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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

presseartikel → 1997
nachgeführt , 2021-01-09
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Aus presse und internet

29. 12. 1997

: Am Ende wollen alle Traditionalisten sein. Rechtschreibereform in Deutschland: ein Streit mit grotesken Zügen. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 301, s. 23, Feuilleton (1984 wörter)
Die Argumente sind ausgetauscht, die Gemüter verhärtet, die Gerichte haben das Wort: Wie in Deutschland über die Rechtschreibe­reform gestritten wird, spottet nüchterner Beschreibung. […] Längst trägt der Reformstreit die Züge eines Glaubens-, ja Daseinskampfes. […] «Beneidens­wert» nennt ein Ministerialrat im niedersächsischen Kultusministerium die Unaufgeregtheit, mit der in der Schweiz die orthographischen Neuerungen debattiert werden. […] Wenn […] die Reformgegner fordern, jede Neuregelung der Ortho­graphie müsse sich innerhalb der «herkömmlichen Bahnen» bewegen, beanspruchen die Reformer, genau dies zu tun. […] Ihre Devise «Die Grund­regeln stärken, den Wildwuchs der Ausnahmen beschneiden» wollen sie als ein Zurück zu den Ursprüngen verstanden wissen. […] So möchten, kurios genug, am Ende selbst Reformer als Traditionalisten dastehen.
: Ein heilloses Tohuwabohu. Neuer Kompromiß-Vorschlag zur Rechtschreibreform. Saarbrücker Zeitung, , Themen des Tages; Leitartikel, Kommentare, Glosse
Eine echte Reform ist das Geplante nie gewesen. Bestenfalls ein Reförmchen. Aber selbst auf dieses kann man sich offen­sichtlich nicht einigen. […] Kann man dies alles überhaupt noch ernst nehmen? 1000 Fälle, in denen jeder nach Gusto so oder anders schreiben kann. Da bleibt selbst von dem vor­gesehenen Reförmchen kaum noch etwas übrig. Das soll aber "für mehr Akzeptanz" sorgen, meinen besagte Experten. Pustekuchen, kann man da nur sagen. Lassen wir's dann doch besser ganz.

27. 12. 1997

: Der Hartgesottene geht hops. Studie: Abweichungen Duden/Bertelsmann relativ gering. Süddeutsche Zeitung, , Politik (665 wörter)
Güthert und Heller bauen ihre Arbeit auf einem Teilvergleich auf, wobei sie sich auf die Einträge unter dem Buchstaben ”H” sowohl bei Duden als auch bei Bertels­mann beschränken. Es handelt sich dabei also gewisser­maßen um eine Probe­bohrung, wobei sich ein nicht un­interessanter Seitenstollen auftut: Ein Vergleich zwischen dem Duden von 1991 und dem Knaur von 1992 (auf Knaur basiert der neue Bertels­mann) bringt ebenfalls etliche Differenzen an den Tag, obwohl doch damals die Rechtschreib­welt angeblich noch schwer in Ordnung war. […] Die Studie kommt zu zwei Er­gebnissen. Zum einen rät sie den Wörterbuch-Redaktionen, nicht zu sehr auf ihre lexiko­graphische Freiheit zu pochen […]. Zum anderen behaupten Kerstin Güthert und Klaus Heller, daß keine Hoch­rechnung dieser Welt aus der von ihnen eruierten Daten­menge eine Masse von einigen tausend Fehlern zu machen vermag.

24. 12. 1997

: Der Zugriff des Staates auf das Wort hat Grenzen. Frankfurter Allgemeine Zeitung,
Die Frage, die der ansonsten so veraltete Roman [Orwell: "1984"] wieder einmal aufwirft, ist unverändert aktuell: Welche Lehrinhalte darf der Staat seinen Schulen vorgeben?

17. 12. 1997

Schnäuzen sie sich besser? Die Presse, , Kultur & Medien
Weniger Fehler ortet eine Studie des Unterrichts­ministeriums bei jenen Schülern, die nach den neuen Rechtschreib­regeln lernen.

16. 12. 1997

: Reaktionen: Rechtschreibreform. Die Presse, , Kultur & Medien
Der Diplom-Dolmetsch Dr. Hanns Hermann Bühler ist Lektor an der Universität Wien. […] Sich über die deutsche Recht­schreibung den Kopf zu zerbrechen, ist pure Zeit­verschwendung. Die deutsche Orthographie ist verglichen etwa zur englischen und französischen viel phonetischer, daher wesentlich leichter zu erlernen. Die Groß- und Klein­schreibung ist vielleicht ihre wert­vollste Eigenheit, hilft sie doch beim raschen Lesen und Verstehen eines Textes.

13. 12. 1997

: Eltern-Initiative für die neue Rechtschreibung. Die Presse, , Innenpolitik
Verunsicherung bei Schülern und Lehrern: Das wäre die Folge bei einer Rücknahme der Rechtschreib­reform, meint die Initiative Schüler, Lehrer und Eltern. Der Start der neuen Recht­schreibung in Österreichs Schulen sei problemlos gelungen; hundert­tausende Volksschul­kinder würden durch eine Rücknahme der Rechtschreib­reform zum Umlernen gezwungen.

8. 12. 1997

: Schreibreform läßt Eidgenossen kühl. Die neuen Regeln sind für Schweizer kein Herz-Thema: Der gesprochene Dialekt ist viel wichtiger. Saarbrücker Zeitung, , Themen des Tages
Die Schweizer dagegen schauen dem Streit um die neue Schreib­weise weitgehend emotionslos zu.

3. 12. 1997

: Der Buchstabe im Sprachvolk. Recht haben oder rechthaben – Anmerkungen zum Stand der Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, , Feuilleton (2857 wörter)
Das eigentliche Ärgernis aber ist ja nicht das schwächliche Reformwerk, sondern die absurde und gelegentlich an Hysterie grenzende Argumentation der von ihm in ein hektisch um sich schlagendes Leben gerufenen Gegner­schaft. So daß ein den Vor­schlägen entgegen­gebrachtes Wohl­wollen sich weniger deren Vernunft als vielmehr der Unvernunft der Gegner verdankt und einer soliden Abneigung gegen den Mißton ihres schrillen, fun­damentalistisch sich gebärdenden Eiferer­tums.

30. 11. 1997

: Gemse oder Gämse? Jetzt entscheidet das Gericht. Ein Alt-Politiker klagt gegen die Erziehungsdirektoren. Sonntags-Zeitung, , 11. jg., nr. 48, s. 13, Nachrichten
Erstmals beschäftigt sich ein Schweizer Gericht mit der deutschen Rechtschreib­reform. […] Kläger vor der Zivil­abteilung des Gerichts­kreises VIII Bern-Laupen ist der ehemalige liberale Basel­bieter Landrat Jacques Messeiller. Der 63jährige Rentner aus Binningen ärgert sich, dass die EDK "im Tempo des gehetzten Affen" die Kantone angewiesen habe, Lehrmittel nach neuer Recht­schreibung zu drucken. Er verlangt deshalb, dass die EDK im Sinne einer vorsorglichen Massnahme "sämtliche Schritte zur Ein­führung der neuen deutschen Recht­schreibung so lange sistiert, bis in der Bundes­republik Deutschland ein endgültiger Entscheid in dieser Angelegenheit getroffen sein wird".

Siehe stellungnahme des Bundes für vereinfachte rechtschreibung!

29. 11. 1997

: Die Rechtschreibreformer spielen auf Zeitgewinn. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Leserbriefe (512 wörter)
[…] man macht Kon­zessionen in Einzel­heiten, um die Haupt­sache zu retten […]. Diese Kunst, Ballast abzuwerfen (wie Bank­räuber, die drei Säcke mit Münzen wegwerfen, damit die Verfolger sich balgen), haben die „Reformer” schon beim Hearing im Mai 1993 bewiesen, als sie die „gemäßigte” Klein­schreibung auf­gaben, und im November 1995, als sie 39 Vorschläge (Frefel, Packet, Triumpf etc. ) zurück­nahmen.

28. 11. 1997

: Ultrarechte Schweizer trommeln gegen Schreibreform. Wähler-Kampagne läuft trotzdem ins Leere, weil "Bärndüütsch" eben kein Hochdeutsch ist. Frankfurter Rundschau, , s. 2, NAC
Die Reform-Rebellen stammen aus­schließlich aus rechts­nationalen Kreisen. […] So kennt das Schweizer Deutsch kein scharfes "ß", weshalb alle seit je "dass" und nicht "daß" schreiben.
: Ein Staatsmann stellt sich vor das H in der Thür. Bismarck drohte mit Strafen, und Gustav Nagel schreckte die Behörden. Rheinischer Merkur, , nr. 48, s. 26, Kultur
Noch toleranter wäre es, meint Herr Z., wenn wir den Zustand der Vorduden­zeit zurückbekämen. Jedem Lehrer und jedem Drucker seine eigene Ortho­graphie. Ob so ein Antrag meinerseits Erfolg haben könnte? Wie es heute aussieht, scheint dieser Zustand sich bereits von selbst wiederher­zustellen.

26. 11. 1997

: Ultrarechte schüren Angst um Sprache. Extremisten nutzen Protest gegen Schreibreform zu Hetze; „orthographischer GAU“. Frankfurter Rundschau, , 53. jg., nr. 275, s. 12, Aus dem Inland
In der zerfaserten und schwer über­schaubaren rechts­extremen Szene ist keine zentral gesteuerte Aktion gegen die Rechtschreib­reform er­kennbar. Aber etliche Organisationen und Schriften machen sich die in Teilen der Bevölkerung verbreitete Abneigung gegen neue Rechtschreib­regeln zunutze, um mit deutsch­nationalen Parolen die Stimmung an­zuheizen.

21. 11. 1997

: "Die neuen Regeln sind ein Pfusch und schwachsinnig." Auch in Österreich wächst der Widerstand gegen die Rechtschreib-Reform - Verfassungsgerichtshof hat das letzte Wort. Saarbrücker Zeitung, , Themen des Tages
"Die neuen Regeln sind Pfusch und großteils schwachsinnig", wetterte Wiens Ex-Bürgermeister Helmut Zilk bei einer Podiums­diskussion. […] Unterrichts­ministerin Elisabeth Gehrer, mit der Durchsetzung der um­strittenen Reform betraut, meint dagegen gelassen: "Die Klagen sind doch an den Haaren herbeigezogen. Man will, daß die Volksschul­kinder Englisch lernen, aber das Wort ,daß' mit Doppel-S zu schreiben, soll zuviel für sie sein?"

18. 11. 1997

: Wenn eine Schlechtschreibung von oben diktiert wird. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 15, Briefe an die Herausgeber (602 wörter)
Ist es etwa belanglos, wenn Schüler (und nach ihnen Millionen Erwachsene) sich mit schlechteren oder gar falschen Schreibungen auseinander­setzen (ge­plant: "auseinan­der setzen") müssen? Warum sollen sie gezwungen werden, anders zu schreiben als der Bundes­präsident und der Bundes­kanzler, anders als die be­deutendsten deutsch­sprachigen Schrift­steller und Germanisten?

17. 11. 1997

: Die Rechtschreibung als Sache der Rechtsprechung. Wird das Bundesverfassungsgericht das letzte Wort über die Reform sprechen? Die Welt, , Forum
Daß die Rechtschreib­reform Sache der Rechtsprechung geworden ist, kann kaum erstaunen. Im Rechts­staat des Grund­gesetzes landet nahezu jedes gesellschaftliche Problem von politischer Relevanz bei der Justiz. […] Der ausgetüftelten Neuregelung der Recht­schreibung, der die Regierungen ihren Segen gegeben haben, fehlt es offensichtlich an Akzeptanz bei der Bevölkerung. Wäre es da nicht besser, die Recht­schreibung der Selbst­regulierung zu überlassen, mit der man bisher nicht schlecht fuhr? Die Deutschen, heißt es, sind ein rührend legalitäts­bedürftiges Volk. Was die Sprache angeht, so sollte sich jedoch der Staat jedweder Regelung enthalten und darauf vertrauen, daß sich die Normen im Konsens aller entwickeln, die mit der Sprache umgehen. Die Probleme, die jetzt soviel Staub aufwirbeln, erledigten sich dann von selbst.

