher auch von jungen Autoren nahezu ausnahms­los mit daß und muß und in den Tages­zeitungen kuriose bis mir un­verständliche Schreibungen der nun so merkwürdig ent­stellten Mutter­sprache.
: Entstellte Muttersprache (III). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (56 wörter)
Der mit der neuen Orthografie immer wieder verbundene Sinn­verlust hat die neue Recht­schreibung oft zu einer „Recht­schreibung für Leute, die nicht schreiben können“ gemacht.
: Anmaßende Kultusminister (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (152 wörter)
Nicht hinzunehmen ist das Ver­halten der Kultus­minister, die sich anmaßen, dem Volk die neue Recht­schreibung endgültig aufs Auge drücken zu können. Wer hat ihnen dazu die Legitima­tion gegeben?
: Anmaßende Kultusminister (II). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (176 wörter)
Es kommt deshalb darauf an, die Regeln für das Schreiben so zu gestalten, dass der Leser die zu Papier gebrachten Gedanken des Schreibenden richtig, also unmiss­verständlich, und leicht, das heißt ohne unnötige optische Störungen im Schrift­bild, aufnehmen kann. Dabei kann nicht ins Gewicht fallen, ob die Rechtschreib­regeln mehr oder weniger leicht zu erlernen sind.
: Mehr lautgerecht schreiben (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (259 wörter)
Je laut­getreuer eine Sprache ist (etwa Latein oder Italienisch), desto leichter ist es für die Schüler, desto weniger Legastheni­ker gibt es. Also sollte die Rechtschreib­reform noch viel weiter gehen, um mehr laut­getreues Schreiben zu er­möglichen.
: Mehr lautgerecht schreiben (II). Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (31 wörter)
Unser Sohn lernt seit sechs Jahren die neue Recht­schreibung. Er hatte damit keine Probleme, was auch für seine Schul­kollegen gilt.
: Lange Übergangszeit planen. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Leserbriefe (85 wörter)
Im Ergebnis wird es uns mit der neuen Recht­schreibung ergehen wie mit dem nicht minder erfolg­losen neuen Preis­system der Deutschen Bahn: Alle werden er­leichtert sein, wenn der Spuk endlich vorbei ist.

19. 8. 2004

: Staatssprache Österreichisch. Ein Rechtschreibmanifest der Dichter. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 192, s. 41, Feuilleton (497 wörter)
«Keine deutsche Rechtschreib­reform mehr!» Jetzt proben einige österreichische Schriftsteller den Aufstand und fordern Unerhörtes: «Österreichisch» als eigene Sprache. Robert Schindel, Marlene Streeruwitz, Christian Ide Hintze und der Wiener Poet Roland Neuwirth haben sich zusammengetan, um ein Manifest auszuarbeiten […]. Auch Elfriede Jelinek und Alois Brandstetter haben bekanntgegeben, eine allzu grosse Abhängigkeit von deutscher Normierung zu empfinden. Peter Henisch sympathisiert mit dem Manifest, verwahrt sich aber doch gegen heimattümelnde Tendenzen. Robert Menasse hat in der «Süddeutschen» angekündigt, weiterhin «das grosse, weite und tiefe Deutsch» schreiben zu wollen, «das die Reformer nicht verstehen». Auf der Seite der Befürworter der neuen Rechtschreibung finden sich Wolfgang Bauer (er nennt sie «liebenswerter» als die alte) und Franzobel, dem die Änderungen jedoch nicht weit genug gehen.
: Spag(h)etti und das Erbe Dantes. Tages-Anzeiger, , s. 55, Kultur (477 wörter)
Die nationalistische Einfärbung fremder Termini etwa, bleiben wir bei den Spag(h)etti, akzentuiere die Trennung der Völker. «Was wir an lebendigem und antikem Sprach­schatz teilen, lässt uns über die Sprach­grenzen hinaus als Verwandte fühlen.»

Deshalb im italienischen ortografia und im deutschen Orthographie. Spagetti (meistens schp… ausgesprochen und gross geschrieben) sind uns so wenig fremd wie kaffee, und die schreibung ohne h ist nicht nationalistisch, sondern inter­nationalistisch — das deutsche ist keineswegs allein.

: Reform als Zarenerlass. Berliner Zeitung (), , Politik
Den bislang letzten Vorstoß zu einer Rechtschreib­reform unternahm der "Rat für Russische Sprache der Regierung der Russischen Föderation" vor vier Jahren. Grammatikalisch sinnlose Rechtschreibregeln sollten beseitigt und den Schulkindern das Erlernen der Schriftsprache erleichtert werden. Doch die Vorschläge der Kommission missfielen der Regierung. Als schließlich selbst die Gattin des Präsidenten, Ludmilla Putina, sich in der Öffentlichkeit für den Schutz der russischen Sprache vor modischen Neuerungen stark machte, zogen sich die Experten ver­schüchtert zurück.
: Weit hergeholt: Plat du Jour. Frankfurter Rundschau, , s. 29, FRPlus Kultur (564 wörter)
Der Pariser Garten verhält sich zum Berliner Straßen­beet wie der hochhackige Schuh von Manolo Blahnik zum australi­schen Ugg Boot. Man darf ihn sich getrost als Paradies vorstellen. […] Und das ist das eigentlich paradiesi­sche an diesen Gärten: Es sind zwar Orte des Rückzugs vor dem Unbill der Stadt […]. All das klingt nach der besten aller möglichen Welten. Man stelle es sich vor: Gärten, in denen Hartz IV und Rechtschreib­reform Fremdworte sind.
: Am Ende mit dem Latein. Die Furche (), , Feuilleton
Wir leben immerhin in einem Land, in dem der Kanzler verkünden kann, "Österreich" würde bei den Errungen­schaften der Rechtschreib­reform bleiben, weil er weiß, dass sich sämtliche Zeitungen des Landes in freiwilliger Gehorsams­lust der amtlichen Sprach­regelung unter­werfen.

18. 8. 2004

: Die Schreibreform. (Deutsche Welle), , Kultur
"Wired News" ist eine amerikanische Website, die zum spanischen Internet-Konzern Terra Lycos gehört und ihren Namen mit dem einflussreichen US-Magazin "Wired" teilt. "Wired News" also lässt uns […] wissen, dass es seine ganz eigene Rechtschreib­reform beschlossen habe: Statt vom "Internet" mit dem Groß­buchstaben, der im Englischen nur Wörtern am Satzanfang, Eigennamen und besonders wichtigen Dingen (wie dem "President" oder dem "Big Mac") vorbehalten ist, wolle man künftig lieber vom "internet" mit kleinem Anfangs­buchstaben schreiben und damit das Netz in eine Reihe stellen mit dem Radio (englisch: "radio"), dem Telefon (englisch: "telephone") und dem Fernsehen (englisch: "TV", aber Ausnahmen bestätigen nur die Regel). Der Grund: Das Internet (im Deutschen bitte immer noch mit großem "I"!) sei im Leben eines Amerikaners nichts spezielles mehr und müsse deshalb auch nicht durch Groß­schreibung hervorgehoben werden.

17. 8. 2004

neu : Unerträglichkeit des Jeins. Berliner Zeitung, , s. , Feuilleton (373 wörter)
Sie ist das älteste Ministergremium der Bundesrepublik, und sie hört wenig Schmeichel­haftes: rückwärts kriechende Schnecke, griechische Landschildkröte, reaktionärer Club – so hat man die Kultus­minister­konferenz (KMK) genannt. […] Der Deutsche Kulturrat […] will das Prinzip der Ein­stimmigkeit aufheben, das die Minister der 16 Bundes­länder in ihren Entscheidungen lähmt. Künftig soll es nur noch Mehrheits­entscheidungen geben. Anlass ist die Entscheidungs­schwäche der Kultus­minister in der Rechtschreib­reform.
: Abgeben nach unten. KMK abschaffen. Die Welt, , Kultur (317 wörter)
Wie glänzend stünde die KMK heute da, wenn sie der Versuchung wider­standen und die Recht­schreibung dorthin delegiert hätte, wo sie hin­gehört: ganz weit nach unten also, in die Hände der Bürger.

16. 8. 2004

: Aufregung um die Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (178 wörter)
Kürzlich wurde die kleine Maus, die der grosse Reform­berg geboren hatte, von den deutschen Kultus­ministern mit zahlreichen Kann-Regelungen bereichert, was in meinen Augen bereits verdächtig nach einer ver­steckten Konkurs­erklärung aussah.
: Ärgerliche Schreibweisen. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (125 wörter)
Die NZZ hat zum Glück die so­genannte neue Recht­schreibung nur zum Teil über­nommen. Trotz­dem gibt es einige Schreib­weisen, die mich ärgern. Es handelt sich haupt­sächlich um folgende: rau, Ja sagen, Nein sagen, fürs Erste […], aufs Neue […].

«Ja sagen», «Nein sagen» schrieb die NZZ schon immer.