Selbstregulierung? Aber gewiss doch! Eine entwicklung (z. b. fremdwort­eindeutschung, unzufriedenheit mit der grossschreibung) bahnt sich an, in teilen der sprachgemeinschaft (sprachwissenschafter) stellt man das fest, nicht so weit gehend wie in anderen teilen der sprach­gemeinschaft (z. b. BVR), und irgendwann kann sich auch die schule (staat) nicht mehr gegen die selbst­regulierung wehren. Aber zur selbst­regulierung gehört, dass teile der sprach­gemeinschaft immer anderer meinung sind, die anderen teile also nicht legitimiert sind. Der "Konsens aller" würde mindestens auch die toleranz aller voraussetzen. Für solche fälle hat der staat instrumente mit mehrheits­entscheiden erfunden; ohne sie würden wir immer noch in höhlen leben.

15. 11. 1997

: Spandauer Vater bringt Rechtschreibreform zum Kippen. Berliner Zeitung (),
Klarer Sieg für den 40jährigen Spandauer Gernot Holstein am Freitag vor dem Berliner Verwaltungs­gericht. […] Richter Hans-Peter Rueß […]: "Die Recht­schreibung hat eine grundlegende Bedeutung für die Entwicklung junger Menschen." Die Schule werde zur "Initiatorin einer veränderten Recht­schreibung in der Gesellschaft", anstatt die "allgemein anerkannte Rechtschreibung" nachzuvollziehen.
: "Ketchup" für Ulrike, Sigurd und Randolf. die tageszeitung Berlin, , nr. 5383, s. 26, Berlin Aktuell
Erfolg für Familienvater und seine drei Rangen: Verwaltungsgericht gab erstmals einer Klage gegen die Rechtschreib­reform statt. […] Gestern wurde erstmals der Streit um die Rechtschreib­reform von einem Verwaltungs­gericht nicht nur im Eil­verfahren verhandelt, wie in den bisherigen 22 Verfahren bundesweit, sondern in der Haupt­sache selbst.

14. 11. 1997

: Fetisch der Norm. Ein Weg aus der Rechtschreibkrise. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 41, Feuilleton (1004 wörter)
Die deutsche Ortho­graphie ist geregelt. Täglich werden Hundert­tausende von Texten gedruckt und geschrieben, die genau die­selben Schreib­weisen befolgen, wie sie in Millionen von Büchern bereits vorliegen. Es gibt einen Usus, der in seinem Kernbestand fraglos gilt und bisher vom Duden schlecht und recht be­schrieben war. Erfunden hat der Duden die übliche Recht­schreibung natürlich nicht. Sie ist vielmehr das Ergebnis einer jahrhunderte­langen Schreib­praxis von un­zähligen Menschen, die sich sehr wohl etwas dabei gedacht haben, wenn sie groß und klein, getrennt und zusammen­schrieben, Kommas und Anführungs­zeichen setzten.

Es werden – um es milde auszudrücken – auch texte geschrieben, die nicht genau dieselben schreib­weisen befolgen. Jedenfalls denken wir uns auch etwas dabei, wenn wir substantive klein schreiben.

: Das Rechtschreib-Pech. Die Presse, , Kultur & Medien
Eine Podiumsdiskussion im Palais Liechtenstein machte vor allem deutlich: Auch die Kommissions­mitglieder sind mit der Rechtschreib­reform nicht ganz zufrieden. […] Tenor dieses vom Club der Universität Wien vor allem mit Verfechtern der gemäßigten Klein­schreibung besetzten Podiums: Die Recht­schreibung sei als Bildungs­maßstab überbewertet. Und werde wohl an normativer Kraft verlieren.

13. 11. 1997

: „Unbegründete Neuschreibungen.“ Für eine Überarbeitung der Rechtschreibreform plädiert der Germanist Peter Eisenberg. Süddeutsche Zeitung, , Politik
Wie soll es mit der deutschen Orthographie weiter­gehen? In großen Worten wird sie mit der Steuer-, der Gesundheits- oder der Renten­reform verglichen, und mit genauso großen Worten wird sie zum Null­problem erklärt. Fast alle sind das Thema leid. Während­dessen läuft die Zeit davon und mit ihr einfache Lösungen. […] Dritte Wege sind selten gefragt. Trotzdem plädiere ich erneut für eine Über­arbeitung des beschlossenen Regelwerks.

Stellungnahme

7. 11. 1997

: Reaktionen: Rechtschreibreform. Die Presse, , Kultur & Medien
Evelyn Thornton, Lektorin für Deutschdidaktik an der Universität Wien, über die Rechtschreib­reform und deren Boykott durch "Die Presse". Populismus ist heute salonfähig, nicht nur in der Politik, im gesamten öffentlichen und medialen Bereich sorgt er für hohe Auflagen, Zuseher­quoten, Bekanntheit. So entdecken auch seriöse Zeitungen den Populismus für sich und begeben sich auf ein bisher nicht gekanntes Niveau.

4. 11. 1997

neu : Weiterer Schlag gegen die Rechtschreibreform in Sachsen. Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., s. 2 (297 wörter)
Das sächsische Ober­verwaltungs­gericht in Bautzen wies am Montag die Beschwerde der Regierung gegen das erst­instanzliche Urteil eines Dresdner Gerichtes ab, welches dem Antrag der Eltern eines Erstklässlers zur Aussetzung der Reform statt­gegeben hatte. Das Gericht meinte, das Persönlichkeits­recht des Kindes und das Erziehungs­recht seiner Eltern würden durch die Einführung der neuen Rechtschreib­regeln verletzt. […] Damit darf das betreffende Kind nicht nach den neuen Rechtschreibe­regeln unter­richtet werden.
: Schreibreform: "Mut, Fehler zu korrigieren!" Die Presse, , Kultur & Medien
Deutschlands Außenminister Kinkel will die Rechtschreib­reform aussetzen und fordert die deutschen Bundes­länder, Österreich und die Schweiz auf, das Regelwerk noch einmal zu überdenken. Das Büro von Ministerin Gehrer winkt ab. Kinkel sei in dieser Frage nicht kompetent.

11. 1997

: Einfach ignorieren! NZZ-Folio, , nr. 11, s. 87, Leserbriefe (21 wörter)
Wie wir uns die Scherereien ersparen, die der «Dudenklüngel» uns zumuten will, fragt Herr Schneider. Ganz einfach: Ignorieren!
: Versponnene Experten. NZZ-Folio, , nr. 11, s. 87, Leserbriefe (75 wörter)
Das allergrösste Ärgernis ist allerdings, dass eine Handvoll offensichtlich versponnener Experten selbst­herrlich über alle Köpfe hinweg diktiert, wie hundert Millionen Menschen zu schreiben haben!
: Inkonsequentes Stückwerk. NZZ-Folio, , nr. 11, s. 87, Leserbriefe (36 wörter)
Wolf Schneider spricht mir aus dem Herzen, wenn er die Rechtschreibe­reform zerpflückt, die ausser inkonsequentem Stückwerk nichts bringt.
: Plumper und tumber. NZZ-Folio, , nr. 11, s. 87, Leserbriefe (76 wörter)
Wer sich bei den Schreibschwachen anbiedert und dabei sinnvolle Bedeutungs­unterschiede einebnet, hat die Sprache nicht reformiert, sondern bloss ein bisschen plumper und tumber gemacht. Einer muss sich immer plagen: entweder der Schreiber oder der Leser.

Irrtum — eine schlechte rechtschreibung ist für alle schlecht.

: Auf den Punkt gebracht. NZZ-Folio, , nr. 11, s. 87, Leserbriefe (106 wörter)
Ein Bravo den Ausführungen zur Rechtschreibereform!
: Die »Rechtschreibreform« und ihre »utopische« Alternative. Utopie kreativ (), , nr. 85/86, s. 21 bis 48
Die vorgeschlagene Neuregelung stellt keine wirkliche, von wissen­schaftlichen Kriterien aus­gehende Rechtschreib­reform dar, sondern beinhaltet lediglich eine Reihe solchen Prinzipien zumeist diametral zuwider­laufender partieller Änderungen an den bisher geltenden Regeln. […] Die Chancen einer echten Rechtschreib­reform hängen also in hohem Maße von der fachlichen Qualifikation der für ihre Vorbereitung und Durchführung Verantwortlichen ab, seien es nun Sprach­wissenschaftler, Pädagogen oder Politiker. […] Dies bedeutet, daß einer echten Reform nur das phonologische und, hinsichtlich Zusammen- und Getrennt­schreibung, das gramma­tische Prinzip zugrunde liegen kann. Zu be­rücksichtigen sind dabei unbedingt auch der ökonomisch-ökologische und der inter­nationale Aspekt. Das semantische Prinzip – in ideo­graphischen oder Hieroglyphen­schriften un­vermeidlich – hat in einer Buchstaben verwenden­den Recht­schreibung nichts zu suchen.

27. 10. 1997

Büchner-Preis: Über Sprache und Fremdheit; H. C. Artmann nahm in Darmstadt den Büchner-Preis entgegen. Die Presse, , Kultur & Medien
Christian Meier, Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung, kritisierte in seiner Rede das Fest­halten der Kultus­minister an der Rechtschreib­reform. Es sei "nicht schlimm, Fehler zu machen", schlimm sei es, wenn "man sie weitertreibt bis ins Lächerliche hinein".

25. 10. 1997

: Worte als Juristenfutter. Walliser Bote, , 157. jg., nr. 247, s. 1, Kommentar (109 wörter)
Sollen jetzt aber Juristen über die deutsche Schreib­weise entscheiden? […] Die Rechtschreibe­reform scheint zum Vehikel für populistische Politiker ver­kommen zu sein. Auch in der Schweiz.
: Klage gegen Rechtschreibereform. Walliser Bote, , 157. jg., nr. 247, s. 3, Schweiz (333 wörter)
In der Schweiz ist erstmals eine Klage gegen die Rechtschreibe­reform eingereicht worden. […] Nach Darstellung des Klägers wird die Rechtschreibe­reform in der Schweiz trotz wachsendem Widerstand in Deutsch­land unbeirrt weitergeführt.

24. 10. 1997

: Rechter schreiben. Bürgerkrieg um die neue Orthographie. Die Zeit (), , nr. 44, Politik
Das Schauspiel trägt den Titel "Die Neuregelung der deutschen Schul­orthographie", bekannter unter dem arg hyperbolischen Namen Rechtschreib­reform. Stattfinden kann es, weil wir Deutschen zu Fundamentalisten werden, wenn es um Normen geht, und jene Minireform auf den liebsten aller Wege geschickt haben, den Rechtsweg. Seit März dieses Jahres mußten zwölf Verwaltungs­gerichte darüber entscheiden. Sieben entschieden dafür, fünf dagegen […].
Das Letzte. Die Zeit (), , nr. 44, Feuilleton
Und das Problem, ob der "Kuss", wie ihn die neue Rechtschreibung will, immer noch der alte Kuß sei, die Frage, die uns brennend auf der Seele hätte liegen sollen, lag uns gedankenlos Küssenden gänzlich fern. Nun aber die FAZ, die uns den Versöhnungskuß darbietet! "Auch der Kuss bliebe zärtlich", schreibt Kurt Reumann in seinem Leitartikel, wo er (bedenkt man den erbitterten Kampf des Blatts gegen die neue Schreibung) die über­raschende Fest­stellung trifft, "daß nicht alles schlecht ist an der neuen Regelung".
Rechtschreibstreit vor Gericht. Die Presse, , Kultur & Medien
Für seine Tochter zieht ein ober­österreichischer Anwalt vor das Verfassungs­gericht. Den letzten Anstoß zu diesem Schritt gegen die Rechtschreib­reform gab der Boykott der "Presse".

23. 10. 1997

: "Rechtschreibreform für Schüler unzumutbar." Die Presse, , Kultur & Medien
Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt will die Reform ausgesetzt wissen. Das Durcheinander sei für Schüler unzumutbar.

22. 10. 1997

: Justitias Mühen mit der Sprache. Widersprüchliche Urteile zur Rechtschreibreform schaffen Verwirrung. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Politik (472 wörter)
[…] mittlerweile 18 Gerichts­verfahren, die in den unteren Instanzen eine be­scheidene (7:6) und in den Berufungs­instanzen eine deutliche (4:1) Mehrheit für die Reform brachten.

21. 10. 1997

Deutsche Zeitungen kommentieren Rechtschreibreform. dpa,
Die bürgerliche "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ist der Ansicht: " […] Sprache ist nicht einfach Verfügungsgut, Manövrier­masse staatlicher Instanzen. Sie muß in ihrer Eigen­gesetzlichkeit geschützt werden. Eine Rechtschreib­reform darf also nicht zum Motor von Ver­änderungen werden, sie soll Wandlungen nur nachvoll­ziehen."
Gericht in Hamburg läßt Rechtschreib-Reform zu. dpa,
Nach Ansicht des Oberverwaltungs-Gerichts "gehört die Sprache dem Volk und ist vorstaatlich". Sprache dürfe deswegen nicht hoheitlich geordnet werden. "Der Staat darf nur bereits eingetretene Veränderungen der Sprache normieren, nicht aber Motor der Ver­änderungen werden, auch nicht aufgrund eines Gesetzes", äußerten die Richter in Hamburg.
: Schreibreform: Warten auf den Bundestag. Die Presse, , Kultur & Medien
Anfang Dezember soll der deutsche Bundestag über die Rechtschreib­reform entscheiden. In Niedersachsen, wo die zweite Instanz den Gegnern des Regel­werks recht gegeben hat, wird die Reform nun bis auf weiteres ausgesetzt.

20. 10. 1997

: Der Kuss bliebe zärtlich. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 1, Politik, Leitartikel (800 wörter)
Damit ihr Werk trotz des Rückzugs in der Klein­schreibung das Prädikat Reform verdiene, hat die Kommission sich auf ein Minenfeld gewagt, das die Rechtschreib­reform von 1901 ausgespart hatte: die Getrennt- und Zusammen­schreibung. Dabei versuchen die Neuerer, die Manie des "Duden", immer mehr Wörter zusammen­zuschreiben, zu kurieren - aber unter welchen Opfern! Die neue Manie des Auseinander­schreibens würde so viele Unter­scheidungs­schreibungen beseitigen, daß Wider­spruch, ja Wider­stand geboten ist. Wir wollen auch künftig auf den ersten Blick erkennbar machen, ob wir einen Pudding "kalt stellen" oder einen Politiker "kaltstellen", ob wir auf dem Stuhl "sitzen bleiben" oder in der Schule "sitzenblei­ben" […].

Wir erkennen den unterschied zwischen einem pudding und einem politiker auf einen blick.

15. 10. 1997

: Frankfurt oder: Das hartnäckige Gedruckte. Die Presse, , Kultur & Medien
Zwei Themen beherrschen die Frankfurter Buchmesse: Die Recht­schreibung und Buchpreis­bindung. Kaum ein Thema ist der alljährliche Rekord an Ausstellern. Beim in Deutsch­land sehr beliebten "juristischen Elf-Meter-Schießen" in der Frage der Rechtschreib­reform stehe es, so Kurtze, zur Zeit zehn zu drei für die Reform. Leid­tragende bei einer Kehrtwendung wären die kleinen und mittel­ständischen Verlage, die bisher fast ausschließlich die Kosten der Reform getragen haben.

1. 10. 1997

: Den Korsen fehlen die Worte. Aber im "Büro für weniger verbreitete Sprachen" werden sie mit dem Europagedanken versöhnt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. N6, Natur und Wissenschaft, Geisteswissenschaften
Das interessanteste Konzept, das die Fachleute beschäftigt, ist das eines neuen Mediävismus, nämlich eines Gesellschafts­systems, in dem die inter­nationalen Dimensionen der politischen und der Rechts­ordnung anerkannt und in den Vorder­grund gestellt werden. Das Rechts­monopol des Staates wird gebrochen, und über­greifende Formen der Autorität werden akzeptiert. Die neue Mittel­alterlichkeit ist vor allem für Minderheiten in Grenz­gebieten attraktiv. Sie würde es zum Beispiel den Basken und Katalanen auf beiden Seiten der spanisch-französischen Grenze erleichtern, auf be­stimmten Ebenen wie Kultur und Schule Verwaltungs­einheiten zu bilden. Die nieder­ländisch-flämische Sprachunion ist eine grenz­übergreifende Organisation, die auf die Sprach­gemeinschaft, nicht die nationale Gemein­schaft bezogen ist. Die deutsche Rechtschreib­reform wurde von Vertretern aller deutsch­sprachigen Länder beraten.

29. 9. 1997

: Rechtschreibreform: Reaktionen; der Gang zu Gericht ist der falsche Weg. Die Presse, , Kultur & Medien
Universitätsprofessor Dr. Heinz Dieter Pohl, Institut für Sprach­wissenschaft, Universität Klagenfurt, zur Rechtschreib­reform und ihren Boykott durch die "Presse". […] Die ganze Aufregung rund um die Rechtschreib­reform verstehe ich nicht ganz. Schon seit Jahren ist bekannt, daß sie kommt und es war auch schon lange abzusehen, daß sie keine "Reform", sondern bloß ein "Reförmchen" wird, denn radikale Neu­regelungen wie z. B. die sogenannte "gemäßigte" Klein­schreibung waren nicht durch­setzbar. […] Meiner Meinung nach sollte man also bei diesem "Reförmchen" bleiben und manche Auswüchse langsam zurücknehmen. Ähnliches ist Anfang der 60er Jahre in Slowenien geschehen, wo eine Neuerung (eigentlich Rückkehr zu einer alten Schreibung, die mit der modernen Aussprache nicht mehr übereinstimmt) auf Ablehnung weiter Kreise der Bevölkerung stieß.
Zitiert. Die Presse, , Kultur & Medien
Über die Rechtschreib­reform und den Boykott der Reform durch die "Presse": Christian Rainer, Herausgeber und Chefredakteur des "trend", Josef Votzi, Herausgeber und Chef­redakteur des "profil", und Wolfgang Fellner, Herausgeber des Nachrichten­magazins "News".

27. 9. 1997

: Wacker wider den Dialektsturm. Seit 50 Jahren streitet ein Mann mit seinem Verein gegen die Vormacht des Schwyzerdütsch. Süddeutsche Zeitung, , s. 3, Seite Drei
Was der unentwegte Kampf für die Erhaltung des Hochdeutschen bei einem Schweizer anrichten kann, sieht man an Werner Frick: Der 82jährige ist geistig und körperlich topfit. […] „Es ist ein aussichts­loser Kampf“, sagt er. Wer den lang­jährigen Geschäfts­führer des Vereins [für die deutsche Sprache] an der Alpen­straße in der Zentral­schweizer Stadt Luzern aufsucht, hört solche trockenen Klagen oft. […] Dafür ist das Eszett in der Schweiz verschwunden, das Frick trotzdem mit Vehemenz im Sprachspiegel hoch­gehalten hat. Aber sein jüngerer Nach­folger, ebenfalls Rentner, ließ diese Bastion vor kurzem fallen.
Zu hohe Schulungskosten. Die Presse, , Kultur & Medien
Österreichs Unternehmen wurden zur Rechtschreib­reform befragt: sie sei unlogisch, nicht notwendig und teuer in der praktischen Umsetzung. […] Eine Klein­schreibung mit logischen Abteilungs- und Beistrich­regeln fände wesentlich mehr Zustimmung.

25. 9. 1997

: Die Rechtschreibreform - schon jetzt Sperrmüll? Ein kritischer Überblick über die vorgesehene Neuregelung. Saarbrücker Zeitung, , Kulturleben
Seit langem ist die Großschreibung im Deutschen heftig umstritten, aber selbst die "gemäßigte Klein­schreibung" hat sich nicht durchsetzen lassen. Um so mehr verwundert die vermehrte Groß­schreibung.

24. 9. 1997

: Die Ansicht, die Schreibung einer Sprache sei mit dieser identisch, ist irrig. Frankfurter Rundschau, , s. 10, Freie Aussprache
In der Diskussion um die Rechtschreib­reform wird von vielen ihrer Gegner angeführt, daß die deutsche Sprache durch sie als Kulturgut gefährdet sei, daß die Reform daher von höchster Stelle (Gesetz­gebung, Parlament, Volks­entscheid) ent­schieden werden müsse. Diese Meinung beruht auf dem ver­breiteten Irrtum, daß die Schreibung einer Sprache identisch mit dieser selbst sei. […] Aber die Schreibung einer Sprache ist nicht die Sprache selbst. […] Von vorn­herein wurde auf die gemäßigte Klein­schreibung verzichtet […]. Diese wird mittler­weile von allen europäischen Staaten praktiziert. Dänemark hat 1948 auf die Groß­schreibung der Substan­tive verzichtet, ohne daß dort die Kultur verfallen wäre.

23. 9. 1997

: Rechtschreibreform: Reaktionen; Rechtschreibfehler entkriminalisieren! Die Presse, , Kultur & Medien
Dr. Richard Schrodt zum Boykott der Rechtschreib­reform durch die "Presse". […] Ob die Reform nicht mehr als ein Reförmchen ist, kann nicht so einfach entschieden werden. Tatsächlich konnten einige konsequente und vernünftige Reform­schritte wie die Einführung der gemäßigten Klein­schreibung nicht durchgesetzt werden. Aber diese Reform ist wahrscheinlich das Maximum dessen, was man in unserer politischen Situation durch­setzen kann, und da sie in manchen Bereichen entscheidende Verbesserungen und Vereinfachungen enthält, soll man sie nicht grundsätzlich ablehnen. Zudem zeigt sich eindeutig, dass die reformierte Schreibung zu weniger Rechtschreib­fehlern führt.
: Wer bereitete die Reform vor, und wer setzt sie um? Die Presse, , Kultur & Medien
Die "Zwischenstaatliche Rechtschreibkommission" soll nicht nur Unstimmigkeiten klären, sondern auch beobachten, welche Schreib­weisen sich letztlich durchsetzen. Es gibt noch Spielraum. Horst Haider Munske, von Anbeginn dabei, hat seine Arbeit niedergelegt. […] Der Arbeits­kreis bereitete die Entscheidungen vor — getroffen wurde sie von der Politik. Blüml jedenfalls wäre, wie auch Richard Schrodt, mit "der Klein­schreibung glücklicher gewesen" (Blüml).
Zitiert. Die Presse, , Kultur & Medien
Ich habe schon 1993 erklärt, daß es nur eine Pflege, keine Reform der Orthographie geben kann. Man muß die Regeln verständlich darstellen und dabei Widersprüche und Spitzfindigkeiten ausräumen. Diese Reform aber versteigt sich bis zur Sprach­planung . […] Horst Haider Munske, Linguist aus Erlangen, bis vor kurzem Mitglied der zwischen­staatlichen Rechtschreib­kommission, gegenüber dem Nachrichten­magazin "Der Spiegel" über seine Gründe, die Kommission zu verlassen.

18. 9. 1997

: Göttliche Schrift. Hangul als Symbol nationaler Identität. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 216, s. 45, Feuilleton (XX1045 wörter)
Zum sechs­hundertsten Mal jährt sich im September der Geburtstag von König Sejong (1397–1450). […] Er war es auch, der die koreanische Schrift, Hangul, einführte. […] Erst unter japanischer Kolonial­herrschaft (1910–1945) begannen sich Teile der Elite Koreas für den Gedanken einer nationale Schrift zu erwärmen. Hangul wurde zum Symbol des Widerstands […]. In der Zeitung «Tongnip Shinmun» (die Un­abhängigkeit) schrieben progressive In­tellektuelle auf koreanisch in Hangul, die sich freilich noch immer gegen die Kon­servativen durch­setzen mussten, welche […] weiterhin chinesisch schrieben. Zur offiziellen Schrift Koreas wurde Hangul erst nach der Un­abhängigkeit, fünfhundert Jahre nach der ge­scheiterten Reform. So lange dauert es zwar nicht immer, eine Schrift- oder Orthographie­reform durch­zusetzen; gleichwohl ist die all­gemeine Lehre, die aus dem koreanischen Beispiel gezogen werden kann, dass es kaum etwas Kon­servativeres gibt als eine etablierte Schrift­tradition.