: Eine praxisgerechte Presse-Norm. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (208 wörter)
Wenn die einfluss­reichen Medien­häuser des deutschen Sprach­raums ihre Haus­orthographien mit­einander ab­glichen, um eine praxis­gerechte Presse-Norm zu entwerfen, könnten sie damit wohl nach­haltigen Ein­fluss auf die weitere Ent­wicklung der deutschen Recht­schreibung nehmen, und das ohne all den Druck­versuchen von ver­schiedensten Seiten aus­gesetzt zu sein, die die Arbeit der Rechtschreib­kommission damals be­hinderten (und schliesslich die Reform auch ver­wässerten).
: Ein Glaubenskrieg. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (267 wörter)
[…] man einigte sich auf die übliche Linie der all­seitigen mittleren Un­zufriedenheit, begnügte sich mit einigen sprach­logischen Ver­besserungen und bot den Gegnern mit ein paar will­kürlichen Entscheidungen so viele Angriffs­flächen, dass der Streit erst recht ent­flammte.
: Ein Ausweg. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (179 wörter)
Was als Vereinfachung und Ver­einheitlichung an­gepriesen wurde, er­setzte bis­herige Wider­sprüche durch neue und ver­minderte die Differenzierungs­möglichkeiten der Sprache.
: Präzedenzfall für weitere Eingriffe. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (236 wörter)
Mir fällt es schwer, zu glauben, dass es am Beginn des 21. Jahr­hunderts demokratische Regierungen gibt, die der Auf­fassung sind, sie hätten eine Verfügungs­gewalt über die Sprache.
: In der Schweiz kein ß. Neue Zürcher Zeitung, , s. 22, Briefe an die NZZ (136 wörter)
Seine [EDK-Präsident H. U. Stöckling] Aussage, es sei un­denkbar, «dass an Schweizer Schulen andere Sprach­normen gelten als in Deutsch­land», bedarf einer Ein­schränkung. Eine der besten Leistungen der neuen Recht­schreibung ist es, klare Regeln für ß und ss zu bieten.
: Tohuwabohu im Druckgewerbe (I). Süddeutsche Zeitung, , s. 19, Leserbriefe (274 wörter)
Sollen wir also das ß gänzlich abschaffen? Um Masse (Maße = Abmessun­gen) von Masse (Menge, un­geformtes Substrat) zu unter­scheiden, könnten wir ja auf die Schreib­weisen Masze/Masse zurück­greifen […]. Damit ließen sich freilich Probleme bei der Schreibung von Wörtern mit ß bei Verwendung von Groß­buchstaben lösen.
: Tohuwabohu im Druckgewerbe (II). Süddeutsche Zeitung, , s. 19, Leserbriefe (170 wörter)
Ich unterrichte Deutsch und sehe mich seit Einführung der Reform außer­stande, zum Beispiel die Regeln der Getrennt- und Zusammen­schreibung zu unter­richten, weil ich sie nicht nach­vollziehen kann.
: Tohuwabohu im Druckgewerbe (III). Süddeutsche Zeitung, , s. 19, Leserbriefe (43 wörter)
Aufgabe der Schule ist es, den Schülern die vielfältigen Ausdrucks­möglichkeiten der deutschen Sprache nahe zu bringen und nicht den Weg des geringsten Wider­standes […] zu gehen.
: Bitte zum Diktat! Süddeutsche Zeitung, , s. 19, Leserbriefe (309 wörter)
Österreich und die Schweiz schauen, eher spöttisch als amüsiert, auf ein auf­geregtes Deutsch­land. […] Wer diskutiert? Es sind einige populisti­sche Politiker, wenige kon­servative Verleger und Journalisten, manche meiner Professoren­kollegen sowie einige Großschriftsteller, die sich – wie Hans Magnus Enzens­berger – noch nie um Rechtschreib­regeln gekümmert haben. Das Chaos freilich, das sie mit ihrem Aufstand gegen die Rechtschreib­reform vor allem in den Schulen anrichten, ist ihnen egal.

15. 8. 2004

: Meinungsmacher gegen Rechtschreibreform. (Deutsche Welle), , Deutschland
Immer wenn man fürchtet ins Sommerloch zu fallen, kommt jemand und füllt schnell das drohende Vakuum. In diesem Jahr machen es "Springer" und "Spiegel" gleich selbst: Sie kehren zur alten Recht­schreibung zurück. […] Besser dran sind offenbar die Öster­reicher und Schweizer: Pressehäuser in beiden Ländern hatten sich entweder gar nicht oder nur teilweise der Reform angeschlossen, auch hatten beide Länder immer schon ihre spezifischen Eigenarten der Orthografie. Und man sieht den nächsten Ent­wicklungen dort mit einiger Gelassenheit entgegen. Solche Gelassenheit wäre vielleicht auch in Deutschland angemessen gewesen: Statt die Sprache per "Anweisung von oben" reformieren zu wollen, hätten die Reformer vielleicht einfach mehr Freiheit zu geben brauchen. Oder sie hätten dem Volk "auf's Maul - beziehungsweise den Griffel - schauen" sollen […].

Genau das hat man gemacht: Man hat dem volk auf den griffel geschaut. Ein problem war nachher nur der leser­brief­griffel. Mit der neu­regelung kamen zusätzliche freiheiten – aber das war ja auch nicht recht.

14. 8. 2004

: Baustelle Sprachreform. Neue Zürcher Zeitung, , s. 17, Inland
Vor allem in Deutsch­land hat sich die Kontro­verse um Sinn und Unsinn des ganzen Unter­nehmens verschärft, seit grosse Verlags­häuser mit­geteilt haben, dass sie zur alten Recht­schreibung zurück­kehren werden - was immer dies genauer meinen mag. […] Namentlich Öster­reich, die Schweiz und Liechten­stein sind vom Ausgang der Debatte wesentlich mit­betroffen.
: Auf die Sprache hören. Ein Plädoyer für eine Lockerung der Fronten. Neue Zürcher Zeitung (), , 225. jg., nr. 188, s. 43, Feuilleton (859 wörter)
Die Schweizer Erziehungs­direktoren warnen vor einer Katastrophe, wenn die von ihnen verordneten Rechtschreibe­vorschriften nicht in Kraft gesetzt würden. Schön wär's. Die Katastrophe ist bereits da, hier und jetzt und ausgewachsen. […] Die Kinder werden bestraft, wenn sie so schreiben, wie sie es in vielen Zeitungen sehen, die zu Hause herum­liegen, und in fast allen Büchern, die ihre Eltern lesen. Die sogenannte Umsetzung der Reform bedeutet nur eines: den Beginn der Sanktionen gegenüber den Kindern, die nicht nach den obrigkeitlichen Vorschriften schreiben. […] Die Aufgabe der Schulen ist es, die Kinder einzuführen in das Lesen und Schreiben der deutschen Sprache, so wie sie in der Gegenwart gebraucht wird.

stellungnahme.

: Duden-Demo. Frankfurter Rundschau, , s. 29, Frankfurt (147 wörter)
Des Gebabbel von weesche Reschtschreib­reform geht mer aach schon widder uff die Ge­rösdede.
: In Kürze. Frankfurter Rundschau, , s. 30, Frankfurt
Die Junge Union Frank­furt […] möchte darüber hinaus, dass es eine Volks­abstimmung zur Recht­schreibung gibt.
Stefan Aust: Wir sind keine Gralshüter. Der Standard, , Album
Er ist einer der Initiatoren der erneuten Diskussion um die Rechtschreib­reform: "Spiegel"-Chefredakteur im STANDARD-Gespräch. […] Da sie die alten Bücher aber nicht mehr verändern können und sich die neue Rechtschreibung offensichtlich aus genau diesen Gründen nicht durchgesetzt hat, ist es vernünftiger, zur alten zurückzukehren als den Unsinn weiter mitzumachen. […] Im Übrigen würde kein Land der Erde auf die Idee kommen, eine neue Rechtschreibung von staatlicher Seite zu entwickeln. […] Es hat immer Entwicklungen gegeben, die irgendwann in die Regularien übernommen worden sind. Das ist auch richtig so. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob sich Sprache evolutionär entwickelt, oder ob sich eine Gruppe von selbst ernannten Experten bzw. von den Kultusministern ernannten Experten, hinsetzt und ein neues Sprachsystem entwickelt, das mit dem, was gebräuchlich ist, nichts zu tun hat. […] Der Grundgedanke derer, die die Rechtschreib­reform eingeführt haben, war eine Liberalisierung der Sprache, in der die Bandbreite, was ein Fehler ist und was kein Fehler ist, vergrößert wurde. Man könnte so liberal sein und sagen, jetzt gehört auch die alte Rechtschreibung in dieses Spektrum.

Was will uns Aust sagen? Dass das neue mit dem alten «nichts zu tun hat» oder dass es damit sehr viel zu tun hat, so dass es nur eine frage der «Bandbreite» ist? Wurde das neue system «von staatlicher Seite» entwickelt oder, was ja wirklich nicht dasselbe ist, «von selbst ernannten Experten»?

13. 8. 2004

: Rolf heißt heute Stefan. Konrad Dudens Erben können die Aufregung über „Dienst Habende“ und „allein Stehende“ nicht recht verstehen. Frankfurter Rundschau,
Eine Woche ist es her, dass die Groß-Wesire des Spiegel- und des Springer-Verlages, Stefan Aust und Mathias Döpfner, die Gegen­reformation ausriefen […]. Vielleicht, mutmaßt der Mannheimer Sprachwächter, wäre ja alles anders gekommen, hätte man für die Rechtschreib­reform wie seinerzeit für die Umstellung der Postleitzahlen einen „Rolf“ erfunden. Damals, sagt Wermke, seien auch alle gegen die fünfstelligen Orts­kennziffern gewesen, „und dann kam Rolf“, diese putzige Fünf-Finger-Figur mit Sonnenbrille und gewinnendem Lächeln. Ein PR-Coup vom Feinsten. Die fünfstelligen Zahlen, so Wermke, habe zwar keiner ohne weiteres auswendig gelernt - „aber völlig egal: Wir hatten ja Rolf, und Rolf hat uns beruhigt.“ So dumm kann's laufen: Die Rolfs dieser Tage heißen Stefan und Mathias. Und sie lächeln nicht.
: Alt, aber nicht bewährt. Frankfurter Rundschau, , s. 7, Standpunkte, Leserbriefe (246 wörter)
Bitte übernehmen Sie nicht die Reizwörter der Gegner der Rechtschreib­reform, wie zum Beispiel die "be­währte" Recht­schreibung. […] Die alte Recht­schreibung hat sich genauso wenig "bewährt" wie das "bewährte" Schul­system, das von denselben Leuten (zum Beispiel Heike Schmoll von der FAZ) für den Erhalt des "gegliederten" bzw. "tra­ditionellen" Systems ins Feld geführt wird, das uns zu dem miserablen Ab­schneiden bei Pisa geführt hat.
: Möhren und Sprache. Frankfurter Rundschau, , s. 7, Standpunkte, Leserbriefe (197 wörter)
Nichts führt "zu einer Wieder­herstellung einer ein­heitlichen deutschen Sprache", denn eine ein­heitliche deutsche Sprache hat es nie gegeben.
: Künftige Chefredakteure. Frankfurter Rundschau, , s. 7, Standpunkte, Leserbriefe (231 wörter)
Wenn diese Kinder dann selbst Chef­redakteure sind, werden sie in den Zeitungs­archiven vom Sommer 2004 lesen und sich wundern, wie man sich damals ereifert hat.
: Im Unterricht mehr Gewicht auf Schreiben und Lesen setzen. Frankfurter Rundschau, , s. 42, Offenbach, Gastbeitrag (409 wörter)
Katja Harjes leitet seit 1992 die Kinder- und Jugend­bibliothek in der Isenburger Stadt­bücherei. […] Im ge­wohnten Schriftbild […] hinter­lässt die neue Recht­schreibung wenig auf­fällige Spuren. "Fantasie", "Biografie" und "Getto" und vieles mehr sind ungewohnt, aber auch von er­wachsenen "Umlernern" sicher erlernbar.

In der tat: Phantasie/Fanta­sie und Ghetto/Getto waren vorher schon doppel­formen.

: Die Vernunft siegt. Rechtschreibreform I: Die publizistischen Marktführer einigen sich auf das bewährte Schriftdeutsch und stellen damit die Weichen für den Ausstieg. Junge Freiheit (), , nr. 34/04, s. 10, Hintergrund (1602 wörter)
Die Wurzeln der Rechtschreib­reform reichen weit zurück. Seit Bestehen der Bundes­republik befaßt sich die Kultus­minister­konferenz (KMK), von der Öffentlich­keit wenig beachtet, mit einer Reform der Recht­schreibung. Dabei griff man auf Pläne des national­sozialistischen Reichserziehungs­ministers Bernhard Rust zurück.

12. 8. 2004

: «Das Chaos ist schon da.» St. Galler Tagblatt, , Hintergrund (1707 wörter)
Eine Kommission ohne Sensibilität für Sprache hat eine Reform beschlossen, die sich nicht durchsetzen kann. Kinder lernen in der Schule eine Schreibweise, die sie in Büchern nicht finden. […] Als echte Porno-Grafen erweisen sich die Reformer auch, […] wenn eine Frau bei der Beerdigung sagt, sie habe ihrem Mann (nach neuer Regelung) immer die Stange gehalten.

Uns fehlt es wirklich an sensibilität für sprache: Wie sagt es die frau nach alter regelung?

: Richtig D(d)eutsch. Tages-Anzeiger, , s. 1, Kommentar (276 wörter)
Mindestens 60 Prozent aller lesenden Deutschen werden in Zukunft Printmedien nützen, welche die Regeln der neuen Rechtschreibung nicht mehr anwenden. […] Eloquente Chefredaktoren, unterstützt durch prominente Schriftsteller, setzen sich brillant in Szene, während eine kommunikativ unbeholfene Kultusministerkonferenz mit einer Mitleid erregenden Vorsitzenden für die Fortführung plädiert. […] Hier wird ein Stellvertreterkrieg ausgetragen: Der lamentable Zustand der Regierung Schröder provoziert eine beispiellose Aufgeregtheit in deutschen Landen. […] Unsere Kinder haben in den letzten Jahren die neuen Regeln gelernt und wenden sie problemlos an. Und wir haben nicht den Eindruck, das kulturelle Abendland sieche deswegen dahin.
: Grosse Akzeptanz an den Schulen. Tages-Anzeiger, , s. 44, Gesellschaft (1165 wörter)
Die Einführung der neuen Rechtschreibung in der Schule war in allen Ländern gut vorbereitet. […] Der Unterricht nach den neuen Regeln verläuft ohne Probleme. […] Wo Kritik geäussert wird, richtet sich diese oft nicht gegen Veränderungen durch die Neuregelung, sondern dagegen, dass die Veränderungen nicht weiter gegangen sind. Entsprechend aufschlussreich sind die geäusserten Vorschläge, die in unter­schiedlicher Gewichtung deutlich einer Weiter­führung der Reform das Wort reden. Verschwindend gering sind Voten, die eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung präferieren. […] Die Neuregelung verdient gegenüber der alten Rechtschreibung den Vorzug, nicht etwa - wie oft zu hören ist - weil eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung unnötig teuer wäre oder weil man aus psychologischen Gründen nicht mehr zurück kann, sondern weil sie die regelungsmächtigere ist und weil sie leichter lehr-, lern- und handhabbar ist.
: Rechtsprechung. Die Ecke. Frankfurter Rundschau, , s. 1 (107 wörter)
Auch die stets konflikt­freudige SPD-Bundestags­fraktion nahm sich des Streits gerne an. Der bildungs­politische Sprecher Jörg Tauss antwortete einem reform­unwilligen Kollegen: "Dieter Wiefelspütz hat nun gesagt, dass er sich von Bürokraten nicht vor­schreiben lassen wolle, wie zu schreiben sei. Schade, dass mir dieses gute Argument damals in der Schule nicht bei Klassen­arbeiten ein­gefallen ist."
: Ein Schritt zurück: „Das kommt mir ziemlich affig vor.“ Frankfurter Rundschau, , s. 42, Offenbach (459 wörter)
Schülerinnen und Schüler aus dem Neu-Isen­burger Westend halten nichts davon, die Rechtschreib­reform wieder zu kippen. Sie haben nichts anderes gelernt und wollen dabei bleiben.
: "Der pedantischen unart gipfel." die tageszeitung, , nr. 7433, s. 1 (225 wörter)
Selbstverständlich haben hier nach wie vor die inhalte des geschriebenen priorität vor sprachregelungen. Aber wir möchten die debatte um die rücknahme der Rechtschreib­reform auch mal um einen konstruktiven beitrag bereichern. Es ist zwar schön, dass sich Springer und Spiegel um die "nachfolgenden generationen" in Deutschland sorgen: zurückgehen ist aber konservativer kulturkampf, wir gehen lieber nach vorn. […] Wir hoffen, damit verwirrungen aufzulösen, damit auch anderenorts wieder spielraum für das wesentliche entsteht: die inhalte.
: "Der kompromiss eines kompromisses." die tageszeitung, , nr. 7433, s. 3, Themen des Tages, Interview (622 wörter)
Für den Bund für vereinfachte rechtschreibung war die kleinschreibung schon 1924 ein "nahziel". Seinem vorsitzenden Rolf Landolt geht die jetzige Rechtschreib­reform denn auch nicht weit genug: "nach der reform ist vor der reform"
: Mehrheit der Deutschen will Rechtschreibreform kippen. Die Welt, , Politik (465 wörter)
Die neue Rechtschreibung ist nicht konsens­fähig, weil sich die Über­einkunft, wie man spricht und wie man schreibt, von allein ergeben muss. Die Schreibe muss dem Schreib- und Sprach­gefühl entsprechen. Sie darf […] nicht von oben ver­ordnet, sie muss von unten gelebt werden.

Ja! Unten – da sind wir. Unten sind auch die schüler, die «nach gehör» schreiben.