16. 9. 1997

: Dem Leserauge wird mit einem "ß" geholfen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 15, Briefe an die Herausgeber (368 wörter)
Durch die neue Recht­schreibung wird dem Leser die Arbeit er­schwert, indem das Doppel-s, das weder Unter- noch Ober­länge hat, nicht so schnell ins Auge springt.

13. 9. 1997

: Es "denen da oben" mal zeigen. Berliner Zeitung (),
Der Kampf gegen die Rechtschreib­reform ist die erste plebiszitäre Bewegung mit bundesweiter Dimension – in Nieder­sachsen fällt wahrscheinlich die Entscheidung. […] Letzten Freitag nahmen die Reformgegner in Nieder­sachsen die erste Hürde zu einem Volks­entscheid. 25 000 gültige Unterschriften mußten sie beim Landes­wahlleiter abliefern. Für sie kein Problem. "Wir haben bereits mehr als zehnmal so viele gesammelt: über 290 000", sagt Professor Carsten Ahrens.

10. 9. 1997

: Wie wichtig ist die Rechtschreibreform? Podiumsdiskussion für Werbeleute. Neue Zürcher Zeitung, , s. 57 (919 wörter)
Man darf die Folgen der neuen Rechtschreibung in der Praxis nicht über­schätzen: Bei den meisten Texten findet man nur wenig Unter­schiede, wenn man eine Fassung in bisheriger Recht­schreibung mit einer Fassung nach neuen Regeln vergleicht. Dové machte die Probe aufs Exempel mit einer will­kürlich gewählten NZZ-Text­seite: Die neue Recht­schreibung führte zu vier Ver­änderungen. Es ist eben gar nicht so, dass es in Zeitungs­texten wimmeln würde von Dingen wie behenden Gemsen, die nach den neuen Regeln zu behänden Gämsen werden müssten.

6. 9. 1997

: Staatsziel Quäntchen. Die Rechtschreibung und die Verfassung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 33, Feuilleton (1407 wörter)
Doch die schwierigen verfassungs­rechtlichen Probleme, wie grund­rechtliche Freiheit zu sichern, föderale Einung zu bewerk­stelligen, demokratische Legitimation zu aktivieren ist, er­ledigten sich ganz einfach, wenn der Staat sich über­haupt jedweder Regelung enthielte, die Sprache sich selber regelte und die Schreibenden unter sich den Konsens über die Regeln her­stellten […]. In diesem kultur­anarchischen Verfahren, an Freiheitlich­keit überlegen jed­wedem Verfahren der Demokratie, hat sich Jahr­hunderte hindurch die deutsche Sprache entwickelt: im tag­täglichen, offenen Plebiszit, an dem alle mitwirken, die des Wortes mächtig sind und die deutsche Schrift­sprache beherrschen. Die unsicht­bare Hand, die Adam Smith im Markt­geschehen walten sah, leitet auch das Sprach­geschehen und bringt, alles in allem, vernünftige, verständigungs­förderliche Normen hervor. Die Selbst­regulierung der Sprach­gemeinschaft ermöglicht Tradition und Evolution, Eigen­willigkeit und Anpassung. Sie weiß autonome Durchsetzungs­mittel auf ihrer Seite: Kommunikations­bedürfnisse und Isolierungs­furcht.

Tolle idee, aber leider die übliche verwechslung von sprache und schreibung (stichwort schichtenmodell). Es gibt keine amtliche sprache, aber eine amtliche rechtschreibung.

5. 9. 1997

: Neue Regeln: Befürworter gehen in die Offensive. Saarbrücker Zeitung, , Politik
Alle Lehrerverbände sowie auch der Deutsche Didacta Verband unterstrichen, sie hätten sich eigentlich eine viel weitergehende Rechtschreib­reform gewünscht.
: Abgehobene Experten. Leserbriefe zu: Es herrscht allzu grosse Angst, TA vom 29. 8. (I). Tages-Anzeiger,
Die neue Rechtschreibung bringt tatsächlich Vereinfachungen, und man wird damit leben können, wenn man nicht allzu stur auf "richtig" und "falsch" beharrt. Dass sich die Schreibfehler infolge der neuen Regelungen vermindern werden, darf aber angezweifelt werden.
: Abgehobene Experten. Leserbriefe zu: Es herrscht allzu grosse Angst, TA vom 29. 8. (II). Tages-Anzeiger,
Wo leben denn eigentlich all die gescheiten Experten, die uns dieses wider­sprüchliche und schwer vermittelbare Regelwerk eingebrockt haben?
: Abgehobene Experten. Leserbriefe zu: Es herrscht allzu grosse Angst, TA vom 29. 8. (III). Tages-Anzeiger,
Eine überflüssige Reformkommission will diese liberale Atmosphäre, die die deutsche Sprache vor Sprachen mit autoritären Akademien auszeichnete, nun zerstören.
: Abgehobene Experten. Leserbriefe zu: Es herrscht allzu grosse Angst, TA vom 29. 8. (IV). Tages-Anzeiger,
Linguist Horst Sitta hat nicht nur an der Rechtschreib­reform mitgewerkelt — er verdient auch an ihr.
: Vom Versagen der Politik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 1, Politik, Leitartikel (761 wörter)
Noch augen­fälliger ist die Macht vermeintlich "politik­ferner" Gesellschafts­schichten bei der Rechtschreib­reform. Hier hat die Politik keines­wegs von vornherein versagt, sondern im Gegenteil hoheitlich neue Rechtschreib­regeln erlassen. Damit hätte die Sache ihren Gang gehen können. Doch lange bevor ver­schiedene Politiker die Materie zur eigenen Profilierung entdeckten, probte ein bayerischer Gymnasial­lehrer den Aufstand gegen die Obrigkeit und fand bald Nachahmer unter denen, die die frist­gerechte Kritik und somit die mittelbare oder un­mittelbare Mitarbeit an der Reform der Recht­schreibung vor der Wiener Erklärung versäumt hatten. Eine Handvoll klagender Eltern und an­gerufener Verwaltungs­richter, die sich alle nicht als "Politiker" im Sinne "der da oben" sehen, brachten das Reformwerk ins Wanken. Wird es endgültig zertrümmert — hat dann die Politik versagt? Oder haben sich nicht einfach andere Mächte durchgesetzt, die in dem demokrati­schen Staatswesen einfluß­reicher sind als die Kultus­minister?

3. 9. 1997

: Naturwissenschaftler sollten ran! Einige eigenwillige Gedanken zur geplanten Reform der Rechtschreibung. Saarbrücker Zeitung, , Politik (663 wörter)
Sie [den Al­pha­bete] ab­stra­hierten das gesprochene Wort und rationalisier­ten dessen Wieder­ga­be. Mit diesem rationalen Grund­prin­zip ist viel­fach Schindluder getrieben worden, und Philologen und Hi­sto­riker haben es dahin ge­bracht, daß Recht­schrei­bung eine komplizierte und un­systematische Sa­che geworden ist.

9. 1997

: Wie man drei Völker belästigt. NZZ-Folio, , nr. 9, s. 60, Sprachlese (785 wörter)
Leser haben sich noch nie gewünscht, dass die vertrauten Wortbilder sich ändern.

Man hat eben noch nie gehört, dass einem Drittel der Schulabgänger selbst die elementaren Lesefähigkeiten abgehen, Legasthenie werde in einigen Sprachen durch besonders komplizierte Rechtschreibung "forciert", so mancher schreibt nämlich schon heute nach neuen Regeln, ohne es zu ahnen; zur Erleichterung des Lesens sollte die Schriftsprache so weit wie möglich an die gesprochene Sprache angelehnt werden.

31. 8. 1997

: Rechtschreibung: Schweizer Schulen wollen die Reformen durchziehen. Sonntagsblick, , nr. 35, s. A22
Reformfreudige Schweiz: Selbst wenn Deutschland die Rechtschreibe­reform abbläst, werden an Schweizer Schulen die Lehrmittel umgestellt. […] «Unser Land kann die Rechtschreibe­reform auch ohne Deutschland realisieren», so Feller [Verlagsleiter der Interkantonalen Lehrmittel­zentrale (ILZ) in Luzern und Präsident der Konferenz der kantonalen Lehrmittel­verlags­leiter]. «Die Neuerungen sind nicht gravierend. Neben den üblichen Schweizer Eigenarten in der Schrift­sprache fallen sie gar nicht ins Gewicht.»

30. 8. 1997

: Kommas für Gebildete. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 201, s. 8, Briefe an die Herausgeber (291 wörter)
Um eine Klage zu begründen, wird jetzt allen Ernstes behauptet, die Anwendung der neuen Regeln – zum Beispiel bei der Zeichen­setzung – bedeute eine „Herab­setzung des Bildungs­niveaus". Mit diesem Argument kann man natürlich jede Vereinfachung von Ortho­graphie und Inter­punktion hinter­treiben.
: Ehedem Mittel-s und Schluß-s. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 201, s. 8, Briefe an die Herausgeber (215 wörter)
Bei der jetzigen Reform handelt es sich jeden­falls nicht um den Bruch mit einer hundert­jährigen Tradition, sondern um die Anpassung des Regel­werks an die neue Schrift, die im Zuge des Zweiten Welt­kriegs nicht mehr erfolgte.

29. 8. 1997

: "Es herrscht allzu grosse Angst." Tages-Anzeiger, , Kultur
Der Zank um die neue deutsche Rechtschreibung beschäftigt in Deutschland schon Gerichte. Einer von drei Schweizer Vertretern in der Reform­kommission war der Zürcher Linguistik­professor Horst Sitta. Wie steht er zum Streit? […] (Sitta:) Die Debatte scheint mir sehr deutsch zu sein. Bedauerlicher­weise geht es praktisch gar nicht mehr um die Inhalte der Reform. Hier liesse sich nämlich sehr leicht zeigen, wie sinnvoll die Neuregelung ist. […] Als man Anfang der neunziger Jahre in Deutschland die fünfstelligen Postleit­zahlen und in Österreich die neuen Autokennzeichen einführen wollte, hat es genau das gleiche Phänomen gegeben: Grossen Widerstand am Anfang, heute spricht niemand mehr davon.

28. 8. 1997

: Zu schwierig für Bismarck. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 9, Briefe an die Herausgeber (134 wörter)
Bismarck wechselte in einem englisch be­gonnenen Brief an seinen Studien­freund Motley (1870 amerikani­scher Gesandter in London) alsbald ins Deutsche, weil er "in so einer unortho­graphischen Sprache" nicht weiter schreiben könne.

27. 8. 1997

: Nihilisten der Schriftkultur. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 8, Briefe an die Herausgeber (301 wörter)
Reformbedürftig sind unsere Schrift und unsere Sprache in drei ganz anderen Punkten: Kurze und lange Vokale müßten durch gesonderte Zeichen dar­gestellt werden (vergleiche griechisch Omega und Omikron); sch, ch, ng müßten durch ein einziges Zeichen ersetzt werden; statt der Verrückt­heit, daß Zahlen in anderer Reihenfolge gesprochen als ge­schrieben werden, wäre die mündliche Diktion "zehnfünf" (15), "dreißig(und)fünf" (35) und so weiter einzuführen.