: Komplott im Sommer. Wie man richtig schreibt: Zur Machtprobe zwischen Verlagen und der Kultusbürokratie. Die Zeit, , 59. jg., s. 1, Politik, Kommentar (599 wörter)
Die Rechtschreib­reform […] von 1996 habe zu »Ver­unsicherung« geführt und gleiche gar einer »staatlich ver­ordneten Legasthenie«. So begründeten vorige Woche einige Chef­redakteure, Heraus­geber und Verlags­leiter ihre verabredete Rück­kehr zur Ortho­grafie wilhelmini­schen Ursprungs. Einen Beweis der flotten Behauptung sind sie schuldig geblieben.
: Rechtschreib-Theater. Die Furche (), , Gesellschaft (591 wörter)
Die Rechtschreib­reform ist in wesentlichen Punkten verfehlt. Ihre Kritiker müssen es wissen, sie haben sie ja selbst ver­wässert. Dagegen auftreten hätte man früher müssen. Jetzt wäre ein Zurück ein Schlag ins Gesicht vor allem der Schüler und Lehrer. […] Das Kräfte­messen auf der Sommertheater­bühne verlängert aber nur das Chaos, das es vor­geblich bekämpfen will.

11. 8. 2004

: Für eine Akademie der Sprachwächter. Tages-Anzeiger, , s. 46, Kultur (770 wörter)
Als vor Jahren in Deutschland verlautbart wurde, die Rechtschreibung werde re­formiert und an unsere zurzeit gültigen Bedürfnisse der Vereinfachung, wie von allem und jedem, hier aber im Speziellen im Hinblick auf die Aufnahme­kapazitäten unserer Aus­zubildenden, angepasst, liess mich das kalt. Doch dann nahm das Reformwerk Formen an. […] Unsere Verlags­werke, bestimmte ich, mit der Rücken­deckung unserer Autoren, sollten weiterhin nach der bewährten klassischen Orthographie gedruckt und publiziert werden. […] Jedenfalls ist ein existentieller Streit im Gange, soviel zeichnet sich ab, geht es doch nicht um weniger als uns selbst, merkt doch endlich auf, Leute!, unsere Sprache und darum, wie sie für alle verbindlich zu schreiben ist — damit wir uns auch schriftlich eindeutig verständigen können, notabene. […] Kann es sein, dass wahl­abhängige Politiker bestimmen, wie zu schreiben ist? Kann es sein, dass die Duden-Redaktion bestimmt, wie zu schreiben ist? Nein. Politiker dekretieren heute die Verschickung von Friedens­truppen und morgen das Subventions­geld für Milchkühe, und das wollen und sollten wir uns nicht bieten lassen, dort, wo es um unser teuerstes Gut, unsere Sprache geht. […] Ein Vorschlag zum Schluss: Unterhalten wir an der Berliner Akademie, deren Vorsitz zurzeit Adolf Muschg innehat, eine ständige Sprach­kommission, die wir zu unseren nicht herrschaftlichen, sondern demokratischen Sprach­wächtern machen. […] dann haben wir so etwas wie eine ver­gleichbare Institution, wie sie in Frankreich seit 1635 existiert.

Überlassen wir den politikern so unwichtige dinge wie den globalen umweltschutz und den weltfrieden. Für wichtiges wie die rechtschreibung schaffen wir sich selbst konstituierende ältestenräte — und nennen das auch noch demokratisch. Es steht herrn Muschg natürlich frei, noch eine kommission zu bilden, nur ist dann noch ein problem zu lösen: Wer gibt ihr das weisungsrecht für die volksschule?

: Für etwas Durcheinander. Tages-Anzeiger, , s. 46, Kultur (167 wörter)
Die Reform ist nie angenommen worden, weil nie ein Bedürfnis nach einer Reform bestand. Wir haben uns gegenseitig immer bestens lesen können […].

Dass alle bestens lesen können, ist neu.

: CDU stellt Rechtschreib-Ultimatum. Bild,
Der CDU-Politiker fordert: „Wir müssen der Rechtschreib­kommission, die schon die letzte Reform verbockt hat, das Heft des Handelns aus der Hand nehmen!“ Böhr schlägt stattdessen vor: „Die Duden-Redaktion hat täglich mit der praktischen Sprache zu tun – sie könnte den Kompromiss-Vorschlag erarbeiten.“
: „Die Reform ist kaputt.“ Bild-Interview mit Wolf Schneider. Bild,
Herr Schneider, hat die Rechtschreib­reform noch eine Zukunft? Wolf Schneider: Ich hoffe nicht! Die Reform ist kaputt, seit die geballte Macht von Springer Verlag, „Spiegel“, „Süddeutsche Zeitung“ und „FAZ“ dagegen aufbegehrt.
: Eine regel. Lesermeinung zur Rechtschreibung. Frankfurter Rundschau, , s. 7, Standpunkte (in eigennamen­gross­schreibung, 370 wörter)
Statt uns unsinnige rechtschreib­reformen verordnen zu lassen, sollten wir alle die einfachste und wirksamste reform ab sofort selbst durch­setzen. Sie besteht aus einer einzigen regel und hilft allen, vor allem schülern und aus­ländern, die deutsch lernen: "Alles wird klein geschrieben, außer am satz­anfang, ferner eigen­namen und ,Du' und ,Sie' in der anrede."
: „Ich bevorzuge eine Mischung.“ Frankfurter Rundschau, , s. 42, Offenbach (354 wörter)
Die Neu-Isen­burgerin Angela Föll sammelt als Leiterin der Selma-Lagerlöf-Schule seit sechs Jahren Er­fahrungen mit der Rechtschreib­reform. […] Föll, die in Neu-Isenburg Stadt­verordnete der CDU ist, plädiert dafür, nicht wieder alles um­zukrempeln, sondern die Reform zu lockern.

10. 8. 2004

: Sommertheater um die neue Rechtschreibung. Basler Zeitung, , s. 1, Front
Um die Zukunft der Rechtschreib­reform herrrscht in Deutschland weiter erbitterter Streit. Die Präsidentin der deutschen Kultusminister­konferenz (KMK), Doris Ahnen, erteilte am Montag Forderungen nach einer Volks­abstimmung eine Absage.
: Lehrer streiten für die Reform. Basler Zeitung, , s. 3, Tagesthema (479 wörter)
Aufmerksam verfolgen Lehrerinnen und Lehrer der Nordwestschweiz den Streit um die Rechtschreib­reform. Ihr Grundtenor: Die Reform sollte nicht rückgängig gemacht werden. Sie sei grundsätzlich sinnvoll und mache es den Schülerinnen und Schülern leichter, die deutsche Sprache zu erlernen und mit ihr umzugehen.
: Proteststurm im Sommerloch. Basler Zeitung, , s. 3, Tagesthema (496 wörter)
Das Machtwort von Springer-Verlag («Welt» und «Bild»), «Spiegel» und «Süd­deutscher Zeitung», die nun ankündigten, zur alten Recht­schreibung zurück­zukehren, kam jedenfalls ziemlich spät - und wurde dafür mit dem heroischen Gestus eines Fahrgastes vorgetragen, der angesichts eines hoffnungslos unfähigen Zugführers und eines sich in rasender Geschwindigkeit nähernden Abgrunds die Notbremse zieht. […] Nun herrscht gerade Sommerloch, die ideale Jahreszeit für leidenschaftliche Medien­auftritte. […] Sobald die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, wollen Springer, «Spiegel» und «Süddeutsche» zur alten Rechtschreibung zurückkehren - aber nicht ganz. Denn Reform­vorschläge, die als «sinnvoll» erachtet wurden, könnten durchaus beibehalten werden, hiess es im «Spiegel» und in der «Süddeutschen». Nach richtiger Rückkehr klingt das nicht. Eher nach Reform der Reform.
: Eymann: «Nur kein Aktionismus bei der Rechtschreibung». Basler Zeitung, , s. 3, Tagesthema (561 wörter)
Seit einigen Jahren platzt er regelmässig ins Sommerloch: der Streit ums richtige Schreiben. Verschärft wird er diesmal durch den Entscheid deutscher Grossverlage, zur alten Schreibweise zurück­zukehren. Der Basler Erziehungs­direktor Christoph Eymann, ein Reform­skeptiker, will auf keinen Fall zurück­buchstabieren.
: Österreich will nicht zurück. Basler Zeitung, , s. 3, Tagesthema (132 wörter)
Auch die Zeitungen «Standard», «Kurier», «Presse», «Krone», «Salzburger Nach­richten» und «Kleine Zeitung» wollen bei der neuen Recht­schreibung bleiben.
: Unsere Kinder baden es dann aus. Basler Zeitung, , s. 29, Forum, Briefe (153 wörter)
Dass der Diskurs in Deutschland bereits im Partei­politischen versumpft ist und hierzulande der Basel­bieter SD-Politiker R. Keller seine Motion von 1998 auch nochmals reaktiviert, stärkt Schiblis These, dass es hüben wie drüben nicht um die Sache, sondern um Profilierung geht.
: Wozu die Aufregung? Basler Zeitung, , s. 30, Forum, Briefe (114 wörter)
Weder vor noch nach der Reform hat nach meinen Beobachtungen die Schweiz das ß benutzt. […] Da ja also ohnehin keine Einheitlichkeit der Recht­schreibung existiert (gestern las ich auch, Schweizer Verleger hätten erklärt, sie seien den Neuerungen nie ganz gefolgt), wozu dann die Aufregung über ein mögliches Kippen der «Reform» in Deutschland?
: Flehen um Klarheit. Doch einheitliche Rechtschreibregeln sind fraglicher denn je. Berliner Zeitung, , Feuilleton (620 wörter)
Jeder darf schreiben, wie er will. Aber wer kann das wollen?

Wir. Und andere wohl auch, sonst wäre es nicht so.

: 7 Wahrheiten über die Schlechtschreibreform. Bild klärt auf. Bild,
Die neuen Regeln sind weder einfacher noch kürzer als die klassischen.
: Sprachverlust. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. 8, Briefe an die Herausgeber (390 wörter)
Um mit einem kontrastierenden Gedankenspiel zu erhellen, um welche Grundhaltung es hier geht: Könnte man es sich vorstellen, daß eine Sprach-Eingreiftruppe von dieser wohl unauslöschlichen deutschen Art die englische Recht­schreibung mal auf Vordermann bringt?

Ja, man könnte es sich vorstellen: Spelling society.

: Agitation. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. 8, Briefe an die Herausgeber (267 wörter)
[…] schreibt Heike Schmoll unter anderem, daß die Such­möglichkeiten in Katalogen, Daten­banken und Text­systemen durch vermehrte Schreib­varianten immens erschwert werden. Das Problem unterschiedlicher Schreibweisen gab es schon immer, zum Beispiel in den mannigfachen Transliterationen […]. Und wenn man heutzutage in immer größeren Verbünden von Daten­banken recherchieren kann, so kann man doch nicht im Ernst erwarten, daß ein einzelner Begriff in immer der gleichen Weise geschrieben wird. Zudem lassen moderne Systeme unscharfe Suchanfragen zu oder machen von sich aus Alternativ­vorschläge.
: Der Rechtschreiber. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. 10, Zeitgeschehen (453 wörter)
Ickler gehört zu den wenigen außerhalb der Rechtschreibkommission, die sich schon 1995 intensiv mit den neuen Regeln befaßt haben.

Schon? Erst!

: Dann ist es ja Wurscht! Zwanzig Jahre Deutschunterricht: Die Erfahrungen eines Lehrers. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 184, s. 31, Feuilleton (1254 wörter)
Insgesamt erlaubt meine Erfahrung nach zwanzig Jahren Deutschunterricht weder das Urteil, die neue Recht­schreibung sei komplett zu verwerfen, noch, sie sei um jeden Preis beizubehalten. Der wichtigste Einwand ergibt sich aber genau aus dieser Fest­stellung: Hat sich der immense Aufwand dieser Reform gelohnt, von der man selbst bei wohlwollender Betrachtung nur sagen kann, daß sie einige Dinge möglicher­weise etwas besser gemacht hat? Die Einheit der Recht­schreibung ist dahin. […] Mögen ihre Normen auch in Teilen willkürlich sein, mochte es auch fragwürdig sein, daß eine nicht­öffentliche Instanz wie die Duden-Redaktion quasi­amtliche Aufgaben ausübte - der jetzige Zustand, in dem jeder macht, was er will, ist gräßlich.
: Reform wird verteidigt. Widerstand gegen Kurswechsel bei Rechtschreibung. Frankfurter Rundschau, , s. 1 (254 wörter)
Die SPD ist fest ent­schlossen, eine Rück­nahme der Rechtschreib­reform zu verhindern. Weder in der Kultus­minister­konferenz noch unter den Minister­präsidenten werde es Zu­geständnisse an die Reform­gegner geben, hieß es am Montag.
: Rückfall in prä-seeelefantöse Zeiten. Was Schüler und Lehrer vom Boykott der Rechtschreibreform halten. Frankfurter Rundschau, , s. 2, Thema des Tages (844 wörter)
Viele Lehrer an seiner Gesamt­schule in Berlin-Köpenick hätten es mit der Rechtschreib­reform nicht so genau ge­nommen, sagt Alexander Freier. Zumindest nicht in den Klassen, die sich 1998 umstellen mussten. Be­sonders die älteren Kollegen hätten gerne mal beide Augen zugedrückt. "Die fanden die Reform selber doof", glaubt Alexander.
: Operation am offenen Wort. Frankfurter Rundschau, , s. 2, Thema des Tages (539 wörter)
Ignoranz allent­halben: Die Be­fürworter der Rechtschreib­reform übersahen das Vermittlungs­problem, die Gegner tauchten spät auf.
: Vom deutschen Thron. Frankfurter Rundschau, , s. 3, Die Seite Drei, Kommentar (645 wörter)
Natürlich können die Gegner der Rechtschreib­reform auf Un­gereimtes verweisen. Das gelingt ihnen um so besser, als sie vorsätzlich unter­schlagen, wie kompliziert und wider­sprüchlich Teile der alten Rechtschreibung waren. Der Konsens, dass man im Sinne der Deutsch Lernenden – und damit der Sprache selbst – etwas tun müsse, war während des Reform­prozesses der 90er Jahre wesentlich breiter, als die Reform­gegner heute wahr­haben wollen.
: Bloß nichts Neues. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (167 wörter)
Interessanter­weise sind das aber zugleich diejenigen, die seit Jahren durch die Lande ziehen und den Bürgern in Leitartikeln regelmäßig unter die Nase reiben, dass grund­legende Reformen un­erlässlich sind und dass man sich neuen Situationen stets flexibel anzupassen habe ... und eben diese sehen nun den kultu­rellen Untergang der Republik, wenn es um so etwas Belang­loses wie die Frage geht, ob es "radfahren" oder "Rad fahren" heißt!
: Altes war nicht bewährt. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (152 wörter)
Aber alles ist besser als die alte, keines­wegs "bewährte" Recht­schreibung, deren weitaus zahl­reicheren Macken wir meist nur aus Gewöhnung nicht mehr bemerken.
: Logisch und lernbar. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (111 wörter)
Mit den Änderungen vom Juni 2004 scheinen mir die wichtigsten Sinnlosig­keiten der Rechtschreib­reform (vor allem die Getrennt­schreibung bei zusammen­gesetzten Partizipien wie "weit gehend", "besser verdienend", "allein erziehend" etc.) behoben.
: Frühere Dummheit. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (389 wörter)
Der neuen Recht­schreibung kann man nur vor­werfen, dass sie nicht weit genug gegangen ist, aber nicht, ihre Regeln seien falsch.
: Redaktioneller Amoklauf. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (59 wörter)
Seit Jahren unter­richte ich Deutsch als Fremd­sprache und kann – trotz allem gegen­teiligen Presse-Jammern – fest­stellen, dass es die Reform den Schülern tat­sächlich ein bisschen leichter macht.
: Vom Volk abgelehnt. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (128 wörter)
Ausgehend von der bewährten Recht­schreibung soll geprüft werden, welche der Neuerun­gen allseits anerkannt sind und diese über­nommen werden.

Die bewährte kommasetzung hat sich schon mal nicht bewährt: 1. Komma nach «Recht­schreibung» (duden 1991, R 105). 2. Komma vor «und» (duden 1991, R 117, auch heutige regelung; allerdings geht es grammatikalisch nicht ganz auf).

: Als Leserin gegen die Neue. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (97 wörter)
Was das Schreiben er­leichtert, er­schwert das Lesen.

Nein; eine gute rechtschreibung ist für alle gut.

: Umkehr geboten. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (105 wörter)
Die Älteren schreiben nach der alten Schule, die Jüngeren müssen nach der neuen schreiben.
: Obrigkeitshörig. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (70 wörter)
Statt den grund­legenden Blödsinn der Reform an­zuprangern […], nämlich Recht­schreibung per Verfügung von oben regulieren zu wollen und sie nicht ihrer natürli­chen Ent­wicklung folgen zu lassen, machen Sie sich auch noch zu Apologeten dieses Regulierungs­wahns.
: Befreiungsschlag. Frankfurter Rundschau, , s. 6, Standpunkte, Leserbriefe (177 wörter)
Die Neu­regelungen erschweren das Text­verständnis, sind teil­weise sinn­entstellend, etymologisch ver­unklärend, Nuancen nivellierend, die Sprach­betonung ver­schiebend und zuweilen sogar grammatika­lisch falsch ("Er tut mir Leid."). Die ver­meintlichen Er­leichterungen der Reform sind aus­schließlich für den Schreibenden gemacht, nie für den Lesenden.
: „Eine Machtprobe auf Kosten junger Leute.“ Ministerin Karin Wolff sieht keinen Anlass, die neue Rechtschreibung zu kippen, bisher keine bessere Lösung. Frankfurter Rundschau, , s. 38, Frankfurt (538 wörter)
Karin Wolff (CDU) ist seit 1999 Kultus­ministerin und seit 2003 auch stell­vertretende Minister­präsidentin Hessens. Die 45-jährige gelernte Lehrerin für Geschichte und evangeli­sche Religion mahnt dazu, in der Debatte über die Rechtschreib­reform auch an die Schülerinnen und Schüler zu denken, die nach den neuen Regeln ausgebildet werden und wurden. Eine Wieder­inkraftsetzung der "alten" Recht­schreibung mit ihren 52 ver­schiedenen Komma­regeln lehnt die Ministerin ab.
Worüber das Volk abstimmen darf, sollte es selbst entscheiden. EU-Verfassung und Co. , , politik
Für eine Volksabstimmung über die Rechtschreib­reform hatte sich am vergangenen Wochenende der Chef­redakteur der "Bild am Sonntag", Claus Strunz, gefordert. Gegen eine solches Bürger­votum hatte sich Doris Ahnen, Präsidentin der Kultusminister­konferenz ausgesprochen. […] Nicht nur eigene Gesetz­entwürfe sollten die Bürger zur Abstimmung stellen können, sondern auch vom Parlament beschlossene Gesetze - wie z.B. die Rechtschreib­reform. "Wenn 500.000 Bürger mit ihrer Unterschrift dazu aufrufen, sollte ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz zur Volksabstimmung gestellt werden", schlug der Mehr Demokratie-Sprecher vor.