26. 8. 1997

: Das angewandte Schreibchaos. Die Rechtschreib­reform, ihre Kritiker und die Juristen: Alle machen sich lächerlich. Der Tagesspiegel, , Thema
Es ist lächerlich, was hier vor aller Augen abläuft. Die Reform ist lächerlich (unbedeutend in ihrem Gehalt), die professionellen Kritiker sind lächerlich (in ihrer aufgeblasenen Wichtigtuerei), die Juristen machen sich lächerlich (mit ihrem pseudo-logischen Argumentier­gehabe) und die Politiker lachen sich eins, weil sie Stoff im Sommerloch haben, der unverhofft kam und als Ablenkung sehr probat eingesetzt werden kann. Alle zusammen geben sich und Old-Germany der Lächerlichkeit preis. So gesehen ist Elfmeter­schießen gar nicht so schlecht. Da weiß man wenigstens, was man hat.
: Eine ziemlich deutsche Rebellion. die tageszeitung, , nr. 5314, s. 12, Kultur
Die Rechtschreib­reform wühlt die Volksseele auf. Darin äußert sich ein paradoxes Verhältnis zum Staat. […] Der Anführer der Rechtschreib-Rebellen, CSU-Mitglied Friedrich Denk, der immerzu betont, er habe noch nie dem Staat zuwider­gehandelt oder auch nur wider­sprochen, ist der Prototyp der Recht­haber und Recht­schreiber. Er behauptet doch tatsächlich, wenn die Anrede Du und Sie klein geschrieben wird, ginge ein Stück Höflichkeit flöten, und deshalb werde - so folgerten zuletzt Kläger vor dem Verwaltungs­gericht in Dresden - das Erziehungs­recht der Eltern berührt.

23. 8. 1997

: Nicht der Staat verfügt über die Sprache. Ernst Gottfried Mahrenholz: Warum die Reform der deutschen Rechtschreibung einen zweiten Anlauf bräuchte. Süddeutsche Zeitung, , Politik
[…] die Zusammensetzung des Gremiums, das die Rechtschreib­reform erarbeitet hat. Nach einem Jahrhundert wird das amtliche Regelwerk, immer schon ein wenig fortgeschrieben, durch eine Neufassung ersetzt. Ist das eine Aufgabe nur für Linguisten?

Ja.

21. 8. 1997

: Dia Rächtschriib-Reform isch a demokratischi Sach. Warum Deutschschweizer kaum schert, was Bundesdeutsche in Harnisch bringt. Frankfurter Rundschau, , s. 8, Feuilleton
Am Ende, spotten hier schon manche Leute, wird die übereifrige Schweiz das einzige deutsch­sprachige Land sein, in dem die Rechtschreibe­reform durch­gesetzt und pünktlich ein­geführt wird. "Die schweizeri­schen Instanzen sehen keinen Grund, nach dem negativen Verwaltungs­urteil in Hessen auf die Durch­führung der Rechtschreibe­reform zu verzichten," meldete die Schweizer Depeschen­agentur aus Bern. […] Gerade siebzehn Prozent der Deutsch­schweizer befürworten die Reform. Wenn die anderen sie ablehnen, dann vielleicht auch deshalb, weil sie keine Lust haben, ohne jede Not Opfer eines nach­barlichen Gründlichkeits­wahns zu werden, dem sie aus langer Erfahrung nicht ganz grundlos miß­trauen.

20. 8. 1997

: Verwunderung über Sprachenstreit. Schweizer begegnen Schreibreform gelassen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 4, Politik (519 wörter)
Die Schweizer verfolgen etwas irritiert das Hin und Her um die Rechtschreib­reform in Deutschland. Man zählt die Richter­sprüche in den Bundes­ländern wie Fußball­tore und wundert sich vor allem über die Emotionen, die solch be­scheidene Änderungen hervorrufen.
: Autoritätsvakuum im Streit um die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 9, Briefe an die Herausgeber (224 wörter)
Es gibt in unserem Lande wirklich kaum ein Gremium, das sich Entscheidungs­zuständigkeit anmaßt und bisher so versagt hat wie die Kultus­minister­konferenz der Länder. […] Es fehlt ihm nicht nur am rechtlichen Mandat für die Rechtschreib­reform, sondern an der bildungs­mäßigen und geistigen Legitimation.
: Am Rechtschreibreform-Grab. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 9, Briefe an die Herausgeber (143 wörter)
Die "Wesentlichkeits­theorie" bringt […] die Freunde der neuen Rechtschreibung in eine arge Zwickmühle. Entweder sie beharren auf dem alten Anspruch, hier gehe es um Wesentliches, nämlich um eine wirkliche Reform […] - aber dafür fehlt ihnen die rechtliche Grundlage. Oder sie sprechen, wie jetzt zu hören, von einer behutsamen Anpassung an veränderte Schreib­gewohnheiten, also etwas durchaus Un­wesentliches - aber dafür hätte eine Neu­auflage des Duden ausgereicht.

18. 8. 1997

: FDP für Aufhebung der Rechtschreibreform. Der Landbote, , 161. jg., nr. 188, s. 2,
Fraktionschef Hermann Otto Solms sagte, das ganze Vorhaben müsse begraben werden.
: FDP: Schreibreform endgültig begraben. Bundeskanzler plädiert für eine politische Lösung. Saarbrücker Zeitung, , Politik
Der Streit um die Rechtschreib­reform soll nach Auffassung von Bundeskanzler Kohl nicht vom Bundes­verfassungs­gericht entschieden werden. Statt dessen müsse rasch eine politische Lösung gefunden werden, an der Kultusminister, Minister­präsidenten, Bundes­regierung, Bundestag und Bundesrat beteiligt sind. […] Dagegen bezeichnete FDP-Fraktionschef Hermann Otto Solms neue Gespräche von Bund und Ländern über die Reform als "Unsinn" und wandte sich damit gegen den Kanzlervorstoß. […] Solms: "Wir sollten jetzt die ganze Rechtschreib­reform begraben." Die Rechtschreibung sollte sich "wie bisher begleitet von der Duden-Redaktion ganz natürlich weiterentwickeln können".
: Schreib-Reform: Eidgenossen geben sich gelassen. Saarbrücker Zeitung, , Themen des Tages
Der Streit in Deutschland um die Rechtschreib­reform macht die Schweizer ratlos. Opposition gegen die Reform gibt es im Alpenland nicht, aber die Begeisterung hält sich in Grenzen. […] Vieles wird für die 4,5 Millionen deutsch­sprachigen Eidgenossen […] nicht ändern. Mit einer Schwierigkeit müssen sich die Schüler im vier­sprachigen Alpenland seit 60 Jahren ohnehin nicht herumschlagen: Die Eidgenossen kennen kein Eszett.

15. 8. 1997

: Orthographie per Gesetz? Das Bundesverfassungsgericht und die Entscheidung über die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 12, Zeitgeschehen (1217 wörter)
Bei den Karlsruher Ent­scheidungen zur Wesentlichkeits­theorie handelt es sich vielfach um Fälle, die in der Öffentlich­keit breit diskutiert und politisch umstritten waren. […] Der Verwaltungs­gerichtshof für das Land Nord­rhein-Westfalen stellte dagegen in seinem Urteil zum Braunkohle­plan Garzweiler II ausdrücklich fest, daß "wesentlich" nicht nur "wesentlich für die Ver­wirklichung der Grund­rechte" meine, sondern auch "andere für das Gemeinwesen grund­legende Entscheidungen". Auch in dem Beschluß des Verwaltungsgerichts Hannover zur Rechtschreib­reform wird die Wesentlichkeit unter anderem mit der "Breiten­wirkung" der Reform begründet. Ob das Bundes­verfassungs­gericht dieser Auffassung folgt und damit ebenfalls eine gesetzliche Grundlage für die Rechtschreib­reform fordert, bleibt abzuwarten.
: Der Streit um die Rechtschreibreform. Was sich hinter den juristischen Auseinandersetzungen um Gesetz oder Verordnung verbirgt. Der Tagesspiegel, , Thema
Der Bundeskanzler hat von seinem Feriendomizil am Wolfgangsee zur Rechtschreib­reform verlauten lassen: "Ich halte es nicht für zumutbar, daß der normale Bürger jeden Tag etwas anderes liest." Kohl forderte umgehende Gespräche zwischen der Bundes­regierung, der Kultusminister­konferenz und den Minister­präsidenten.
: Nicht die Akademie bestimmt, sondern das Volk. Warum Regierungen in den USA, Grossbritannien und Frankreich auf eine Rechtschreib­reform verzichten. Der Tagesspiegel,
In den USA denkt man nicht an eine staatliche Rechtschreib­reform.

Bei uns auch nicht. Der staat soll nur in seinem engen bereich — der schule — vollziehen, was volk und wissenschaft wünschen.

13. 8. 1997

: Kulturpolitik im Panzerverband? Die Rechtschreib­reform: Versuch einer Lagebestimmung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 33, Feuilleton
Was immer man von der bisherigen Rechtschreibung und der von den Kultusministern beschlossenen Reform halten mag: Den gegenwärtigen Zustand kann doch wohl kein ernst zu nehmender Mensch mehr verantworten. Schüler, Lehrer, Eltern, Verlage verunsichert; Reformer und Ministerien schalten auf stur, Gegner der Reform nutzen alle Möglichkeiten, sie zu Fall zu bringen. Eine Gesellschaft, die eigentlich Wichtigeres zu tun hätte, in Graben­kämpfen um die eigene Sprache verfangen. So ist es kaum übertrieben, wenn man feststellt: Diese Lage ist unerträglich.
: Nur neues Wissen – oder mehr? Juristen streiten sich über die Rechtschreib­reform; Kernfrage ist, ob ihre Einführung per Gesetz oder Erlaß zu regeln ist. Süddeutsche Zeitung, , Politik
Verwaltungsgerichte in sechs Bundes­ländern haben bisher über die Zulässigkeit einer Einführung der neuen Recht­schreib­regeln an Schulen entschieden. In ihren Urteilen kamen sie zu unter­schiedlichen Ergebnissen: In Nordrhein-Westfalen, Nieder­sachsen und Hessen bewerteten Richter die juristischen Voraus­setzungen für die Einführung der Reform als unzureichend. In Thüringen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein dagegen akzeptierten sie die Umsetzung der Neuerung. Am heutigen Mittwoch wird voraus­sichtlich mit dem Ober­verwaltungs­gericht Schleswig erstmals ein oberes Gericht in der Sache über die Einführung der neuen Regeln entscheiden. In der Debatte um Buch­staben und Kommata gibt es mehrere juristische Fragen […].

12. 8. 1997

Die Entwicklung einer lebenden Sprache kann nur vom Volk ausgehen. Warum das Verwaltungsgericht in Hannover in einem Eilverfahren die Rechtschreib­reform vorerst gestoppt hat. Frankfurter Rundschau, , s. 10, DOK
Vergangenen Donnerstag gab das Verwaltungs­gericht Hannover seinen Beschluß (Az. 6 B 4318/97) bekannt. Danach ist eine ge­setzliche Grund­lage für die Ein­führung der Reform notwendig. Wir doku­mentieren die Begründung der nieder­sächsischen Richter leicht gekürzt.

9. 8. 1997

: Vom Wesen der Buchstaben. Frankfurter Rundschau, , s. 3, Politik, Kommentar
Nähmen wir es sportlich, es stünde 3:2 für die neue deutsche Recht­schreibung: zwei Verwaltungs­gerichte in Wiesbaden und Hannover, die die Reform stoppen, weil ihr die gesetzliche Grundlage fehlt; drei in Schleswig, Weimar und Mainz, die keinen Handlungs­bedarf sehen. Gegen eine sportliche Sicht aber spricht der Ingrimm, mit dem die Fehde geführt wird […]. In der juristischen Auseinander­setzung geht es im Kern um die sogenannte Wesentlichkeits­doktrin des Bundes­verfassungs­gerichts. […] Im konkreten Fall, und darin liegen die wider­sprüchlichen Eil­beschlüsse der Verwaltungs­gerichte begründet, sind Wesentliches und Marginalie zuweilen schwer zu unter­scheiden.
neu : Auf dem Prüfstand. Rechtschreibreform und europäische Integration. Saarbrücker Zeitung, (492 wörter)
Die Karlsruher Richter […] können sogar Gesetze außer Kraft setzen. Letztlich werden sie nun wohl über das Schicksal der Rechtschreib­reform und auch die einzelnen Schritte der europäischen Integration entscheiden müssen. Die Gerichte übernehmen so eine Aufgabe, die eigentlich den Volks­vertretern zugestanden hätte. Par­la­men­ta­rier, die ent­sprechende Urteile entweder lauthals begrüßen oder ver­dammen, sollten sich erst einmal an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob sie ihre Aufgabe ernst­genommen haben. Wenn Abgeordnete erst dann nach einem Gesetz zur Einführung der Rechtschreib­reform rufen, nachdem ein Gericht sie darauf aufmerksam gemacht hat, haben sie ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht.
neu : "Verunsicherung der Schüler bald beseitigen." Ein Ex-Lehrer und -Politiker zur Rechtschreibreform. Saarbrücker Zeitung, (436 wörter)
Als Lehrer, Rek­tor, Schulrat, Landtags­abgeordneter und Kultus­minister war Josef Jochem stets ein Mann des Wortes und der Sprache, und auch jetzt, mit 75 Jahren und im Ruhestand, weiß er wohl damit umzugehen. […] Josef Jochem, der im März 1965 an der Neunkircher Bachschule seine letzte Unterrichts­stunde ge­hal­ten hat, steht der Rechtschreib­reform durchaus offen gegenüber. Und er ist bereit, sich nach und nach die neuen Regeln anzueignen.