9. 8. 2004

: Der Triumph der Intellektuellen. Basler Zeitung, , s. 5, Inland (516 wörter)
Die vorab in den deutschen Feuilletons geführte Debatte trug über weite Strecken den Charakter einer Ersatzdebatte, die vor allem der Profilierung einiger Reform­gegner und der Ablenkung von ihrem mittler­weile verwelkten Polit-Engagement diente. […] In vager Erinnerung an das Antikriegs-Engagement der sechziger und siebziger Jahre witterte mancher Geistesarbeiter die Chance, sich doch noch einmal in radikaler System­kritik zu üben. […] Die Herren Reich-Ranicki, Walser, Enzensberger, Muschg etc. — allesamt Autoren in vorgerücktem Alter — haben mit Erfolg einen Reform­prozess verweigert, an dem sie sich nicht aktiv beteiligt hatten, als die Dinge noch im Fluss waren. […] Ihr Erfolg beruht auf einer unheiligen Allianz von muffiger Reform­feindlichkeit und diffuser Staats­ferne. Und er vermag nicht zu kaschieren, dass den meisten Intellektuellen deutscher Zunge zu brennenden Zeit­fragen […] schlicht nichts mehr einfällt.
: Experten stützen Rechtschreibreform. Basler Zeitung, , nr. 184, s. 5, Inland
In der Schweiz stösst die neue Rechtschreibung also auf mässigen Widerspruch - in Deutschland hingegen gerät sie unter massiven Druck.
: Auf der Kippe. Zu den jüngsten Vorgängen um die Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, , 225. jg., nr. 183, s. 19, Feuilleton (1094 wörter)
Dass die Reform gefährdet ist, mag richtig sein, gekippt freilich ist sie noch lange nicht. […] Bedenklich stimmt es, wenn die genannten Grossverlage die Abkehr von der neuen Regelung nun unter die etwas demagogische Begründung stellen, die Mehrheit der Bevölkerung sei gegen die neue Orthographie. Denn ginge es danach, so wäre vermutlich jede Rechtschreibregelung überflüssig. Un­verhältnismässig ist es, die erst fünf Jahre nach Übernahme der Neuregelung vollzogene Rückkehr zur alten Rechtschreibung als einen […] «Akt des zivilen Ungehorsams» zu bezeichnen. […] letztlich wird die Wirklichkeit das derzeit tatsächlich bestehende Durch­einander spielend lösen: In drei Jahr­zehnten werden die heutigen Grundschüler auf den Sesseln der jetzt amtierenden Chef­redaktoren sitzen; Grass und Enzensberger werden von einer neuen Schriftsteller­generation abgelöst sein; in den Verlagen werden Lektoren sitzen, die heute erst das Schreiben und Lesen lernen: Niemand wird mehr von der Reform reden […]. Und wohl wird man auch, ohne zu zögern, in dem getrennt geschriebenen sitzen bleiben die Mehrdeutigkeit erkennen, wie man ohnehin gelernt hat, die Sprache als etwas — glücklicherweise — Schillerndes, nie gänzlich auf Eindeutiges und Wort­wörtliches Festlegbares zu begreifen.
: Ruck zurück. (Deutsche Welle), , Deutschland
[…] die Debatte über die Reform der Rechtschreibung ist durchaus symptomatisch für die derzeitige Lage in Deutschland. […] Vor einigen Jahren sagte der damalige Bundes­präsident Roman Herzog, es müsse ein Ruck durch Deutschland gehen. Doch an dem Ringen um eine neue Recht­schreibung sieht man, wie es wirklich um Deutschlands Reform­willen steht: Gewünscht wird der Ruck zurück.
: KMK-Präsidentin gegen Volksabstimmung. Meinung bei Autoren geteilt; Kommissionsvorsitzender glaubt nicht an Rücknahme der Rechtschreibreform. (Frankfurter Rundschau),
Die Axel Springer AG und der Spiegel-Verlag hatten am Freitag die "schnellstmögliche" Umstellung auf die alten Schreibweisen angekündigt, die "Süd­deutsche Zeitung" will folgen. […] Der Vorsitzende der zwischen­staatlichen Rechtschreib­kommission, Karl Blüml, hat den zur alten Rechtschreib­reform zurück­gekehrten Verlagen "pädagogische Verantwortungs­losigkeit" vorgeworfen. […] Die Autorin Noll erklärte, Sprache sei ein Teil der Kultur, die Rechtschreibung sei aber nur ein Hilfsmittel. "Darum so viel Wind zu machen, finde ich kleinkariert." Autor Wolfgang Menge erklärte, ihm sei unklar, warum die Initiative jetzt komme: "Wahrscheinlich hängt das mit dem Sommerloch zusammen." Der Philosoph Peter Sloterdijk nannte die Verlage "genauso wenig befugt, eine Rechtschreib­reform durchzuführen, wie die Kommission, die das seinerzeit beschlossen hat. Das sind zwei Formen der Anmaßung, die sich gegenseitig aufheben". Dagegen sagte Kempowski, er habe sich "sehr gefreut" über die Initiative der Verlage und hoffe, dass ihnen andere folgten.
: Fluss und Delfin spalten sogar Koalitionen. Frankfurter Rundschau, , s. 1 (428 wörter)
Vor allem die Politik ist plötzlich wieder tief gespalten über Fluch und Segen der Rechtschreib­reform und intoniert selbst inner­halb ein und derselben Partei eine Kakophonie über Fluch und Segen der Rechtschreib­reform.
: Die Rechtschreib-Wende begeistert Länder kaum. Frankfurter Rundschau, , s. 4, Politik (559 wörter)
Nur wenige sehen in der Ent­scheidung der Axel Springer AG und des Spiegel-Verlags einen Grund, ebenfalls für die Rück­kehr zur alten Recht­schreibung zu votieren. Im folgenden die Positionen der 16 Bundes­länder.
: Auf den Inhalt kommt es an. Frankfurter Rundschau, , s. 8, Standpunkte, Leserbriefe (205 wörter)
Da wir (und gewiss auch andere meiner Alters­gruppe, bzw. Jüngere) uns jetzt irgendwie umgestellt haben (wird "keineswegs" nach der neuen Schreibung so, oder "keines Wegs" geschrieben?) , appelliere ich an die FR, bitte die neue Rechtschreibung bei­zubehalten.
: Zurück auf Null. Frankfurter Rundschau, , s. 8, Standpunkte, Leserbriefe (159 wörter)
Liebe FR, als Spiegel- und FR-Abonnent moechte ich Ihnen mitteilen, dass ich die Ent­scheidung von Spie­gel+Springer sehr begruesse. Waere das nicht auch der Zeit­punkt fuer die FR, sich hier an­zuschliessen?
: Andere Probleme. Frankfurter Rundschau, , s. 8, Standpunkte, Leserbriefe (115 wörter)
Das Volk hat weit größere Primär­probleme als Komma­verschiebung oder ähnliche Mickrig­keiten, für die dann wiederum Konferenzen sich den Hintern platt sitzen würden.
: Times Mager: Simulation. Frankfurter Rundschau, , s. 12, Feuilleton (387 wörter)
Jetzt scheint, am Rande des weiten Feldes namens Reform­politik, ein Refugium für Nostalgiker auf: In der Debatte um die Rechtschreib­reform wird der Konser­vativismus nach seinem Ende noch einmal simuliert.
: Hausmitteilung. Betr.: Rechtschreibung. Der Spiegel, , nr. 33, s. 3 (554 wörter)
Vorschläge der Reformer, die von der schreibenden und lesenden Mehrheit als sinnvoll erachtet werden, könnten durchaus in Zukunft übernommen werden. Aber eines hat der anhaltende, wachsende Widerstand gegen die Neuregelung - mittlerweile eine eindrucksvolle, partei­übergreifende Bürger­bewegung - klar gemacht: Die Sprache gehört nicht der Kultus­bürokratie. Sie ist Kern der Demokratie. Sie lässt sich nicht auf dem Verordnungs­wege vergewaltigen. Wir hätten damals auf Rudolf Augstein hören und den ganzen Unsinn nicht mitmachen sollen. Aber es ist ja nicht zu spät. Sobald die technischen Vorausset­zungen geschaffen sind, wird der SPIEGEL zur alten Form zurückkehren. Und er wird nicht allein bleiben.
: "Geschichtsklitterung." Zurück zur klassischen Schreibweise? Der Linguist Gerhard Augst verteidigt sein Reformwerk. Der Tagesspiegel, , s. 25, Wissen & Forschen, Interview
Herr Augst, die Verlage, die jetzt zur alten Schreibweise zurückkehren wollen, erklären die Arbeit der zwischen­staatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung, deren stellvertretender Vorsitzender Sie sind, für sinnlos. Sind Sie mit dem Reformwerk gescheitert? [Augst:] Das wollen wir nicht hoffen. Wir haben eine gute Reform gemacht und sind entsetzt über das, was derzeit passiert.
Die Kultusminister sollen an der Rechtschreibung festhalten. , , nachrichten
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert die Kultusminister­konferenz auf, an der Rechtschreib­reform festzuhalten und sich nicht von den Allein­gängen ver­schiedener Verlage unter Druck setzen zu lassen. "Es ist unverant­wortlich, wir hier auf Kosten von Kindern, Eltern und Schulen Stimmung gemacht wird, um das Sommerloch zu füllen und die eigene Macht zu demonstrieren", so Marianne Demmer, die Schul­expertin im Geschäfts­führenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