8. 8. 1997

: Recht auf Rechtschreibung. Der Tagesspiegel,
Wenn eine Gesellschaft alle Auseinandersetzungen auf den Rechtsweg schiebt, dann werden uns eines Tages nur noch Gerichte sagen können, was wesentlich und was unwesentlich ist. Am Anfang war das Wort, am Ende steht das Urteil.

4. 8. 1997

: Verfassungswidrig? Zum juristischen Streit um die Rechtschreibereform. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 177, s. 12, Feuilleton (862 wörter)
Mögliche Folgen für die Partner­länder, wie sie ein ein­seitiger Reform­abbruch haben könnte, kümmern in Deutsch­land fast niemanden. Die (mittler­weile) in ihrer Mehrheit reform­kritische deutsche Presse erweckt den Eindruck, auch Österreich und die Schweiz würden der neuen Rechtschreibung, so sie denn scheiterte, keine Träne nach­weinen. Man zitiert mit Vorliebe die Stimmen der Reform­gegner bei den Nachbarn, ignoriert aber, um für die Schweiz ein Beispiel zu geben, reform­beharrende Haltungen wie die von Vize­kanzler Achille Casanova oder von Christian Schmid, dem Kultur­beauftragten der EDK (NZZ 31.7.97).

1. 8. 1997

: Zitate zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 8, Briefe an die Herausgeber (135 wörter)
[…] eine Äußerung des Bundes­präsidenten über die Recht­schreibungs­reform […]: "Über­flüssig wie ein Kropf". Dabei bleibt, fast schon üblich, unerwähnt, daß der Bundes­präsident das aufgeregte und aufregende Gerede über die Reform ebenfalls für über­flüssig erklärte.

31. 7. 1997

: Durchhalteparolen für die Rechtschreibereform. Deutsches Gerichtsurteil ohne Folgen für die Schweiz? Neue Zürcher Zeitung, , nr. 175, s. 12, Inland (460 wörter)
«Für einen Abbruch der Übung besteht kein Anlass, und zudem ist es dafür zu spät», schreibt in einem Com­munique Vize­kanzler Achille Casanova, der seinerzeit die Absichts­erklärung von Deutschland, Österreich, Liechten­stein und der Schweiz in Wien unterzeichnet hat. «Ohne die nun in Deutschland auf­geworfenen rechtlichen Fragen kommentieren zu wollen», halte er die Reform für an­gemessen und sinnvoll.

30. 7. 1997

neu : Die Rechtschreibreform bereits gescheitert? Möglicherweise folgenreiches Gerichtsurteil in Hessen. Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., s. 1 (549 wörter)
Die deutsche Rechtschreib­reform hat am Dienstag einen vielleicht fatalen Rückschlag erlitten. Ein hessisches Verwaltungs­gericht hat den Reform­prozess mit der Begründung gestoppt, er bedeute einen derart starken Eingriff in die Bildungs­ziele, dass er auf einem Gesetz beruhen müsse. […] Es fehle den Kultus­ministern in den Ländern auch die Befugnis für die Einführung einer neuen Schreib­weise für die Be­völkerung, kritisierten die Richter. Die Kultus­minister hätten allenfalls Kompetenzen im schulischen Bereich.

26. 7. 1997

neu : Scheitert die Rechtschreibreform im Bundestag? Juristische Argumente zur Blockierung der Neuregelung. Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., nr. 171, s. 5, Ausland (945 wörter)
Die deutsche Rechtschreib­reform droht an einem negativen Votum des Deutschen Bundestages zu scheitern. Zwar kann das Parlament in Bonn in eigener Zu­ständigkeit nur be­schliessen, die 1994 auf der Wiener Orthographie­konferenz beschlossene Neuregelung nicht auf die Amts­sprache des Bundes anzuwenden. Eine solche Entscheidung würde jedoch die Einführung der neuen Regeln unmöglich machen.

4. 7. 1997

: Katastrophe für die Germanistik. Süddeutsche Zeitung, , s. 45, Leserbriefe (337 wörter)
Als den „Durchschnitts­schreibenden” sollte man aber nicht Abc-Schützen anpeilen, wie das Zabel und anderen Reformern offenbar in erster Linie vorschwebt. […] Meiner Ansicht nach hätten Didaktiker in die zwischen­staatliche Kommission gar nicht hineingehört: Fragen der Vermittlung sind nämlich stets nach­geordnet gegenüber der Aufgabe, ein in sich einiger­maßen kohärentes ortho­graphisches System zu beschreiben. Das ist in erster Linie die Aufgabe von Sprach­wissenschaftlern. Die haben in der Zwischen­staatlichen Kommission aber nur eine Minderheit dar­gestellt.
: Goethe kann sich nicht mehr wehren. Der Tagesspiegel, , Literaturspiegel
Auslöser der Proteste war zweierlei: Die neuen Rechtschreibwörterbücher, die nach dem Reformbeschluß der Kultusminister­konferenz in Millionen­auflage auf den Markt kamen, sowie die sofortige Einführung der Reform an den Schulen Bayerns und anderer Bundesländer, zwei Jahre vor dem vereinbarten Termin im Herbst 1998. […] Am schwersten wiegen die Einwände gegen die Ausrichtung der Reform: Für vermehrte Großschreibung und vermehrte Getrennt­schreibung, die - nach meiner Meinung - gegen die Grundstruktur unserer Orthographie und gegen die Sprach­entwicklung verstoßen und darum intuitive Ablehnung erfahren. […] Rechtschreib­reformen sind […] immer ein Gegenstand öffentlicher Debatte. Sie können nur erfolgreich sein, wenn sie hinreichend legitimiert sind und zumindest von einer Mehrheit der gebildeten Öffentlichkeit akzeptiert werden. […] Der Protest der Schriftsteller, der gebildeten Öffentlichkeit, der Einspruch von Linguisten, Juristen, Verlegern und Lehrern richtet sich jedoch nicht allein gegen bestimmte Mängel der Rechtschreib­reform, sondern vor allem dagegen, daß diese Interessengruppen von der Willensbildung um eine Reform ausgeschlossen waren. […] Könnte man mit der Rechtschreib­reform von vorne beginnen, wäre ein repräsentatives, beratendes Gremium beim Bundespräsidenten das geeignete Instrument, die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung aus der Sicht aller Betroffenen zu prüfen.

3. 7. 1997

: „Was soll rechtschreibung den schriftsteller angehn?“ Süddeutsche Zeitung, , s. 19, Leserbriefe (357 wörter)
Denks argumentation mit dem urheber­recht einer­seits und der un­möglichkeit eines neben­einanders in der schule anderer­seits läuft darauf hinaus, der recht­schreibung jede änderbarkeit abzusprechen. Denn auch wenn die neuregelung inhaltlich anders aussähe, wäre mit dem wider­stand lebender oder toter dichter zu rechnen. Wenn ich mir die historischen dimensionen vor augen halte, will es mir allerdings nicht so recht in den kopf, daß der entwicklungs­stopp genau nach Lenz und Walser wirksam wird und nicht etwa nach Goethe, der bekanntlich Rath und Meubel schrieb. (Stellungnahme).

7. 1997

: Rechtschreibreform - Vereinfachung oder Verunsicherung? Zur geplanten Neuregelung. Saarbrücker Zeitung,
Politische Wegbereitung zu längerfristigen Entkopplung der Standardisie­rung von staatlichen Regelungen: Die Informations­industrie (Verlage, Wirtschafts­verbände . . .) sollten in Zukunft in die Verantwortung einbezogen werden, zumal - etwa beim Deutschen Institut für Normung (DIN) - Prozeduren vorliegen, die analog auf die Schreibnormung angewendet werden können. […] Ich hätte mir persönlich eine weiter­gehende Reform unter Einführung der gemäßigten Kleinschreibung gewünscht. Vielleicht dauert es auch nicht noch weitere 90 Jahre, bis man sich zur gemäßigten Kleinschreibung durchringt: Wir sagen ja auch beim Sprechen nicht jedesmal "Klick", um anzuzeigen, daß jetzt ein Substantiv gesprochen wurde.

28. 6. 1997

: Lehrern kürzere Arbeitszeit verheißen. Süddeutsche Zeitung, , s. 13, Leserbriefe (419 wörter)
Er [Zabel] habe auch kein Verständnis für Eisen­berg, der sich als Reform­gegner in die Kommission habe hinein­wählen lassen. Für seine öffentliche Aussage in einer Berliner Talkshow, die Reform sei sprach­wissenschaftlich unhaltbar und gehöre auf den Müll, habe sich Eisen­berg inzwischen in der Kommission tausend­fach entschuldigt.

23. 6. 1997

: Zentralgewalt nie für Rechtschreibung zuständig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, Briefe an die Herausgeber (413 wörter)
Die deutsche Sprache und Kultur ist niemals von konstituti­ver Bedeutung für das Entstehen oder die Definition deutscher Staatlichkeit gewesen. […] Was nun die Rechtschreib­reform betrifft, so hat das Bundes­verfassungs­gericht in seinem Urteil vom 21. Juni 1996 auf die Berliner Konferenz von 1901 verwiesen. Diese Konferenz fand zwar auf Einladung der Reichs­regierung statt, war aber ohne jede verfassungsrechtliche Bedeutung. […] Der damalige Bundesrat, der den Gesetzes­befehl erteilte (nicht der Reichstag), beschloß lediglich eine Empfehlung an die Länder (kein Gesetz), die Reform um­zusetzen […].

18. 6. 1997

: Tote Schriftsteller können sich nicht mehr wehren. Süddeutsche Zeitung, , s. 50, Leserbriefe (699 wörter)
Von der ss-Regel abgesehen, die nichts einfacher macht, sind sogar nur 45 verändert, also umgerechnet nur eines von 383 Wörtern. Das ist viel zu wenig, um irgendeine Erleichterung zu ermöglichen. Und wegen so weniger Änderungen sollen die Bücher neu gedruckt und alle Computer umgestellt werden und alle Schulen und alle Behörden und (wie es im „Amtlichen Regelwerk” definitiv heißt) „alle, die sich an einer allgemein gültigen Rechtschreibung orientieren möchten”, mühsam umlernen?

17. 6. 1997

: Sprache als Bundeskompetenz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 8, Briefe an die Herausgeber (248 wörter)
Die Kompetenz des Bundes aus der Natur der Sache hat bislang in der Diskussion um die Recht­schreibung keine an­gemessene Beachtung gefunden. Der Bund sollte daher die Chance zu einer Neu­regelung alsbald nutzen.

13. 6. 1997

: Bundestag erhielt Protest-Unterschriften. Das Parlament, , 47. jg., nr. 25, s. 2, Blickpunkt
Ein Stopp der Rechtschreib­reform kommt aus Sicht der Kultus­minister nicht in Betracht. Der Unmut auch aus dem Bundestag lasse lediglich einen schlechten Informations­stand erkennen, sagte der Präsident der Kultusminister­konferenz (KMK), Rolf Wernstedt (SPD), Anfang Juni in Bonn.
: Wer darf Rechtschreibung vorschreiben? Anhörung zu einer umstrittenen Reform. Das Parlament, , 47. jg., nr. 25, s. 2, Blickpunkt
Arg spät hat sich bekanntlich auch der Deutsche Bundestag der neuen Rechtschreib­regeln angenommen, haben sich Reform­gegner hinter einem Antrag des F.D.P.-Ab­geordneten Detlef Kleinert formiert. Anfang Juni befaßte sich der Rechts­ausschuß in einem Hearing mit der höchst strittigen Materie. […] Vehement bestritt Prof. Rolf Görschner (Jena) der KMK das Recht, eine neue Recht­schreibung vorzugeben. Mit der Reform greife die Exekutive „weit über den Schul­bereich hinaus in die gesell­schaftliche Sphäre ein“.

7. 6. 1997

: Die Rechtschreibreform wird zu einer Verfassungsfrage. Die Zuständigkeit des Bundes / Der Wesentlichkeitsgrundsatz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 2, Politik
Zunächst also wird von den Gegnern der Rechtschreib­reform eine Kompetenz des Bundes in Anspruch genommen "kraft Natur der Sache". Weiter aber heißt es, daß auch der Bund eine solche Regelung nicht auf dem Verwaltungswege treffen könne (wie es das Deutsche Reich bei der letzten Rechtschreib­reform im Jahre 1901 getan hat). Vielmehr greife hier die vom Bundesverfassungs­gericht entwickelte "Wesentlichkeits­theorie" ein, wonach Gegenstände, die von erheblicher Bedeutung sind und in Grundrechte eingreifen, vom Gesetzgeber "selbst" geregelt werden müssen — dann auch mit der verfassungs­rechtlich gebotenen Zitierung der jeweils eingeschränkten Grundrechte. Bei der Rechtschreib­reform kommen in Frage das allgemeine Persönlichkeits­recht, aber auch das elterliche Erziehungsrecht.

Siehe stellungnahme des Bundes für vereinfachte rechtschreibung!

: Verpfuschte Reform. Die Welt (),
Die Reform erschwert das Lesen, indem sie Buchstaben, die als Lesehilfe dienten ("ß" nach kurzem Vokal: "Flussaal", "Nasschemie", "Fressorgie", "hasserfüllt"), logische Trennungsregeln ("ab-strakt" jetzt auch "abst-rakt", "Gras-steppe" jetzt auch "Grass-teppe", "kuß-echt" jetzt "kuss-echt", aber auch "kus-secht", "Miß-stand" jetzt auch "Misss-tand") sowie Gliederungselemente von Sätzen (Kommas vor erweitertem Infinitiv und im Klammersatz) beseitigt.

Dafür prägte man 19 jahre später den begriff «fake news».

30. 5. 1997

: Furcht vor Psychoterror der Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, Briefe an die Herausgeber (313 wörter)
Inzwischen haben aber zwei Mitglieder der zwischen­staatlichen Kommission ihre Scheu über­wunden und […] sich von der Reform distanziert und sie für irrepara­bel erklärt: Professor Peter Eisen­berg […] und nun auch Professor Horst Haider Munske […]: Dieses Kuckucks­ei müsse man zerstören. Beide Reformer verdienten nur dann Dank, wenn sie ihren Worten nun auch Taten folgen ließen, die "Abriß­birne" nicht nur schwingen, sondern sie auch tat­sächlich "gegen die Ruine ‚Rechtschreib­reform‘" krachen ließen.

12. 5. 1997

neu : Das Ende der Glosse. Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., nr. 107, s. 19, Feuilleton (659 wörter)
Das Volk der ehemals mit einem gewissen Geschick Deutsch schreibenden und sprechenden Dichter und Denker zerfleischt sich über Rechtschreib­fragen, aber es kennt die Sprach­glosse nicht mehr, die einst radikalste Form der Sprach­kritik. Karl Kraus wäre heute nicht mehr als «Fackel»-Kritiker von der Partie, sondern agierte, sagen wir, unter dem Namen Fried­rich Denk. Das «Wörter­buch des (politischen und techno­kratischen) Un­menschen», «Die Sprache in der ver­walteten Welt» – das war einmal, so schul­meisterlich, so besser­wisserisch, so sprach­konservativ, wie es sich für einen leidenden Liebhaber der Sprache gehörte, die Domäne der Sprach­glosse. Doch heute ruft der Reform-, nicht der Sprach­kritiker lieber die Sprach­verwaltungs­gerichtsbarkeit an.

9. 5. 1997

: Wörtergewitter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 12, Zeitgeschehen (159 wörter)
Das Basel­bieter Kantons­parlament hat der Kantons­regierung gegen deren Willen den Auftrag erteilt, bei der Schweizer Konferenz der Erziehungs­direktoren "den Nicht-Vollzug" zu be­antragen.

21. 4. 1997

: Ringel oder Radzahn. Deutsche Szene: Die Rechtschreibreform im Bundestag. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 41, Feuilleton (894 wörter)
Als letzter Redner tritt der Abgeordnete Höllein ans Pult. Er spricht für die Fraktion der Kommunisti­schen Partei und erklärt, daß seine Fraktion dem Antrag zustimmt, "um den Anfang für eine ein­heitliche Durchführung der Recht­schreibung in Deutschland zu machen, um so von unten her in dieser Frage endlich zur Einigkeit zu gelangen". […] Es kommt zur Abstimmung, der Antrag wird angenommen, die Rechtschreib­reform an die Ausschüsse verwiesen, die Sitzung geschlossen. Die ge­schilderte Debatte hat in der 61. Sitzung des Deutschen Reichstages statt­gefunden, und zwar am 16. Mai 1925 […]. Aller­dings sprachen Theodor Heuss und seine Kollegen nicht über die Rechtschreib­reform, sondern über die Reform der Steno­graphie und die Einführung der Einheits­kurzschrift

19. 4. 1997

: Eine unterschätzte Reform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 2, Politik (318 wörter)
Am Freitag mittag hat sich in Bonn eine düstere Ahnung bestätigt. Das Interesse der politischen Klasse an der Rein­erhaltung der deutschen Sprache kennt seine engen Grenzen. Ein Blick in das Plenum des Deutschen Bundestages ließ den tiefen Wahrheits­gehalt dessen erahnen, was die Sozial­demokratin Harten­stein ebendort mahnend vortrug: Die Bedeutung der jüngsten Rechtschreib­reform wird in der Öffentlich­keit weit unter­schätzt.

18. 4. 1997

: Wörterfresser. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 1, Politik, Leitartikel (789 wörter)
Einem Kultus­minister, der wie seine Kollegen behauptet hatte, durch die Rechtschreib­reform gehe kein einziges Wort verloren, sagte ein Kritiker: "Ich hoffe, Sie können wieder sehen, wenn wir uns wieder­sehen." Ob dem Minister wohl bekannt war, daß rigorose Vorschriften für das Getrennt­schreiben solch ein Wortspiel unmöglich machen? Es ist ihm wohlbe­kannt. Er weiß auch, daß ein frischgebacke­nes Ehepaar schwerer zu verdauen ist als ein frisch gebackenes. Trotzdem bleibt dieser Wörter­fresser stur. Eine Kehrt­wende mag ihm schwerfal­len, weil er dabei schwer fallen könnte.

14. 4. 1997

: Bei Diktatfehlern zum Kadi. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 9, Briefe an die Herausgeber
Viele unerfreuliche Begegnungen zwischen Lehrern und Eltern sind programmiert, wenn im Diktat der Lehrer zum Beispiel nach dem Duden ent­scheidet und die Eltern sich auf die Schreib­weise von Wahrig oder Bertels­mann oder eines anderen Wörter­buchs beziehen. Und es wird sicher Eltern geben, die des­wegen vor Gericht gehen.

4. 4. 1997

: Mit der Brechstange in das Gefüge der Schriftsprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 9, Briefe an die Herausgeber (919 wörter)
Millionen Deutsche sind in ihrem — plötzlich wieder­erwachten — Sprach­gefühl und Sprach­vertrauen verletzt und verstört. Schrift­steller, Journa­listen, Verleger, Lehrer, Sprach­wissenschaftler haben inzwischen ein ver­nichtendes Urteil über die sogenannte Reform und das Vorgehen der Betreiber gefällt; die Kritik geht zu­nehmend in Hohn und Spott über.

2. 4. 1997

: Der alljährliche Querschnitt durch den bernischen Humor. Der Bund, , 148. jg., nr. 75, s. 23
Aprilscherz / Was gilt in bernischen Landen heuer als besonders lustig? […] Wahr ist, dass die neue Schreibung der deutschen Sprache unausweichlich auch das Bernbiet erfassen wird. Unwahr ist hingegen, dass gleichzeitig eine ortho­graphische Revolution die bernische Geographie umkrempeln wird: Die im «Bund» von gestern vorgestellten «revidierten» Ortsnamen Tun, Fechingen, Iegensdorf, Itingen, Kersaz, Langental, Lis, Niderbib, Uzensdorf und Zolikofen waren blosse Erfindung, waren ein Scherz.

1. 4. 1997

: Ortsnamen im Wandel: Tun statt Thun. Der Bund, , 148. jg., nr. 74, s. 1
Trotz heftigen Protesten gegen das regierungsrätliche Vorhaben, dieser Tage die ersten bernischen Ortsnamen der neuen deutschen Schreibung anzugleichen: Die Regierung hält an der «unumgänglichen neuen Schreib­weise» fest. Die bernische Kantons­regierung beeilt sich für einmal in unbernischem Tempo, die Ortsnamen der Rechtschreibe­reform anzupassen.
Der Kanton Bern prellt in einem Pilotprojekt vor, ohne die Gemeinden begrüsst zu haben: Neu heisst etwa Thun offiziell Tun.

25. 3. 1997

: Buchstaben aus dem Bauchladen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 71, s. L32, Literaturbeilage, Neue Sachbücher (274 wörter)
„Schreiben, wie man spricht“, lautete viele Jahr­hunderte lang das fort­schrittliche Ideal für die Rechtschreibung. […] Der Sprach­historiker Bernard Cerquiglini hat die Orthographie­diskussion in Frankreich für den Zeitraum vom zwölften Jahr­hundert bis 1694 nach­gezeichnet.

20. 3. 1997

Zweierlei "Gesprächskultur" bei der Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, (546 wörter)
Wurde ein einziger Kritiker zu einem Gespräch eingeladen? Nein. Vielmehr verhöhnte Hans Zehetmair die be­deutendsten deutsch­sprachigen Autoren, sie seien "offenbar von einer mehr­jährigen Auslands­reise zurück­gekehrt" […].
: Nicht abzuwendende Blamage der Kultusminister. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, Briefe an die Herausgeber
Da jedoch viele bekannte Schrift­steller und führende Zeitungen bereits erklärt haben, daß sie die Rechtschreib­reform ignorieren wollen, richten sich nun die Maß­nahmen gegen den wehr­losesten Teil der Gesellschaft, die "den Kultus­ministerinnen und Kultus­ministern anver­trauten Schülerinnen und Schüler" […].

18. 3. 1997

: I love you and Isle of view — glücklich ohne Duden. Basler Zeitung, , 155. jg., nr. 65, s. 2
Während im deutschsprachigen Raum die Duden-Kommission wie ein Strafgericht über gutes und schlechtes Deutsch urteilt, gibt es für die Weltsprache Nummer eins keine entsprechende Institution. Lediglich eine Zweimannshow wacht über die englische Sprache.

16. 3. 1997

Schweizer fordern: Stoppt die Reform! Sonntagsblick, , nr.11, s. 30
Gemäss dem Sonntags-Blick-TED vom letzten Wochenende wollen 92 Prozent der Anrufer die Rechtschreibe­reform sofort stoppen! Ein Reizthema ist die neue Orthographie vor allem für ältere Menschen. 70 Prozent der Abstimmenden waren älter als 50jährig. […] Der Basel­bieter SD-Nationalrat Rudolf Keller hat diese Woche eine parlamentarische Initiative eingereicht. […] Der Schrift­steller und vehemente Reform­gegner Adolf Muschg findet politische Massnahmen überflüssig: «Es reicht, die am grünen Tisch ausgeheckte Reform zu ignorieren.»