8. 8. 2004

: "Es war ein Fehler" I. (Spiegel Online),
Springer, der Spiegel und die "Süddeutsche Zeitung" wollen dem Beispiel der "FAZ" folgen und zur alten Rechtschreibung zurückkehren. Ein Gespräch mit den Verantwortlichen. […] Herr Aust, warum kehrt der Spiegel nach fünf Jahren zur alten Recht­schreibung zurück? [Aust:] Es kann nicht angehen, daß eine kleine Gruppe von Experten eine Neufassung der deutschen Sprache beschließt, ohne zu berücksichtigen, ob die Bevölkerung das eigentlich will oder ob es notwendig ist.
: "Es war ein Fehler" II. (Spiegel Online),
Herr Kilz, alte Rechtschreibung, neue Rechtschreibung: Was ist die Haltung der "Süddeutschen Zeitung" in dieser Sache? [Kilz:] Wir müssen jeden Tag eine Zeitung machen, da braucht man einen zielorientierten Pragmatismus, und das heißt: möglichst wenige Orthographiefehler. Mit der neuen Rechtschreibung wurde das nicht erreicht. […] Ich wurde von meinen früheren Kollegen beim Spiegel angesprochen, wie wir das denn nun handhaben sollten mit der Rechtschreibung und ob man darüber reden könne, und dann wurde ein Treffen in Hamburg vereinbart zwischen Spiegel, Springer und der "SZ", vertreten von unserem Rechtschreib­experten Hermann Unterstöger. Auch von Suhrkamp nahm jemand teil.
: "Es war ein Fehler" III. (Spiegel Online),
Herr Döpfner, Zeitungen und Verlage unterschiedlicher politischer Richtungen schließen sich zusammen, um eine Reform zu Fall zu bringen. Ist das, was wir gerade erleben eine Rebellion? [Döpfner:] Wenn F.A.Z., "Süd­deutsche Zeitung", Spiegel, "Welt" und "Bild" einer Meinung sind, dann muß es ein wirklich über­geordnetes Interesse geben. Das ist hier der Fall. Es geht um die deutsche Sprache. Die Rechtschreib­reform war von Anfang an miß­glückt. Nach fünf Jahren Erprobung gibt es Menschen, die nach alter Recht­schreibung schreiben, Kinder, die die reformierte Recht­schreibung lernen, Verlage, die ihre eigene Version der Reform umgesetzt haben, und seit einiger Zeit gibt es noch eine über­arbeitete Form der Reform. Das Ergebnis ist Chaos. […] Wenn auf diese Entwicklung die Politik, die das ganze Unheil in Gang gesetzt hat, nicht reagiert, müssen die Haupt­betroffenen, die Verlage, handeln. […] Unser Vorstoß ist ein Appell zur Umkehr, und wir hoffen, daß dem möglichst schnell möglichst viele folgen.
: Beharrlich auf dem Weg zur Regierungsmacht. Als Bildungspolitikerin hat Annette Schavan einen guten Namen; jetzt will sie Ministerpräsidentin werden. Welt am Sonntag, , nr. 32, s. 5, Politik
Auch die Rechtschreibung fällt in ihren Verantwortungsbereich. Das macht Schavan zu einer der gefragtesten Politikerinnen dieser Tage, ist sie doch auch Sprecherin in allen Bildungs­fragen der CDU-geführten Länder in Deutschland. Sie selbst hat die Rechtschreib­reform mit beschlossen und hält an ihr fest. Auch jetzt, da sich vier Minister­präsidenten der Union für eine Abschaffung der Reform stark machen und mit der Axel Springer AG sowie dem Spiegel zwei Groß­verlage angekündigt haben, zur alten Rechtschreibung zurückkehren zu wollen, bleibt sie gelassen. "Ich rate zur Besonnenheit", sagt sie. Sie sagt es so ruhig, als würde eine Rücknahme der Reform nicht eine gewaltige Niederlage für sie bedeuten. "Die Vorstellung, dass mit einem schlichten Zurück Ruhe einkehren würde, ist doch illusorisch."

7. 8. 2004

Zurück zur alten Rechtschreibung? (Frankfurter Rundschau), , Topthema
Wenn Sie es sich aussuchen dürften – wie wollten Sie schreiben? 1. Ich bevorzuge nach wie vor die alte Rechtschreibung (62% stand 7. 8., 53,5% stand 13. 8.). 2. Ich habe mich an die neue Schreibweise gewöhnt (26%, 32,5%). 3. Ich wünsche mir eine weitere, aber ordentliche Reform (12%, 14%).
: Bei Springer und Spiegel verliert das „dass“ sein Doppel-S. Frankfurter Rundschau, , 60. jg., nr. 182, s. 1 (348 wörter)
Richtig weg war sie nie – nicht im Alltag, nicht in der Literatur. Die klassi­sche Recht­schreibung hält sich zäh. Nun kehren auch Springer und Spiegel zu ihr zurück.
: Zwischen Muss und Muß. Frankfurter Rundschau, , 60. jg., nr. 182, s. 3, Die Seite Drei, Kommentar (317 wörter)
Kaum jemand hat sich die Mühe gemacht zu prüfen, wo das Projekt zu Er­leichterungen und Verein­heitlichun­gen führt (zum Beispiel in Sachen "ß" und "ss") und wo fehlende Praxis­tauglichkeit als erwiesen gelten kann (zum Beispiel bei der Getrennt­schreibung). Statt dessen verschanzt man sich in Maximal­positionen und überhöht sie, vor allem auf Seiten der fundamen­talistischen Gegner, mit Grabreden auf die ganze deutsche Sprache.
neu : Rechtschreibdeform. (Schlabonskis Welt), (615 wörter)
Weder Ümläüte noch das ß, Geißeln der Computerwelt, sind abgeschafft. Ebensowenig die Großschreibung […]. Statt­dessen reformiert man, ohne dabei aber den Lernaufwand nennenswert zu verringern, die Auseinander-oder-zusammen-Schreibung […], ändert ohne Not die Vokale einiger Wörter […], verballhornt Fremdwörter […], ersetzt eine sinnlose Trennregel (Trenne nie st, denn es tut ihm weh) durch eine andere (Trenne nie ck, denn es geht ihm nah) und verkauft's vor allem als Riesenfortschritt, ß nach kurzen Vokalen durch ss ersetzt zu haben.
: Traditionalisten in der Minderheit. Unter den Ministerpräsidenten gibt es einige Zweifler, eine Reform der Reform wollen die meisten nicht. Der Tagesspiegel, , Politik (518 wörter)
Der Mainzer Regierungschef Kurt Beck (SPD) sieht keinen Handlungs­bedarf […]. Er könne sich auch nicht erklären, warum es so schlimm sein solle, wenn Delfin mit f geschrieben werde, sich beim Wort Fotograf aber niemand aufrege. Beck nennt die neue Diskussion um die Reform, die 30 Jahre lang vorbereitet worden sei, ein reines Sommerthema. […] Die Sprecherin des Cornelsen-Verlags in Berlin, Irina Pächnatz, sagt: „Diese Umstellung ist absurd. Es gibt sechs Millionen Schüler, die keine andere Rechtschreibung kennen.[…]“
: Die Nachbarn wundern sich über die Deutschen. Wien und Bern bleiben bei der Rechtschreibreform. Der Tagesspiegel, , Politik (503 wörter)
Doch im Gegensatz zu Deutschland gab es in Österreich mit der Umsetzung bislang keinerlei Probleme. […] Sämtliche Schulbücher sind in Österreich seit Jahren auf die neuen Rechtschreibregeln umgestellt. Erst kürzlich ergab eine im Auftrag des Unterrichtsministeriums erstellte Studie, dass die Rechtschreibsicherheit der Jugendlichen durch die neuen Regeln deutlich zugenommen hat […]. Im Gegensatz zu anderen Themen, bei denen innerdeutsche Diskussionen mit etwas Verzögerung nach Österreich überschwappen, sind in Sachen Rechtschreib­reform keine Aufstände zu erwarten. […] Auch in der Schweiz löst die deutsche Debatte eher Erstaunen aus.
: Auf gut Deutsch. Da alles Wesentliche geregelt ist, können wir ja jetzt über Rechtschreibung streiten. Der Tagesspiegel, , Meinung (560 wörter)
Wir werden uns gedulden müssen, bis die Schreibung wieder einheitlicher wird – wenn wir es denn überhaupt als dramatisch empfinden, dass es mehrere Optionen gibt. Mindert es die Klarheit der Schriftsprache wirklich, wenn sie über einen gewissen Zeitraum, oder gar auf Dauer, in einzelnen Fällen mehrere Schreibweisen zulässt? Nein – und was Springer und Spiegel gestern als Vorgabe präsentiert haben, nach der die Nation sich nun richten solle, wirkt ziemlich anmaßend, in dieser Form auch undemokratisch. Und es geschieht nicht zum Nutzen der Kinder, sondern wird sie verwirren; falls sie Zeitung lesen.
: Die Chronik einer verkrachten Übung. Die Welt, , nr. 183, s. 3, Deutschland (901 wörter)
Die Geschichte der Rechtschreib­reform gleicht der aller anderen Reformen, sie ist lang, beschwerlich, ruhmlos und chaotisch. […] Dies jüngste und traurigste Kapitel der deutschen Reform­agenda begann vor sechs Jahren. Damals beschlossen die Kultus­minister, sich der Rechtschreibung an­zunehmen […]. Von da an ging's bergab.