15. 3. 1997

: Rechtschreibreform im Gespött des Auslands. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 8, Briefe an die Herausgeber (291 wörter)
Wenn überhaupt der Staat die Recht­schreibung regeln soll, dann kann die Kompetenz nur beim Bund liegen, gemeinsam mit den zuständigen Verfassungs­organen der anderen deutsch­sprachigen Staaten. Aber haben wir es nicht gerade hier mit einem Komplex zu tun, der bestens ohne staatliche Eingriffe funktioniert hat?

9. 3. 1997

: Zu früh korrigiert! Die Rechtschreibereform bereits wieder in Frage gestellt. Sonntagsblick, , nr.10, s. 15
Die Schweizer sind Musterknaben: Lehrer und Schüler büffeln bereits heute die neuen Orthographie-Regeln. […] Doch die pflichtbewussten Schweizer werden möglicher­weise bestraft für ihre Eile. Denn in Deutschland wächst der Widerstand gegen die Rechtschreibe­reform. […] «Wir lassen uns von der Störmusik aus Deutschland nicht beeinflussen und halten uns an die Abmachungen», sagt Christian Schmid von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren bestimmt. […] Schweizer Schriftsteller wie Peter Bichsel und Adolf Muschg boykottieren die neue Recht­schreibung sowieso. Mit ihnen einige Schweizer Buch­verlage. Jetzt melden sich aus dem National­rat Stimmen gegen die Reform. Freiheitspartei­chef Roland Borer fordert: «Übung abbrechen!» […] Liebe Leserinnen und Leser, uns interessiert Ihre Meinung. Soll die Rechtschreibereform in der Schweiz gestoppt werden?

5. 3. 1997

: Recht schreiben. Widerworte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 41, Feuilleton (402 wörter)
Mir ist keine einzige Wider­legung der sachlichen Einwände gegen die Rechtschreib­reform bekannt, auch nicht der Versuch, sie zu widerlegen. Sie sind un­widerlegbar. Deshalb, scheint mir, mauern die Kultus­minister.
: An der Mehrheit vorbei. Die Welt (),
[…] die selbstherrliche Kultur­bürokratenkaste […] will den Deutschen durch autoritäre Verwaltungsakte beibringen, wie sie zu schreiben und damit auch zu reden haben. […] Deutsche orthographische Regelwerke vermochten immer nur, dem Volk "aufs Maul", sprich: auf den Federkiel, zu schauen und gültigen Sprach- und Schriftgebrauch aufzuzeichnen, zu systematisieren und in Regeln zu fassen. Genau dies ist über Jahrzehnte die Tugend des "Duden" gewesen. […] Was aber jetzt als Rechtschreib­reform mit obrigkeits­staatlichem Druck durchgesetzt werden soll, ist das Gegenteil: ein autoritärer Verwaltungsakt.

4. 3. 1997

: Das deutsche Italienisch. Neue Zürcher Zeitung, , nr. 52, s. 45, Feuilleton (400 wörter)
Nun aber gibt der Aufbau-Verlag einen Kriminal­roman von Nino Filastò heraus […]. Im Original trug das Buch den Titel «La moglie egiziana», in der Übersetzung entschied man sich […] für «Der Irrtum des Dottore Gambassi». Ähnlich wie il canale verliert il dottore das Schluss-E, wenn ein Name folgt. Soviel wussten auch die Berliner Lektoren. Die Abweichung recht­fertigen sie wie folgt: «Um dem deutschen Sprach­empfinden entgegen­zukommen, hat sich der Verlag ent­schlossen, das korrektere ‹Dottor Gambassi› im Titel abzuwandeln in ‹Dottore›.» Ob das eine kompensato­rische Massnahme im Rahmen der Orthographie­reform ist, welche dem ver­letzlichen deutschen Sprach­gefühl offenbar doch mehr Kränkungen zufügt als ur­sprünglich voraus­gesehen?

28. 2. 1997

: Nun streitet auch Bonn. Rechtschreibreform: Was bewegt die Gegner? Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., nr. 49, s. 45
Es bringe Deutschland nicht voran, wenn das Wort «Schiffahrt» künftig mit drei statt zwei «f» geschrieben werde, hat Theo Waigel am traditionellen politischen Ascher­mittwoch seiner Partei in Passau erklärt.
: Memorandum zur Rechtschreibreform. (Univ. des Saarlandes, informations­wissenschaft),
Adressaten: fraktionen des deutschen bundestages. Die Konferenz der Kultus­minister der Länder (KMK) war und ist zuständig für derartige Regelungen. Niemand hatte dies jahrzehntelang bestritten. […] Ich denke, dass die meisten der "Sorgen" absolut unbegründet sind.

21. 2. 1997

Tippelbrüder. Die Wochenzeitung, , 16. jg., nr. 8, s. 32, die letzte
Wenn «Facts» etwa ein ganzes Dossier mit «Steuertipps» statt «Steuertips» zum besten gibt, denken wir, dass uns das zwar vielleicht Steuern sparen hilft, nicht aber Lesezeit.
: Die Rechtschreibreform: Ein Vorschlag zur Güte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , S. 35, Feuilleton
Eine Rechtschreibreform ist nur dann sinnvoll, wenn sie ohne Gefährdung der Sprachkultur das geltende Regelwerk für die Recht­schreibung durch Toleranz und Deregulierung vereinfacht. Die folgenden fünf Vorschläge sollen diesem Zweck dienen und sind dazu bestimmt, eine von ihrer eigenen Kasuistik und Rabulistik verwirrte Rechtschreib­reform überflüssig zu machen: 1. "Scharfes S" entschärfen. 2. Drei gleiche Konsonanten entzerren. 3. Nur eine einzige Kommaregel beachten. 4. Silbentrennung als unwichtig ansehen. 5. Grenzfall­toleranz üben.

5. 2. 1997

DRS I, 20.00: Spasspartout. Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 29, s. 47, Radio und Fernsehen, Programmhinweise
Kaktus: Fettnäpfchen, Recht­schreibung, Links oder rechts? […] Wie geht es nun eigentlich mit der Recht­schreibe-Reform weiter?

2. 1997

: Überblick über die Geschichte der Bemühungen um eine Rechtschreibreform in der Schweiz von 1901 bis 1996. 2. Teil: Von den siebziger Jahren bis 1996. Sprachspiegel, , 53. jg., nr. 1, s. 17 bis 22
Mit Blick auf die vielen misslungenen und wenigen gelungenen Bemühungen um eine Reform der deutschen Rechtschreibung lässt sich festhalten [Gallmann/Sitta]: «Ein gesellschaftli­ches Normenwerk wie die Rechtschreibung lässt sich nicht eigentlich reformieren; man kann es pflegen, kann Wildwuchs beseitigen, aber nicht mehr.»

29. 1. 1997

neu : Appelle, Klagen, Volksbegehren. Neues vom Widerstand gegen die Rechtschreibereform. Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., nr. 23, s. 43, Feuilleton (1018 wörter)
Schüler, Lehrer und Verwaltungs­bedienstete sind von den ortho­graphischen Neuerungen am stärksten betroffen. Zum geballten Massen­protest haben sie sich bisher nicht aufraffen können. Den besorgen in Bayern und Schleswig-Hol­stein die Initiati­ven «Wir gegen die Rechtschreib­reform».
: Die Orthographiereform wird Altpapier. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 11, Briefe an die Herausgeber (224 wörter)
Vor kurzem ist die zwischen­staatliche Kommission ein­gesetzt worden, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, die weitere Entwicklung der Rechtschreibung zu beobachten und zu steuern. Nun wird sie aber — das ist bereits zugesagt — für längere Zeit damit beschäftigt sein, das Reformwerk selbst nach­zubessern.

28. 1. 1997

: Solidarität kostet etwas. Generalversammlung des Deutschschweizer PEN-Zentrums. Neue Zürcher Zeitung, , 218. jg., nr. 22, s. 43
Auf den Einzelantrag, Stellung zur Rechtschreibereform zu beziehen, wurde nicht eingetreten. «Wer Sprachveränderungen fürchtet, soll Latein schreiben», meinte ein Autor.

11. 1. 1997

: Fehlende Argumente für mißglückte Reform. Süddeutsche Zeitung, , s. 11, Leserbriefe (544 wörter)
Wer vom ersten Tag an, seit unserer Presse­konferenz auf der Frank­furter Buch­messe am 6. Oktober 1996, unser gemeinsames Unter­nehmen („Denk & Co. ” schreibt Professor Zabel) begleitet oder auch nur beobachtet hat, ist voller Bewunderung für seinen schier unfaßbaren Aufwand an Kraft, Frei­zeit und finanziellen Mitteln. Friedrich Denk hat Respekt, nicht schäbige Ver­dächtigungen verdient.

10. 1. 1997

: Auch mit der Gämse zufrieden. In der mehrsprachigen Schweiz ist eine Änderung der Schreibweise kein Sakrileg. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , S. 10, Politik/Zeitgeschehen
Für die meisten Eidgenossen ist das keine Sünde wider die Sprache, sondern eine Reform, die manche Spitzfindigkeit beseitigt und das Schreiben einfacher macht, etwa bei den Komma- und Trennungs­regeln. Diese Unauf­geregtheit ist nicht allein Schweizer Pragmatismus zuzuschreiben. Ein mehr­sprachiges Land muß beim Reden und Schreiben gelassener, wenn nicht gar toleranter sein. […] Nicht einmal die Kosten der Reform irritieren die Schweizer, die doch sonst als Rappenspalter bekannt sind.

9. 1. 1997

: Orthographie wird Ansichtssache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , S. 1, Politik, Leitartikel
Es sieht so aus, als habe die politische Exekutive einen Fehler begangen, als sie die Rechtschreibung in ihre Regie nahm. […] Das Monopol des Duden sei nun gebrochen, frohlocken die Anhänger der Reform. Das sei gut, weil ein Privatunternehmen keine normgebende Instanz sein dürfe. Aber dieses Argument beruht auf einem Irrtum. Denn in den vergangenen Jahrzehnten war der Duden keine normgebende Instanz mehr. Vielmehr billigte er in gebührendem Abstand, was der Sprach­gebrauch ihm vorgab, Vernünftiges wie Unvernünftiges. Allein die Reformer und ihre Kultus­bürokratie glauben noch an die Norm. […] Die Reform versucht, etwas zu reparieren, was bestimmt nicht schlechter funktionierte als das, was an seine Stelle tritt. Der Erfolg dieser Reparatur besteht darin, daß die Rechtschreibung ihre Verbindlichkeit verliert. […] Viel spricht dafür, daß die Reform sich nie durchsetzen wird.

Die "politische Exekutive" hat die rechtschreibung nicht "in ihre Regie" genommen, dort war und ist sie, weil der mensch die rechtschreibung in der schule und sonst nirgends lernt. Deshalb wird sich jede reform früher oder später durchsetzen, und deshalb ist es nicht ein "glaube" an die norm, sondern eine politische verantwortung.

2. 1. 1997

: Narrenfreiheit des Weilheimer Gymnasiallehrers. Süddeutsche Zeitung, , Leserbriefe (648 wörter)
Dabei arbeiten die Herren Denk & Co. […] mit Mitteln der Irre­führung und Manipulation. So zitieren sie den Herrn Bundes­präsidenten bewußt verkürzt. Prof. Dr. Roman Herzog hat […] gesagt, er halte die Rechtschreib­reform für „überflüssig wie einen Kropf”; für ebenso über­flüssig halte er auch die Aufregung über die Reform. Er selbst werde seine Schreibung nicht umstellen, was sein gutes Recht ist!

1997

: WIR gegen die Rechtschreibreform: Beitr. v. Günter Grass, Siegfried Lenz u. a. Econ, . 240 s. m. 20 sw-abb., 21,5 cm, kartoniert. 29.80 DM. Erscheint nicht laut verlag.