Die kultus­minister haben sich der sache nicht angenommen, sie sind dafür zuständig

: „Sprache entzieht sich politischer Verordnung.“ Mit Peter Müller (CDU), Ministerpräsident des Saarlands, sprach Ansgar Graw. Die Welt, , nr. 183, s. 3, Deutschland (447 wörter)
Müller: […] bisher habe ich zu kaum einem Thema so viele schriftliche Reaktionen bekommen wie zu meiner Forderung, zu den alten Regeln zurück­zukehren. Es waren sicher mehrere hundert Zu­sendungen, und 90 Prozent der Absender haben mir zugestimmt, nur zehn Prozent haben die Rechtschreib­reform verteidigt.
: Schreibet recht und tuet Gutes! Der Standard, (1195 wörter)
Gott ist unbeweisbar, die politischen Strukturen bröckeln, alle Grenzen verstückelt, un­durchsichtig das Weltall, die Lebensmittel nur noch Geschmacks­verstärker, wer weiß, wie lang die Flüsse noch stromabwärts fließen, und auch sonst, wenn sogar Griechenland Europameister wird, kann man sich auf nichts und niemand mehr verlassen und dann auch noch die Rechtschreibung? Alles, was Recht ist. […] Die Argumente dagegen kamen aus allen Löchern, reichten vom Vorwurf der In­konsequenz über die Ästhetik, Unvermittelbar­keit, hoher Kosten bis zum Wozu brauchen wir jetzt das. Im Kern aber wurde und wird Sprache wohl als etwas Gott­gegebenes und Unab­änderliches angesehen, als virtueller Gradmesser seiner eigenen Gültigkeit, Kindheits­relikt, Restidentität, Erbgut, was auch in der immer latenten Angst vorm Sprachverfall zutage tritt - ohne einzusehen: Sprache ist lebendig, verändert sich, sonst würden wir immer noch so sprechen wie im Hildebrands­lied oder im Muspili.

6. 8. 2004

: Spiegel und Springer kehren zur alten Rechtschreibung zurück. NZZ Online, (123 wörter)
Die zum Spiegel-Verlag und zu Axel Springer gehörenden Titel, die nach eigenen Angaben rund 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland erreichen, werden ihre Schreibweise «schnellstmöglich umstellen».
Spiegel-Verlag und Axel Springer AG kehren zur klassischen Rechtschreibung zurück. In eigener Sache. Spiegel Online, (540 wörter)
Die zu beiden Verlagen gehörenden Titel, die rund 60 Prozent der Bevölkerung in Deutsch­land erreichen, werden ihre Schreibweise schnellst­möglich umstellen. SPIEGEL-Verlag und Axel Springer AG fordern andere Verlage auf, ebenfalls zur alten Rechtschreibung zurück­zukehren und damit gemeinsam dem Beispiel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu folgen […]. Ziel dieser Maßnahme ist die Wiederherstellung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung. […] Dr. Mathias Döpfner, Vorstands­vorsitzender der Axel Springer AG[,] und Stefan Aust, Chefredakteur des Nachrichten­magazins DER SPIEGEL, betonen: "Wir befür­worten sehr dringend notwendige und sinnvolle Reformen in unserer Gesellschaft. Doch die Rechtschreib­reform ist keine Reform, sondern ein Rückschritt. Die deutsche Sprache braucht keine kultus­bürokratische Überregulierung. Spätestens die neuerliche Reform einer ohnehin unaus­gegorenen Reform führt ins völlige Chaos. […]"

4. 8. 2004

: Lanze für die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 179, s. 6, Briefe an die Herausgeber (309 wörter)
Ehrlich staune ich oft über manche Leserbriefe und Beiträge zur neuen Recht­schreibung, in denen pingelig irgendwelche Details genannt werden, an denen man sich trefflich hochziehen und den Untergang der deutschen Kultur beklagen kann. Ich selbst als Vielschreiber und -leser mit großem Latinum und Graecum […] habe die neue Rechtschreibung als Offenbarung begrüßt, wegen ihrer wesentlich größeren Logik und ihrer größeren Freizügigkeit. […] Ob man Einzelheiten noch ändert, sollte den Fachleuten überlassen bleiben, auf jeden Fall nicht den Alten und nicht den Politikern.

3. 8. 2004

: Nachrichten für Kinder: Politiker streiten über Rechtschreibung. Frankfurter Rundschau, , s. 14, Aus aller Welt (168 wörter)
Es gibt Streit unter Politikern über die neue deutsche Recht­schreibung. Manche von ihnen wollen die alten Regeln wieder­haben.

2. 8. 2004

: „Unzweifelhaft eine Katastrophe.“ Marcel Reich-Ranicki zur Debatte über die Rechtschreibreform. Der Spiegel (), , nr. 32, s. 144, Kultur
In keinem der großen europäischen Länder ist die Kluft zwischen der Sprache des Volkes, des Alltags zumal, und der Sprache der Literatur so tief wie in unserer Welt: Niemand sprach vor hundert Jahren, wie Rilke oder Thomas Mann geschrieben haben, niemand spricht heute wie Günter Grass, wie Enzensberger oder Siegfried Lenz. Eine gemeinsame Ebene, auf der sich der künstlerische Ausdruck mit dem Ausdruck des Volkes treffen würde, hat es bei uns – anders als in England oder gar in Frankreich – nie gegeben. […] Ob diese Zweiteilung in Zukunft erhalten bleiben wird, können wir nicht voraussehen. Aber wir können immerhin einer ähnlichen Zweiteilung im Bereich der Orthographie entgegenwirken. Mit anderen Worten: Es wäre verheerend, sollte es sich einbürgern, dass für die Schriftsteller eine andere Rechtschreibung gilt als für die Schüler unserer Grundschulen. Die Kluft, von der die Rede war, würde noch tiefer.

Das volk beherrscht die rechtschreibung nicht, die schriftsteller beherrschen sie nicht – wo ist da eine kluft?

: Schreib-Streit. Vom langen Ringen um die einzig wahre Orthografie. Die Welt, , Kultur (252 wörter)
Weit gehend spurlos scheint die leiden­schaftliche Diskussion um die Orthografie an den Menschen vorbeizugehen, die Deutsch lernen wollen. Von einer "Massen­flucht aus dem Deutsch­unterricht kann nicht die Rede sein", betont das Goethe-Institut. […] Dass Lernende von der Um­stellung kaum etwas mit­bekommen haben, verwundert indes weniger: Nur wenige dürften mit den alten Regeln vertraut gewesen sein.

8. 2004

: Ästhetische Logik im System der deutschen Rechtschreibung. , , Verschiedenes
Die dt. RS ist historisch gewachsen, d.h., sie hat allen Versuchen systematischer Ver­änderungen wider­standen. Es soll hier gezeigt werden, daß die deutsche Recht­schreibung, ähnlich wie der englischen und französischen, eine ästhetische Qualität besitzt und einen un­schätzbaren Beitrag zur kulturellen Identität des deutschen Sprach­raums leistet.